Auf gleicher Wellenlänge

Licht und Architektur: Das Seehotel in Zeulenroda

Ursprünglich war der Gebäudekomplex direkt am See in Zeulenroda/Thüringen ein typisches Beispiel der DDR-Ferienarchitektur aus den 70er Jahren. Als Ferienheim des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) bot es bis zu 1.000 Gästen Platz. Nach der Wende noch bis 1997 in Betrieb, konnte 1999 der Abriß der landschaftlich reizvoll gelegenen Immobilie rechtzeitig verhindert werden. Architekten und Designer haben das ehemalige Gebäude durch Teilabriß, Entkernung und Umbau in ein attraktives 4-Sterne-Hotel mit 138 Zimmern und Suiten verwandelt. Umgesetzt wurde im Zuge der Baumaßnahmen ein ausgesprochen attraktives Beleuchtungskonzept.

14. August 2003

Der Angebotsschwerpunkt ist auf die Durchführung von Tagungen und Konferenzen sowie auf Fitneß- und Wellneßaufenthalte ausgerichtet. Dabei konnten zwei Drittel der ursprünglichen Bausubstanz erhalten bleiben. Grundidee bei der Planung war eine vorsichtige, organische Überformung, aus der schließlich das Entwurfsprinzip dezent geschwungener Linien und Körper entstand. Wesentliche Veränderungen der Gesamtkubatur und der äußeren Erscheinungsweise erzielte man durch den Rückbau des Dachgeschosses und seinen Wiederaufbau als großzügig verglastes Panoramageschoß, die Einfügung eines Atriums mit geschwungener Glasfassade und die Erneuerung beziehungsweise Umgestaltung von Dach und Fassade des seeseitigen Gebäudesegments. In seiner architektonischen Formensprache greift das neue Seehotel das Ambiente der hügeligen Landschaft des Thüringer Vogtlandes auf und symbolisiert durch seine Wellenform das Element, dem es aufgrund seiner idyllischen Lage am See den Namen verdankt.

Klare Formensprache

In Bezug zur Architektur und ihrer Symbolik wurde auch die innenarchitektonische Konzeption entwickelt. & uot;Die Gestaltungsidee beruht auf der Umsetzung einer einfachen, klaren Formensprache, die aus der Spannung des Kontrastes zwischen den geometrischen Grundformen Kreis, Ellipse, Welle und geradliniger Formen entsteht& uot;, erläutert die Innenarchitektin Eva Kaluza. Das Beleuchtungskonzept des Hotels ist ein Bestandteil dieses ganzheitlichen gestalterischen Konzepts.

Umgesetzt wurde dieses u.a. mit Regiolux, Königsberg. Viele der unterschiedlichen lichttechnischen Anforderungen im Hotel konnten bereits mit dem Standard-Leuchtenprogramm adäquat umgesetzt werden. Wo spezifische Akzente im Sinne des Corporate Design gefordert waren, entwickelte der Leuchtenspezialist in enger Kooperation mit Architekten und Lichtplanern individuelle Lösungen.

Eine echte Herausforderung stellten dabei die langen und schmalen Flure dar. Um sie abwechslungsreicher und interessanter erscheinen zu lassen, wurde für diesen Bereich eine Sonderleuchte angefertigt, die das Symbol der Welle aufgreift. Angepaßt an die gesamte Breite der Decke, entsteht durch die wiederkehrende Anordnung der Einzelleuchten ein durchgängiges Muster. Im Querschnitt entspricht diese Leuchte, die mit zwei 39 Watt Leuchtstofflampen ausgestattet ist, nahezu einem Viertelkreis, so daß das Licht über die gebogene Reflexionsfläche in den Raum geleitet wird.

Das Leuchtmittel selbst bleibt dabei unsichtbar. Auf effektvolle Weise wird der & uot;Wellenrücken& uot; beleuchtet und damit hervorgehoben. An den Wandflächen entsteht durch die Form der Leuchte eine Lichtstruktur, die ebenfalls an Lichtspiegelungen im Wasser erinnert. Mit unterschiedlicher Farbgebung der Deckenstruktur sorgt diese Sonderleuchte für weiches, warmes Licht im Flur der Gästezimmer bzw. für sachliche Atmosphäre im Konferenzflur.

Weiche Lichtverteilung im Raum

Wiederkehrende Elemente der Innenarchitektur sind die eleganten, in ovaler Form verkleideten Stützen mit integrierter Beleuchtung. Man findet sie im Bereich des Restaurants und des Eingangsbereichs, bei Rezeption und Lobby. Das Licht wird durch eine opalweiße Kunststoffabdeckung gestreut und weich im Raum verteilt. Gleichzeitig dient diese Abdeckscheibe auch zur Entblendung der dahinter liegenden Möbelleuchten. Eine gleichmäßige, selbst für den direkten Blick angenehme Leuchtdichte & uot;entmaterialisiert& uot; die statisch notwendigen Stützen.

Eine indirekte Deckenbeleuchtung im klassischen Sinne erhielt das Kaminzimmer. Dadurch konnten zwei Wirkungen erzielt werden: Die relativ niedrige Raumhöhe wird einerseits optisch angehoben, andererseits kann der Raum durch eine bereits vordefinierte Dimmung der Lichtleisten mittels elektronischer Vorschaltgeräte je nach Tageszeit und gewünschter Atmosphäre in die entsprechende Stimmung getaucht werden. Durch die gewählte Unterteilung der Decke wird außerdem der Blick auf den Kamin als zentralen Punkt des Raumes gelenkt.

Sonderlösung für Bowling-Bahn

Ein Beispiel für die Lichtinszenierung der besonderen Art zeigt der Bereich der Bowling-Bahn. Üblicherweise werden solche Anlagen mit Indirektlicht gleichmäßig ausgeleuchtet, wobei eine Anordnung mit Seitenblende unangenehme Reflexe auf der polierten Bahnoberfläche verhindert. In diesem Fall wurde ein weiterer optischer Reiz geschaffen, indem zusätzlich angebrachte Lichtleisten mit & uot;Schwarzlicht& uot;- Lampen bestückt wurden.

Dies hat den Effekt, daß sowohl der Belag der Bowlingbahn als auch die farbigen Bowlingkugeln durch Wandlung der nicht sichtbaren Strahlung in sichtbares Licht scheinbar zu leuchten beginnen. Die Aufmerksamkeit wird noch gezielter auf die Bowlingbahn und die sich darauf bewegenden Kugeln gelenkt. Außerdem wird der & uot;technische& uot; Raumeindruck weiter unterstützt. Da das von diesen Lampen ausgehende Licht kaum sichtbare Anteile enthält, kann hier mit einer frei strahlenden Lampe gearbeitet werden - eine Reflexblendung ist ausgeschlossen. Durch diese Lampenanordnung und Bestückung konnte mit einfachen Mitteln ein verblüffender Effekt und eine zum Ambiente passende Lichtstimmung erzielt werden.

Fazit:

Das Seehotel in Zeulenroda beweist, welche lichttechnischen Lösungen heute möglich sind. Was hier in großem Maßstab umgesetzt wurde, läßt sich problemlos auch auf den kleineren Objektbereich übertragen. Gefragt sind dabei neben den planerischen Fähigkeiten vor allem Phantasie und Kreativität.

Erschienen in Ausgabe: 05/2003