»Barrierefrei wohnen plus«

Technik

Stiebel Eltron. - Die Neubauten in Münster-Mecklenbeck assoziieren Frische und sonnige Stimmung. Terrassen und Balkone orientieren sich zum Innenhof. Innovative Wärmepumpentechnik sorgt für Energieeffizienz.

26. August 2011

Ab dem 50. Lebensjahr denken viele Menschen über einen nochmaligen Wohnungswechsel nach. Ihre Motive sind vielseitig, doch ein Beweggrund ist allen gemein: Die neue Wohnung soll langfristig zur Lebenssituation passen. Im grünen Stadtteil Mecklenbeck in Münster entstand auf der ehemaligen ,Kirchwiese die erste barrierefreie Wohnanlage, die ein optionales Altenpflegekonzept vorsieht. Auch in ökologischer und ökonomischer Hinsicht verdient das Projekt Anerkennung: Eine Wärmepumpen-Anlage von Stiebel Eltron trägt zur nachhaltigen Energieeinsparung bei. Es war eine einmalige Chance, als die evangelische Johannes-Kirchengemeinde Münster in unmittelbarer Nähe des evangelischen Altenhilfezentrums Meckmannhof ein Grundstück zur Bebauung von Wohnhäusern zur Verfügung stellte.

Für die P+S Planung und Schlüsselfertigbau GmbH und deren Projektentwickler Andreas van der Meulen stand von vorneherein fest: Das Erbpachtgrundstück in grüner Lage mit guter Infrastruktur war für den barrierefreien Wohnungsbau prädestiniert. „Angestrebt haben wir von Anfang an eine Durchmischung der Generationen – um eine soziale Trennung der Altersklassen zu vermeiden. Außerdem sollen jüngere und ältere Menschen durch gegenseitige Kontakte profitieren“, erklärt van der Meulen. „Die meisten Menschen wollen nicht über ihr Alter definiert werden. Speziell als ,altengerecht ausgewiesene Wohnsiedlungen finden deshalb oft nur sehr wenig Akzeptanz.“

Die starke Nachfrage beweist der seit mehr als 25 Jahren im Wohnungsbau tätigen P+S Planung und Schlüsselfertigbau den Erfolg des in Münster-Mecklenbeck entstandenen innovativen Wohnprojektes, das man auch als „barrierefrei wohnen plus“ bezeichnen könnte: Alle Wohnungen waren bereits vor der Fertigstellung im Dezember 2009 verkauft, die jüngste Bewohnerin ist sieben Jahre, die älteste 87.

Wo Jung und Alt zusammen wohnen, da sind Toleranz und Offenheit zwingend notwendig. Daher haben die Planer das Mecklenbecker Vorzeigeobjekt hinsichtlich seiner Funktionen genau durchdacht: Neben 35 barrierefreien Wohneinheiten mit Wohnungsgrößen zwischen 62 und 114 m² wurde auch ein zentraler, etwa 85 m² großer Gemeinschaftsbereich und ein großzügiger Innenhof geschaffen, den die Bewohner gemeinsam liebevoll gestalten und pflegen.

„Im Laufe der Monate und Jahreszeiten verändert sich die Gestalt der Wohnanlage permanent – das ist auch so gewünscht, denn es beeinflusst die Agilität unserer Senioren positiv“, erklärt Architekt Frank Reinsch vom Architekturbüro Reinsch, der die Wohnanlage geplant hat. Inmitten der lebendigen, warmen Farbgebung der Fassaden, die mal mit zurückhaltenden, mal kräftigen Farben auf Lichteinfall und Himmelsrichtung abgestimmt sind, halten sich alle Bewohner gerne auf.

Kommunikation ist gewünscht und wird hier aktiv gelebt. Daher orientieren sich auch die Terrassen und Balkone zum Innenhof, alle Zugänge sind barrierefrei. Die drei um den Innenhof angeordneten Gebäude bilden einen zusammenhängenden Komplex – verbunden durch zwei Treppenhäuser und einen Aufzugsbereich. Ein vierter Gebäuderiegel mit eigenem Aufzug schirmt den Schall der Straße zum Innenhof ab. Über breite Laubengänge, die für die Eigentümer zusätzliche Aufenthalts- und Kommunikationsqualität bieten, lassen sich die Wohnungen auf allen drei Wohnetagen und das Kellergeschoss mit der Tiefgarage und den Kellerräumen schwellenlos erreichen.

Jede Wohneinheit ist so konzipiert, dass aus dem Wohnbereich später jederzeit ein Schlafzimmer werden kann – beispielsweise, wenn jemand pflegebedürftig wird. Die Wohnungen verfügen über offene Küchen, die auf Wunsch auch geschlossen werden können. Alle Bäder haben bodengleiche Duschen und breite Türen, die auch mit einem Rollator oder Rollstuhl durchfahren werden können.

Die Besonderheit des Wohnparks ,Kirchwiese liegt für ältere Bewohner jedoch vor allem in der Anbindung an das unmittelbar benachbarte evangelische Altenhilfezentrum Meckmannhof. Andreas van der Meulen hat sich für eine Kooperation stark gemacht und während der Planungsphase zahlreiche Gespräche mit der evangelischen Kirche und der Pflegeeinrichtung geführt: „Zu einem nachhaltigen Wohnkonzept gehört immer ein Blick über den Tellerrand. Die Lage des Wohnparks direkt neben der Altenpflegeeinrichtung ist außergewöhnlich günstig, sodass es selbst stark bewegungseingeschränkten Bewohnern möglich sein wird, bis ins hohe Alter selbstständig zu wohnen.“

Das breite Angebot des Altenhilfezentrums ist katalogisiert, alle Bewohner haben Einblick. Vor allem die Älteren sind beruhigt, Serviceleistungen im Bedarfsfall jederzeit und in vielen Facetten in Anspruch nehmen zu können – vom warmen Mittagessen über die Nutzung der Sport- und Aktionsangebote bis hin zur Betreuung (Pflegestufen 1 bis 3) in den eigenen vier Wänden.

„Durch unsere klare Haltung zu Qualität, Ökologie, Architektur und Innovation schaffen wir Lebensräume, in denen Menschen gerne zu Hause sind“, erläutert der Architekt Frank Reinsch. „Mit dem Wohnpark ,Kirchwiese haben wir unsere Vision von harmonischem, generationsübergreifendem Wohnen realisiert. Energiesparende Bauweise, ,Mehrwert-Architektur und ein überaus attraktives Wohnumfeld stehen im Einklang miteinander.“

Damit das Neubau-Ensemble sowohl in ökologischer als auch in ökonomischer Hinsicht ein Erfolgsprojekt wurde, saßen TGA-Fachplaner Jochen Liebezeit und die Architekten von Anfang an gleichberechtigt am Planungstisch. Denn nur so ließ sich die Frage klären, wie man nach der gültigen EnEV bauen, dämmen und belüften muss, um Erstellungs- und Betriebskosten weitgehend zu minimieren. Im Hinblick auf die Beheizung und Warmwasserbereitung erfolgte im Vorfeld eine Wirtschaftlichkeitsberechnung. Untersucht wurden hierbei die Systeme für Kraft-Wärme-Kopplung, Gas-Brennwert-Technik sowie Luft/Wasser-Wärmepumpen und Sole/Wasser-Wärmepumpen. Eine Wasser/Wasser-Wärmepumpe kam nicht in Betracht, da das Grundwasser in Münster stark manganhaltig ist.

Die Ergebnisse favorisierten ein Sole/Wasser-Wärmepumpensystem – als langfristig effiziente Lösung. „Die EU fordert den Einsatz von Systemen zur Nutzung regenerativer Energien, um Ressourcen und Umwelt zu schonen. Eigentümer profitieren zudem von niedrigen Nebenkosten sowie vom langfristigen Werterhalt ihrer Immobilie“, unterstreicht der TGA-Ingenieur.

Bei der Herstellerwahl vertraute das Planungsteam auf die Produkte von Stiebel Eltron und holte sich den versierten Vertriebsbeauftragten Markus Schulte mit ins Boot. Architekt Frank Reinsch berichtet: „Wir kennen das Unternehmen schon seit vielen Jahren, haben Architekten- und Fachplaner-Schulungen in Holzminden besucht und wissen, dass die Wärmepumpen von Stiebel Eltron stets konsequent und erfolgreich weiterentwickelt werden. Daher können wir beruhigt in diese Anlagen vertrauen, die in jedem Fall dem neuesten Stand der Technik entsprechen.“ Zur optimalen Zirkulation des Heizungswassers und Verkürzung der Leitungswege an das Trinkwassersystem wurden zwei identische Anlagen in zwei separaten Heizräumen konzipiert. Jede Anlage besteht aus einer Sole/Wasser-Wärmepumpe WPF 66 mit 69 kW Heizleistung (bei B0/W35), einem 1.500-Liter-Pufferspeicher sowie einem 700-Liter-Warmwasserspeicher.

Zur Gewinnung der Erdwärme hatte die Brunnenbau-Firma Fendesack aus Rheine insgesamt 2.700 Bohrmeter auf 18 Bohrungen à 150 Meter Tiefe realisiert. Jede Heiz-Anlage bezieht regenerative Umweltwärme aus neun Erdsonden. Die ausreichende Beheizung und Warmwasserbereitung für insgesamt 2.731 m² Wohnfläche in 35 Wohneinheiten ist somit sichergestellt. Im gesamten Wohnkomplex wird die Wärme über Fußbodenheizungen verteilt, was alle Bewohner als sehr komfortabel und angenehm empfinden. Der Handtuchheizkörper in den Bädern sorgt für zusätzlichen Komfort für die Bewohner.

Entscheidungsfreiheit beim Lüften schon in der Projektphase sind intensive Gespräche mit allen zukünftigen Bewohnern geführt worden, um sie für das Thema Lüftung zu sensibilisieren. So konnte jeder Bewohner selber wählen, ob sofort oder später eine Lüftungsanlage bzw. eine Be- und Entlüftungsanlage eingebaut werden soll.

Fast die Hälfte der Bewohner hat sich schon im Vorhinein für eine Lüftungsanlage entschieden, die von dem ausführenden Sanitär-, Heizungs- und Lüftungsfachbetrieb Kloppenborg aus Emsdetten installiert und in Betrieb genommen wurde. Die anderen Bewohner haben sich erst einmal bewusst gegen eine Installation entschieden, da die Wohnungsgrundrisse ein Stoßlüften gut ermöglichen und jederzeit eine Lüftungsanlage nachträglich installiert werden kann.

Wärmepumpe mit Zukunft

Wenn es um das Heizsystem der Zukunft geht, dann kommt der Wärmepumpentechnik mit die größte Bedeutung zu. Allein die Entwicklung der letzten Jahre zeigt den rasanten Aufstieg dieser zukunftsweisenden Technik, die nicht nur energetisch erste Wahl ist, sondern auch bei der Umstellung von Atomkraft auf regenerative Energien als Speicher für Windkraft & Co. eine maßgebliche Rolle spielen wird.

Erschienen in Ausgabe: 05/2011