Basis für die Zukunft

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Vor drei Jahren hat die Software-Familie die Weichen für eine kontinuierliche harmonische Übergabe gestellt. Gemeinsam mit der nächsten Generation teilen die Firmengründer die Liebe und Verbundenheit zu ihrem Unternehmen und den Produkten. g+h sprach mit Kerstin und Matthias Moser über den intensiven Austausch in diesem Prozess und die langfristigen Ziele.

20. Februar 2013

Vor zwei Jahren haben wir schon einmal über Ihren wirklich außergewöhnlichen Familienbetrieb gesprochen. Hätten Sie die Wahl, würden Sie das Konzept wiederholen?

K. Moser: Ich würde den Weg, mit all den verschiedenen Schritten auf jeden Fall wieder so gehen. Erst eine Banklehre, dann der Einstieg hier – zunächst als rechte Hand meiner Mutter in der Administration – bis ich schließlich das Marketing für mich entdeckt habe. Zudem habe ich im letzten Jahr ein berufsbegleitendes Studium mit den Schwerpunkten Marketing und Wirtschaftsinformatik erfolgreich abgeschlossen. Bei meinen Brüdern sieht es ähnlich aus. Max kann im Vertrieb seine Talente optimal ausspielen und Christian hat – auch berufsbegleitend – Informatik studiert.

Die drei Geschäftsbereiche, für die wir verantwortlich sein werden oder zum Teil schon sind, stellen das Familienunternehmen optimal für die Zukunft auf. Diese Kontinuität und Stabilität sind auf lange Sicht unsere Stärke.

M. Moser: Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Wir haben natürlich auch das Glück, dass das in unserer Familie funktioniert.

Das ist aber auch nicht selbstverständlich.

M. Moser: Nein, das ist nicht selbstverständlich. Ich behaupte jetzt einmal, das haben wir uns erarbeitet, pädagogisch, sozial und familienmäßig. Glück hat auf Dauer nur der Tüchtige. Und diese Entwicklung gibt allen Sicherheit. Unsere Kunden möchten ihre EDV langfristig nutzen und können sich darauf verlassen, dass es hier weitergeht. Gleiches gilt für unsere Mitarbeiter. Sie können jetzt langfristig davon ausgehen, dass sich nichts ändert.

Frau Moser, was schätzen Sie besonders an Ihren Eltern als Geschäftsführer?

K. Moser: Besonders wichtig sind die Offenheit und das gegenseitige Vertrauen. Wir können über alles reden, auch wenn wir mal unterschiedlicher Meinung sind. Hinzu kommen der Zusammenhalt und diese Stabilität, die meine Eltern ausstrahlen. Das gilt letztendlich für die ganze Familie. Wir verstehen uns ausgesprochen gut und ergänzen uns optimal. Ein Unternehmen ist ja wie ein Organismus, eins greift ins andere. Das ist die Basis für das Unternehmen Moser und letztendlich auch für unsere Zukunft.

Und Herr Moser, was schätzen Sie besonders an Ihren Kindern?

M. Moser: Im Grunde natürlich das Gleiche, weil es ja auch nur wechselseitig funktioniert. Zudem pflegen wir eine sehr hohe Streitkultur. Schönes Wetter funktioniert ja immer. Wir legen Wert darauf, mit einer qualifizierten Auseinandersetzung auch schlechtes Wetter gut zu überstehen, dass unterschiedliche Meinungen und auch stark emotional gefärbte Meinungsverschiedenheiten auf eine vernünftige Art und Weise ausgetragen werden.

Sie hatten ja schon einen Generationswechsel angesprochen. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

K. Moser: Einmal durch den intensiven Austausch von Informationen und den Erfahrungswerten unserer Eltern. Zum anderen bereiten meine Geschwister und ich uns intensiv auf die anstehenden Aufgaben vor und erarbeiten uns eigene Ideen und Pläne für die Zukunft, die dann in großem Kreis besprochen werden. So sind alle vorbereitet, wenn wir irgendwann in der Verantwortung stehen und das Unternehmen weiterführen.

M. Moser: Punktuell beauftragen wir auch externe professionelle Hilfe und kochen nicht alles selbst. Man geht ja auch mal in ein Restaurant zum Essen. Darum nehmen wir gut beleumundete Berater für Workshops oder auch Einzelgespräche in Anspruch.

Welche Zeitspanne setzen Sie sich für die Übergabe als Ziel?

M. Moser: Zehn Jahre. Wir haben es an meinem Lebensalter festgemacht. Als ich 55 war, haben wir anfangen. Wenn ich 65 bin, sollte es abgeschlossen sein. Auf dieser Timeline sind jetzt knapp drei Jahre vergangen. In einer Kurve betrachtet, steigt diese am Anfang langsam an und wird mit der Zeit immer steiler. Ich gehe einmal davon aus, dass in zwei bis drei Jahren Breakeven ist, dann fällt die Kurve wieder ab.

Frau Moser, wird es für Sie und Ihre Geschwister schwer, in die Fußstapfen so erfolgreicher Eltern zu treten?

K. Moser: Nein. Das sehe ich eher positiv. Unsere Eltern sind ja unsere Vorbilder und wir sind sehr stolz darauf, was sie in den letzten 34 Jahren aus dem Unternehmen gemacht haben. Es motiviert uns das weiterzuführen und vielleicht noch ein bisschen draufzusetzen. Wir drei sind sehr ehrgeizig, haben eine gewisse Eigendynamik und sehr, sehr viele Ideen. Die Zukunft wird sicherlich sehr interessant werden.

Die Nachfolgeregelung ist ein wichtiger Aspekt in Familienunternehmen. Welche Perspektiven hat Moser in der nächsten Generation?

K. Moser: Die Perspektive ist weiterhin unsere Software für den Mittelstand bis 500 Mitarbeiter. Hier konnten wir in der Vergangenheit sehr viele Neukunden gewinnen. Für diese Klientel sind wir der ideale Partner, weil wir genauso denken wie sie und deren langfristiger Partner sein können. Das ist unser Ziel.

Wie sieht Ihre strategische Personalpolitik aus?

M. Moser: Seit 1987 sind wir Ausbildungsbetrieb, das reicht heute nicht mehr. Darum unterstützen wir seit zweieinhalb Jahren das duale und das berufsbegleitende Studium. Wir haben ja die schöne Situation, dass man in Mönchengladbach berufsbegleitend BWL studieren kann. Im Service haben wir junge Leute, die mit einer Ausbildung als IT-Systemkaufmann/-frau angefangen haben und dann von uns übernommen wurden, weil sie richtig gut waren und auch das Herz für Kunden haben. Die können dann zum Beispiel parallel ihren Bachelor of Arts machen und in unser Consulting-Geschäft einsteigen. Gleiches gilt für Softwareentwickler und einem dualen Studium. Wir haben mit der RWTH in Aachen die beste technische Hochschule vor der Haustür. Also strategische Ausbildungs-, Nachwuchsförderungs- und Personalpolitik ist uns sehr wichtig. Wir achten auch darauf, dass unser Personalstamm mit einer gleichmäßigen Altersstruktur ausgestattet ist.

Bitte erzählen Sie mir etwas über Ihre Produkte. Stehen in nächster Zeit Neuerungen beziehungsweise Erweiterungen an?

K. Moser: Wir bauen auf unsere beiden bestehenden Produkte auf. Mosaik, eine sehr anspruchsvolle betriebswirtschaftliche Lösung für den Mittelstand, hat die nötigen Bausteine, um alle operativen Unternehmensprozesse abzubilden. Die Kunden kommen vorwiegend aus den Bereichen Dienstleistung, Handwerk, produzierendes Gewerbe und Service. Also die technischen, haustechnischen, gebäudetechnischen und industrietechnischen Branchen.

M. Moser: Die Würth-Studie aus dem Jahr 2011 zeigt auf, dass Handwerksbetriebe, die ihr Leistungsspektrum erweitern, zunehmen werden oder jedenfalls ein positives Momentum bekommen. Mosaik hat eine offene Softwarearchitektur und spielt mit seinen branchenspezifischen Bausteinen, speziell in fach- und gewerkübergreifenden Arbeiten, seine Vorteile komplett aus.

K. Moser: Kleine Handwerksbetriebe, Ein-Mann-Unternehmen oder Existenzgründer sind mit Diabolo sehr gut bedient. Mit der Bürosoftware kann man einfache kaufmännischen Prozesse und Arbeitsschritte abwickeln. Die Grundversion lässt sich kostenfrei im Internet herunterladen. Damit kann man schon Angebote schreiben, Rechnungen stellen und Stammdaten verwalten. Wenn der Betrieb wächst, kann er auch hier mit Baukästen aufstocken oder komplett auf Mosaik umsteigen. Da die Programme untereinander kompatibel sind, ist das problemlos möglich.

Gibt es Kooperationen mit anderen Anbietern?

M. Moser: Seit einem halben Jahr haben wir gerade für diese Klein- und Kleinstbetriebe eine sinnvolle strategische Kooperation mit dem Auftragsbeschaffungsportal My Hammer. Die haben sich in den letzten Jahren schon sehr gewandelt und agieren heute entsprechend der Handwerksordnung. Von Diabolo gibt es eine spezielle kostenlose Edition für bestimmte Abos bei My Hammer. Kleine Betriebe haben dadurch ein sehr gutes Werkzeug bei der Auftragsgewinnung. Das ist ein Stück weit auch technologisch getrieben, weil heute eben viel im Web passiert. Sowohl privat als auch geschäftlich werden Einkäufe oder Aufgaben abends oder am Wochenende erledigt, wenn man eben Zeit und Lust hat.

Anwendungen für mobile Endgeräte sind ja in aller Munde. Welche Möglichkeiten sehen Sie da im Softwarebereich, oder was gibt es schon?

M. Moser: Es gibt ja drei verschiedene Betriebssysteme für mobile Anwendungen, das macht das Leben nicht einfacher. Sicherlich wird es da in Zukunft eine größere funktionale Zusammenführung geben. Welche Applikationen dann sinnvoll sind, hängt auch von den mobilen Endgeräten ab. Ich kann mir schwer vorstellen, dass eine komplexe Kalkulation auf einem I-Phone oder Android-Smartphone stattfindet. Da kommt eher ein Tablet in Frage. Dagegen ist eine Unternehmerübersicht klein, mittel oder groß darstellbar. Wir haben zwar eine ganze Reihe spezieller Applikationen, gehen aber davon aus, dass wir gerade was mobile Datenverarbeitung angeht erst am Anfang einer Entwicklung stehen.

Sicherlich ist insofern ein Durchbruch geschaffen, als es eine Akzeptanz und auch Kundenwünsche dafür gibt. Trotzdem sind wir meines Erachtens in der Aufbruchsphase und noch nicht in einer konsolidierten Nutzungsphase. Man muss auch differenzieren zwischen dem Nutzungsverhalten kleinerer und größerer Betriebe. Größere Betriebe wollen die mobile Nutzung in ihre IT-Infrastruktur integrieren, also zentral administrieren, Rechte vergeben, Userprofile haben und auch Nutzenprofile. Kleine möchten am liebsten „Google-Office-mäßig“ irgendwie alles machen. Das sind schon Herausforderungen. Kritisch anzumerken ist auch die vom Privaten herüber schwappende Erwartungshaltung, dass alles App-mäßig nur 1,99 € kostet, und das wird es nicht geben.

K. Moser: Einige Anwendungsbereiche bieten wir wie gesagt schon an. Zum Beispiel speziell für das technische Handwerk eine mobile Serviceauftragsabwicklung, auch für das Tablet. Außerdem das mobile Aufmaß, eine mobile Zeiterfassung und ein kleines Mobil-CRM. Möglich ist ebenfalls die mobile Nutzung der Projektverwaltung über ein Tablet.

Wie sieht die Akzeptanz im Handwerk aus?

K. Moser: Es gibt aufgeschlossene Handwerksbetriebe, die immer direkt mit dabei sind, aber die große Masse ist noch zurückhaltend. Sie sieht zwar die möglichen Vorteile, aber erstens müssen die ganzen Endgeräte angeschafft werden, und zweitens muss natürlich das mobile Kommunikationsnetz überall in voller Bandbreite verfügbar sein. Zudem muss man sich die Zeit nehmen, um sich damit zu beschäftigen und im Unternehmen entsprechendes Wissen aufbauen.

M. Moser: Es wird im Moment mehr geredet als gekauft. Was nicht so schlimm ist, auf diese Weise können sowohl die Kunden als auch wir einen etwas organischeren Pfad beschreiten. Gerade in unserer Branche wird schon mal gerne ein Wolkenkuckucksheim gebaut, aber es muss auch umgesetzt werden, die Monteure müssen sich umgewöhnen, und in der Führung müssen sie sich auch umgewöhnen.

Wie sieht es bei den mobilen Lösungen eigentlich mit der Datensicherheit aus?

M. Moser: Wir würden nie eine IT-Infrastruktur beratend gutheißen, die unseres Erachtens nicht die Sicherheitskriterien erfüllt. Nehmen wir die Cloud. Also ich persönlich – und das rate ich auch meinen Kunden – würde niemals auf einen Server von Microsoft, Amazon oder was auch immer für ein amerikanischer Anbieter, Daten auslagern. Im amerikanischen Rechtsraum herrscht ein anderes Verständnis von Privacy, also von Privatheit und Datensicherheit. Aber in einem Rechenzentrum der Deutschen Telekom in Frankfurt ist das sehr wohl möglich. Was die Datenübertragungswege angeht, gibt es heute Mechanismen, die einen verschlüsselten Zugriff vom Gerät auf den Server sicherstellen. Und auf einem Server kann ich heute auch ein sicheres IT-Umfeld herstellen. Es ist lediglich eine Sache des Wissens um die Konfiguration.

Spielt in Ihren Köpfen eine Zukunftsmusik, die sich heute noch niemand vorstellen kann?

M. Moser: Ja, die gibt es, aber darüber können wir heute natürlich noch nicht reden. Das ist auch Sache der nächsten Generation, aber es wird von uns in den nächsten Jahren, was die Technologie und das Gefühl mit Applikationen umzugehen angeht, auch ganz andere Dinge geben.

Zum Schluss einige Stichworte. - Peer Steinbrück

K. Moser: Ich beobachte Herrn Steinbrück mit Skepsis.

M. Moser: Seine Standpunkte sind richtig, er vertritt sie nur nicht offensiv genug. Die SPD hat auch keinen anderen. Herr Steinmeier ist ein bisschen zu anständig für dieses knallharte, eiskalte Gewerbe da oben. Und Herr Gabriel ist völlig unterirdisch.

Euro-Krise

K. Moser: Ein langer Weg, aber ich gehe davon aus, dass wir das schaffen werden.

M. Moser: Die Staaten müssen anfangen das zu tun, was der Private macht, nämlich solide wirtschaften.

Europa

K. Moser: Vielfalt, aber auch sehr viele Gegensätze.

M. Moser: Bedauerlicherweise haben die Südeuropäer andere Vorstellungen davon.

Flughafen Berlin

K. Moser: Mir fehlen die Worte.

M. Moser: Das kommt davon, wenn politische Emporkömmlinge wie Herr Wowereit weit jenseits ihrer intellektuellen Fähigkeiten agieren.

Ihre persönlichen Stärken

K. Moser: Ehrgeiz, Disziplin und Beharrlichkeit.

M. Moser: Strukturiertes Denken.

Und Ihre Schwächen

K. Moser: Ich würde das nicht als Schwäche bezeichnen: Emotion.

M. Moser: Ich habe es mir im Alter fast abgewöhnt, aber hin und wieder neige ich zu Schnellschüssen. Mit zunehmender Erfahrung wird die Zielgenauigkeit besser.

In die Rolle welcher Person würden Sie gern einmal schlüpfen?

K. Moser: Ich würde Frau Merkel gerne einmal einen Tag begleiten.

M. Moser: Ich würde mir wünschen, politisch wirklich etwas gestalten zu können.

Ihr Arzt gibt Ihnen noch ein Jahr, wie verbringen Sie die Zeit?

K. Moser: Ich würde definitiv weiter arbeiten, aber auch sehr viel Zeit mit der Familie verbringen.

M. Moser: Im ersten Monat würde ich meinen Verpflichtungen als Unternehmer nachkommen und in den restlichen elf Monaten würde ich meine Ersparnisse fürs Alter verjubeln.

Vielen Dank für das sehr interessante Gespräch.

Erschienen in Ausgabe: 01/2013