Baustelle Neuschwanstein

Technik

Bosch. - Moderne Technik sorgt im wohl bekanntesten Schloss Bayerns für den Schutz und die Sicherheit des Gebäudes und der zahlreichen Besucher. Saniert oder erweitert wurden neben der Brandmeldeanlage auch das Videoüberwachungssystem und die Personenrufanlage.

05. November 2012

Da das Schloss Neuschwanstein unter Denkmalschutz steht, musste in allen Bereichen mit besonderer Rücksichtnahme auf die Bausubstanz gearbeitet werden. Soweit wie möglich wurde das vorhandene Leitungsnetz genutzt, in einigen Bereichen war allerdings ein Kabelaustausch notwendig. In der Königswohnung konnten die neuen Kabel jedoch nicht mit der konventionellen Technik befestigt werden. Hier wurde statt dessen auf eine Klebtechnik zurückgegriffen. Insgesamt wurden laut Bosch 3.500 Meter Kabel neu verlegt.

In die Brandüberwachung sind die Dachgeschossbereiche und Technikräume des gesamten Schlosses sowie die Ausstellungsräume einbezogen. 120 automatische Brandmelder wachen hier rund um die Uhr. Im Bereich der Treppenhäuser stehen jetzt insgesamt 30 nichtautomatische Brandmelder zur Verfügung. Zwei Brandmeldezentralen Serie 2000 B nehmen die Meldungen auf.

Mit Rücksicht auf vorhandene oder gangbare Leitungswege wurden die Zentralen in der Kemenate auf der Südseite und im Ritterbau auf der Nordseite des Schlosses installiert. Die freizügige Wahl der Installationsorte wurde durch die SRT-Vernetzung (System-Ringbus-Technik) möglich. Durch diese besondere Vernetzung verhält sich jede der Anlagen wie eine Hauptzentrale gegenüber der jeweils anderen. Dadurch sind an beiden Zentralen ständig sämtliche Informationen abrufbar. Dies gestattet die Anschaltung der Brandmelder, Bedieneinheiten und anderer Brandmeldeperipherie mit kurzen Leitungswegen an die nächstgelegene Anlage.

Die wenigen vorhandenen und hoch ausgelasteten Trassen mussten nicht als Zubringer zusätzlich belastet werden. Die bereits vorhandenen Leitungen und Komponenten konnten über das Lokale Sicherheitsnetzwerk LSN vonBosch einfach in das neue System integriert werden, so das Unternehmen in einer Projektbeschreibung. „Die Installation aller Brandmelder auf fünf LSN-Ringen trug entscheidend zur Reduzierung des Leitungsnetzes bei. Die Bausubstanz des Schlosses konnte durch den kombinierten Einsatz von SRT und LSN geschont werden“, heißt es.

Im Brandüberwachungsbereich wurden 120 Mehrkriterien-Melder OT 400 LSN aus der Magic-Sens-Serie installiert. „Vorteil dieses Melders ist, dass er erst beim Auftreten von zwei typischen, über Algorithmen verknüpften Brandkenngrößen – Rauch und Wärme – Alarm auslöst“, so Bosch.

„Somit wird das Falschalarmrisiko wesentlich verringert. Die Montage stellte sich für unsere Mitarbeiter besonders anspruchsvoll dar, da Dachgeschoss und Türme über etwa 12 Meter Raumhöhe verfügen.“

Die dazu üblicherweise einzusetzenden Montagehilfen konnten aus verschiedensten Gründen nicht benutzt werden. So griff man auf die Bergsteigetechnik zurück, und die Monteure hingen an Seilgurten gesichert unter der Decke.

Hintergrund

Im Schloss wurden fünf lineare Rauchmelder vom Typ Fireray 2000 eingebaut. Die Melder beruhen auf dem Prinzip von Infrarot-Lichtschranken; bei einer Dämpfung des Lichtstrahls durch Rauch wird ein Alarm ausgelöst. Zwei Melder überwachen den zwischen Sängersaal und Dachgeschoss eingezogenen Zwischenboden. Jeweils ein Melder befindet sich im Dachgeschoss des Palais, im Café-Bistro sowie im Multimediaraum.

Beim Umbau der Brandmeldeanlage durfte die alte Anlage nicht abgeschaltet werden. Deshalb wurden die einzelnen Brandabschnitte Zug um Zug dem neuen System zugeführt und ohne Unterbrechung sofort in Betrieb genommen. Die Überwachung blieb somit vollständig erhalten, und es traten keine Verluste auf.

Erschienen in Ausgabe: 07/2012