„Bin kein grüner Romantiker“

Technik

Solar-World. - Mit jeder Kilowattstunde Eigenstrom sparen die Knoblochs rund sechs Cent. Logische Folge für jeden Eigenstrom-Produzenten: Möglichst viel selbst produzierte Energie im eigenen Haus nutzen, am besten dann, wenn viel davon anfällt.

07. März 2013

Familie Knobloch nutzt Sonnenstrom vom eigenen Dach – und das auch dann noch, wenn die Sonne längst untergegangen ist. Von der Terrasse der Nachbarn hat man einen guten Blick auf die Solarstromanlage der Knoblochs, doch dieser Anblick ist in dieser Siedlung nichts Ungewöhnliches. Die Besonderheit der Anlage befindet sich im Keller der Familie. Anders als üblich machen Katrin und Ralf Knobloch aus dem sächsischen Mittweida nicht nur ihren eigenen grünen Strom und speisen ihn komplett ins Netz ein: sie haben ihr System um eine Batterie erweitert und speichern darin den Strom, der auf ihrem Dach erzeugt wird.

So können sie ihn auch dann nutzen, wenn die Sonne nicht mehr scheint. Das Energiebündel im Vorratskeller der Familie heißt „Sun-Pac“. Der gelbe Speicher ist so groß wie vier Mineralwasserkisten, darüber hängen ein sogenannter Laderegler und die Stromzähler.

„Ich bin kein grüner Romantiker“, sagt Ralf Knobloch. „Ich will sauberen Strom, aber ich spare mit der PV-Anlage und der Batterie auch ordentlich Geld und ich erreiche einen gewissen Grad an Energie-Autonomie. Wenn der Strom zentral ausfällt, kann ich mit meiner Batterie einen Tag die wichtigsten Elektrogeräte im Haus mit meinem eigenem Strom weiter betreiben. Am kommenden Tag wird die Batterie dann wieder aufgeladen, sobald die Sonne scheint.“

Der Elektroingenieur rechnet vor: Auf dem 50m² großen, nach Osten und Westen ausgerichteten Dach produzieren 34 dunkelblaue Photovoltaik-Module 7.500 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Das ist viel mehr, als er und seine Familie im Haus verbrauchen können. Selbst nutzen sie ungefähr 50Prozent davon, den Rest speisen sie ins Netz und bekommen dafür die gesetzlich festgelegte Einspeisevergütung. Am meisten aber freut sich die Familie über selbst erzeugten „Knobloch-Eigenstrom“, mit dem sie den Strom aus der Steckdose ersetzen und ihre Stromrechnung reduzieren. Mit jeder Kilowattstunde Eigenstrom sparen die Knoblochs rund sechs Cent.

Logische Folge für jeden Eigenstrom-Produzenten: Möglichst viel selbst produzierte Energie im eigenen Haus nutzen, am besten dann, wenn viel davon anfällt.

Deshalb hat der Tüftler Ralf Knobloch nicht nur die ständig laufende Heizungspumpe, sondern auch die Waschmaschine direkt mit dem Solarstromsystem verbunden. Gewaschen wird inzwischen also am liebsten, wenn die Sonne scheint. Oder abends, wenn die Batterie nach einem schönen Tag voll aufgeladen ist. So schaffen es Knoblochs, die Hälfte ihres Strombedarfs direkt vom Dach selbst zu decken – das ist nicht nur günstig, sondern entlastet auch das Stromnetz: Der Strom muss gar nicht durchs Netz transportiert werden.

Die Kopplung mit der Waschmaschine, der Heizungspumpe, dem Kühlschrank und den wichtigsten Lampen und Steckdosen des Hauses macht aus der Solaranlage plus Batterie eine ziemlich innovative Angelegenheit. „Mein Installateur ist zwar Fachmann für Steuerungssysteme, aber so etwas wie hier hat er auch noch nie eingebaut“, sagt Knobloch. Gut geklappt habe das mit dem Speichersystem von Solar-World. „Das Gesamtsystem muss robust sein und zusammen mit einer Steuerung geliefert werden – wenn die Komponenten nicht zusammenpassen, wird das nichts.“

Die Leistung seiner Anlage und die Strombilanz im Haus kontrolliert Herr Knobloch mit einer speziell entwickelten Steuerungssoftware, die Solar-World kostenlos zu Verfügung stellt. Mit „Suntrol“, so heißt die Applikation, kann er jederzeit daheim am PC oder von unterwegs über das Smartphone schauen, wie viel Solarstrom seine Anlage gerade produziert, was seine Batterie speichert oder er im Haus verbraucht.

Übersichtliche Grafiken zeigen darüber hinaus die Erträge je Monat und Jahr. Bei einer eventuellen Störung der Solaranlage versendet Suntrol eine Nachricht an den Anlagenbesitzer und den jeweiligen Installateur, um direkt auf die Fehlfunktion hinzuweisen. Damit wird das Risiko von Leistungs- und Ertragsverlusten minimiert. Suntrol kann jeder Besitzer einer Solar-World-Solaranlage nutzen, unabhängig davon ob er ein zusätzliches Batteriesystem angeschlossen hat oder nicht. Die technische Entwicklung gibt Knobloch recht: In diesem Jahr kommen die ersten Batterien in den Handel, die einen dreiphasigen Anschluss haben und so die Steuerung von Verbrauchern im Haushalt enorm vereinfachen. Eines dieser dreiphasigen Systeme ist das Sun-Pac 2.0, das Nachfolgemodell des Sun-Pac S. Während dieses nur eine Hausphase mit Solarstrom versorgen konnte, kann mit dem Sun-Pac 2.0 jede Hausphase mit grünem Strom betrieben werden. Rein theoretisch ist damit die Vollversorgung eines Haushalts mit Sonnenstrom möglich.

Die Idee, saubere Energie im wahrsten Sinne des Wortes – in die richtigen Bahnen lenken zu können, scheint nicht nur die Knoblochs überzeugt zu haben. Das Sun-Pac, für das sich auch die Knoblochs entschieden haben, wurde Ende letzten Jahres mit dem Deutschen Energiesparpreis ausgezeichnet. Ins Leben gerufen von der Redaktion Energiesparen, dem Deutschen Energieberater Netzwerk DEN und der Bausparkasse Schwäbisch Hall, zeichnet der Preis innovative Produkte und clevere Lösungen, die beim Energiesparen in Haus und Wohnung helfen, aus. Von insgesamt 60 für den Energiesparpreis 2012 gemeldeten Produkten wählten über 100.000 Leserinnern und Leser online das Sun-Pac zum Sieger in der Kategorie „Strom sparen“.

Doch bei aller Begeisterung haben die Knoblochs während ihres Entscheidungsprozesses die finanziellen Aspekte nie aus den Augen verloren. Sonst hätte Katrin Knobloch dem Ganzen gar nicht zugestimmt, sagt sie. Für sie zähle, was unterm Strich rauskommt.

Hintergrund

Förderprogramm

Durch das KfW-Erneuerbare-Energien-Programm »Speicher« werden ab dem 1. Mai 2013 stationäre Batteriespeichersysteme in Verbindung mit einer netzgekoppelten Photovoltaikanlage durch zinsgünstige Darlehen der KfW gefördert. Hinzu kommt ein vom BMU finanzierter Tilgungszuschuss.

Erschienen in Ausgabe: 02/2013