Brandschutz macht Schule

Technik

Siemens. - Ob UV-Strahlung oder Nagetierverbiss: Im Außenbereich können Elektroleitungen schnell und oft unbemerkt beschädigt werden. Die Folge können gefährliche serielle Fehlerlichtbögen sein, die im schlimmsten Fall Schwel- und damit Gebäudebrände auslösen können. Man kann sich davor schützen.

05. Mai 2014

Der auf knapp 700 Höhenmeter gelegene Ferienort im Hochsauerlandkreis trägt seinen Namen zu Recht: Die Winter sind hart und schneereich. Eiszapfen sind damit an der Tagesordnung. Doch was auf Urlaubsfotos schön aussieht, birgt Gefahren. So können Eiszapfen bei Tauwetter abbrechen und Passanten gefährden.

Die in den Achtzigerjahren errichtete Katholische Grundschule Winterberg verfügte von Anfang an über beheizte Dachrinnen und Fallrohre. Die Anlage wurde nun aufgrund eines Defekts steuerungstechnisch modernisiert und zudem um eine entscheidende Komponente erweitert: In einer Kehle zwischen zwei Dachflächen drang immer wieder Schmelzwasser in die darunter liegenden Gebäudeteile. Deshalb wurde dieser Bereich mit zusätzlichen Heizschleifen ausgestattet. Diese sind auf einer Unterlage aus einem Verbundblech und einer speziellen Folie aufgeklebt und damit direkt der Witterung ausgesetzt. Für Elektromeister Anton Hoffmann, Projektleiter beim ausführenden Elektro-Meisterbetrieb Hankeln in Winterberg-Niedersfeld, war schnell klar: Heizschleifen und Elektroinstallation werden im Außenbereich besonders beansprucht, etwa durch UV-Strahlung, Nagetierverbiss oder Hagel. Beschädigte Isolierungen oder gequetschte Leitungen können allerdings unerwünschte, serielle Fehlerlichtbögen verursachen. Und herkömmliche Leitungs- und Fehlerstrom-Schutzschalter, wie sie auch die bestehenden VDE-Richtlinien vorschreiben, sind nicht auf die Detektion entsprechender Störungen ausgelegt. Deshalb war aus Sicht des Elektro-Profis ein zusätzlicher Schutz gefragt.

Elektromeister Hoffmann machte sich also auf die Suche nach einer Lösung, die diese Sicherheitslücke schließt. Fündig wurde er bei seinem Großhändler Sonepar Deutschland, Lippstadt in Form des Brandschutzschalters 5SM6 von Siemens. „Ein solcher Schalter hat bisher wirklich gefehlt, das ist eine gute Geschichte“, resümiert der Praktiker. Mit dem Sicherheitsargument überzeugte er auch seinen Auftraggeber, die Stadt Winterberg, von dem neuartigen Schutzgerät. „Sicherheit in Schulen ist für uns ein großes Thema und hat höchste Priorität“, bestätigt Sebastian Vielhaber, als Teamleiter Gebäudemanagement für die öffentlichen Gebäude der Stadt zuständig. Und der Hochbauingenieur weiß auch: „Über vieles, was heute technisch möglich ist, hat sich vor 20 Jahren noch keiner Gedanken gemacht. Deshalb ist es wichtig, gerade im Bereich Sicherheit immer auf dem aktuellen Stand zu sein, auch in Zukunft.“

Allein in Deutschland ist rund ein Drittel aller Brände auf Elektrizität als Brandursache zurückzuführen. Häufige Brandursache sind hierbei sogenannte Fehlerlichtbögen, die zum Beispiel bei Isolationsfehlern oder losen Kontakten in der Elektroinstallation auftreten können. Ob fehlerhafte Klemmverbindung oder gebrochenes Verlängerungskabel – schon ein kleiner Fehler kann schwere Folgen haben.

Der Brandschutzschalter ist ausgelegt bis 16 A Bemessungsstrom und wird in Kombination mit einem Leitungsschutzschalter (LS) oder mit Fehlerstrom-/Leitungsschutzschalter-Kombinationen (FI/LS-Schaltern) eingesetzt. Leitungsschutzschalter bieten Schutz bei Kurzschluss sowie vor Überlast. Sie trennen den Stromkreis bei parallelen Fehlerlichtbögen, die zwischen Außenleitern oder zwischen Außen- und Neutralleiter auftreten. Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen erfassen Fehlerströme und Fehlerlichtbögen gegen Erde. Serielle Fehlerlichtbögen können diese Schutzeinrichtungen nicht erkennen.

Der Brandschutzschalter hingegen erfasst nicht nur Strom und Fehlerspannung, sondern misst auch kontinuierlich das Hochfrequenzrauschen in dessen Intensität, Dauer und den dazwischen liegenden Lücken.

Norbert G. Wehning

Brandschutzschalter

Funktionsprinzip

Integrierte Filter in Verbindung mit intelligenter Software verarbeiten, analysieren und bewerten die spezifischen Signale nach einer Vielzahl von Kriterien. Sind die Bedingungen eines Fehlerlichtbogens erfüllt, wird der angeschlossene Stromkreis innerhalb von Sekundenbruchteilen abgeschaltet. Brandgefahren können so frühzeitig erkannt und unterbunden werden. Mittels einer Selbsttestfunktion überprüft der Brandschutzschalter zudem regelmäßig seine eigene Funktionsfähigkeit.

Erschienen in Ausgabe: 03/2014