Clevere Verteiler

Technik

Rittal. - Eine Steckdose gleicht der anderen. Das ist einmal so gewesen, denn heute enthalten intelligente Stromverteilungssysteme für IT-Racks – Power Distribution Units (PDUs) – viele Zusatzfunktionen. Aktuelle Modelle messen, schalten und überwachen die abgegebene Leistung.

31. Januar 2017
Mit intelligenten PDUs können Administratoren die Fernwartung vereinfachen. Ist ein IT-Schrank beispielsweise schwer zugänglich oder muss die Anlage auch am Wochenende betreut werden, ist eine PDU mit schaltbaren Steckern eine gute Hilfe, da sich per Fernzugriff einzelne Steckdosen schalten lassen. Darüber hinaus bieten intelligente PDUs ein hohes Energieeinsparpotenzial in Rechenzentren. Bildquelle: Rittal
Bild 1: Clevere Verteiler (Mit intelligenten PDUs können Administratoren die Fernwartung vereinfachen. Ist ein IT-Schrank beispielsweise schwer zugänglich oder muss die Anlage auch am Wochenende betreut werden, ist eine PDU mit schaltbaren Steckern eine gute Hilfe, da sich per Fernzugriff einzelne Steckdosen schalten lassen. Darüber hinaus bieten intelligente PDUs ein hohes Energieeinsparpotenzial in Rechenzentren. Bildquelle: Rittal)

Eine (Basic-) PDU ohne zusätzliche Funktion wird deshalb immer häufiger durch Geräte mit Energiemess-Funktion ersetzt. Rittal bietet mit der Produktreihe IT Power eine Serie von PDUs, die von einer einfachen Variante (Basic) bis hin zum High-End Modell (Managed) mit Strommessfähigkeit für jeden Ausgang reichen. Um sich für die richtige PDU zu entscheiden, sollte man die Anforderungen im IT-Rack genau zu kennen – und zwar bis hinunter zu jedem Server-Rack.

Ein erstes Entscheidungskriterium sind Bauform & Mechanik. Wie einfach und wie viele PDUs können in den vorhandenen Server- oder Netzwerkschrank montiert werden? Können die PDUs überhaupt sinnvoll im Rack eingesetzt werden? Ist die Lösung nicht nur für den Moment, sondern langfristig im voll ausgebauten Rack und veränderten Servergenerationen einsetzbar? Größere PDUs haben entsprechenden Platzbedarf, hinzu kommen die eingesteckten Stecker mit Kabel. Geht es schon recht eng im Rack zu, kann das zu Problemen führen. Idealerweise passen die Leisten in den Zero-U-Space, also den Raum zwischen Seitenwand und 19“-Montagerahmen.

Dort belegen sie keine Höheneinheiten (1 HE = 44,45 mm) in der 19“-Ebene (Rackspace) und sind leicht zu erreichen. Natürlich muss auch die Leistungsfähigkeit stimmen. Sind im Rack viele Einzelgeräte verbaut (Server mit 1 HE) oder kommen vier große Blade-Server (mit 6 bis 10 HE und mehr je einzelnem Blade Chassis) zum Einsatz? Davon hängen die Anzahl der Steckdosen und deren Maximalleistung ab. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn die einzelnen Steckdosen über die PDU separat geschaltet werden sollen. Produkte von Rittal verfügen über eine Verteilleistung von 22 kW je PDU, in Einzelfällen können bis zu 44 kW Verteilleistungen bei speziellen Blade-PDUs erreicht werden. Entscheidungskriterium zwei sind die Steckverbinder. Welchen Steckertyp nutzen die Endgeräte? In Deutschland wird oft noch die Schutzkontaktsteckdose genutzt. International übliche C13/C19-Steckplätze nach IEC 60320 hingegen sparen viel Platz.

Entscheidungskriterium drei ist die Schaltfunktionalität. In der Regel unterteilen die Hersteller ihr Produktprogramm in Varianten mit Mess- sowie in Angebote mit Mess- & Schaltfunktion. Der Grund: Eine PDU mit Schaltfunktionalität ist nicht in jeder Kundenanwendung gewünscht. Die Möglichkeit, ferngesteuert auf die Stromversorgung eines Servers einzuwirken, ist bei 24/7 mit Personal besetzen Rechenzentren unnötig bzw. wird nicht gewollt. Bei unbemannt betriebenen Standorten sind Fernzugänge häufig der einzige Weg, um Support zu leisten. Idealerweise werden hier PDUs mit bistabilen Relais eingesetzt. Sie verbleiben stromlos in ihrem jeweiligen Schaltzustand und reduzieren so den Eigenverbrauch einer PDU auf unter 15W.

Entscheidungskriterium vier heißt Rechteverwaltung & Zugriffsschutz . Wichtig ist eine klare Regelung, wer Zugriff auf die Steuerungsmöglichkeit einer PDU bekommt. Moderne PDUs haben Clients für Verzeichnisdienste integriert, sie können über LDAP (Lightweight Directory Access Protocol, Anwendungsprotokoll der Netzwerktechnik) an das Active Directory (Verzeichnisdienst von Microsoft) oder einen anderen Verzeichnisdienst angeschlossen werden. Was die PDU tatsächlich an Messwerten liefern muss, ist eine individuelle Entscheidung. Geht es nur um die Energieeffizienz (Power Usage Effectiveness, PUE), reichen eventuell die Leistungen und Ströme in den einzelnen Phasen, die in das Rechenzentrum hinein führen. Ungenutzte Potenziale und Veränderungen der Lastaufnahme durch neue Anwendungen sind so aber nicht erkennbar.

Eine Messung von Strom und Spannung bis auf Rack-Ebene ist die Mindestanforderung, um einen verwertbaren Einblick in die energetischen Zustände im Rechenzentrum zu erhalten. Häufig entdeckten Kunden nach der flächendeckenden Installation von PDUs mit Messfunktion, dass scheinbar ausgelastete Stromversorgungen in der Praxis noch viel ungenutztes Potenzial enthielten. Meist lassen sich auch Schwellwerte für den Verbrauch setzen, sodass der Administrator bei steigender Auslastung automatisch informiert wird. Insbesondere wenn drei Phasen genutzt werden, ist die symmetrische Lastverteilung von essenzieller Bedeutung. Dabei kann eine Phasenauslastungsanzeige viel Planungs- und Testaufwand ersparen, weil sie das Verhältnis der Auslastung optimal darstellt.

Erschienen in Ausgabe: 01/2017