Dabei sein ist alles ach du liebes Gott!

Glosse

Immer wenn ich für diese Rubrik meinen Text verfasse, denke ich, wie schnell die Zeit doch vergeht.

11. Februar 2013

Schon wieder ein neues Jahr und schon wieder ist alles beim Alten geblieben. Auch die letzten beiden Monate brachten kaum Erwähnenswertes; und dennoch werfen sich mir Fragen auf. Kennen Sie eigentlich die drei größten Flüsse Malis? Können Sie mir drei Städtenamen nennen? Wie heißt der Präsident von Mali und seit wann ist Mali Mali? Ja, Fragen über Fragen; die meisten haben keine Antwort darauf und dennoch unterstützen wir die Franzosen auf ihrem Feldzug. Gegen wen? Und mit welchem Ziel?

Sie müssen diese Fragen nicht beantworten. Letztlich werden sie auch nicht von unseren Politikern beantwortet. Die wissen nicht mehr als Sie und ich (eher weniger). Und trotzdem engagieren sie sich in Mali. In Ruanda war das anders warum? Diese Frage wiederum kann ich beantworten. Ruanda hat im Vergleich zu Mali kaum Bodenschätze.

Getragen wird das deutsche Engagement rund um den Globus vom olympischen Gedanken. Dabei sein ist alles. Erst mal hinfahren und schauen, ob sich dort was auch immer machen lässt.

Apropos olympisch. Da schießt mir doch sofort das Stichwort Doping durch den Kopf. Den „armen“ Lance Armstrong haben die Medien jetzt gründlich demontiert. Hätten Sie es für möglich gehalten, dass dieser Superstar des Doping-Radsports seine Erfolge unerlaubten Mitteln zu verdanken hat? Ich nicht. Ich glaube, dass die Doping-Vorwürfe gegen ihn haltlos sind. Ja ich glaube nicht einmal seinem Geständnis. Sicherlich ist das alles nur ein Missverständnis. Unsere Sportjournalisten hatten ihn immer wieder in den Radsporthimmel gelobt.

Und sie hätten es ja wissen müssen, wenn es bei seinen Siegen nicht mit rechten Dingen zugegangen wäre oder? Die wundern sich ja auch vor laufender Kamera, warum unsere Athleten im internationalen Vergleich so oft hinterherhinken. Wüssten diese Profi-Moderatoren, dass es in Deutschland ein funktionsfähiges Doping-Kontrollsystem gibt und in den meisten anderen Ländern nicht, wären andere Bewertungskriterien für die Leistung unserer Athleten erforderlich. Um die Dopingsünder bereinigt, hätte es in den letzten zehn oder zwanzig Jahren so manchen deutschen Weltmeister und Olympiasieger mehr gegeben.

Aber du liebes Gott, wenn kümmert das alles? Die Welt ist verrückt, und das Gott kann auch nicht mehr helfen. Als unser Schröderchen „das Gott“ vorschlug, bestätigte sich mein Vorurteil, dass 80 Prozent der Bevölkerung nicht normal sind. „Der Gottin“ würde ich übrigens vorziehen. Im Zuge der sprachlichen Reinigung werden ja aktuell auch die Kinderbuchklassiker überarbeitet. Die böse Hexe muss einer bemitleidenswerten alten Dame mit Kindheitstrauma weichen, die zehn kleinen Negerlein werden zu Südseebewohnern und der Schindelmacher zum Dachdecker. Und Max und Moritz sterben am Ende nicht mehr, sie leisten Sozialstunden in einer christlichen Teeküche. Wenn das kein Fortschritt ist!

Erschienen in Ausgabe: 01/2013