Das Haus der Zukunft

Titel

Stiebel Eltron. - Komplettpakete für die Energiewende PV-Strom, Batterie-Wechselrichter, Wärmepumpe und Energiemanagement. Nie war es einfacher, die Energiewende in Gebäuden zu realisieren. g+h diskutierte das Thema in Holzminden mit dem Geschäftsführer.

30. September 2013

Stiebel Eltron entwickelt sich weiterhin sehr positiv. Hatten wir im Jahr 2001 eine Umsatzgröße von 281 Millionen €, konnten wir diese im letzten Jahr bis auf 483 Millionen steigern. Unser nächstes Ziel ist es, die 500-Millionen-Hürde zu überspringen. Sehr positiv ist weiterhin die Entwicklung bei den erneuerbaren Energien mit den Produktbereichen Wärmepumpe und Wohnraumlüftung.

Welches ist Ihr größter Produktbereich?

In Deutschland sind nach wie vor Durchlauferhitzer der größte Produktbereich, in Europa dagegen Wärmepumpen. Hier stellen wir allerdings recht unterschiedliche Entwicklungen fest, weil die Strom- und Energiepreise sich dort sehr differenziert präsentieren. Gibt es in manchen Ländern noch fünf oder sechs Cent Energiekosten pro kW, sieht dies in Deutschland natürlich völlig anders aus. Insgesamt ist aber fast überall ein klarer Trend in Richtung Unabhängigkeit festzustellen. Vor allem in den DACH-Ländern, also Deutschland, Österreich und Schweiz, in denen das Thema schon lange Zeit fest etabliert ist, entwickelt sich der Markt ausgesprochen positiv.

Welche sind die großen Innovationsthemen in diesem Bereich?

In Zukunft werden Häuser nicht nur über einen höheren Komfort verfügen, sondern auch über eine hohe energetische Unabhängigkeit. Weniger verbrauchen und möglichst viel selbst produzierten Sonnenstrom nutzen, das ist die Devise. Optimal aufeinander abgestimmte Systemkomponenten auf Basis erneuerbarer Energien für mehr Energieeffizienz, Komfort und Unabhängigkeit ist eines der großen Innovationsthemen: Photovoltaikmodule, Wärmepumpen, Lüftungssysteme, intelligente Regelsysteme und das kombiniert mit entsprechenden Speichersystemen – egal ob thermische Speicher wie Puffer- oder Warmwasserspeicher oder Batteriespeicher.

Wie das Zusammenspiel dieser Komponenten optimal funktioniert, zeigen wir in einer speziellen Broschüre – ergänzt wird die Offensive durch besondere Vermarktungspakete zur Energiewende.

Sie investieren in diesem Bereich weiter?

Richtig, Stiebel Eltron investiert weiter intensiv in neue Produkte und damit natürlich auch in die eigene Zukunft – in den letzten Jahren insgesamt rund 60 Millionen Euro. 2013 ist im Zuge der Reduktion unserer Außenlager z.B. ein neues Logistikzentrum entstanden, um schneller zu sein und für die Kunden eine bessere Warenverfügbarkeit zu erreichen. Aktuell haben wir uns entschieden, ein neues Schulungs- und Informationszentrum zu bauen. 2014 ist Baubeginn, die Inbetriebnahme erfolgt 2015.

Welche Besonderheiten wird dieses Gebäude aufweisen?

Es wird auf Basis eines Plusenergiehauses gebaut werden. Und wir streben dafür das DGNB-Zertifikat an, um hier am Standort deutlich zu machen, welche hohe Innovationskraft wir auch in unseren eigenen Gebäuden realisieren. Stromerzeugung, Energiemanagement und Speicherung sowie der effiziente Einsatz unsere Produkte werden im Gebäude thematisiert werden. Außerdem sind wir in ähnlicher Weise mit dem Neubau bzw. der Umgestaltung unserer Vertriebszentren engagiert und passen sie entsprechend unseren heutigen und künftigen Märkten auf der technischen Seite sukzessive an. So ist beispielsweise das Vertriebszentrum in München als Energieplushaus in Planung.

Wie schaut Ihre Positionierung im Ausland aus?

Der Auslandsanteil am Geschäftsvolumen liegt bei rund 40 Prozent. Er ist nicht signifikant gewachsen, weil nicht zuletzt das Inland sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt hat. Es ging und geht im Augenblick vielen Industrieunternehmen so, weil der deutsche Markt nach wie vor sehr stabil ist. In Deutschland profitieren wir vom hohen Investitionsvolumen in Neubauten und Renovierungen. Unabhängig davon investieren wir weiter auch im Ausland; so haben wir in Australien eine Tochtergesellschaft von unserem Vertreter übernommen, und den gleichen Prozess haben wir in Finnland durchgeführt.

Beide Tochtergesellschaften entwickeln sich bestens, und es gibt auf diesen Märken sehr gute Perspektiven in Richtung erneuerbare Energien.

Entwickelt sich das Wärmepumpengeschäft zufriedenstellend?

Im letzten Jahr hat die gesamte Branche ein gutes Wachstum verzeichnet, und wir konnten unsere Position als Marktführer behaupten bzw. sogar leicht ausbauen. Im laufenden Jahr ist der Markt durch die Endlosdiskussion der Energiekosten und der hohen Strompreise belastet. Die EEG-Umlage und die daraus folgende Preiserhöhung riskiert die Wirtschaftlichkeit der Wärmepumpe, was dazu führt, dass wir per Stand August in der Branche nur ein kleines Wachstum zu verzeichnen haben; was sehr bedauerlich ist, denn wenn sie den EEG-Aufschlag betrachten, dann ist es im Grunde genommen schizophren, dass ein Produkt wie die Wärmepumpe, das auf Basis der erneuerbaren Energien arbeitet und den CO2 -Ausstoß nachhaltig reduziert, durch diese Umlage belastet wird.

In die Betrachtung mit einbeziehen muss man auch, dass die Umlage nicht auf fossile Energieträger wie Öl oder Gas erhoben wird. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt, den die Bundesregierung in der neuen Legislaturperiode aus meiner Sicht angehen muss. Die Belastung der Endkunden durch die EEG-Umlage ist aus meiner Sicht an der Akzeptanzgrenze, und wir werden im nächsten Jahr noch eine weitere Steigerung bekommen. Ich bin der Überzeugung, dass hier eine Veränderung durch Druck aus der Bevölkerung herbeigeführt wird. Aber natürlich spielen in der Gesamtthematik auch noch andere Werte wie Autarkiestreben, Werterhalt und Energieeffizienz eine tragende Rolle. Nicht zuletzt deshalb sind wir mit dem Thema Haus der Zukunft unterwegs.

Unter welcher Vorgabe?

Wir sehen die Photovoltaik als einen wichtigen Beitrag für die Zukunft, allerdings nicht aus einem Renditedenken heraus, sondern wir sagen, Energieerzeugung in einer Menge, die wir selbst verbrauchen können. Dazu muss ich energieeffiziente Geräte einsetzen, also unsere Wärmepumpen und Lüftungsgeräte. Weil PV-Energie nicht an jedem Tag in gleichem Maße vorhanden ist, möchten wir sie möglichst effizient managen. Dazu müssen Verbraucher gesteuert werden. Wir haben Warmwasser- und Pufferspeicher, die Energie speichern, also in warmes Wasser umwandeln können.

Und sie können je nach Sonneneinstrahlung in Betrieb genommen oder ausgeschaltet werden. Durch Logiken können wir zum Beispiel den Warmwasserspeicher am Vorabend leeren, bzw. nicht nachladen, weil wir wissen, dass am darauffolgenden Tag die Sonne scheinen wird. In diesem Fall kann die Energie sofort genutzt werden, um warmes Wasser aufzubereiten.

Wenn Sie die Systeme managen, kommt die gesamte Technik dazu von Stiebel Eltron?

Das Komplettsystem wird über Stiebel Eltron bezogen, ja. Bei einzelnen Komponenten arbeiten wir mit Kooperationspartnern wie beispielsweise SMA zusammen, um für den beschriebenen Fall beispielsweise ein Energiemanagementsystem zu entwickeln; dabei handelt es sich um eine Kombination aus Wechselrichter und Elektrobatterie. Es geht um eine Art Modulbaukasten, damit für jeden Geldbeutel und jeden Anwendungsfall eine passende Lösung zur Verfügung steht.

Sind diese Lösungen marktreif?

Diese Lösungen sind bereits lieferbar. Begonnen hatten wir schon vor einigen Jahren mit dem Einsteigerpaket PV-Modul drei kW und einer Brauchwasserwärmepumpe. Damit konnten sie bereits zu diesem Zeitpunkt ihren Eigenverbrauch deutlich erhöhen. Eine solche Lösung kostet zwischen 7.000 und 8.000 Euro und ist für den Einsteiger und den Sanierungsfall ideal geeignet. Sie können die Warmwasserbereitung komplett von der Öl- bzw. Gasheizung abkoppeln und über eine Brauchwasserwärmepumpe realisieren. Ich muss nicht so lange warten, bis der Heizkessel gegen eine komplette Wärmepumpe ausgetauscht wird, sondern ich kann durch die Modulbauweise diese Aufgabe sofort erledigen. Hier ist aus meiner Sicht ein großes Marktpotenzial vorhanden, das von vielen Handwerksbetrieben unterschätzt wird.

Wir haben dann ein Neubaupaket auf den Markt gebracht, in dem wir Photovoltaikmodule mit unserem Lüftungsintegralgerät kombinieren. Dieses Gerät hat vier Funktionen: Lüften, Warmwasserbereitung, Heizen und Kühlen. Diese Systeme haben wir mit einem Energiemanagementsystem kombiniert; mit einem Zwei-kW-Batterie-Wechselrichter. Und alles zusammen kann als Komplettpaket ab September gekauft werden. Ganz entscheidend ist, dass die Komponenten effizient aufeinander abgestimmt sind. Und wir haben die Möglichkeit geschaffen, dass unsere Komplettlösung auch in die KNX-Welt und andere Gebäudeleitsysteme einzubinden ist.

Benötigt der Verbraucher bzw. der Handwerker noch weitere Komponenten außerhalb des Paketes?

Nein, es handelt sich hier um ein Komplettpaket mit einer 3,7-KW-PV-Anlage, einem Energiemanagementsystem, einer Batterie-Wechselrichter-Kombination so-wie unserem Lüftungsgerät. Je nach Größenordnung bekommen sie für eine Summe zwischen 24- und 26.000 € ein Rundum-sorglos-Paket. Beispielrechnungen zeigen, dass mit diesem Paket rund 70 Prozent des selbst erzeugten Stroms auch selbst verbraucht wird. Das ist ein herausragendes Ergebnis und eignet sich bestens für den Neubau.

Und wie sieht es im Sanierungsbereich aus?

Hier ist die Herausforderung etwas größer, weil es sich um bereits bestehende, individuelle Gebäude handelt. Bei Neubauten, die sehr gezielt geplant werden können und bereits über eine Wärmedämmung verfügen, muss man nicht erst nachschauen, welche Maßnahmen bereits in welcher Qualität durchgeführt worden sind, etwa im Fensterbereich oder an der Fassade. Deshalb haben wir für den Sanierungsfall entsprechende Tools entwickelt, um eine effiziente Beratung durchführen und am Ende die entsprechende Lösung zur Verfügung stellen zu können.

In diesem Herbst präsentieren wir eine neue Beratungsunterlage für den Handwerker. Dort zeigen wir beispielhaft Häuser und veranschaulichen, in welchen Projekten welche Lösungen am besten einzusetzen sind. Die Dynamik und die Nachfrage nach Lösungen nehmen zu, und es ist aus unserer Sicht einfacher für den Handwerker und alle anderen Beteiligten, wenn hier eine Komplettlösung im Paket angeboten wird.

Die Beratung findet durch den Service aus Ihrem Hause statt?

Wir bieten umfangreiche Schulungen für das Handwerk und Planungstools an. Die Schulungen und Seminare laufen bereits seit Anfang des Jahres. In der Startphase unterstützt unser Service natürlich sehr gezielt unsere Fachhandwerkspartner. Aus unserer Erfahrung heraus erledigen die Handwerker all diese Aufgaben dann aber schon sehr bald selbstständig.

Inwieweit verspricht das Thema ein interessanter Markt für das Elektrohandwerk zu werden?

Das Elektrohandwerk, auch wenn wir hier immer noch eine gewisse Zurückhaltung spüren, ist geradezu für dieses Thema prädestiniert. Alle Themen sind elektro-basiert, vom Energiemanagement über PV bis zur Wärmepumpe.

Nur mit Strom als universeller Energieform und Leitmedium der Energiemärkte kann das Haus der Zukunft seinen Platz in der Energiewende finden und die unbestritten vorhandenen Möglichkeiten, die diese Entwicklungen mit sich bringen, nutzen. Dazu gehört die Stromerzeugung genauso wie die Speicherung, ergänzt durch ein intelligentes Management des Energieflusses im Haus und der Kommunikation mit einem intelligenten öffentlichen Netz, dem Smart Grid.

Leider wird zurzeit immer noch viel zu stark die Stromerzeugung in den Fokus gerückt, aber die Wärmeseite hat einen viel größeren Nutzen, und sie wird leider nicht in ausreichendem Maße unterstützt. Wir bieten für beide Seiten eine ideale Lösung. Der Anwender entlastet die Netze, nutzt den selbst produzierten Strom für die Realisierung des eigenen Wärmebedarfs, hat eine stabile Wertanlage, ist von Gas- und Ölanbietern unabhängig und schont die Umwelt. Mit unseren Lösungspakten treffen wir exakt den Zeitgeist.

Herr Reitze, wir bedanken uns für das Gespräch mit Ihnen.

Hintergrund

Haus der Zukunft

Im „Haus der Zukunft“, das Stiebel Eltron auf der ISH in den Mittelpunkt seines Messeauftritts stellte, wurden die unterschiedlichen Lösungsangebote anschaulich visualisiert – inklusive der jeweiligen Auswirkungen der gewählten Alternative in Sachen Wirtschaftlichkeit und Umweltbilanz.

Einerseits geht es beim Haus der Zukunft um die Produkte für Energieerzeugung, Speicherung und sinnvollen Verbrauch, genauso aber auch um die Steuerung, das Management und schließlich um die das Zusammenführen der einzelnen Bausteine zu einer Systemlösung – gebündelt in einer zukunftsweisenden Initiative: Project Energy.

Erschienen in Ausgabe: 06/2013