Effizientes Energiemanagement

Technik

Zollernalbkreis. Vor dem Hintergrund sinkender Steuereinnahmen sind die Kommunen immer mehr dazu gezwungen, nach Einsparmöglichkeiten Ausschau zu halten. Im Landratsamt Balingen hat sich die technische Leitung diesem Thema erfolgreich gestellt.

19. Februar 2010

Wer heute baut oder renoviert steht angesichts immer wieder aktualisierter Vorschriften und bislang nur teilweise gelösten Fragen der Zukunft des Bauens vor keiner einfachen Aufgabe. Welche Baumaterialien werden eingesetzt, wie wird das Gebäude beheizt, welche Bustechnik wähle ich aus, sind nur einige der vielen Fragen, die sich jeder Bauherr stellen muss. Hinzu kommen Aspekte der modernen Lüftungs-/Klima- und Beleuchtungstechnik und das alles vor dem Hintergrund stetig steigender Kosten bei gleichzeitig knapper werdenden Ressourcen; und mit Ressourcen sind hier einerseits die Rohstoffe gemeint und andererseits natürlich auch die schmaler werdenden Budgets.

Für die Kommunen stellen in diesem Zusammenhang die Liegenschaften den größten Kostenblock dar. Im Landratsamt Balingen hat sich die technische Leitung diesem Thema intensiv gewidmet. Sie setzt im Betriebskostenmanagement auf innovative Elektrotechnik, ganz gleich, ob es sich um die Beleuchtungsanlage oder die Einzelraumtemperaturreglung handelt. g+h sprach vor Ort mit Bernd Rentschler, verantwortlich für die Liegenschaften im Landkreis Balingen, und dokumentiert am Beispiel der Renovierung des Landratsamtes, wie Ressourcen und Geldbeutel gleichermaßen geschont werden können.

Herr Rentschler, würden Sie uns bitte kurz Ihr Tätigkeitsfeld skizzieren?

Gern, ich bin seit vier Jahren im Zollernalb-kreis im Bereich technisches Gebäudemanagement tätig und betreue die Kreisschulen sowie die öffentlichen Gebäude, die in unserem Verantwortungsbereich liegen. Dabei erledige ich die Ausschreibungen, hole die Angebote ein, übernehme die Planung und betreue natürlich auch die dann folgende Installationsausführung. Im Falle der Renovierung des Landratsamtes Balingen habe ich in der Gebäudeautomatisierung auch die Programmierung vorgenommen, um spätere Folgekosten so gering wie möglich zu halten.

Wie arbeiten Sie mit dem Elektrofachbetrieb zusammen?

Die Installateure des Unternehmens, das für uns im Augenblick tätig ist, wurden von mir geschult, um sicherzustellen, dass auch während meiner Abwesenheit die technischen Abläufe reibungslos funktionieren. Es ist, damit wir uns nicht missverstehen, nicht meine Aufgabe, alles selbst zu erledigen, sondern wir bieten dem Fachbetrieb mit einem solchen Projekt auch die Möglichkeit, sich technisches Know-how in der Gebäudeautomatisierung zu erschließen. Insofern arbeiten wir mit den ausführenden Unternehmen Hand in Hand.

Wie viele Liegenschaften betreuen Sie?

Ich betreue rund 20 Liegenschaften, um deren Betrieb sicherzustellen; andererseits bin ich aber natürlich auch im Falle von Renovierungs- oder Neubaumaßnahmen gefragt.

Wie verlaufen bei Renovierungs- oder Neubauvorhaben die Entscheidungswege?

Während eines Jahres sammeln wir Daten und Fakten, um Handlungsbedarf zu ermitteln. Daraus erstellen wir einen Plan, der nach Dringlichkeit gestaffelt ist. Dieser Plan bildet die Grundlage für die Gespräche, die während der Haushaltplanung laufen. Dann wird entschieden, welche Aufgaben im jeweils kommenden Jahr erledigt werden. Darüber hinaus gibt es natürlich immer wieder einmal unmittelbaren Handlungsbedarf, etwa bei Funktionsstörungen einer Anlage. Hier setzen wir dann örtliche Fachbetriebe zur Behebung des Problems ein.

Wenn Sie die vier Jahre Ihrer Tätigkeit Revue passieren lassen, hat sich an der Art der Betreuung öffentlicher Liegenschaften etwas gravierend verändert?

Wenn Sie mit Ihrer Frage die Energie- und Klimadebatte ansprechen, kann ich nur sagen, dass im Zollernalbkreis bereits sehr früh, ab 1997, Energieberichte erstellt wurden, in denen die Zahlen der einzelnen Liegenschaften zusammengefasst wurden, um auf sich verändernde Kostensituationen rasch reagieren zu können. So setzen wir sehr gezielt auf Kostenreduktion bei den Betriebskosten und Umweltschutz durch geringere CO2-Emissionen. Bei jedem Gebäude stehen Fragen der Betriebskosten, der Gebäudeisolierung, seine Beheizung und somit auch die Gebäudeautomatisierung auf der Tagesordnung. Das ist für uns immer wieder eine Herausforderung.

Welches ist zurzeit die modernste Liegenschaft, die Sie betreuen?

Ich denke, das ist die kaufmännische Berufsschule in Hechingen. Hier wurde unter anderem ein Vollwärmeschutz realisiert.

Im Landratsamt, in dessen Räumen wir uns befinden, wurde jüngst ebenfalls renoviert. Welche Maßnahmen wurden durchgeführt?

Die Umbaumaßnahmen im Landratsamt wurden 2008 geplant und die Installation erfolgte bis Dezember 2009. In diesem Gebäudekomplex haben wir vor allem auf Einsparungen in der Beleuchtungs- und der Heizungsanlage gesetzt. So wurden Präsenzmelder von Theben installiert, um Kosten nachhaltig zu senken. Um hier für noch mehr Effizienz zu sorgen, haben wir entsprechende Türkontakte installieren lassen. Wenn eine Tür offensteht, schaltet die Heizung des jeweiligen Raumes automatisch ab. Bei der Heizungsanlage haben wir jetzt Vorlauftemperaturen von 45 °C und Rücklauftemperaturen von 32° C, das bedeutet für die Gasbrenntwerttechnik natürlich eine optimale Situation.

Auf den neuesten Stand wurde im Zuge der Renovierungsmaßnahmen auch unsere gesamte Netzwerktechnik gebracht. In der Beleuchtungstechnik möchte ich versuchen, die Anlage über das Notstromaggregat zu betreiben, wobei die Gebäudeleittechnik die Steuerung übernimmt. Die Beleuchtungsanlage arbeitet übrigens tageslichtabhängig.

Welche Bustechnik setzen Sie ein?

Wir haben einen CAN-Bus installiert und steuern mit Easy-Geräten der 800er-Serie von Moeller. Sie können vernetzt werden. Wir haben so in unserem zentralen Netzwerkschrank den Zugriff auf das Ethernet und können über das Netz die Geräte steuern. Pro Stockwerk wurden vier Grundmodule installiert, die via Ethernet betrieben werden. So bin ich in der Lage, über das Notebook Parameter abzufragen und natürlich auch zu visualisieren. Dieses Konzept wurde übrigens ebenfalls im Krankenhausbau und der Berufsfachschule umgesetzt. Da die Geräte autark arbeiten, hat das für mich den Vorteil, dass ich Projekte abschnittsweise installieren kann. Sind beispielsweise zwei Büros fertig, kann ich diese sofort in Betrieb nehmen.

Gibt es für all die komplexen technischen Abläufe hier im Gebäude eine zentrale Visualisierungsösung?

Im Augenblick steht die zentrale Visualisierung noch nicht – der Ausbau jedoch ist schon geplant.

Beobachten Sie eigentlich laufend, wie sich einzelne Maßnahmen auf die Betriebskosten auswirken?

Ja, für mich ist die Dokumentation der Betriebskosten in den einzelnen Bereichen sehr wichtig. Nur so sind wir in der Lage zu erkennen, ob durchgeführte Maßnahmen sich auch in der Praxis bewährt haben. Wir werden also in den kommenden Jahren am Beispiel des Landratsamtes sehen, wie sich die Kosten im Vergleich zum Zeitraum vor den Renovierungsmaßnahmen entwickelt haben. Die Ergebnisse bilden die Basis, um eventuell weitere Veränderungen vorzunehmen oder natürlich auch die Bestätigung zu erhalten, alles richtig gemacht zu haben.

Haben Sie bereits weitere elektrotechnische Modernisierungen im Auge?

Im Augenblick denke ich an unsere Lüftungsanlage, die, gesteuert über einen Bewegungsmelder, Frischluft in die Räume bringt. In Zukunft würde ich beispielsweise in unserem Sitzungssaal einen CO2-Sensor installieren, um auch hier eine optimale Steuerung zu erhalten. Leerlaufzeiten, also Zeiten zu denen sich niemand in den Räumen aufhält, verursachen ja nur hohe Kosten. Hier kann die Gebäudeautomatisierung einen erheblichen Beitrag zur Betriebskostensenkung leisten.

Herr Rentschler, wir bedanken uns bei Ihnen für das Gespräch.

HINTERGRUND

Präsenzmelder&Lüftersteuerung

Der Präsenzmelder steuert die Beleuchtung nicht nur anwesenheitsabhängig, er misst auch das Tageslicht und regelt das Licht bedarfsabhängig und enerigeeffizient. Die Klimaregelung beherrscht der Eco IR-360 ebenfalls.

Der CO2-Sensor Amun 716 R misst CO2-Konzentration, Luftfeuchte und Temperatur im Raum. Zwei einstellbare Schaltschwellen für die CO2-Konzentration ermöglichen die vollautomatische 2-stufige Lüftersteuerung gemäß der neuen DIN EN 12251.

Erschienen in Ausgabe: 01/2010