Ein Bus für die Feuerwehr

Theben. Die neu erbaute Feuerwache in Geretsried ist elektrotechnisch gesehen ein echter Leckerbissen. Durch die innovative Aktorik konnten in diesem Objekt durchaus respektable Einsparungen realisiert werden.

07. September 2007

Die Stadt Geretsried, unweit des Starnberger Sees gelegen, ist mit rund 25.000 Einwohnern die größte Gemeinde im Kreis. Die Nase vorn hat Geretsried auch, wenn es um die flächenmäßige Ausdehnung geht. Das ist auch der Grund, warum in der Stadt zwei Feuerwachen zu finden sind. „Zwei Feuerwachen verkürzen im Notfall die Ausrückzeiten ganz erheblich“, äußert Stefan Greis vom Stadtbauamt gegenüber der g+h-Redaktion. Die Hauptfeuerwache wurde jüngst neu erbaut, um die alte Wache aus der Gründerzeit der Stadt im Jahr 1955 zu ersetzen.

Die Wache ist eine der drei Stützpunktfeuerwachen im Landkreis und hat rund 100 freiwillige Mitglieder. Geretsried ist eine junge Stadt, die aus der Ansiedlung der Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist. Vorher befand sich auf dem heutigen Stadtgebiet lediglich ein kleiner Weiler, der aus wenigen verstreut gelegenen Bauerhöfen bestand. Stefan Greis bezeichnet die Stadt als multikulturell. „Wir haben bewiesen, dass wir integrieren können, und dass Integration auch realisierbar ist, wenn alle Beteiligten dies auch wollen“, führt er weiter aus. Geretsried ist kontinuierlich gewachsen und wächst weiter.

Die Grundsatzentscheidung für den Neubau der Feuerwache liegt bereits 10 Jahre zurück. Da Schulsanierungen anstanden, hatte man das Projekt jedoch verschieben müssen. 2004 war es dann endlich so weit. Der Stadtrat beschloss den Neubau mit Zielvorgabe einer Fertigstellung im Jahr 2006. Der harte Winter 2005/2006 verzögerte die Inbetriebnahme jedoch noch einmal. Im laufenden Jahr konnte die Feuerwehr dann ihre neue Wache beziehen. Trotz einiger Widrigkeiten wie einen Feuchtigkeitseinbruch, habe man, so Greis, dank der vorbildlichen Planung und Ausführung der Elektrogewerke, den vorgegebenen Kostenrahmen einhalten können. Das war auch wichtig, denn die Feuerwache weist ein Investitionsvolumen von 5,5 Millionen Euro aus.

Obwohl es sich um eine Freiwillige Feuerwehr handelt, ist die Wache jeden Tag von einem Gerätewart besetzt. Zu dieser für eine freiwillige Wehr ungewöhnlichen Maßnahme hat man sich entschlossen, weil in Zukunft die Idee einer integrierten Leitstelle Wirklichkeit werden soll. „Wir“, so Stefan Greis, „wollten schon frühzeitig die Weichen stellen und haben deshalb zwei hauptamtliche Gerätewarte eingestellt, die von der Stadt bezahlt werden.“

„Mit unserer Ausstattung der Feuerwache stehen wir bereits in der Zukunft. Viele Gemeinden um uns herum verfügen nicht über solch eine Hightechausrüstung. Außerdem muss man berücksichtigen, dass eine Wache letztlich nur dann eine Wache ist, wenn sie ständig besetzt ist; was wir im Augenblick noch nicht schaffen, da die Gerätewarte nur tagsüber hier vor Ort sind.“ Trotz aller Professionalität ist man von einer Berufsfeuerwehr noch weit entfernt, denn die gesteht das Land erst ab einer Einwohnerzahl von 100.000 zu. Dennoch sind die Gerätewarte schon voll ausgelastet, da sie die Wartung für andere Wehren im Kreis mit übernommen haben.

Die Dauerbesetzung ist für Geretsried auch deshalb wichtig, weil es sensible Industriebetriebe im Umfeld gibt. Diese Unternehmen unterhalten eigene Werksfeuerwehren, deren Gerätewartung aber ebenfalls in der Hauptfeuerwache erfolgt.

Die enge Verbindung der Stadt zur Feuerwehr spiegelt sich auch in der staatlichen Feuerwehrschule Geretsried wider. „Diese Feuerwehrschule ist bayernweit Ausbildungsstätte und ihr stellvertretender Direktor ist gleichzeitig stellvertretender Kommandant der Feuerwache“, erläutert Greis. Die Freiwillige Feuerwehr Geretsried fährt bis zu 350 Einsätze pro Jahr. Das Spektrum der Aufgaben reicht von der technischen Hilfeleistung bei Autounfällen bis zum Löschen von Großbränden. Um effizient helfen zu können, stehen 15 Einsatzfahrzeuge zur Verfügung. Darüber hilft den Feuerwehrmännern viel Hightech, von der Wärmebildkamera bis hin zu praktischen Einrichtungen wie einer eigenen „Waschstraße“ für die Bekleidung. Die hohen Anforderungen, die die Feuerwehr an ihre Ausrüstung stellt, wollte man auf gleichem Niveau auch in der Gebäudetechnik realisiert wissen. Formuliert wurden sie unter anderem vom Leiter der Feuerwehr, dem Kommandanten Robert Korndörfer, der ehrenamtlich und mit großer Leidenschaft seinem „Beruf“ nachgeht und im „richtigen Leben“ als Vertriebsingenieur tätig ist. Ein bis zwei Stunden pro Tag muss er investieren, um seiner Stellung als Leiter der Feuerwehr gerecht zu werden.

Neben der Einsatzplanung gehören auch die Personal-, Finanz- und Zukunftsplanungen zu seinen Aufgabengebieten. Die Tätigkeit macht ihm Freude, stellt aber - insbesondere bei Unfällen mit Kindern - auch eine psychische Belastung dar. Sehr tragische Ereignisse, so Korndörfer, darf man nicht zu nahe an sich heranlassen. „Einsätze sind nie Routine, jede Situation vor Ort ist anders. Außerdem stelle ich zu- nehmend fest, dass die Betroffenen immer labiler in der Bewältigung solcher Situationen werden. Nicht zuletzt deshalb nimmt der Einsatz von Kriseninterventionsteams zu, die sich um die Angehörigen der Opfer kümmern. Und auch die Ausbildung der Rettungskräfte wird in dieser Richtung gezielt ausgebaut. Auch sie müssen lernen, mit Extremsituationen klarzukommen, um ihre Aufgabenstellung vor Ort professionell zu bewältigen.“

Robert Korndörfer und seine Kameraden sind aber nicht nur im Alarmfall für den Bürger da. Engagiert ist die Feuerwehr auch im Bereich der Prävention. „Wir führen zahlreiche Brandschutzseminare in Kindergärten und Schulen durch. Dafür haben wir speziell ausgebildete Kräfte. Im Kern geht es dabei nicht nur um Vorbeugung, sondern auch um den richtigen, den kontrollierten Umgang mit dem Feuer. Darüber hinaus erläutern wir, was in welcher Abfolge zu tun ist, wenn es dennoch einmal brennen sollte. Das alles geschieht im spielerischen Rahmen, um die an sich ja ernst Sache mit Spaß zu vermitteln.“

Beim Bau der neuen Feuerwache war für den Kommandanten vor allem eine zentrale Steuerung der Einsätze wichtig. „Von der Zentrale aus sollte das ganze Haus überwacht und gesteuert werden können.“ Daraus erwuchsen dann die Anforderungen an die Elektrotechnik.

Sie ist in jeder Beziehung ungewöhnlich für ein solches Gebäude. Nicht zuletzt deshalb, erklärt Marcus Klingler, dessen Planungsbüro für die elektrotechnischen Einrichtungen verantwortlich ist, habe es im Vorfeld intensive Abstimmungsgespräche gegeben. Geklärt werden musste unter anderem die Frage nach den einzelnen Schnittstellen.

Die Feuerwache ist mit einer modernen Einsatzzentrale ausgestattet, die verschiedene Techniken miteinander kombiniert: Funk, Telefonie, Türsprecheinrichtungen, Zutrittskontrolle und Gebäudeleittechnik. „Es war die Anforderung des Bauherrn, dass die Technik von einer Stelle im Gebäude aus zu bedienen ist. Und dies so einfach, dass sie von einem Feuerwehrmann, der nicht täglich mit der Anlage umgeht, sofort überblickt werden kann“, führt Klingler aus. Installiert wurde eine KNX-Anlage für die allgemeine Elektrotechnik.

Für die Feuerwehrtechnik wurde ein spezielles System eingerichtet, das es ermöglicht, den Funk und die Torsteuerung mit einzubinden. Beide Systeme sind über eine Schnittstelle verknüpft. An der Feuerwehrtechnik hängen zusätzlich die Zutrittskontrolle, die Brandmelde- und die Störmeldetechnik des Gebäudes sowie die Heizungsanlage. Die Visualisierung läuft über die Feuerwehrtechnik. Dabei handelt es sich um ein speziell auf die Anforderung von Feuerwehren zugeschnittenes Programm. Die KNX-Anlage hat rund 250 Busteilnehmer, sodass die vorhandenen Linien bereits ziemlich ausgereizt sind.

Angeschlossen sind Bewegungsmelder, Schalt-, Dimm- und Jalousieaktoren. Die Schaltung des Lichts erfolgt über Präsenzmeldertechnik von Theben und Taster. Über die Zutrittskontrolle von Novar werden zehn Türen überwacht, die verkabelt sind. Außerdem existieren zehn weitere Türen, die über elektronische Schließzylinder verfügen.

Softwaremäßig wird auch diese Technik wiederum in der Leitstelle mit den anderen Systemen zusammengefasst. Die Bedienung der Zutrittskontrolle erfolgt über eine spezielle Software, die mit einer Schnittstelle an die Feuerwehrtechnik und an den KNX angebunden ist.

Die Zutrittkontrolle wird in der Praxis über Schlüsselanhänger geregelt. Dazu besitzt jeder Feuerwehrmann einen Zugangschip. Das System kann aber noch mehr als den Zutritt kontrollieren, es lässt sich nach entsprechender Aufprogrammierung auch als Warenwirtschaftssystem nutzen. So könnte man zum Beispiel auch einen Getränkeautomaten mit einbinden, erklärt Klingler gegen über der g+h-Redaktion.

In Geretsried ist die Zugangberechtigung individuell geregelt. So kann der Kommandant jeden Raum betreten. Ansonsten sind die Zugangberechtigungen festgelegt beziehungsweise eingeschränkt. Im Alarmfall wird ein Szenario in Gang gesetzt, das automatisch für die Öffnung der vorher festgelegten Gebäudebereiche sorgt. Für Sicherheit sorgt eine KNX-Wetterstation von Theben, die bei entsprechender Witterung unter anderem die Außenjalousien automatisch steuert.

Geht ein Alarm ein, verlassen die ersten Fahrzeuge bereits drei Minuten später das Gelände: Tore und Türen gehen auf, Lichter gehen an und Meldungen erscheinen auf den Bildschirmen. Auf den zahlreichen Monitoren kann jederzeit beobachtet werden, welche Fahrzeuge ausrücken, welche Art von Einsatz (Brand oder Kfz-Unfall) vorliegt. Für die interne Gebäudekommunikation sorgt eine ELA-Anlage von Bosch. Je nachdem, welches Signal auf die Anlage gegeben wird, ertönt ein Gong und die entsprechenden Bereiche werden alarmiert.

Außerdem ist ein DECT-System via Schnurlostelefone vorhanden, denn der Gerätewart muss, ganz gleich, wo er sich gerade aufhält, jederzeit erreicht werden können. Das gesamte Gebäude ist strukturiert verkabelt. Das Hauskommunikationssystem und die Schalter in der Feuerwache stammen von Gira.

Herzstück der Technik ist die KNX-Anlage; sie basiert auf der Technik von Theben. Durch sie, so Marcus Klingler, konnten umfassende Einsparpotenziale erschlossen werden. „Die die spezielle Art der Schaltaktoren von Theben, das Unternehmen arbeitet in diesem Bereich mit Master und Slave, hat maßgeblich dazu beigetragen, eine respektable Summe in der Elektroinstallation einzusparen.“

Dass diese Einsparung überhaupt möglich wurde, ist ein Verdienst von Günter Schatz, Theben-Vetriebsbeauftragter, der seinen privaten Wohnsitz ebenfalls in der Stadt hat. Schatz hierzu: „Die Theben-Aktorik ersetzt die herkömmliche KNX-Aktorik. In unserer Mix-Serie arbeiten wir nämlich mit einem intelligenten Grundgerät, das zwei weitere Geräte mit einbinden kann.“

„Somit konnten wir in der Feuerwache völlig problemlos aus einem Vierfach-Aktor ein Achtfach- oder Zwölffach-Gerät machen.“ Außerdem konnte ein Mix aus einem Schaltaktor kombiniert mit einem Dimm- und einem Jalousieaktor realisiert werden, das heißt es musste nicht „sortenrein“ erweitert werden.

Jedes Grundgerät lässt sich nämlich mit einem Erweiterungsgerät kombinieren. In der Aktorik konnten so bis zu 66 Prozent an Teilnehmern gespart werden. Da die Zahl der aktiven Teilnehmer bei dieser intelligenten Lösung entsprechend reduziert wurde, konnte auch der Programmieraufwand deutlich gesenkt werden. Man hatte einfach nur eine Applikation, die entsprechend zu kopieren war, in Geräte mit gleicher Applikation hineinzukopieren. „Eine Einsparung von 25 bis 30 Prozent im Bruttolistenpreis gegenüber vergleichbaren Wettbewerbsfabrikaten war so möglich“, erklärt Günter Schatz.

Die Gesamtinvestitionen für Elektrotechnik betrugen im Gebäude rund 600.000 €. Die Elektrotechnik wird immer komplexer und benötigt immer mehr Platz, was bei diesem Projekt bereits in der Vorplanungsphase berücksichtigt werden konnte. Ausgesprochen zufrieden äußerte er sich zum Abschluss unseres Gespräches über die Zusammenarbeit mit dem ausführenden Elektrofachbetrieb, der EAB Elektroanlagen in München.

KostenersparnisSchaltaktorserie Mix

Die Mix-Geräte bestehen aus Grundmodulen und Erweiterungsmodulen. An einen Grundmodul können zwei Erweiterungsmodule ohne Busankoppler angeschlossen und bis zu 20 % Kosten gespart werden. Jeder Schaltkanal hat eine LED zur Schaltzustandsanzeige und einen Handschalter mit den Stellungen EIN/AUS/BUS.

Leistungsfähigere Geräte ersetzen heute die Schaltaktor-Serie RMG 4/RME 4. Außerdem wurde sie durch C-Last-Geräte erweitert. Die Serie besteht aus dem 4-Kanal-Grundgerät RMG 4S und einem seitlich ansteckbaren Erweiterungsgerät RME 4S mit ebenfalls 4 Kanälen mit je 16 A Schaltleistung. Speziell für hohe Lampenlasten und kapazitive Lasten, wie z. B. Leuchtbänder werden die Schaltaktoren auch in C-Last-Ausführung (16AX) angeboten.

Erschienen in Ausgabe: 05/2007