Ein wichtiger Dominostein

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Strobl Elektrotechnik. Michael Strobl ist einer der zehn g+h Innovationspreisträger 2008. Wir besuchten ihn in Schelklingen und sprachen zusammen mit dem Bürgermeister der Stadt, Michael Knapp, über die Bedeutung des Innovationspreises im unternehmerischen Alltag. Das Ergebnis ist beeindruckend.

26. Februar 2009

Als im November letzten Jahres die Verleihung des g+h Innovationspreises stattfand, war die Freude der Gewinner groß. Für Leser, Sponsoren und natürlich auch die g+h-Redaktion stellte sich dabei zwangsläufig die Frage nach der Bedeutung dieses Preises. Würde er die gewünschte Wirkung zeigen und den Preisträgern im unternehmerischen Alltag tatsächlich nützlich sein? Würden die Sieger das mit dem Preis verbundene Marketingpaket nutzen, nutzen können und auch tatsächlich umsetzen? Fragen über Fragen, auf die natürlich nur die Innovationspreisträger selbst eine schlüssige Anwort geben können.

g+h wird deshalb ab sofort in jeder Ausgabe einen der 10 Preisträger vorstellen. Die Redaktion wird zu den Unternehmen reisen, um sich vor Ort über die Erfahrungen zu informieren, die die Gewinner mit dem Preis gemacht haben. Das soll natürlich auch all jene Leser zu einer Teilnahme an der nächsten Ausschreibung des Innovationspreises ermuntern, die bislang noch zögerten oder die Wertigkeit einer solchen Trophäe noch nicht richtig einschätzen konnten. Wie groß die Außenwirkung sein würde, konnte auch die g+h-Redaktion nicht vorhersagen. Als wir Michael Strobl besuchten und mit ihm über den Preis sprachen, waren wir von seinen Aussagen in jeder Beziehung positiv überwältigt.

Dass er zur kleinen Gruppe der g+h Innovationspreisträger gehört, erfüllt Michael Strobl schon mit Stolz. Letztlich wählte ihn die Jury aus dem Kreis von 134 Bewerbern zum Hauptpreisträger in der Kategorie bis 85 Mitarbeiter. g+h wollte nun, knapp ein Vierteljahr nach der Preisübergabe, wissen, ob und wenn ja welche Auswirkungen die Prämierung für ihn und seinen Betrieb hat. Schon vor Anreise der Redaktion teilte der agile Elektromeister und Unternehmer uns mit, dass zum Gespräch auch der Bürgermeister der Stadt Schelklingen, Michael Knapp, dazukäme und später noch eine Kollegin von der Schwäbischen Zeitung. Öffentlichkeitsarbeit und Marketing sind für ihn von großer Bedeutung, denn, so Strobl, sie tragen mit dazu bei, einen der vielen Dominosteine bis zum unterzeichneten Auftragsformular zu kippen. So, gibt er uns zu verstehen, ist es auch mit dem g+h Innovationspreis, der mittlerweile von der Visitenkarte über Unternehmensbroschüren bis hin zur Homepage seine grafische Darstellung gefunden hat. Und natürlich wird mit dem Innovationspreis auch jedes Papier gestempelt, das sein Unternehmen verlässt.

Wer Michael Strobl gegenüber sitzt, spürt sofort die Lebensfreude und Energie, die in ihm steckt. Ein kurzes Stichwort und schon legt er los, sympathisch, energisch und kompetent. Salopp könnte man sagen „Ein Hans Dampf in allen Gassen.“

Ein „Hans Dampf“ sicherlich, aber nicht in allen Gassen, denn er weiß genau, was er will.

Angesprochen auf die Außenwirkung des Innovationspreises, gibt er uns zu verstehen: „Am Anfang kamen die Sponsoren auf uns zu und es gab erste Kontakte. Als dann aber g+h mit dem Bericht der Preisverleihung erschien, brach eine regelrechte Flut über uns herein. Viele Kollegen meldeten sich, aber natürlich auch der Elektrogroßhandel und zahlreiche andere Unternehmer. Das schönste Erlebnis für mich war, dass einer meiner Kunden bei mir anrief und mir mitteilte, dass er stolz sei, mit einem Unternehmen zusammenzuarbeiten, dass einen Innovationspreis erhalten hat.“ Für Strobl ist es vor allem wichtig, dass solch ein Preis eine Art Selbstläufer ist. „Man muss nicht selbst aktiv werden, es kommen die Kontakte quasi automatisch.

Auch über unsere Homepage haben wir sehr viele E-Mails anderer Elektrofachbetriebe bekommen. Durch den Innovationspreis kommen wir mit Kunden einfach schneller und unkomplizierter ins Gespräch.“ Für das laufende Jahr wurde in seinem Unternehmen ein beachtliches Budget bereitgestellt, das sich bis zur Radiowerbung erstreckt. Dazu passt auch eine Einladung der Memminger Zeitung, die mit dem jungen Unternehmer das Gespräch sucht, weil sie von seiner Auszeichnung Kenntnis erlangt hat.

Dass solch ein Preis auch ein Werteversprechen nach außen darstellt, versteht sich von selbst. An vorzeigbaren Werten mangelt es Michael Strobl nicht; das hat er bereits im Alter von 23 Jahren bewiesen, als er der jüngste Elektromeister Süddeutschlands wurde und sein Unternehmen von 1996 bis heute zu einem zukunftsorientierten Elektrofachbetrieb entwickelte.

Neben dem Standort Schelklingen betreibt Michael Strobl erfolgreich einen weiteren Standort in Memmingen. In diesem Jahr wird er nicht, wie viele andere Unternehmen, Mitarbeiter entlassen, sondern zwei weitere Mitarbeiter einstellen, um sich verstärkt der Gebäudeleittechnik zu widmen. Erneuerbare Energien, Energieoptimierungen und Alarmanlagen sollen kompetent abgedeckt werden.

Schaltanlagenbau und Steuerungsbau für den Installationsmarkt gehören ebenso zum Leistungsstandard wie Automatisierungstechnik. „Wir programmieren auch selbstständig im Hause, von der SPS bis zur Robotertechnik. Für alle Bereiche gibt es Spezialisten. Schwerpunktmäßig ist er im Projektgeschäft tätig, aber auch in der Industrie und hier bis in die Automatisierungsebene. Darin sieht Strobl einen großen Wettbewerbsvorteil, weil sein Unternehmen von Zulieferern weitgehend unabhängig ist.

Große Wachstumsmärkte erblickt er vor allem in der Gebäudeautomatisierung. Nicht zuletzt deshalb fokussieren sich er und seine 38 Mitarbeiter (der jüngste ist 19, der älteste 66) auf entsprechend anspruchsvolle Projekte. Durch sein Know-how ist es ihm gelungen, quasi die gesamte elektrotechnische Ausrüstung des neuen Flughafens Memmingen zu realisieren – einschließlich der Befeuerung der Start- und Landebahnen. „Für solch ein Projekt wie den Allgäu Airport reicht es nicht aus, viele Mitarbeiter zu beschäftigen, sondern sie brauchen vor allem technisches Know-how“, gibt er zu verstehen.

Auch seine anderen Referenzen müssen sich nicht verstecken: Dazu zählen unter anderem die Unternehmen Magnet Schulz Memmingerberg, die Goldhofer Aktiengesellschaft, die Pfeifer Holding GmbH & Co. KG und viele andere mehr. Solche Projekte finden seine Kunden auch auf der Homepage des Unternehmens, die mit fast 700.000 Zugriffen während der letzten drei Jahre sicherlich zu den Spitzenreitern unter den Elektrofachbetrieben zählen dürfte. Auf die Standortfrage angesprochen, signalisiert er Zufriedenheit, denn das Umfeld bietet für sein Unternehmen ein breites Spektrum an Betätigungsfeldern.

Das war nicht immer so, denn angefangen hatte er in der Stadt mit „Standorten“ in verschiedenen Garagen. Stets auf der Suche nach einem zentralen Unternehmenssitz, half ihm schließlich Bürgermeister Michael Knapp, seit 13. Januar 2000 Stadtoberhaupt. Er erinnert sich: „Mit dem stetigen Wachstum des Unternehmens von Michael Strobl ergab sich die Möglichkeit, in das leer stehende Gebäude eines Lebensmittelmarktes umzuziehen.

Das war aber in Privatbesitz und wir haben uns gemeinsam mit der Stadtverwaltung bemüht, für das Unternehmen Strobl Fördermittel zu generieren, denn für die Wirtschaftskraft der Stadt ist es ausgesprochen wichtig, Betrieben eine Basis zu geben, die hier Arbeitsplätze schaffen. Letztlich ist die Stadt Schelklingen, einst geprägt durch die Zementherstellung, in einer wirtschaftlich problematischen Lage.“ Und jetzt kommen für Schelklingen wie für viele andere Regionen auch die Folgen des internationalen Bankenskandals erschwerend hinzu.

Ein weiteres Manko, dass die Ansiedlung von neuen Unternehmen schwierig mache, sei, so Knapp, die relativ große Entfernung zur Autobahn. Im Augenblick gehe es vor allem darum, die ansässigen Betriebe vor Ort zu halten und für sie ein Umfeld zu schaffen, dass ihnen ein erfolgreiches Wirtschaften ermögliche. Auch hier gebe es immer noch, völlig unverständlich, bürokratische Hürden, die die Arbeit der Kommunen erschwerten. Etwas mehr Gestaltungsspielraum wünscht sich Knapp, um rasch handeln zu können, wenn es Interessenten für die Ansiedlung eines Unternehmens gibt. Dem kann Michael Strobl nur beipflichten.

Gern würde er noch mehr Aufträge vor Ort annehmen, aber die Zahl der potenziellen Kunden nimmt in der Region nicht zu. „Wir sind heute schon in Österreich, der Schweiz oder auch in Finnland unterwegs und wickeln dort Aufträge ab. Dabei sollte man meinen, dass das Gute doch so nah, hier in Schelklingen liege. Andererseits kommen aufgrund der Ausschreibungsvorschriften Unternehmen aus Spanien, Portugal, Italien oder Polen hierher und berauben lokal tätigen Unternehmen ihrer wirtschaftlichen Basis. Es muss doch nicht sein, dass einer kleinen Gemeinde verboten wird, Aufträge bevorzugt regional zu erteilen; das sichert doch auch die Existenz der jeweiligen Kommune.“ Hinzu kommt, dass auch er mit seinem Unternehmen gegen manch andere Hindernisse anrennen muss. Bürokratische Hürden und die Ignoranz der Politiker gegenüber dem Mittelstand, beklagt er stark.

Das letzte Jahr verlief für sein Unternehmen ausgesprochen erfolgreich und er blickt auch optimistisch in das laufende Jahr. Die von den Medien mit aufgezogenen düsteren Konjunkturwolken lassen ihn aber nicht unberührt. „Dieses Jahr wird trotz einiger vielversprechender Aufträge sicherlich kein einfaches Jahr. Ungewiss bleibt auch für uns, ob die bereits zugesprochenen Aufträge auch tatsächlich realisiert werden, wenn sich die Lage weiter verschlechtern sollte. Die allgemeine wirtschaftliche Lage wird auch an unserem Unternehmen nicht spurlos vorüber gehen.“

Erklärtes Ziel ist für ihn dennoch, den guten Umsatz von 2008 ebenso zu halten wie die Mitarbeiter. Die aktuellen Neueinstellungen sprechen eine klare Sprache. Auch die sich bereits im Hause befindlichen Aufträge geben ihm ein gewisses Maß an Sicherheit.

Die positive Grundhaltung Michael Strobls hat sicherlich vielfältige Gründe. Einer davon ist, dass er weniger an fremde Unterstützung glaubt, sondern konsequent auf eigene Stärken setzt. Auf die Frage, ob das verabschiedete Konjunkturpaket ihm nützen werde, findet er eine klare Antwort: „Nein, es wird den Handwerksunternehmen kaum eine Stütze sein. Die Investitionen erfolgen an falscher Stelle.

Die Automobilindustrie hat jahrelang beste Geschäfte gemacht und hat das Geld offensichtlich mehr als schlecht verwaltet. Jetzt soll der Steuerzahler, jetzt soll das Handwerk für die Unfähigkeit des dortigen Managements bezahlen, das ist absolut nicht richtig. Das ist das falsche Zeichen für uns als Handwerksunternehmen. Wir können auch keine Steuergelder beantragen, wenn etwas schiefläuft. Wer Geld in solcher Höhe wie die Banken oder die Autoindustrie vom Staat verlangt, muss sich dann auch im zweiten Schritt gefallen lassen, verstaatlicht zu werden.“ Damit spricht der agile Unternehmer ein Thema an, das zurzeit selbst in der Großen Koalition ernsthaft diskutiert wird.

So wenig er auch von den aktuellen Konjunkturprogrammen hält, so gering ist auch sein Vertrauen in die permanenten Bekundungen der Politiker, den Mittelstand zu fördern: „Man spricht immer wieder von Fördergeldern und Unterstützung, in der Praxis kommt aber nichts oder kaum etwas davon beim Mittelstand an.“

Er wäre nicht Innovationspreisträger geworden, wenn er nicht einen gesunden Optimismus ausstrahlen würde. In der Umsetzung moderner Technik im Projektbau sieht er nach wie vor Wachstumspotenzial. Gleiches gilt für die aktive Bearbeitung des Renovierungsmarktes.

Und last, not least soll die Konzentration auf die Automatisierungstechnik als weiteres Standbein die Zukunft sichern. Außerdem, das steht für ihn schon jetzt fest, möchte er 2010 seinen Titel als g+h Innovationspreisträger verteidigen.

Marketing

Den Preis zu nutzen versteht Michael Strobl perfekt. Von den Geschäftspapieren über Unternehmensbroschüren bis hin zum Internet dokumentiert er seinen Erfolg. Dabei hat sich der g+h Innovationspreis als Selbstläufer erwiesen, denn Kunden und Industrie sprechen ihn aktiv an.

Die Einstiegshürde auf dem Weg zum Auftrag ist somit bereits genommen.

2010, das steht fest, möchte er seinen Preis erfolgreich verteidigen. g+h rechnet mit mehr als 300 Teilnehmern.

Erschienen in Ausgabe: 01/2009