Einstieg in die EIB Technik

Die Bustechnik ist kein Hexeneinmaleins und kein Privileg für Paläste

Die Hürden für den Einstieg in die EIB-Technik scheinen für viele Elektromeister immer noch hoch. Komplizierte Software, teure Produkte und „für den privaten Bauherrn ungeeignet“, so lauten die Vorurteile. Daß es sich dabei tatsächlich nur um Vorurteile handelt, beweist Dieter Heß mit seinem Betrieb. Er hat sich für den Einstieg in die Zukunftstechnik des Elektrohandwerks entschieden und bereits sein zweites EIB-Projekt in einem privaten Wohnhaus realisiert.

18. Juni 2001

In Rottendorf, einer kleinen Gemeinde bei Würzburg, plante Familie Schlereth, sich ihren Lebenstraum von den eigenen vier Wänden zu verwirklichen. Da das Ehepaar von Anfang an überzeugt war, nur ein einziges Mal im Leben zu bauen, sollten von vornherein ihre individuellen Vorstellungen in die Planung mit einfließen. Gebaut wurde mit einem Architekten, der die Wünsche der Schlereths in einem Niedrigenergiehaus umsetzte.

Bei einer Wohnfläche von etwas mehr als 100m² konnte durch geschickte Planung ein großzügig nach oben hin offenes Ambiente im Eingangs- und Wohnbereich geschaffen werden.

Doch nicht nur architektonisch sollten die persönlichen Vorstellungen realisiert werden, sondern auch technisch. Ein Blick auf diskret plazierte Anschlußdosen verrät, daß im Gebäude ein Zentralstaubsauger installiert wurde. Für gesundes Raumklima sorgt eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung. Im Keller findet man nicht nur Sauna und Solarium, sondern auch ein Dampfbad; und ein Blick auf die Elektroinstallation verrät den Abschied von der klassischen Installationstechnik.

Der Wunsch nach dem Bus kam vom Bauherren

Installiert wurde der Europäische Installations Bus, der von der Heizungsregelung über die Beleuchtungsteuerung (eine Alarmbeleuchtung wurde ebenfalls integriert) auch das Jalousienmanagement übernimmt. Der Wunsch, den Bus installieren zu lassen, kam von den Bauherren selbst. Sie hatten im G&H Kundenmagazin „Ihr Handwerker“ von dieser Technik erfahren und den Auftrag für die gesamte Elektroinstallation ihrem ortsansässigen Elektromeister, Dieter Heß, übergeben.

Im Gespräch mit der G&H Redaktion erinnert sich Dieter Heß an die Vorgespräche mit den Schlereths: „Als ich hörte, daß die Bauherrn die Heizung, die Wohnungslüftung, die Rolläden und das Licht automatisch, möglichst per Fernbedienung, steuern wollten, haben wir die Kosten von konventioneller Technik den Buskosten gegenübergestellt und uns schließlich auf den EIB geeinigt.“

Als Schalterprogramm wählten die Schlereths das System Octocolor von Merten. Über die entsprechenden Taster oder eine Fernbedienung können die Hausbesitzer jetzt jederzeit alle mit dem Bus verknüpften Geräte im Gebäude bequem steuern. Nach knapp neun Monaten „Busreise“ erklärt Monika Schlereth: „Wir sind in jeder Hinsicht mit der Entscheidung für den EIB zufrieden. Was uns von Beginn an faszinierte war die Möglichkeit, dieses System jederzeit erweitern zu können.“ Telefonwählgerät und Sauna werden die nächsten Stationen ihrer „Busreise“ sein.

Fazit:

Am hier vorgestellten Objekt sind gleich mehrere Aspekte bemerkenswert. Erstens kam der Wunsch nach der Bustechnik vom Auftraggeber. Zweitens wurde diese Technik in einem ganz normalen privaten Wohnhaus installiert und drittens wurde die Ausführung von einem kleinen Elektrofachbetrieb durchgeführt. Das Beispiel macht deutlich, daß der Einstieg in die EIB-Technik recht einfach sein kann. Wer den sich bietenden Markt erkannt hat und sich vorurteilsfrei dieser Technik stellt, wird mit ihr erfolgreich werden.

Erfolg mit neuen Techniken

1976 begann Dieter Heß mit seiner Ausbildung zum Elektroinstallateur. Nach der Meisterprüfung schließlich wagte er im Juni 1989 als Ein-Mann-Betrieb den Sprung in die Selbständigkeit. Heß erinnert sich, daß die Anfänge nicht leicht waren und das „Klinkenputzen“ somit unvermeidlich war. Doch nachdem die anfänglichen Schwierigkeiten überwunden waren, ging es kontinuierlich bergauf. Heute beschäftigt der Elektromeister drei Mitarbeiter. Auf die Frage, ob er daran denke, seinen Betrieb weiter auszubauen, schüttelt er den Kopf. Angesichts des Wettbewerbs vor Ort (hier gibt es drei Elektrofachbetriebe für rund 5000 Einwohner) kommen die Aufträge nicht von allein. Deshalb sei die vorhandene Betriebsgröße gerade richtig, weil sich Risiken so leichter abfedern ließen.

Seine Marktposition möchte der Elektromeister dennoch ausbauen - nicht zuletzt durch den Einsatz neuer Techniken , denn, so Heß, mit dem Strippenziehen allein kann man kein Geld mehr verdienen. Deshalb konzentriert er sich auf Sat- und ISDN-Technik sowie EDV-Vernetzung. Jüngstes Tätigkeitsfeld ist die Bustechnik.

Seine ersten beiden Objekte hat er lediglich installiert. Bei der Inbetriebnahme und der Programmierung haben ihn sein Großhändler und ein Vertreter des Systemherstellers aktiv unterstützt. Für Dieter Heß steht nach den ersten Erfahrungen schon jetzt fest, daß er sich sowohl in der ETS-Software als auch auf der Produktseite schulen lassen wird. Er ist davon überzeugt, daß ihm die Theorie nach den ersten praktischen Erfahrungen einfach leichter fallen wird.

Erschienen in Ausgabe: 05/2001