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g+h Ausgabe 4/2013: Die armen Würstchen am großen Trog

Das Leben kommt auf alle Fälle aus einer Zelle. Doch manchmal endets auch - bei Strolchen - in einer solchen, dichtete der unvergessliche Heinz Erhardt.

12. Juni 2013

Ja gäbe es unseren Uli nicht, dann hätten wir keinen FC Bayern und wohl auch weniger Schlagzeilen. Der Fall Hoeneß steht für zwei Binsenweisheiten: Hochmut kommt vor dem Fall und Geld ist zwar eine Leidenschaft, aber eine korrumpierende und niedrige zugleich. Um sie zu befriedigen, ist den meisten jede noch so schäbige Handlung gerade recht.

Unabhängig davon, ob der Uli nun Selbstanzeige erstattet hat oder nicht, ob er in Österreich straffrei davongekommen wäre, Steuerhinterziehung oder -betrug ist zwar beliebt und stößt immer wieder auf verständnisvolle Zustimmung in der Bevölkerung, bleibt aber strafrechtlich relevant und ist in höheren Dimensionen auch eine Fahrkarte hinter die Gardinen Schwedens. Verdient also im Angesicht der deutschen Steuerlast unser Uli Mitleid, ist er lediglich ein Opfer politischer Fehlentscheidungen, sozusagen ein armes Würstchen, das vom Finanzamt aufgefressen wird und am Ende natürlich auch ausgeschieden werden muss? Nein, mitnichten, er ist sicher ein Würstchen, aber kein armes und er reiht sich in die Riege der fetten Würste ein, die offensichtlich ein Problem mit Staat und Recht sowie gesellschaftlicher Verantwortung haben.

Kaum schwammen Ulis fette Schweizer Würstchen auf dem Mediensumpf, der solche Zeitgenossen stets gern mit lautem Getöse hinunterzieht, da kam es zum Rücktritt irgend eines unbekannten CSU-Fraktionsvorsitzenden oder so ähnlich (ich kenne ihn nicht). Der hatte seiner Gattin in ihrer Funktion als Bürogehilfin wohl mehr als 5.000 Euro monatlich aus Steuermitteln als Gehalt angedeihen lassen völlig legal, wie es immer so schön heißt. Und mittlerweile tauchen immer mehr solcher legalen Beschäftigungsverhältnisse auf, für die wir als Steuerzahler geradestehen müssen. Es müssen bundesweit 100.000 Einzelfälle sein. Uli steht als Einzelfall also keineswegs einzeln auf weiter Schweizer Flur.

Übertragen wir das alles einmal auf das Phänomen Mensch, so lässt sich feststellen, dass wir einen offensichtlich naturgegebenen Hang zu Korruption und Betrug innehaben. Und insofern bringen viele ihren fehlgeleiteten Zeitgenossen viel Verständnis entgegen, egal wie verrottet deren Grundhaltung zum Gemeinwohl sich offenbart.

Ähnlich geht es im Tierreich zu. Sind die Tröge gefüllt, scharen sich die Schweine darum; sie interessiert es nicht, wer für den Trog sorgt, sie möchten lediglich die größte Menge des Inhalts ergattern. Und dabei wird so mancher Artgenosse einfach fortgebissen. Ist solches Verhalten auf uns zu übertragen also menschlich oder bleibt es schlicht und ergreifend schweinisch? Ich bin der Überzeugung, dass es sich um eine große Sauerei handelt. Wer überführt ist, sollte definitiv Zeit bekommen, in einer unserer modernen Justizvollzugsanstalten neben dem Kinoerlebnis, Fitness, Tennis und Theater über die Welt und Gott nachzudenken. Mit guten Vorsätzen und resozialisiert, wird er die Schweiz künftig eher als Natur- denn als Steuerparadies zu schätzen wissen.

Erschienen in Ausgabe: 04/2013