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g+h Ausgabe 6/2014: So beschränkt sind unsere Journalisten

Und so intelligent sind wir ...! Vor drei Monaten hielt Deutschland den Atem an, spannender als das WM-Endspiel gegen Argentinien hätte auch Alfred Hitchcock keinen Thriller drehen können. Die nervliche Belastung war so groß, dass in einigen Städten während der Halbzeit das Wasser nur noch tröpfelnd den Hahn verließ, weil 35 Millionen Menschen gleichzeitig die Klospülung in Gang setzten. In der 113. Minute schließlich erlöste Mario Götze durch sein grandioses Tor die ganze Nation und brachte uns den Weltmeistertitel.

21. Oktober 2014

Die „ganze Nation“ und „uns“, da sind Zweifel angebracht. Im Gegensatz zur argentinischen Präsidentin, die das Endspiel in den Buntkarierten verschlafen hatte, hielt es unsere passionierte Angie nicht länger auf dem Sitz, und außerdem zog es sie nach dem Spiel auch noch in die Umkleidekabine, um ihren Jungs persönlich zu gratulieren. Welch ein Unterschied zur argentinischen Kollegin. Selten hat sich die Nation in so ausgelassener Feierstimmung befunden. Auch unser Bundespräsident ließ seinen Emotionen freien Lauf. Die staatsmännische Grundhaltung stellte er für einen Moment hinter der Eckfahne des Spielfeldes ab. Am Ende ließen sich Mannschaft, Trainer und Betreuer vor der Kulisse des Brandenburger Tores feiern, während am Himmel der „Siegerflieger“ bei Kaiserwetter noch eine Ehrenrunde drehte. Humorvoll, emotional und lustig, so könnte das Fazit lauten könnte, wenn es da nicht in diesem unserem Lande jene Journalisten gäbe, deren debile Grundhaltung aus jedem noch so kleinen Furz einen Tsunami moralischer Entrüstung zaubert. „So gehen die Gauchos und so gehen die Deutschen“ skandierten einige unserer Weltmeister und wechselten von gebeugter Haltung in die hohe Streckung; das Publikum stimmte begeistert mit ein. Nach diesem Auftritt war jedem Menschen mit normalem Verstand klar, dass einige ohne denselben spätestes am nächsten Tag zum Rundumschlag auf der journalistischen Narrenbühne einladen würden.

Angesicht der Vielzahl unqualifizierter Kommentare konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Deutschland einen Angriffskrieg plant. Mit einem Schlag hätten sie ihren Weltmeistertitel durch ihren Auftritt wieder zunichte gemacht, hieß es unter anderem. Der DFB-Präsident fühlte sich schließlich bemüßigt, zu schlichten; hätte allerdings überhaupt keinen Anlass gehabt, uns eine Gewissenskur zu verordnen. Humor setzt Intelligenz voraus. Über andere und auch sich selbst lachen zu können, ist eine hohe Kunst, die vor allem die Briten perfekt beherrschen. Hierzulande gelingt dies einem Teil der Journalisten offensichtlich nicht, weil sie im Gegensatz zur Mehrheit der Deutschen beschränkt sind. Es mangelt ihnen nicht nur an Humor, sie sind auch kaum in der Lage, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und niemand weiß wirklich, wie und ob sie jemals einen qualifizierten Schulabschluss gemacht haben. Der Beruf des Journalisten ist eine der letzten Karriereleitern, die man ohne jede Geistesbildung erklimmen kann. Dadurch wird öffentlicher Willkür und Bosheit Einlass in die weite Medienwelt gewährt.

Erschienen in Ausgabe: 06/2014