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g+h Ausgabe 7/2014: Die bayerische Maß am alten Saumpfad

Die aktuellen Einnahmen, die unser Väterchen Staat aus dem Straßenverkehr zieht, reichen aus, sämtliche Autobahnen mit einer fetten Schicht Blattgold zu überziehen.

10. November 2014

Vor der letzten Bundestagswahl herrschte im Irak, in Syrien, in Afghanistan, in einem Großteil Afrikas sowie vielen anderen Staaten und Regionen Krieg. Nach der Bundestagswahl herrscht er noch immer. Vermutlich hat der Krieg die längste Herrschaft unter allen anderen Herrschaften inne, auch jenen, die ihn anzetteln. Aber der Krieg ist heute nicht mein Thema, allenfalls die Herrschaft und hier auch nur die Herrschaften von der CSU vor und nach der Wahl. Also angesichts der herrschenden Kriege und herrschender Hungersnot hätte man von der Top-C-Partei schon ein wenig mehr in Sachen Notlinderung erwartet. Sicher, Afrika ist von Bayern weit entfernt, und verwandtschaftliche Beziehungen bilden die Ausnahme, und der Bayer reist zwar gern in die Berge, aber nicht zum Hindukusch, sondern eher nach Reit im Winkel. Und dorthin reist er bevorzugt mit dem Auto. Dabei stören ihn vor allem die Ausländer, die ihre Pneus anstandslos über den bayerischen Asphalt rollen ohne auch nur einen Taler in den Klingelbeutel zu werfen.

Damit sollte vor der Wahl Schluss sein und danach sowieso. Vor dem Hintergrund der kriegerischen Weltkulisse gruben die Wahlkampfexperten das globale Wahlkampfthema zwischen Bad Reichenhall und Bad Oberdorf (dort wohne ich!) aus, erkoren es für unseren Seehofer Horst zur Chefsache und machten nach erfolgreich verlaufener Wahlschlacht gleich eine Koalitionsfrage daraus. Mit anderen Worten: Uschi darf für jeden Krieger eine Kinderkrippe bauen lassen, Schäuble die Banken mit Billionen retten und Angie unsere Altersabsicherung in den Wind blasen, Hauptsache die Zugreischten (hochdeutsch Fremde, Fremdlinge, Außerbayerische) drücken endlich ihren Obolus für den heiligen blau-weißen Asphalt ab. Nein, nicht nur für den bayerischen; in der CSU denkt man international und schließt selbst noch ferne Länder wie Meckpom („Word“ schlägt hier als Korrektur „Mekong“ vor auch nicht schlecht) und das olle Brandenburg mit ein – von allen anderen Saupreißn ganz zu schweigen.

Und da man hierzulande keine Halben trinkt und auch nicht mag, hieß es aus dem Vollen zu schöpfen, also das bayerische Maß an jeden noch so abgelegenen Saumpfad anzulegen und eine entsprechende Maut zu fixieren. Nicht nur der bayerische Bierbauch wusste solch kühne Tat zu schätzen, sondern aus allen Bierbäuchen von Flensburg bis Oberammergau machte sich die gute Laune über diesen Geniestreich kräftig Luft. Dass dieselbe erbärmlich stinkt, fiel kaum jemandem auf. Der po-litische Alltagsgestank hat die olfaktorischen Sinne schon lange betäubt, und das Hirn der meisten war bereits vorher vernebelt, vom Bier oder einfach nur, weil es unterentwickelt ist. Ob die Maut jemals kommt, sei dahingestellt. Bei Redaktionsschluss war noch alles offen, vor allem natürlich die stets leergeräumte Haushaltskasse. Fest steht nur, dass sie, die Maut und nicht die Haushaltskasse, aus einer Bierlaune geboren sein muss und wie fast alle po-litischen Entscheidungen nur dazu dienen wird, die Löcher im Haushalt und nicht in der Straße zu stopfen.

Erschienen in Ausgabe: 07/2014