Energiesparwunder

LonWorks-Technologie im neuen Post-Tower

In Bonn entsteht der Post-Tower, die neue Zentrale der Deutschen Post. 162,5 Meter hoch, mit 42 überirdischen und fünf unterirdischen Etagen. Von der optisch beeindruckenden Doppelglasfassade über „intelligente“ Büros bis hin zu einem ausgeklügelten Lüftungssystem wurde auf zwei Merkmale besonders großer Wert gelegt: Energieeinsparung und Arbeitsplatzkomfort. Das Zusammenwirken verschiedenster Gewerke, wie beispielsweise Heizung, Klima, Lüftung, Kunstlicht und Sonnenschutz (auch zur Tageslichtlenkung) und so weiter, muß hier auf das genaueste aufeinander abgestimmt werden. Die Mannheimer ABB Gebäudetechnik AG hat als Technischer Generalunternehmer diese Aufgabe (in Gemeinschaft mit der Stangl AG, Deggendorf) übernommen. Der Post-Tower wird bis zu 30 Prozent weniger Energie benötigen als ein konventionell gebautes Hochhaus. Hierfür ist eine leistungsstarke Technologie nötig. ABB, verantwortlich für die komplette Gebäudetechnik, von der Energieversorgung bis hin zur Steuerungs- und Regelungstechnik, setzt bei solchen Anforderungen auf LonWorks-Technologie.

28. Januar 2002

„Technik, die dem Menschen dient“ ist auch das Motto der von ABB für die gesamte Sonnenschutzsteuerung verpflichteten Reko electronic GmbH, Marktheidenfeld. Abgestimmt auf die innenliegenden Sonnenschutzbehänge der Schwesterfirma Warema aus dem gleichen Ort wird eine Sonnenschutzsteuerung in LonWorks-Technologie für ein angenehmes Arbeitsklima im Post-Tower sorgen.

Hierfür werden in der Doppelfassade insgesamt etwa 4.000 Raffstoren mit 150 Millimeter breiten Speziallamellen und im Innenbereich nochmals etwa 1.900 Raffstoren über rund 1.500 Motorsteuereinheiten des Typs Lon-MSE4M230I Clip angesteuert. Die Behänge ermöglichen blendfreies Arbeiten und bestmögliche Ausnutzung von Tageslicht. Die Steuerung sorgt für den richtigen Lamellenwinkel an jedem Arbeitstag über das ganze Jahr hinweg.

Verantwortlich dafür ist die sogenannte Lamellennachführung durch winkelgenaue Nachführung der einzelnen Lamellen nach dem Sonnenstand. Von der Lon-Sensoreinheit erhalten die Aktoren den berechneten Sonnenstand (Elevation- und Azimutwinkel sowie Außenhelligkeit und weitere Wetterdaten). Gemäß der Parametrierung berechnet der Aktor die optimale Lamelleneinstellung und steuert den Antrieb, der mit Positionsrückmeldung ausgerüstet ist, entsprechend an. Damit wird Diffuslicht an die Decke und von da in die Tiefe des Raumes gelenkt, direkte Sonnenstrahlen werden jedoch ausgesperrt. Das Energieeinsparungspotential liegt hier klar auf der Hand: Kunstlicht kommt erst zum Einsatz, wenn das natürliche Licht optimal ausgebeutet ist.

Eine weitere Eigenentwicklungen der Reko electronic ist das sogenannte Jahresverschattungsdiagramm. In diesem Modul zur Optimierung der Lichtlenkung werden anhand der Gebäudekontur, der Postition hinsichtlich der Nachbargebäude (hier die eigene elliptische Fassade) sowie der eigenen geographischen Ausrichtung typische tages- und jahreszeitabhängige Schattenverläufe errechnet. Diese liegen, wie auch die vorstehende Funktion, als Datenbank im Lon-Aktor und gewährleisten eine weitere Unterstützung der Tageslichtsystemtechnik.

Das Jahresverschattungsdiagramm wird zunächst für die „Skygärten“ (Lichthöfe über neun Etagen) des Post-Towers und das Sockelgeschoß verwendet.

Während die Steuerung in LonWorks-Technologie also die bestmögliche Einstellung ermöglicht, sorgen bauseitige Raumbediengeräte in den Büros für die individuelle Einwirkung durch den einzelnen Mitarbeiter. Die vorparametrierte Einstellung geht dadurch nicht verloren und kann jederzeit durch wiederhergestellt werden. Über die „Gruppenbildung“ können mehrere Aktoren zu sinnvollen Gruppen zusammengefaßt werden (beispielsweise für eine raumweise Bedienung).

Eine weitere Komfort-Einstellung ist die Speicherung von Szenen. Im Büroalltag immer wieder vorkommende Abläufe werden zu einer „Szene“ zusammengefaßt und gespeichert. So können beispielsweise über das Szenario „Konferenz“ durch einen einzigen Tastendruck alle benötigten Module in die richtige Position gebracht werden. Kunstlicht schaltet sich aus, die Behänge fahren in Abschirmstellung, die Leinwand fährt aus, der Beamer läuft an, ebenso die Lüftung und so weiter. Auf einen weiteren Tastendruck hin wird die Szene wieder aufgelöst.

Die für diese Sonnenschutzsteuerung verwendeten Aktoren (LON-MSE4M230I) weisen folgende Besonderheiten auf:

- Lamellennachführung mit Hall-Sensor,

- Jahresverschattungsdiagramm in bestimmten Bereichen,

- Brandalarm mit Drahtbruchüberwachung,

- Systemintegration durch ABB,

- LON-Netzwerk, Binding, LNS-Datenbank ABB,

- Sensoren, Lon-Sensoreinheiten, generische Module, Lon-MSE4M230I Clip, Parametrierung, Lamellennachführung Jahresverschattungsdiagramm Reko electronic GmbH.

Für den gesamten Post-Tower werden zwischen 5.000 und 6.000 dezentrale Lon-Knoten integriert, davon allein 4.560 in den 1.520 Büroräumen.

Erschienen in Ausgabe: 10/2001