Erreichbar auf allen Kanälen

Management

Jokari. Das Motto der Light + Building 2018 „Vernetzt – Sicher – Komfortabel“ wird im Hause Jokari schon seit Jahren umgesetzt. g+h sprach mit Frank J. Goebbels über die erfolggekrönte professionelle Umsetzung der digitalen Strategien im Unternehmen.

08. Mai 2018
© Jokari
Bild 1: Erreichbar auf allen Kanälen (© Jokari )

Herr Goebbels, die Light + Building liegt hinter uns. Wie haben Sie die Messe erlebt?

Frankfurt hat richtig Spaß gemacht, weil die Resonanz von unseren Anwendern sehr gut war. Für uns ist die Light + Building immer sehr speziell, weil sie eine Mischung aus Regionalmesse mit Anwenderkontakten und Händlermesse mit Händlern und Distributoren ist. Besonders schön ist der Sonntag. Da kommen die kleineren und mittleren Großhändler oder Elektroinstallateure mit Frauen und Kindern und wollen sehen, was es Neues gibt. Das sind Betriebe, wo der Chef noch selbst aktiv auf der Baustelle ist und bei der momentan guten Auftragslage in der Woche keine Zeit hat auf die Messe zu gehen. Und so mancher Vater zeigt seinen Kindern, wie er mit unseren Werkzeugen arbeitet. Da stehen wir daneben und brauchen gar nichts mehr erklären. Aber keine Frage, auch die anderen Messetage waren gut besucht und sehr erfolgreich für uns.

Welche Produkthighlights haben Sie in diesem Jahr auf Ihrem Messestand präsentiert?

Unsere Highlights kann ich in zwei Kategorien aufteilen. Zum einen die Hardware, also das, was man mit den Händen anfassen kann. In diesem Fall unser neuer Jokari XL, den um Längen einfacheren Entmantler. Mit ihm lassen sich auch in tiefen Gerätedosen ohne viel Kraftaufwand Kabel abisolieren. Man kommt also bequem und mit genügend Abstand zur scharfkantigen Gerätedose an die richtige Stelle. Der andere Bereich ist die Software. Das heißt jetzt nicht, dass wir ein Programm geschrieben haben, sondern es geht um ein Produkt, dass man nicht anfassen kann – unsere E-Commerce-Plattform. Auf unserer Homepage haben Interessenten jetzt die Chance, sich nicht nur über unsere Produkte zu informieren, sondern diese auch direkt zu kaufen, indem sie über unsere Plattform an Händler geleitet werden. Diese Plattform kann jeder, der unsere Produkte verkauft, gerne nutzen. Voraussetzung ist, dass ein professioneller E-Shop dahinter steht, der für Endkunden sicher ist. Es werden nur Produkte angezeigt, die innerhalb von 24 Stunden versendet werden können. Wir glauben an den mehrstufigen Handel und geben ihm so die Chance, auch im E-Commerce mit uns gemeinsam tätig zu sein.

Wie wird der Service angenommen, gibt es schon ein Feedback?

Wir sind jetzt seit Anfang Februar in der Beta-Version online und haben eine sehr gute Resonanz. Auch das Feedback von den derzeit teilnehmenden Händlern ist sehr gut. Es sollen sicherlich noch einige mehr werden, aber wir sind für den Anfang sehr zufrieden.

 

Was bedeutet das Motto der Light + Building „Vernetzt – Sicher – Komfortabel“ für Ihr Unternehmen?

Das sind sehr große Buzzworte, darüber könnte ich jetzt eine halbe Stunde reden. Unsere Produktion versuchen wir schon seit einiger Zeit mehr und mehr zu automatisieren. Nicht mit dem Hintergrund Mitarbeiter einzusparen, sondern es ihnen einfacher, und die Arbeit angenehmer zu machen. Und natürlich auch, um unseren Mehrbedarf abdecken zu können. Und es gibt noch weitere Anknüpfungspunkte. Als ich 2011 bei Jokari angefangen habe, waren wir, glaube ich, eins der wenigen Unternehmen unserer Größenordnung, die einen dezentralen Vertrieb aufgebaut haben. Das heißt, man hat mir alle Möglichkeiten eingerichtet, um im Homeoffice arbeiten zu können. Und nicht nur von zu Hause, egal, wo ich auf der Welt bin, kann ich so arbeiten, als ob ich im Büro sitzen würde. Inzwischen arbeiten einige Mitarbeiter extern. Dazu gehört natürlich ein großes Stück Vertrauen, aber das haben wir. Der Erfolg gibt uns recht, beide Seiten sind mit sehr viel Spaß dabei. Sie merken, das Motto bedeutet schon seit einigen Jahren sehr viel für Jokari.

Und wie setzt die Branche in Ihren Augen diese Themen um?

Das ist immer sehr schwierig zu sagen. Man sieht natürlich, dass große Unternehmen, gerade in der Automatisierung, extrem aktiv sind. Aber wenn man die Nutzung der modernen Medien anschaut, ob es nun Social Media oder E-Commerce-Shops sind, glaube ich, die Branche hat noch recht viel Potenzial. Im Bereich Food oder Elektronik ist man da schon sehr viel weiter.

Welche Hausaufgaben sind hier gerade im Bereich Datensicherheit noch zu erledigen? Kann es überhaupt eine hundertprozentige Sicherheit geben?

Ohne Experte zu sein, bin ich mir ziemlich sicher, dass eine hundertprozentige Sicherheit kaum möglich ist. Und schon gar nicht für Unternehmen unserer Größenordnung. Wenn man sieht, dass selbst große Regierungen es nicht schaffen, sich digital abzuschirmen, wird es wohl kaum für das Unternehmen Jokari hundertprozentig möglich sein. Aber wenn man sich ein bisschen engagiert und die richtigen Partner hat, kann man sicher einiges realisieren.

Nun gibt es aber sensible Daten, die in irgendeiner Cloud herumschweben.

Darum arbeiten wir mit einem sehr guten Datensicherheitsexperten zusammen. Wir haben nahezu keine Daten, die nicht ohnehin für jeden Zugriff bereit sein sollen, in der Cloud. Und wenn wir etwas in der Cloud haben, ist es auf deutschen Servern und unter deutschen Datensicherheitsgesetzen. Man darf aber auch nicht zu ängstlich sein, denn auch analog gibt es keine 100-prozentige Sicherheit. Ich kann die besten Schlösser bei uns in der Firma einbauen, das heißt aber nicht, dass es nicht Einbrecher gibt, die sie öffnen können und so bei uns an die Aktenordner kommen, die es zum Glück kaum noch gibt. Das ist dann genauso wenig sicher, als wenn jemand digital einsteigt.

Schon vor Jahren, als es noch nicht in aller Munde war, waren Sie im Social-Media-Bereich unterwegs. Wie hat sich dieser Zweig entwickelt?

Social Media ist schon immer mein Steckenpferd und unser Auftritt auch so ein bisschen mein Baby. Er hat sich extrem gut und auch sehr schnell entwickelt. Und das Gute dabei ist, dass wir gar keine negative Resonanz im Netz bekommen haben. Im Gegenteil viele unserer Kunden sehen das sehr positiv und schätzen es, dass wir dort aktiv sind, offen sind, dass wir verschiedene Kommunikationsmöglichkeiten nutzen, um für sie erreichbar zu sein. Das kommt einfach sehr gut an.

 

Es könnten auch negatives Posts auf Ihrer Seite erscheinen, wie reagieren Sie darauf?

Wir reagieren grundsätzlich und wir reagieren offen. Alle Posts, die menschenfeindlich sind und gewissen ethischen Gesichtspunkten nicht entsprechen, werden sofort gelöscht. Das ist eine Selbstverständlichkeit. Aber mit Kritik können wir sehr gut umgehen. Auch hier passt das Beispiel analog zu digital. Wenn jemand bei uns auf dem Messestand steht und mit irgendetwas nicht zufrieden ist, oder seine Meinung kundtut, dann schicken wir ihn ja auch nicht weg und verbieten ihm den Mund. Sondern wir reden mit ihm. Genau das Gleiche machen wir in den sozialen Medien auch. Wir nehmen es auf, thematisieren es und sehen es auch als Chance, an einigen Stellen besser zu werden.

Welche Plattformen sind für Sie die Wichtigsten und wie und in welchem Umfang werden Sie bedient?

Facebook ist sicherlich derzeit für uns die wichtigste Plattform. In Deutschland und international. Das mag sich vielleicht in den nächsten Jahren wandeln, aber da hab ich keine Glaskugel. Ich glaube, für unsere Zielkundschaft ist unser Auftritt sehr sinnvoll. Auf Facebook sind wir mit etwa drei bis vier Posts pro Woche aktiv. Dabei ist mein Gesichtspunkt: Wenn ich Elektroinstallateur bin und Jokari folge, möchte ich nicht jeden Tag etwas über das nächste Jokari-Werkzeug erfahren, sondern mich interessieren auch andere Informationen rund um das Thema. Deswegen posten wir neben Produktinformationen auch Brancheninformationen und teilen hilfreiche Onlineangebote. Neben Facebook bedienen wir im B-2-B-Bereich noch Twitter, Linkedin und Xing. Das ist dann eher ein reiner Businessbereich mit anderem Content. Es gibt sicherlich auch mal Postings, die in verschiedenen Kanälen gleichzeitig laufen, aber im Regelfall ist jeder Content auf den Kanal angepasst. Stück für Stück beschäftigen wir uns jetzt auch mit Youtube und Instagram.

Was erreichen Sie konkret damit? Und wo soll die Reise noch hingehen?

Wir versuchen unseren Kunden zusätzliche Möglichkeiten zu bieten mit uns in Kontakt zu treten. Das Schöne an Social Media ist ja, dass es eine Zwei-Wege-Kommunikation ist. Zum einen geben wir Informationen raus, sind aber auch froh, dass wir Informationen vom Konsumenten zurückbekommen. Das schafft Kundennähe. Also wir lassen unsere Anwender, unsere Kunden an uns teilhaben, an dem teilhaben, was wir tun, was uns bewegt und warum wir unseren Job so gerne machen. Wo die Reise hingehen kann? Das ist sehr schwierig zu sagen. Ich hab das Gefühl, dass die sozialen Medien und generell der Onlinemarkt immer weiter steigen wird. Ich weiß nicht, ob es da irgendwann einen Zenit geben wird. Aber ich weiß, dass wir immer sehr offen sein müssen und das Ohr am Markt haben müssen, um zu sehen, wohin sich das Ganze entwickelt. Was uns treibt, ist die Tatsache, dass wir unsere Kunden ganz gerne auf ihrem Weg begleiten wollen.

Auf der Light + Building haben Sie mir von einer Agentur erzählt, die Sie bei Ihren Aktivitäten unterstützt. Können Sie mir dazu noch Näheres sagen?

In den ersten Jahren haben wir die sozialen Medien allein bedient. Inzwischen haben wir eine so große Resonanz, dass wir den Auftritt mit eigenen Mitarbeitern kaum abdecken können. Darum haben wir uns Profis an die Seite genommen, die uns unterstützen und in der täglichen Kommunikation an unserer Seite stehen. Aber eben auch Themen digital aufbereiten und Videos erstellen, um diese Themen so zu platzieren, dass sie von den Anwendern gerne gesehen werden.

Ein paar Tipps vom Profi: Was muss man beachten, um in diesem Bereich erfolgreich zu sein?

Einfach ohne Angst an die Sache gehen. Natürlich mit Bedacht. Weil Social Media einer täglichen Pflege bedarf, muss man einiges an Zeit einplanen. Es ist ein schnelles Medium in dem man auch mit negativer Kritik umgehen können und sie ins Positive wandeln muss. Diese Punkte sind für mich die wichtigsten.

Es wäre also ein grober Fehler nicht sofort zu reagieren?

Es ist nicht so, dass sich bei uns 24 Stunden, sieben Tage die Woche jemand damit beschäftigt. Wir reagieren im Regelfall eigentlich nur während der Arbeitszeiten. Aber unser junges, social-media-affines Team gibt durchaus auch mal am Wochenende qualifizierte Antworten. Ich glaube nicht, dass man immer innerhalb von ein paar Minuten reagieren muss. Mit schnell meine ist, dass spätestens innerhalb von 24 Stunden eine qualifizierte Antwort erfolgen muss.

Wie passen Printmedien noch in Ihre Zukunft?

Diese Frage höre ich in letzter Zeit sehr oft. Ich selbst bin ja noch analog aufgewachsen. Auch die heutige Jugend findet es noch ganz interessant, mal eine Zeitschrift in die Hand zu nehmen. Aber ich glaube, dass eine reine Zeitschrift nicht mehr all die Informationen übermitteln kann, die wir heute haben, wie zum Beispiel Videos et cetera. Moderne Magazine, wie etwa die g+h, arbeiten darum ja schon mit QR-Codes oder Verlinkungen, um Hintergrundinformationen zum eigentlichen Artikel zur Verfügung zu stellen. Unterm Strich bin ich mir sicher, dass Printmedien weiterhin ein wichtiger Anker in der Branchenkommunikation sind.

Welches Feedback bekommen Sie zu diesen Themen von Ihren Partnern und Kunden?

Am Anfang haben einige unser Engagement belächelt, aber inzwischen bekommen wir sehr viel Lob. Manchmal gibt es gerade bei den internationalen Partnern zwar noch ein großes Fragezeichen im Gesicht, wenn ich sie darum bitte, uns im Zusammenhang mit unseren Produkten Content zu liefern und uns zu sagen, was sie bewegt und über was die gerne reden würden. Aber mehr und mehr merken sie, dass eben dieses Feedback aus dem Markt unseren Erfolg ausmacht, und arbeiten aktiv mit.

Wie begegnen Sie eventuellen Hemmschwellen?

Wir überreden niemanden irgendetwas zu tun, was er nicht möchte. Dazu fällt mir eine Geschichte von einem Geschäftspartner ein, der auf unsere Aussage, dass wir auch per WhatsApp und Facebook-Messanger auf Anfragen reagieren, sagte: ‚Oh je, dann kontaktieren mich ja noch mehr Leute‘. Meine Reaktion war: ‚Also ich finde es toll, wenn ich kontaktiert werde. Es hat damals ja auch niemand das Faxgerät nicht angeschafft, weil da sonst noch jemand ein Fax schicken könnte‘. Genau auf dieses Potenzial bauen wir, dass Leute mit uns Kontakt aufnehmen. Und je mehr Möglichkeiten ich ihnen gebe, uns zu erreichen und zwar komfortabel zu erreichen, so wie es für sie gerade am besten ist, desto besser. Das heißt ja nicht, dass ich das Faxgerät oder Telefon abschaffe. Das heißt nur, dass ich einen weiteren Weg aufmache, uns zu erreichen. Selbstverständlich bedienen wir auch jene, die sich in den sozialen Medien nicht wohlfühlen. So laufen unsere Gewinnspiele auch immer parallel auf unserer Homepage, sodass man die Möglichkeit hat mitzuspielen, wenn man sich nicht bei Facebook anmelden möchte.

Eine Frage zum Privatmann Frank Goebbels: Wie vernetzt und digital sind Sie zu Hause?

Zum Leidwesen meiner Frau und zur Freude meines sechsjährigen Sohnes bin ich auch zu Hause sehr vernetzt und digital. Das technische Interesse habe ich schon von klein an. Und so gibt’s natürlich bei mir einen Sprachassistenten, ich darf ihren Namen jetzt nicht aussprechen, sonst hört sie mir direkt zu. Ich sage nur Amazon Echo. Mit dieser netten Sprachassistentin kann ich zu Hause das Licht bedienen oder die Heizung regeln, genauso wie es mir auch meine Apple-Geräte ermöglichen. Das ist die komfortable Komponente, aber einen Sprachassistenten kann man auch im Bereich Marketing als neues Medium einsetzen. Zum Beispiel denken wir bei Jokari drüber nach, Skills für Amazon Echo zu erstellen. Sobald wir den hundertprozentigen Ansatz für einen echten Mehrwert für den Anwender haben, werden wir das auch tun. Denn wenn ich jetzt einmal vom Privatmann Frank Goebbels spreche, ist es so, dass ich morgens über Amazon Echo nach den neuesten Nachrichten frage und dann zum Beispiel eine Zusammenfassung der Tagesschau bekomme. Inzwischen ist es so, dass man sich seine Nachrichteninformationsquellen zusammenstellen kann. Ich denke, dass es in kürzester Zeit so sein wird, dass man sich nach persönlichem Interesse Medien zusammen stellt – sei es ARD, ZDF oder auch Jokari und g+h – und morgens aktuelle Informationen abfragen kann. Natürlich wird es wahrscheinlich noch ein paar Jahre dauern, bis Jokari und g+h in einem Informationspool sind, bei dem sich Sprachassistenten bedienen. Aber diese neuen Medien machen mir einfach richtig Spaß, und sobald es dort positive Möglichkeiten für Jokari gibt, werde ich vorbereitet sein.

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch Herr Goebbels.

Erschienen in Ausgabe: 03/2018