Herr Dr. Bär, in welchen Schritten entwickelte sich Ihr Unternehmen?

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S. Bär: Die Geschichte von Esylux begann im Jahr 1968. Gegründet wurde das Unternehmen von meinem Schwiegervater Peter Kremser; zunächst als reine Werksvertretung. In der augenblicklichen Phase wird es von ihm sukzessive an die nächste Generation übergeben. So liegt die Verantwortung zurzeit bei drei Personen: Peter Kremser, Mareks Peters als Geschäftsführer für Marketing und Vertrieb und bei mir unter anderem für Produktentwicklung, R&D, IT, Logistik sowie kaufmännische Verwaltung. Lange Zeit war die Unternehmensgeschichte vom Selbstverständnis der „Werksvertretung Peter Kremser“ in Hamburg geprägt.

Eine erste maßgebliche Zäsur gab es etwa Anfang der Achtzigerjahre mit der Vorstellung eines Bewegungsmelders – hervorgegangen aus der Militärtechnik. Dieser wurde zunächst von einem unserer Marktbegleiter für die Gebäudesystemtechnik adaptiert und somit war auch der Startschuss für diese Technik im Wohnungs- und Zweckbau erfolgt.

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Und Sie erkannten damals sofort, dass es sich hier um einen neuen Markt handelt?

Richtig, deshalb konzentrierten wir uns seit Mitte der Achtzigerjahre auf den Bereich Sensortechnik. Seit diesem Zeitpunkt, also mehr als 20 Jahren, beschäftigen wir uns mit Bewegungsmeldern. In den Neunzigerjahren kam die Präsenzmeldertechnik hinzu. In diesen Produkt- und Geschäftsfeldern konnten wir uns sehr rasch etablieren, und mit dem klaren Markenauftritt von Esylux entwickelten wir uns in der Folge von der Werksvertretung zum Hersteller.

Im Zuge der Wiedervereinigung wie auch durch das starke Firmenwachstum verlegten wir dann noch unseren Firmensitz von Hamburg hier nach Ahrensburg.

In welchem Jahr wurde der endgültige Übergang von der Werksvertretung zum Hersteller vollzogen?

Viele verbinden dies mit dem Jahr 2006 und unserem damaligen Auftritt auf der Light+Building in Frankfurt, eine „Mutmaßung“, die nicht ganz korrekt ist, denn, wie ich bereits erwähnte, erfolgte die Initialzündung schon 20 Jahre früher. Schon damals fingen wir an, unter Esylux eigene Produkte und Entwicklungen voranzutreiben. Dabei handelte sich natürlich um Produkte, die wir über die Werksvertretung gar nicht zur Verfügung hatten und folgerichtig selbst entwickeln und herstellen mussten.

Aber ganz offensichtlich hatte das Jahr 2006 dennoch eine große Bedeutung für die Geschichte Ihres Unternehmens?

Ganz sicher, denn in diesem Jahr gründeten wir auch die erste Auslandstochter in der Schweiz. Inzwischen haben wir über ganz Europa verteilt elf Tochtergesellschaften und 17 weitere internationale Auslandsvertretungen, die sich mit unseren Kernthemen Energieersparnis, Service und Einfachheit beschäftigen. Dahinter verbergen sich unsere innovativen technischen Entwicklungen und Produkte. Diese Produkte werden heute in einem Katalog, der rund 450 verschiedene Produkte umfasst, widergespiegelt.

Selbstredend haben die Melder dabei ein großes Gewicht. Sie bieten wir in 80 verschiedene Typen an. Das Jahr 2006 war auch insofern sehr prägend für die Unternehmensgeschichte, weil wir in dieser Phase erstmals innerhalb von zwölf Monaten die komplette Eigenentwicklung einer ganzen Produktpalette im Vorfeld der Messe in Frankfurt auf die Beine gestellt hatten. Gleichzeitig wurde ein neues CI/CD-Konzept entwickelt, insgesamt also eine spannende Zeit mit vielen Veränderungen. Hatten wir vorher als Werksvertretung agiert, wurde jetzt alles auf die Eigenmarke Esylux umgestellt.

In welchen Technikbereichen liegen hier Ihre Kernkompetenzen?

Ganz klar in der Elektronik-Entwicklung, Software-Entwicklung und Steuerung der (Elektronik-) Fertigung. Vom Prototypen bis zum fertigen Produkt erfolgen alle Entwicklungsschritte in unserem Haus. Bei hochtechnologischen Produkten wie unserem Mini-Melder setzen wir auf eine Fertigung in Deutschland, auch um ein mögliches Kopieren so schwer wie möglich zu gestalten.

Wir haben ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland und fertigen bis zum kleinsten Kunststoffteil für beispielsweise diese Mini-Melder oder auch die C-Serie alles hier. Dabei muss man anmerken, dass sich im Entwicklungsbereich heute sehr viel in der Software abspielt, die ein Kernelement unserer Kompetenz darstellt und die wir deshalb natürlich auch nicht aus der Hand geben möchten. Die Zahl unserer Patente und Schutzrechte bewegt sich heute übrigens im deutlich dreistelligen Bereich. In unserer gesamten Prozesskette lehnen wir uns stark an die Modelle aus der Automobilindustrie an.

Wie viele Mitarbeiter sind in Ihrem Unternehmen beschäftigt?

Wir beschäftigen aktuell ca. 340 Mitarbeiter, davon 40 im technischen Bereich, also Entwickler in der Hard-und Software.

Welche Besonderheiten weisen Ihre Produkte gegenüber Wettbewerbsprodukten auf?

Besonderheiten in unserem Produktportfolio hat es bereits Mitte der Achtzigerjahre gegeben. Das beste Beispiel ist für mich immer wieder die Fernbedienung. Nun bin ich gar nicht so eitel zu behaupten, dass wir auf die Idee gekommen sind, es war vielmehr die Forderung des Marktes, der Wunsch der Handwerker, bei der Installation nicht permanent eine Leiter zu benötigen. Mit der Fernbedienung waren wir damals das erste Unternehmen auf dem Markt, heute finden Sie dieses Produkt in den Katalogen fast aller Anbieter.

Ein zweiter Meilenstein war unsere Präsenzmeldertechnik. Heute spielt die Software hier eine immer größere Bedeutung, denn die Möglichkeiten und Einsatzfelder der Geräte werden immer vielfältiger und somit wird auch die Software immer mächtiger. Trotz der Komplexität der Produkte bieten wir für den Elektroinstallateur in der Anwendung einfach zu handhabende Geräte; darin sehen wir heute bei vielen unserer Produkte Alleinstellungsmerkmale. Eine unserer Stärken liegt sicherlich auch im Bereich der Miniaturisierung, und natürlich lassen sich alle unsere heute fernbetriebenen Geräte auch über das I-Phone steuern.

J. Kitz: Für den Installateur bieten wir quasi 3.0; 1.0 wäre, dass er auf die Leiter klettert, 2.0, dass er eine Fernbedienung benutzt, und 3.0: er kann alle Funktionen aus einer Hand steuern. Um dies zu ermöglichen, gibt es einen Adapter: damit hat das I-Phone eine Infrarot-Schnittstelle. Schließt man diesen Adapter an, erkennt das Telefon sofort, dass es jetzt als Fernbedienung fungiert.

Voraussetzung hierfür ist lediglich die Esylux App, die sich der Nutzer kostenfrei herunterlädt und mit der er dann direkt in der Lage ist, jedes Fernbedienungsprodukt über die Infrarot-Schnittstelle zu bedienen.

Das bringt vielfältige Vorteile, wenn beispielsweise in einem Gebäude 60 Geräte installiert worden sind. Über eine Makrofunktion lässt sich die gewünschte Einstellung dann einmal festlegen und von einem Installateur Raum für Raum eins zu eins rasch kopieren. Für uns ist dies schon ein echtes Programmierwerkzeug. Und wir gehen noch einen Schritt weiter, indem der Nutzer auf unsere Homepage kommen kann, um dort weitere Features zu finden. Von dort aus kann er auch direkt einen Energiesparrechner bedienen und während einer Kundenberatung mit einem I-Pad die potenzielle Energieersparnis ausrechnen, die der Einsatz unserer Produkte ermöglicht.

Hier geht es also schon ganz klar über die reine Produktentwicklung hinaus in Richtung Beratungskompetenz.

Welche Rolle spielt diese für und in Ihrem Unternehmen?

Dies ist für uns ein ganz wichtiger Aspekt unseres Kundenservice. Denn wir möchten neben den Produkten unseren Kunden, also dem Handel, Handwerk, Planern und Architekten, auch die nötigen Instrumente an die Hand geben, um vor Ort ihren Markt positiv zu entwickeln. Mit unseren Produkten und einem Feature wie dem Energiesparrechner versetzen wir den Elektroinstallateur in die Lage, sich als Technologiepartner im Bereich Energieeffizienz zu profilieren.

Sie sprachen vorhin das Thema Energieersparnis als einen zentralen Bereich der Entwicklungstätigkeit an. Inwieweit beflügelt sie die aktuelle Diskussion um die Energiewende?

Ganz klar, die Energiepreise steigen weiter, sowohl im Heizungsbereich als auch bei den Stromkosten. Hier ergibt sich für uns eine optimale Position, um gemeinsam mit dem Handwerk den Endkunden von den großen Möglichkeiten der Energieersparnis mit unseren Produkten zu überzeugen. Durch den Einsatz von Präsenzmeldern lassen sich bis zu 70 % der Energiekosten einsparen. Bereits nach drei Jahren kann sich eine Investition in Präsenzmeldetechnik rechnen. In der Praxis würde dies einer Verzinsung von 35 % gleichkommen, eine „Anlageform“, von der Sparer in der augenblicklich Niedrigzinsphase nur träumen können.

P. Siegfanz: Nicht zuletzt deshalb bieten wir einfache, für jeden nachvollziehbare Marketingwerkzeuge, um im Kundengespräch rasch überzeugen zu können. Wenn Sie einem Kunden innerhalb kurzer Zeit plausibel machen können, dass er die geplante Investition bereits nach zwei oder drei Jahren ausgeglichen hat, sind das beinahe unschlagbare Argumente. Dabei tritt die Technik fast in den Hintergrund.

Verfolgen Sie diese Strategie, weil der Endkunde in aller Regel von den Möglichkeiten, welche die Elektroinstallationstechnik bietet, eigentlich nichts weiß?

Exakt, natürlich kennt jeder Bauherr oder auch der Bewohner einer Mietwohnung einzelne Produkte aus der Elektroinstallationstechnik, ihre Komplexität aber, das Zusammenspiel ihrer Funktionen sowie die Möglichkeiten mit moderner Elektroinstallationstechnik Energieersparnis möglich zu machen, sind ihm aber weitgehend fremd. Wir haben auf der Light+Building festgestellt, dass selbst bei Planern das Thema Energieersparnis durch Elektroinstallationstechnik nicht unbedingt an oberster Stelle ihrer Agenda steht. Deshalb sprechen wir spätestens seit dieser Messe vom „Dimmen und Dämmen“. Dass man mit einem „einfachen“ Bewegungs- oder Präsenzmelder ein außerordentlich hohes Maß an Energieersparnis erreichen kann, wissen immer noch viele nicht. Der Elektroinstallateur muss den Energieeffizienzmarkt nicht dem Maurer mit der Dämmung überlassen. Dimmen durch Präsenz- und Bewegungsmelder leistet hier ebenfalls einen wichtigen Beitrag. Vor allem im Rahmen der energieeffizienten Gebäudeausstattung und -sanierung gibt es ein Einsparpotenzial, dass die Investitionen innerhalb kürzester Zeit wieder wettmacht.

Hier versucht Esylux gezielt, Aufklärungsarbeit zu leisten; handelt es sich doch bei diesen Produkten um unsere Kernkompetenz. Hinzu kommt, dass sich der Markt der Beleuchtung im Augenblick rasant verändert, denn die LED-Technologie bietet die Möglichkeit, langlebige und energiesparende Systeme zu etablieren.

Werden diese Möglichkeiten vom Elektrohandwerk aus Ihrer Sicht hinreichend genutzt?

P. Siegfanz: In der Tat ist das Handwerk gefordert, die Möglichkeiten, die wir ihm im Bereich der Energieersparnis bieten, beim Kunden vor Ort umzusetzen. Wenn wir das Thema Energieeffizienz betrachten, so ist die Energiewende zwar verkündet, aber letztlich steckt alles noch in den Kinderschuhen. Das Elektrohandwerk hat die Chance, diesen Markt von Anfang an mit zu gestalten. Deshalb ist es für uns wichtig, von der Marketing- und der Kommunikationsseite her Wege für das Elektrohandwerk zu finden, um ihm den Einstieg in diesen Markt so einfach wie möglich zu machen. Wenn das Elektrohandwerk von unseren Techniken und Produkten überzeugt ist, wird es auch seine Kunden vor Ort überzeugen können. Und hierfür bieten wir zahlreiche Unterstützungsmöglichkeiten, von der Schulung bis hin zu einer konkreten Betreuung bei einem Projekt; um diese Thematik voranzutreiben, haben wir uns der Initiative „Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz“ angeschlossen.

Vielen Dank für das Gespräch mit Ihnen.