Finanzierung ist Chefsache!

Zunder statt Zaster, Teil II

„Mein Unternehmen könnte sich viel besser entwickeln, wenn ich mich nicht ständig mit der Bank herumärgern müßte. Ich habe keine Zeit mehr, meine eigentlichen Arbeiten zu erledigen.“ Solche und ähnliche Sätze höre ich oft. Viel zu oft. Leider ist Finanzierung in vielen Betrieben nur dann ein Thema, wenn die Bank anklopft. Und meist bedeutet dies, daß das Kind schon fast im Brunnen liegt. Finanzierung ist „Chefsache“, denn Art, Struktur und Modalitäten haben einen wesentlichen Einfluß auf Erfolg oder Mißerfolg im Betrieb.

25. November 2002

Finanzierung ist ein komplexes Thema und eine interessante Herausforderung an jeden Unternehmer - gerade im kleinen Familienbetrieb. Ziele der Unternehmensfinanzierung sind es, die permanente Liquidität und die größtmögliche Rentabilität zu sichern. Wenn das kein Thema ist! Unabhängig davon gibt es auch ganz konkrete Situationen, in denen Sie über die Finanzierung in Ihrer Firma nachdenken müssen:

Ihr Unternehmen ist in den letzten Jahren kräftig gewachsen. Der Bestand an unfertigen Erzeugnissen, das Warenlager, die Forderungen sind auf einmal wesentlich höher als früher. Der sonst nur sporadisch ausgenutzte Kontokorrent ist regelmäßig ausgeschöpft. Aufstockung tut Not . . . oder . . .?

Das Wachstum Ihres Hauses hat Sie an „schmerzliche“ Kapazitätsgrenzen gebracht. Um allen Nachfragen gerecht werden zu können, wollen und müssen Sie investieren .

Allerdings gibt es auch den umgekehrten Fall: der Umsatz ist gesunken und entwickelt sich nicht so, wie geplant; der Ertrag ist weggerutscht oder ein sonst zuverlässig zahlender Kunde ist selbst in Zahlungsprobleme geraten. Um zahlungsfähig zu bleiben, müssen Sie „frisches Geld“ beschaffen.

Viele Entscheidungen sind zu treffen

Die Frage: Woher hole ich mir das Geld, wird leider allzu oft mit Blick auf die Hausbank verbunden. Dabei gibt es beim näheren Betrachten zahlreiche Finanzierungsquellen: weitere Gesellschafter, Familienmitglieder, Geschäftspartner, Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Beteiligungsgesellschaften, private Investoren, Versicherungsgesellschaften und viele mehr.

Wofür und in welcher Höhe brauche ich Geld? Finanzierungsbedarf entsteht bei mittel- und langfristigen Investitionen in Technik, Markt, Mitarbeiter und Informationen sowie zur kurzfristigen Finanzierung von Warenbestand, unfertigen Leistungen, Aufträgen und Kundenforderungen.

Welche Finanzierung ist denn für mich nun die Richtige? Diese Frage kann leider nicht als Allgemeinratschlag beantwortet werden. Die Lösung ist immer unternehmensspezifisch. Erlauben Sie mir nur, in diesem Zusammenhang auf den gern und oft falsch genutzten Kontokorrentkredit einzugehen.

Kontokorrentkredite sind für die Finanzierung kurzfristiger saisonaler Schwankungen des Geschäftes gedacht. Eine Investition langlebiger Wirtschaftsgüter über diese Linien ist nicht nur durch hohe Zinssätze teuer, sondern auch unsicher und gefährlich. Entwickelt sich nämlich das Unternehmen nicht so positiv wie geplant - ist die Liquidität angeschlagen - kann die Bank die Linie kurzfristig kürzen.

Aus meiner Erfahrung weiß ich, daß sie mit einem einzigen Anschreiben die Gesamtfinanzierung des Unternehmens auf den Kopf stellen kann. Diese „Chance“ hat die Bank in langfristigen Kreditverträgen nur in Ausnahmefällen. Sicherlich kann im Nachhinein eine Umfinanzierung angestrebt werden. Doch hier sollte unbedingt berücksichtigt werden, daß bei der Umstellung von Kontokorrenten auf langfristige Darlehen - selbst bei einer Zinssenkung - die Liquidität durch die zusätzliche Tilgung meistens mehr beansprucht wird als vorher.

Fazit:

Die Finanzierung ist Bestandteil der Unternehmensführung. Grundvoraussetzung für die richtige Unternehmensfinanzierung und eine zielgerichtete Unternehmenssteuerung (Controlling) sind aktuelle Zahlen, regelmäßige Soll-Ist-Vergleiche sowie zeitnahe Entscheidungen und Veränderungen. Das Zahlenwerk wird nicht für externe Geldgeber erarbeitet, sondern bildet die Basis für Ihre eigenen strategischen Entscheidungen.

Machen Sie mit beim Check: Ist die Finanzierung meines Betriebes in Ordnung? Wir werden diesen Fragebogen zum Abschluß der Reihe Zunder statt Zaster veröffentlichen. Sollten Sie in der Zwischenzeit Fragen haben: Nehmen Sie mit uns Kontakt auf . Am besten per mail unter rating@bus-netzwerk.de

Auf wessen Kosten?

Ein Kommentar von Claudia Schlembach

Schaffe, schaffe Häusle bauen und nicht nach der Kohle schauen... . Leider ist das gerade in Familienunternehmen viel zu oft der Fall. Da wird malocht auf Teufel komm raus. Auf Kosten der Familie, auf Kosten der eigenen Gesundheit und auf Kosten der Lebensfreude. Auf Kosten auch der erfolgreichen Unternehmensführung. Denn nur wenn Sie sich Zeit dafür nehmen, am Erfolg zu arbeiten, werden Sie auch erfolgreich sein. Dazu muß in den richtigen Bereichen malocht werden.

Die Finanzierung der eigenen Unternehmung ist in den meisten Fällen nur bei Existenzgründungen ein Thema, wenn eine Investition geplant ist oder das Geld knapp wird. Eine konsequente Finanzierungsstrategie? Wir haben doch anderes zu tun, wo kämen wir hin, wenn wir uns um solche Dinge kümmern würden? `Na ja, auf jeden Fall dem Erfolg ein Stück näher.

Riesige Geldburgen sind in den letzten Jahrzehnten entstanden, erbaut und finanziert von Instituten, die ihr Geld mit Finanzen verdienen. Scheint also eine lukrative Sache zu sein. Und manchmal sogar leicht verdientes Geld. Und zwar mindestens dann, wenn sich der Gläubige nicht auf die Gespräche vorbereitet, oder sich gleich gar nicht um Fragen der Finanzierung kümmert, weil er ja schließlich einen Kontokorrent-Kredit hat.

Die Themen der Finanzierungspolitik können sich wie ein spannender Krimi lesen. Zumindest für jemanden, der nicht nur arbeiten, sondern auch Geld verdienen möchte. Auf dem Programm stehen Dinge wie: Maximierung der Eigenkapitalrentabilität, Leverage- Effekt, goldene Bilanzregel. Klingt furchtbar. Aber ob Sie es glauben oder nicht: Hinter all diesen Begriffen steht nichts anderes als der Versuch, das Kapital des Unternehmers zu mehren. Dieser Teil unserer un-ternehmerischen Arbeit sollte ein selbstverständlicher Teil unserer Arbeit werden.

Wenn es wirklich Möglichkeiten gibt, Profit zu maximieren, sollten wir den Blick heben, sollten uns von der Baustelle ins Büro begeben, den Computer mit Programmen zur Vereinfachung der Unternehmensführung füttern und uns intensiv mit den elementaren Fragen auseinandersetzen.

Die Finanzierung gehört auf jeden Fall mit in die erste Reihe. Nicht nur weil immer noch gilt: „Ohne Moos nix los“, sondern weil hier Potentiale liegen, um Geld zu sparen bzw. um Geld zu mehren. Wobei Finanzierung nicht nur Geldbeschaffung meint, sondern auch Kapitalbeschaffung. Das kann Fremd- oder Eigen,- oder auch Risikokapital sein. Vor dem Hintergrund der anstehenden Änderungen im Finanzmarkt und der verschärften Bewertungsregeln der Kreditvergabe ist es zwingend, daß Sie sich damit beschäftigen. Binden Sie Berater in Ihre Gedanken ein, führen Sie Gespräche mit Experten und diskutieren Sie die Chancen für Ihr Unternehmen. Bleiben Sie dran. An allen wichtigen Themen. Im Moment vor allem auch am Thema Finanzierung.

Erschienen in Ausgabe: 06/2002