Für eine vereinfachte Verkabelung

Titel

Harting. - Hav-is prelink heißt ein Installationskonzept für die Datennetzwerk-Verkabelung nach ISO/IEC 11801. Diese neue Technologie vereinfacht die Verkabelung und spart Installationszeit. g+h sprach in Rahden mit dem Produktmanager Rainer Schmidt darüber.

26. März 2012

Harting ist ein Familienunternehmen. „Wir wollen Werte für Menschen schaffen“ und „Wir wollen die Zukunft mit Technologien für Menschen gestalten“; diese Unternehmensvisionen prägen unser Selbstverständnis. Gegründet 1945, wird Harting heute von der zweiten bzw. dritten Generation der Gründerfamilie geleitet. Angefangen hatte alles mit dem Bau von Schaltrelais, später kamen Plattenspieler und Musikboxen hinzu, also Geräte, die anspruchsvolle Mechanik mit Elektrotechnik verbanden. Über diese Anfänge hinaus hat sich Harting schnell einen Namen in der Verbindungstechnik gemacht und ist heute weltweit marktführend.

Welche Produkte verbergen sich dahinter?

Dahinter verbergen sich vor allem die Industriesteckverbinder. Bei der Entwicklung neuer Produkte hat man von Anfang an versucht, neue Standards zu setzen und Kompatibilität zu schaffen. Aus dieser Entwicklung heraus wurde die „Han“ (Harting Norm) geschaffen, um dem Kunden die Sicherheit zu geben, dass die Harting Steckverbindungen Kompatibilität garantieren. Dieser Grundgedanke, verbunden mit einer sehr robusten und langlebigen Technik, hat zu einer großen Verbreitung der Verbinder in der Industrie geführt. Nicht zuletzt deshalb sind sie im Maschinenbaubereich bis heute quasi Standard.

Welches ist das jüngste Geschäftsfeld?

Vor gut zehn Jahren zeichnete sich die Datennetzwerktechnik als Zukunftsmarkt für uns ab. Die Ursache dafür war und ist, dass die Verbindungstechnik bei unseren klassischen Kunden, also im Maschinenbau, im Anlagenbau oder der Energietechnik heute immer mehr Berührungspunkte mit dieser Technik hat. Alles, was im Zusammenhang mit Geräten steht, für die wir Teile zuliefern, steht in unmittelbarer Verbindung zum Einsatz von Steuerungen; und dieser Einsatz wird immer mehr von Netzwerktechnik durchdrungen.

Heute ist jeder Maschinen-und Anlagenbauer dazu angehalten, seine Produkte so zu entwickeln, dass sie kommunizieren können – mit anderen Maschinen oder anderen Tools, wenn es beispielsweise um die Wartung geht. Dazu werden Schnittstellenstandards benötigt und schon sind wir bei der Datennetzwerktechnik.

Woher kam der erste Impuls, sich dieses Geschäftsfeld zu erschließen?

Ein wesentlicher Impuls kam aus der Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Die Botschaft, die wir dabei vernahmen, hieß Industrial Ethernet, also Ethernet geht in die Industrie. Hatte man sich früher im Kern mit der Energieversorgung, der Spannungsversorgung von 24 V über 48 V bis hin zu 400 V und darüber hinaus sowie mit Bussystemen beschäftigt, sah man sich plötzlich mit klassischer IT-Technik konfrontiert. Quasi von heute auf morgen waren die Kunden mit Ethernet beschäftigt. Ethernet bringt Schnittstellen und Standards mit. Dabei werden auch Medien standardisiert, also Kabel, Steckverbinder oder RJ45. Auf diese Entwicklung musste man in unserem Unternehmen reagieren. Rasch hatten wir dies als künftiges Wachstumsfeld erkannt und vor acht Jahren eine eigene Abteilung unter dem Namen ICPN gegründet.

Dies hat eine weitreichende Entwicklung vorangetrieben, weil es eben nicht nur darum ging, eine Technologie, die Ethernet fraglos ist, in ein Gerät oder ein Produkt zu implementieren, sondern vor allem die Frage zu diskutieren, welche Möglichkeiten sich daraus ergeben.

Und welche gibt es?

Nun, primär ging es nicht um die Frage, welcher Typus einer neuen Maschine dadurch entsteht, sondern vielmehr um die Möglichkeiten, die der Nutzer dieser Maschine mit dieser innovativen Technologie hat. Im weitesten Sinne sollen unsere Produkte dazu beitragen, dass sich Unternehmen besser organisieren und strukturieren können.

Und diese Möglichkeit bieten Ihre Produktlösungen?

Richtig, und dabei spielt Ethernet die tragende Rolle. Das Controlling einer Firma wir heute immer enger mit ihrer Produktion verknüpft. Dadurch kann man seinen gesamten Prozess optimieren. So ist es beispielsweise fast in Echtzeit möglich zu erfahren, wie der Produktausstoß zum Zeitpunkt X gerade ist.

Dieses Wissen beeinflusst etwa die Entscheidung, eine Lieferung an den Kunden zu terminieren. Die Information über den aktuellen Produktionsausstoß ist ein Erfolgsfaktor für ein Unternehmen. Im Bereich Ethernet und Netzwerktechnik möchten wir deshalb unseren Kunden Lösungen bieten, die ihnen die bereits skizzierte Effizienzsteigerung so einfach wie möglich macht.

Welches Produktportfolio bieten Sie hier an?

Wir bieten ein Produktportfolio, das genau diese Datentechnik für industrielle Anwendungen bedienen kann. Es fängt mit Verbindungstechnik an; hier sind wir mit RJ45-Entwicklungen engagiert. Der Unterschied zu einem klassischen RJ45, den es ja im IT-Markt bereits seit 20 Jahren gibt, ist, dass er nicht nur eine bestimmte Datenrate übertragen muss, also Cat 5, Cat 6 usw., sondern auch in industriellen Umgebungen einsetzbar ist. Hier geht es um Fragen wie mechanische Robustheit, Vor-Ort-Konfektionierung und die Option, dass sie in Gehäuse (Interfaces) passen müssen, um sie zu schützen.

RJ45-Stecker sind ja normalerweise für Büroumgebungen designt, werden sie aber an einer Maschine angeschlossen, wo eventuell Öle oder Kühlflüssigkeiten vorhanden sind, müssen sie in Gehäuse integriert werden, und dabei sind wir wieder bei unseren klassischen Harting-Produkten. Neben diesen Verbindungstechniken, die aus der IT- Welt migriert sind, bieten wir auch völlig neue Produktlösungen.

Welche sind das?

Die Industrie hat beispielsweise einen klassischen Stecker, der M12 heißt. Dabei handelt es sich um einen sehr robusten Rundsteckverbinder. Diese Stecker mussten datentechnisch ertüchtigt werden, um schnelles Ethernet übertragen zu können. Daraus wurde in unserem Unternehmen ein entsprechender Datenstecker entwickelt. Hier haben wir u.a. auch federführend den M12 X-codiert entwickelt, der über acht Kontakte verfügt, um Gigabit-Ethernet übertragen zu können. Und wir haben ihn weltweit standardisiert, was viele Vorteile für unsere Kunden hat und gleichzeitig natürlich in unserem Unternehmen das Volumengeschäft vorantreibt.

Standardisierung scheint für Sie ein ausgesprochen wichtiges Thema zu sein, warum?

Weil diese für die Datentechnik außerordentlich wichtig ist, denn ein Netzwerk funktioniert nur, wenn sich alle „Beteiligten“ auf die Einhaltung bestimmter Regeln geeinigt haben: Das sind Hardware-Regeln, Steckkompatibilität und Regeln zur Übertragungstechnik. Seit wir uns mit dieser Thematik beschäftigen, haben wir auch gelernt, dass es Unterschiede bei Anwendungen im IT- und Industriebereich gibt.

Über die Robustheit hatte ich schon gesprochen, es gibt aber auch ganz unterschiedliche Produktansätze. In der Industrie ist es einfach so, dass die klassische Verkabelung zwischen einer Steuerung und einer Maschine vor Ort vorgenommen wird, indem man ein Kabel von der Steuerung zur Maschine zieht, links und rechts an dieses Kabel einen Stecker anschlägt, der jeweils passt, ihn in die Steuerung einsteckt und in die Maschine – so dass im Idealfall dann alles reibungslos funktioniert. Die Anschlusstechnik wird dabei von der Steuerung der Maschine mitgebracht, dort befinden sich die jeweiligen Anbaugehäuse. Was im Feld, in der Verkabelung passiert, was also Aufgabe des Installateurs ist, ist sehr stark auf den Stecker konzentriert. In der IT-Technik hat man aber bereits vor 20 Jahren die strukturierte Verkabelung erfunden. Damals wurde ein System aus der Grundidee heraus entwickelt, ein Kabel und einen Steckverbinder für alle vorhandenen Gerätetechniken zu nutzen.

Eine Technik, die in Industrie- und Objektbauten Standard ist.

Richtig, heute ist die strukturierte Verkabelung die Einführung der Datenverkabelung in die klassische Gebäudeinfrastruktur von Industrie- und Objektbauten. So wie in einem Gebäude eine 230 V-Anlage installiert wird, eine Wasser-und Abwasserversorgung, ist es möglich, mit der strukturierten Verkabelung eine Vorverkabelung durchzuführen. Dadurch hat der Nutzer des Gebäudes später die Option, problemlos mit seiner Gerätetechnik einzuziehen, diese anzuschließen und sofort zu arbeiten.

Aus der Philosophie der Vorverkabelung heraus ergab sich für uns als Spezialisten in der Verbindungstechnik das Problem Buchse und Stecker zusammenzubringen. Man muss nämlich sowohl demjenigen, der sein Kabel auf einer Buchse enden lassen will, eine Lösung liefern als auch demjenigen, der sagt „ich möchte aber auf einem Stecker enden“.

Das ist eine echte Herausforderung, denn diesen Spagat hatte vorher noch niemand gewagt. Harting war das erste Unternehmen, vielleicht weil wir uns sehr früh mit unseren Kunden dieser Thematik gewidmet haben. Ziel war es, ein Produkt zu entwickeln, das RJ45 ebenso abdeckt wie M12, dass sowohl in Buchsen- als auch in Steckerform vorhanden ist, in verschiedene Einbauumgebungen hineinpasst (von IP 20 bis IP 65/67) und trotzdem einfach und schnell zu installieren ist. Anfänglich waren die Entwickler nicht gerade glücklich über dieses Anforderungsprofil, am Ende ist aber ein völlig neues Anschluss- und Installationskonzept entstanden, das Ha-vis prelink heißt.

Und wo eingesetzt wird?

Diese neue Verbindungstechnik ist sowohl im Industrie- als auch im Officebereich einsetzbar. Bislang waren die Installationen immer in oder am Steckverbinder vorzunehmen.

Wir verfolgten den Gedanken, den Installationsprozess dahingehend zu verbessern, dass wir den eigentlichen Installationsprozess am Kabel nicht mehr im Steckverbinder haben wollten. Das erreichen wir durch die Trennung von Steckgesicht und Installationsebene, so dass der Installateur am Kabel ohne räumliche Beschränkung arbeiten kann.

Der Anschluss dieser neuen Technik an ein Kabel erfolgt bequem ohne die Einengung eines kleinen Gehäuses bzw. Steckverbinders. Alle Ha-vis prelink Komponenten mit den unterschiedlichsten Interfaces sind durch einen „Abschlussblock“ gekennzeichnet. Dabei handelt es sich um den HF- technischen Teil, der auf das Kabel heraufgesetzt wird. Das ist der erste Schritt der Installation. Damit ist es uns gelungen, die Kabeleigenschaften optimal auf die Anschlusstechnik zu übertragen. Dabei hat man diesen Block sehr klein gehalten und die Geometrie so gewählt, dass sie quasi die Kabelgeometrie aufnimmt.

Der Installateur hat dabei nur zwei Möglichkeiten, entweder macht er es richtig oder macht es gar nicht. Wenn er den Anschluss mit einer Montagezange durchgeführt hat, erhält er immer dasselbe Ergebnis, das immer 100 % gut sein wird, weil es bei der Installation keine Freiheit und somit auch keine Fehler mehr gibt.

Darüber hinaus erlaubt es die Technik, ein solches vorkonfektioniertes Kabel mit den gewünschten Interfaces völlig frei zu verbinden. Der Verantwortliche für die Verkabelung hat die Möglichkeit, unterschiedlichste Steckgesichter zu nutzen, ohne dass sich der Installationsprozess ändert.

Mit welchen Konsequenzen?

Diese Technik lässt einen völlig anderen Ablauf einer Gesamtinstallation zu. In dem Moment, in dem ich ein Kabel mit diesem Abschlussblock entsprechend vorbereiten kann, habe ich den kritischen Punkt der Installation schon erledigt. Ich habe also ein Datenkabel HF-technisch sauber abgeschlossen, so dass es alle entsprechenden Kategorien bzw. Übertragungsraten erfüllt bzw. liefert. Die weitere Installation, ganz gleich ob das jetzt in einem Verteiler oder im Schaltschrank passiert, kann ich zu einem Zeitpunkt X erledigen. Das hat für viele unserer Kunden den Charme, dass sie den eigentlichen Installationsprozess völlig anders gestalten können.

Dieses System positionieren wir ganzheitlich, also nicht nur im Industriebereich, sondern auch im Officebereich, weil wir hier ein homogenes Installationssystem vom Bürobereich bis zur Maschine oder Anlage geschaffen haben. Wir sehen für unsere Technik einen großen Zukunftsmarkt.

Zum Abschluss möchte ich Ihnen noch einige Stichworte geben

Angela Merkel

Eine Frau, die weiß was sie will und von vielen unterschätzt wird.

Deutschland

Ein schönes Land, meine Heimat

Europa

Ein Teil meiner Heimat

Familie

Mit das Wichtigste auf der Welt

Kinder

Das Schönste auf der Welt

Hobbys

Familie, Tauchen, Modelleisenbahn, Garten

Lieblingsreiseland

Japan

Ihr letztes Buch

„Mit Staunen und Zittern“ von Amelie Nothamb

Sinn des Lebens

Etwas Gutes zu tun

Tod

Gehört zum Leben

Herr Schmidt, wir bedanken uns für das Gespräch mit Ihnen.

Erschienen in Ausgabe: 02/2012