Herr Zimmermann, Sie sind seit Anfang des Jahres als Geschäftsführer Supply Chain Management tätig. Würden Sie uns einmal kurz Ihren beruflichen Werdegang skizzieren?

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Ich bin in einem Familienunternehmen groß geworden, das durch den Tod meines Vaters leider verkauft wurde, sodass ich hier nicht mehr aktiv werden konnte. Nach dem Studium der Elektrotechnik bin ich in die Industrie gegangen und war u. a. bei Mercedes Benz in Mannheim im Prototypenbau tätig; dort habe ich mich der Entwicklung neuer Antriebssysteme gewidmet. Nach zehn Jahren ging ich zu MAN in Braunschweig und war dort mit der Elektronikfertigung und Kabelsatzkonfektionierung betraut. Für das Unternehmen habe ich dann verschiedene Standorte in Osteuropa aufgebaut.

Schließlich arbeitete ich in der Trailerbranche bei Schmitz Cargo, um die Geschäftsausweitung in Asien und Osteuropa voranzutreiben. Die nächste berufliche Station war Dorma; hier habe ich zum Schluss den gesamten Verbund der Produktion und des Einkaufs sowie die Bereiche Lean Management und Projektoffice für die Dachgesellschaften mit neun Standorten weltweit geleitet. Ja, seit Februar bin ich hier bei Gira mit einem quasi identischen Aufgabengebiet, also Produktion und Einkauf.

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Was hat den Ausschlag für den Wechsel gegeben?

Durch den Merger von Dorma und Kaba kam es zu einer neuen strategischen Ausrichtung des Unternehmens, die ich so nicht mitgehen wollte. Zu Gira hatte ich immer wieder einmal geschäftliche Kontakte, weil es zwischen den Unternehmen durchaus Berührungspunkte gab. So kamen wir dann letztlich auch ins Gespräch über meinen möglichen Einstieg bei Gira.

Welche Erfahrungen haben Sie in den ersten Monaten mit Gira gemacht?

Ich habe Gira als sehr offenes Unternehmen kennengelernt. Bei den Mitarbeitern spürt man ihre Leidenschaft, etwas voranzubringen. Und man spürt deutlich den positiven Einfluss der Familie Giersiepen. Familienunternehmen wird hier noch gelebt.

Welche strategischen Ziele haben Sie für die nächsten Jahre auf Ihrer Agenda?

Wir haben klare strategische Ziele und möchten kontinuierlich weiterwachsen. Neben dem klassischen Schalter- und Steckdosengeschäft möchten wir unsere weiteren Geschäftsfelder weiter ausbauen. Darüber hinaus forcieren wir die Entwicklung elektronischer und elektromechanischer Produkte sehr stark, denn im Bereich Smart Home und Smart Building sehen wir große Wachstumschancen. In diese Richtung laufen auch unsere Produktentwicklungen – national und international.

Außerdem widmen wir uns intensiv der Beantwortung der Frage, wie wir unsere Kunden schnell und optimal bedienen können.

Sie haben das neue Entwicklungs-/Fertigungs- und Logistikzentrum in der Röntgenstraße jetzt in Betrieb genommen. Wie ist der aktuelle Stand?

Wir sind sukzessive im Umzug. Die Montagestraße steht und das Lager wird auf Last gefahren. Bis Ende August soll der komplette Umzug abgeschlossen sein. Die Entwicklung und der Qualitätsbereich sind bereits umgezogen. Mit der Just-in-time-Fertigung bekommen wir ganz neue Möglichkeiten, unsere Marktversprechen einzulösen und dem Kunden stets die beste Lösung zum richtigen Zeitpunkt zu liefern. Diese neue Produktionsstätte ist natürlich auch ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland. Hinzu kommt, dass wir hier ein hochenergieeffizentes Gebäude haben. So werden beispielsweise die Fundamente genutzt, um zu kühlen und zu heizen. Die Wasserbehälter der Feuerlöschanlage nutzen wir, um Energie zu speichern und wieder abzugeben. Wir liegen hier 45 Prozent unterhalb des für solche Gebäude vorgeschriebenen Schwellenwerts.

Wer bleibt am Stammsitz?

Der Vertriebsinnendienst, das Kundencenter, Betriebsrat, IT, Controlling, Markenentwicklung und Marketing sowie ein Teil der Produktion.

Vom Zeitplan sind wir aktuell recht gut unterwegs, auch wenn es einige bauliche Verzögerungen gegeben hat.

Wie ist Gira aktuell national und international aufgestellt?

Deutschland ist nach wie vor für uns der zentrale Marktplatz, aber selbstverständlich treiben wir die Internationalisierung des Unternehmens weiter voran, in Europa, aber auch in Asien, wo wir seit ein paar Jahren unterwegs sind.

Im Bereich Smart Home/Smart Building sind Sie vor Kurzem eine Partnerschaft mit Schüco eingegangen. Was verbirgt sich hinter dieser Zusammenarbeit?

Wir sind davon überzeugt, dass man in einer sich immer rasanter vernetzenden Welt bei Tempo und Qualität nur vorn dabei sein kann, wenn man Kooperationen und Partnerschaften auf- und ausbaut. Mit Schüco haben wir einen Partner gefunden, mit dem wir gemeinsam integrierte und vernetzte Lösungen im Smart-Building-Markt – auf Basis von KNX – anbieten werden.

Wird KNX vor dem Hintergrund der Googles dieser Welt und dem raschen Wandel in der Gebäudedigitalisierung aus Ihrer Sicht eine Zukunft haben?

Absolut, die KNX-Welt ist eine der stabilsten Welten in diesem Bereich. Die Vielzahl der Hersteller, die Produkte und Lösungen entwickeln, sind nur ein Aspekt. KNX ist ein offenes System, das kontinuierlich weiterentwickelt wird und damit zukunftsfähig ist. Vor den „Googles“ haben wir keine Angst. Letztlich bieten wir Lösungen, die mit den Lösungen von Google, Amazon & Co kompatibel sind.

D. Marte: Ich sehe eine Herausforderung darin, dass die genannten Unternehmen sehr stark das Bild vom Smart Home beim Endverbraucher prägen. Manche glauben, wenn Sie das Licht steuern, bereits ein Smart Home zu besitzen. Aus unserem Verständnis benötigt ein Smart Home eine Plattform, die dafür sorgt, dass man das Gebäude zukunftssicher über die nächsten 20 oder 30 Jahre oder länger betreiben kann. Diese Plattform stellt die Basis für Heizung, Licht, Sicherheit und Multimedia. Über KNX, intelligente Server und Logikbausteine stellen wir die Vernetzung im Gebäude sicher und gewährleisten ein Höchstmaß an Zukunftssicherheit. Das können Unternehmen, die lediglich in Komponenten denken und auch nur diese bereitstellen aus unserer Sicht nicht leisten.

Inwieweit ist das Smart Home beim Bauherrn im Kopf bereits mit technischen Lösungen hinterlegt?

Es ist in der Tat die Herausforderung für Industrie und Handwerk, hier entsprechende Aufklärungsarbeit zu leisten und Orientierung zu geben. Aus diesem Grund bauen wir gerade die digitale Vorvermarktung in Richtung Endkunde sukzessive weiter aus. Unser Ziel besteht darin, relevante Informationen bereitzustellen und potenzielle Bauherren und Modernisierer noch besser beraten und führen zu können.

Mit unseren Innovationen haben wir beste Chancen, weiterzuwachsen.

— Steffen Zimmermann

S. Zimmermann: Wenn man einen Fensterkontakt betrachtet, gibt er technisch zunächst nicht viel her. Richtig eingesetzt, kann er mich warnen, wenn ich den Raum verlasse und das Fenster vergessen habe zu schließen. Öffne ich das Fenster, kann er die Heizung regulieren und die Alarmanlage steuern. Diesen Mehrwert müssen wir zum Bauherrn transportieren. Solch eine smarte Lösung ist skalierbar und bietet viel mehr als eine Insellösung aus dem Internet.

Welche Erfahrungen machen Sie in der Umsetzung smarter Lösungen mit dem Handwerk?

D. Marte: Wir verzeichnen hier sehr gute Wachstumsraten. Aktuell ist die Herausforderung der Fachkräftemangel bei zugleich sehr hoher Auslastung im Handwerk. Deshalb weiten wir hier unsere Angebote und Services aus und bieten Unterstützung bei der Planung. Außerdem stellen wir mit dem Gira Projekt Assistenten ein effizientes Tool für die Projektierung und Parametrierung zur Verfügung. Diese Lösung bietet ein hohes Maß an Zeitersparnis und Benutzerfreundlichkeit. Um Bauherrn für das Smart Home zu gewinnen, haben wir mit dem Gira Home Assistenten, einen digitalen Kundenberater auf unserer Homepage integriert. Auf diesem Wege unterstützen wir die Vorvermarktung, übernehmen zu einem gewissen Anteil die Erstberatung und bringen dann interessierte Bauherren oder auch Haus- und Wohnungsbesitzer direkt mit einem Handwerksbetrieb in Kontakt, der ihnen den Traum vom Smart Home erfüllen kann. Die ersten Auswertungen und Ergebnisse stimmen uns sehr optimistisch.

Wird das Smart Home eines Tages Standard sein?

S. Zimmermann: Bis zu einer gewissen Ausbaustufe sicherlich. Eine Grundausstattung, beispielsweise mit Türsprechanlage und Sicherheitstechnik, könnte durchaus Standard werden. In der Pkw-Welt hat ja eine ähnliche Entwicklung stattgefunden.

Hinzu kommt die Energieeffizienz von Gebäuden, die ohne Vernetzung gar nicht oder nur schwer zu steigern ist.

Welche Techniken sind die Treiber für das Smart Home?

S. Zimmermann: Das lässt sich nicht ganz einfach beantworten, denn die Prioritäten liegen bei jedem anders. Ein Bauherr legt beispielsweise großen Wert auf Sicherheit, ein anderer auf umfassenden Komfort. Für uns ist es wichtig, für jede Anforderung eine leistungsstarke und sichere technische Lösung anbieten zu können. Unsere Lösungen sind skalierbar und das ist der wichtigste Aspekt dabei.

D. Marte: Genau, das System kann jederzeit ausgebaut und ergänzt werden. Unsere große Stärke ist es, eine zukunftssichere Plattform bieten zu können. Mit dieser Strategie im privaten Wohnungsbau sind wir übrigens genauso erfolgreich im Objektgeschäft. Als zusätzliche Treiber sehe ich zudem die immer stärker werdende Sprachsteuerung und die mobile Bedienung.

S. Zimmermann: Ganz wichtig in diesem Zusammenhang ist auch der Aspekt, dass weder der Architekt noch der Bauherr etwas von den für die Vernetzung nötigen Bausteinen sehen möchte – abgesehen natürlich von Schaltern oder Displays, die heute ja auch fester Bestandteil der Innenarchitektur sind.

Wir haben unter anderem in der Renovation in Deutschland ein riesiges Marktpotenzial.

— Dominik Marte

D. Marte: Von „unseren“ System-Integratoren wissen wir, dass Licht- und Jalousiesteuerung sehr stark nachgefragt werden. Und natürlich spielen Türkommunikation, Sicherheit und Multimedia ebenfalls eine tragende Rolle. Eine ganzheitliche Vernetzung und gewerkeübergreifende Steuerung werden mehr und mehr gerade im gehobenen Livingbereich zum Standard.

Vernetzte Gebäude stellen an die Sicherheit hohe Anforderungen. Wie sensibel ist der Bauherr für dieses Thema?

Bauherrn reagieren wie die meisten Menschen sehr sensibel auf das Thema Datensicherheit. Wer hat Zugang zu meinem Haus, in welche Cloud lade ich meine Daten, wer sieht, ob ich in meinem Haus bin, all dies sind ernst zu nehmende Fragen. Mit unserem S1 stellen wir einen Sicherheitsserver zur Verfügung, der 12-fach verschlüsselt ein Höchstmaß an Schutz bietet. Hier erfahren wir einen großen Zuspruch vom Markt. Ebenso nimmt der Schutz von Hab und Gut immer weiter zu – und auch hierfür haben wir jetzt mit dem Gira-Sicherheitssystem Alarm Connect eine Lösung, die sich u. a. ideal in die Gira-Welt integrieren lässt.

Herr Marte, Sie sind wie Herr Zimmermann ebenfalls erst kurz im Unternehmen. Würden Sie uns zum Abschluss etwas über Ihren persönlichen Werdegang und das erste Jahr bei Gira sagen?

Selbstverständlich, ich bin im Schwarzwald groß geworden, habe Betriebswirtschaft studiert und dann 18 Jahre bei Hansgrohe gearbeitet und dort nationale und internationale Vertriebsaufgaben übernommen. Als ich kurz vor dem 40. Lebensjahr stand, fasste ich den Entschluss, noch einmal einen weiteren Schritt in meiner Berufslaufbahn zu gehen.

So bin ich dann zu Gira gekommen und verantwortlich für den Vertrieb Deutschland. Zwei erfahrene Verkaufsleiter befinden sich aktuell auf dem Weg in den Ruhestand, sodass hier ein Wechsel stattfindet. Darauf hat Gira früh reagiert und die Stelle des zentralen Vertriebsleiters Deutschland geschaffen.

Wir haben bereits die beiden Nachfolger eingestellt und die Übergabe läuft sozusagen auf Hochtouren. Meine neue Tätigkeit bereitet mir sehr viel Freude und das Unternehmen ist hervorragend aufgestellt.

Meine Herren, wir bedanken uns für das Gespräch mit Ihnen.

Von rational über persönlich bis emotional – das g+h-Kurzporträt nach Stichworten und Fragen.

Klimanotstand

S.Z. Mountainbike

D.M. Große Herausforderung

Brexit

S.Z. Ein Thema, das sich selbst auflösen wird.

D.M. Europa bleibt wichtig.

Europa

S.Z. Hoffentlich in Zukunft mehr Stabilität.

D.M. Gemeinsam sind wir stark.

Ihr Vorbild

S.Z. Erfolgreiche Unternehmer mit Mut zum Risiko

D.M. Elon Musk

Welche Person in der Geschichte bewundern Sie?

S.Z. Churchill

D.M. ?

In die Rolle welcher historischen Person wären Sie gern geschlüpft?

S.Z. Neil Armstrong

D.M. ?

Ihr letztes Buch?

S.Z. Das Café am Rande der Welt von John Strelecky.

D.M. Denken hilft zwar, nützt aber nichts von Dan Ariely.

Ihr Lieblingsreiseland

S.Z. Singapur

D.M. Kanada

Geld

S.Z. Nebensächlich

D.M. Macht allein nicht glücklich.

Wo möchten Sie gern leben?

S.Z. Heute hier und in Zukunft vielleicht in Kanada.

D.M. Für die Rente könnte ich mir eine wärmere Region vorstellen.

Sinn des Lebens?

S.Z. Es zu genießen.

D.M. Leben

Wie möchten Sie sterben?

S.Z. Erfüllt

D.M. Beim Angeln in Kanada auf einem See.