Handwerker für den digitalen Zwilling

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Fenwis. Warum Handwerker mit Blick auf zukünftige neue Geschäftsmodelle im nächsten Jahrzehnt partnerschaftlicher und intelligent vernetzt sein müssen, erläutert der Münchner Zukunftslotse und Geschäftsführer der Fenwis GmbH Thomas Strobel.

26. Oktober 2017
Bild: ELMOS Photo-Design
Bild 1: Handwerker für den digitalen Zwilling (Bild: ELMOS Photo-Design)

Das Handwerk als tragender Teil des Mittelstandes steht, neben dem Zwang zur Digitalisierung, vor weiteren Herausforderungen in Sachen Zukunftssicherung. So werden sich nach Auffassung des Münchner Zukunftslotsen Thomas Strobel zahlreiche über die Jahrzehnte autark arbeitende Gewerke für neuen Kundennutzen intelligent verknüpfen müssen. Nach einer Nutzenanalyse von acht Handwerker-Netzwerken erwartet der Experte, der aktuell in den Bereichen Bau/Architektur, Textil sowie Automotive im Auftrag mittelständischer Unternehmen an Geschäftsmodellen für 2030 arbeitet, für die Handwerkerschaft in den kommenden Jahren in mindestens vier Handlungsfeldern weitreichende Weichenstellungen. Zukünftig erfolgreiche Handwerker sollten sich als kompetente Lösungsanbieter für die Erwartungen des Kunden aufstellen. Hier ein Beispiel: Der Kunde, der darüber nachdenkt sein Dach zu sanieren, wird sich dafür ein lokales Netzwerk eng zusammenarbeitender Partner-Betriebe suchen, das ihm die Wunschlösung aus einer Hand anbietet. Dazu gehören dann die klassischen Arbeiten an Dachstuhl, Isolierung und Dachbelag.

Hinzu kommen möglicherweise Dachflächenfenster mit Hagelschutz, die für ein Smart Home im Internet der Dinge so nachgerüstet werden können, dass die Fenster bei einer Unwetterwarnung automatisch geschlossen werden. Derartige Lösungen erfordern eine enge Zusammenarbeit von Handwerkern und Planern vor Ort (vertrauensvolle Kooperationen und Partnerschaften in eingespielten Realisierungsteams), die für eine attraktive Kundenlösung – beispielsweise mit ihren Dachdecker-, Spengler-, Elektroinstallateur-, Installateur- und Heizungsbauer-Leistungen – wie die Zahnräder eines Getriebes ineinandergreifen. „Solche Lösungen erfordern auch neue Ausbildungskonzepte“, meint der 53-jährige Experte. Handwerksbetriebe stehen außerdem vor der Aufgabe, sich mit den Auswirkungen und Chancen von Digitalisierung und Internet der Dinge tiefer zu beschäftigen. Handwerksbetriebe und ihre Organisationen sollten sich deshalb einen breiten Überblick verschaffen, wie die Digitalisierung die Denkweise, den Informationsstand und die Wunschlösungen ihrer Kunden von morgen (Prosumenten) verändern wird. Parallel dazu ist zu prüfen und zu planen, wie durch Digitalisierung die eigenen Prozesse und Abläufe verbessert und kostensparend gestaltet werden können.

Dazu wird der Blick von außen auf die eigene Branche benötigt, und zwar aus einer Kundensicht, die auf „Gewerke“ und heutige handwerkliche Strukturen keine Rücksicht nimmt. Er empfiehlt an dieser Stelle eine Zukunftslandkarte mit dem Titel „Handwerk 2030 – Lösungspartner für mehr Lebensqualität“.

Building Information Modeling als Herausforderung

Auch kleine Handwerksbetriebe sollten sich frühzeitig mit der Frage beschäftigen, welche Kundenbedürfnisse und Märkte sie in den nächsten fünf bis zehn Jahren bedienen wollen. Dazu gehört auch die Mitarbeit in entsprechenden Netzwerken und vor allem der frühzeitige Aufbau von Partnerschaften. Ein Beispiel dafür bietet der Gebäudeservice: Handwerkerleistungen werden zukünftig vielfach in langlebigeren Gebäuden erbracht. Folglich müssen die dazu benötigten Fachgewerke einen Plan entwickeln, wie sie mit Infrastrukturen umgehen, die zukünftig in Planung, Bau und Betrieb solcher Gebäude eingesetzt werden – ein Element darin ist Building Information Modeling (BIM), das im Bau Einzug hält. Handwerksbetriebe werden einen Weg finden müssen, wie sie ihre Leistungen im Kontext eines solchen Datenmodells anbieten, realisieren und auch in einem solchen digitalen Gebäudemodell dokumentieren, das als „digitaler Zwilling“ über die gesamte Lebensdauer des Gebäudes aktuell gehalten werden muss. Übrigens ist BIM schon ab 2020 Pflicht, wenn es um Ausschreibungen des Bundes geht.

Fenwis hat sich mit Blick auf den Bedarf mittelständischer Unternehmen und kompletter Branchen u.a. auf die Ausarbeitung von Zukunftsszenarien spezialisiert.

Erschienen in Ausgabe: 07/2017