16. JANUAR 2019

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Somfy. - Über die aktuellen Strategien im Bereich Gebäudeautomation sprach die g+h-Redaktion mit dem Leiter Produktmarketing, Oliver Rilling. Seine Forderung: Die Gewerke sollen intelligent zusammenarbeiten.
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Herr Rilling, welchen Aufgabenbereich betreuen Sie bei Somfy?

Ich bin seit sechzehn Jahren im Unternehmen tätig, heute für den gesamten Bereich Produktmarketing verantwortlich und seit jüngster Zeit auch sehr stark für die strategische Ausrichtung des Geschäftsfeldes der Automatisierung verantwortlich.

Hierbei geht es auch um die Suche nach strategischen Partnerschaften mit verschiedenen Industriezweigen, die in der Gebäudeautomation tätig sind. Für mich steht hier die Beantwortung der Frage nach sinnvollen Verknüpfungen im Vordergrund. Aber darauf kommen wir ja später sicher noch zu sprechen.

Würden Sie uns die Unternehmensentwicklung von Somfy kurz skizzieren?

Die Geschichte des Unternehmens beginnt im Jahr 1967 und hat ihren Ursprung in einem völlig anderen Geschäftsfeld.

Begonnen haben wir als Zulieferer der Schweizer Uhrenindustrie – wir sind ja zwischen Genf und Chamonix beheimatet. Damals fertigte das Unternehmen mechanische Kleinteile und darüber hinaus auch noch Aufwickler für Angeln. Mit unserem heutigen Geschäftsfeld hatte das wirklich gar nichts zu tun. In jener Zeit kam aber ein französischer Hersteller von Markisen – hauptsächlich für den Gastronomiebereich – auf uns zu und fragte nach einer Lösung, die das Aus- und Einfahren motorisierte, denn bis zu diesem Zeitpunkt gab es für die Betätigung von Markisen lediglich eine Handkurbel.

Und Somfy entwickelte daraufhin einen Motorantrieb?

Genau, dies geschah Ende der Sechzigerjahre in einem wirtschaftlichen Umfeld, das einerseits von Aufbruchsstimmung gekennzeichnet war und der Zuversicht, dass alles möglich sei. Bereits in jener Zeit finden Sie jenen Unternehmer- und Unternehmensgeist, der Somfy bis heute kennzeichnet. Die Verantwortlichen im Unternehmen waren überzeugt, dass sich der Motorantrieb für Markisen innerhalb kurzer Zeit als Standard durchsetzen würde und deshalb galt es, diese Vision möglichst rasch Realität werden zu lassen. Vor diesem Hintergrund wurde bereits 1969 Somfy Deutschland als erste Auslandsgesellschaft gegründet.

Wurden die gesteckten Ziele schnell erreicht?

Ja, auch wenn die Anwendung zu Beginn natürlich vornehmlich auf den gehobenen Baubereich konzentriert war. Heute sind die Antriebe überall Standard.

Gab es in der Zeit von der Unternehmensgründung bis heute weitere Zäsuren?

Eine entscheidende Zäsur gab es 2001, denn in diesem Jahr reagierten wir auf die Ansprüche des Marktes und führten eine Funklösung ein, die die Installation und die Bedienung erheblich erleichterte. Gab es anfangs auch Bedenken, ob sich eine solche Technik durchsetzen würde, bildet dieses Segment heute 35 Prozent unseres Umsatzes ab. Aktuell widmet sich Somfy mit großem Engagement dem Thema Hausautomation.

Mit welchen Zielen?

Nun, es sind vor allem die aktuellen Themen wie Energieeinsparung, Smart Grid und Smart Metering, die uns antreiben, auf dem Geschäftsfeld tätig zu werden. Darüber hinaus spielt für die Entscheidung auch die demografische Entwicklung eine Rolle, die Beantwortung der Frage, wie wir es erreichen können, dass ältere Menschen möglichst lange unabhängig in den eigenen vier Wänden leben können. All diese Aspekte sind die Treiber: also Unabhängigkeit im Alter, Energiemanagement, Sicherheit und Komfort. In diesen Bereichen wird sich allein schon aufgrund der Vorgaben durch die Gesetzgeber in den kommenden Jahren sehr viel tun. An diesem Markt möchten wir mit unseren Produktlösungen partizipieren.

Natürlich werden wir auch weiterhin unseren Schwerpunkt im Bereich Motorisierung haben, denn hier sind wir Spezialisten. Salopp formuliert, bewegen wir alles, was sich motorisieren lässt, das Garagentor, Fenster, Rollläden und Beschattungssysteme.

Lassen Sie uns auf die Gebäudeautomatisierung zurückkommen, welche Strategien verfolgen Sie hier konkret?

Im Zentrum unserer Strategien steht das Fenster. Es hat mehrere Eigenschaften, einmal möchten Sie Licht hineinlassen und gleichzeitig die Lichtintensität steuern; hier kommt die Rollladensteuerung zum Einsatz. Im zweiten Schritt möchte ich dies mit dem im Raum vorhandenen Licht sinnvoll verknüpfen – hier geht es um tageslichtabhängige Steuerungen. Ein weiterer Aspekt ist die Energieersparnis bzw. die Einflussnahme auf die Raumtemperatur. So wünsche ich beispielsweise im Sommer nur eine bestimmte Menge an Wärme ins Gebäude hereinzulassen, hier gibt es dann eine Verknüpfung zur Heizungs- bzw. Klimasteuerung. Immer geht es dabei um intelligente Verknüpfungen.

Wir möchten nicht direkt in die Bereiche Licht oder Heizung bzw. Klima einsteigen, weil wir natürlich nicht der Spezialist sind, sondern vielmehr gemeinsam mit anderen Spezialisten im Verbund eine clevere und übergreifende Lösung der Hausautomatisierung für den Profibereich anbieten.

Haben Sie sowohl den privaten Wohnungsbau als auch das Objektgeschäft im Blick?

Ganz sicher, aber wir sind definitiv nicht an einem Niedrigpreissegment interessiert, das vielleicht sogar als Internetgeschäft möglich wäre. Wir möchten in Kooperation mit kompetenten Industriepartnern das Handwerk für den Zukunftsmarkt Hausautomation fit machen. Das Handwerk soll diese Chance wahrnehmen und nutzen. Ich habe immer noch das Gefühl, dass alle wie ein Kaninchen vor der Schlange sitzen und schauen, ob die großen Stromanbieter diesen Markt nicht ohnehin übernehmen werden. Das sehe ich völlig anders.


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g+h 03/2012
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