24. JANUAR 2019

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Ressourcen schonen und die Umwelt schützen


Talk

Siemens. - Auf der Light + Building sprachen wir mit Uwe Bartmann, CEO der Building Technologies Division Deutschland, über Smart Grid, Smart Building und die Energiewende.
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Herr Bartmann, die Energiewende, Elektromobilität und regenerative Energien bilden hier auf der Light + Building einen Themenschwerpunkt. Mit welchen Lösungen präsentiert sich Siemens in diesem Bereich?

Das Modewort in diesem Zusammenhang heißt heute Smart Grid, also das intelligente Netz. Bislang erfolgte die Energieerzeugung quasi in einer Einbahnstraße, es gab einen Erzeuger und es gab Abnehmer, insgesamt also eine gerade Linie vom Erzeuger über die verschiedenen Installationen bis zum Endabnehmer. Wenn wir heute über intelligente Gebäude sprechen, dann wird ein Smart Building eine wichtige Rolle in einem Smart Grid spielen.

Wie ist diese Rolle charakterisiert?

Gebäude werden vom Energieabnehmer und -verbraucher heute immer mehr auch zu einem Energieerzeuger. Wenn wir über erneuerbare Energien sprechen, dann denken wir natürlich an Solaranlagen auf dem Dach, an Geothermie und Windkraft. Wir haben es hier mit einer völlig neuen Situation zu tun, weil das Gebäude Teil eines Netzes ist, das früher sternförmig ausgelegt war und jetzt zum interaktiven Netzwerk wird.

In welcher Weise verändern sich dadurch die technischen Rahmenbedingungen?

Wenn wir über die Technik sprechen, dann geht es hier in erster Linie um die Steuerung der durch zunehmende Einspeisung regenerativer Energien veränderten Gesamtsituation im Netz, also um den intelligenten Ausgleich von Lastspitzen und -tälern; und natürlich gibt es Fragen des Energietransports. Das ist der gesamte Rahmen.

Innerhalb des Gebäudes geht es darum, die Energiekosten so gering wie möglich zu halten, vor allem in Industriebetrieben, in denen die Aufwendungen dafür heute manchmal schon höher sind als die Personalkosten. Alle kommerziellen Gebäude addiert verbrauchen rund 40 Prozent unserer Energie. Daraus resultiert auch, dass über 20 Prozent des CO2-Ausstoßes aus diesem Bereich kommen. Nicht zuletzt deshalb beschäftigt sich unser Sektor „Infrastruktur und Cities“ sehr intensiv mit dem Thema. Der CO2-Ausstoß aus dem Verkehrsbereich, nur um die Dimension noch einmal zu unterstreichen, beläuft sich lediglich auf rund 14 Prozent. Wenn es uns also gelingt, energieeffiziente Gebäude zu gestalten, dann leisten wir etwas für die Umwelt und senken selbstverständlich parallel dazu die Betriebskosten von Gebäuden.

Welche Ansätze verfolgen Sie, um für mehr Kosteneffizienz zu sorgen?

Es gibt verschiedene Konzepte, um die Kosten zu senken. Einerseits geht es um ein effizientes Einkaufsverhalten bei der Energiebeschaffung, dann heißt es die Menschen, die in einem Gebäude tätig sind, für das Thema zu sensibilisieren, um so ein energieeffizientes Verhalten auszubilden, also Energieverluste und -verschwendung zu minimieren.

Die Voraussetzung dafür ist, dass man seinen Energieverbrauch in den einzelnen Gebäudebereichen dokumentieren und analysieren kann, um entsprechende Maßnahmen einleiten zu können. Wir haben zwar in Deutschland technisch bestens ausgestattete Gebäude, wenn es aber um die angesprochene Analyse im Energiebereich geht, besteht großer Handlungsbedarf. Wir sehen für uns eine große Chance darin, die in einem Gebäude vorhandenen Informationen zu bündeln und sichtbar zu machen, um Vergleichsmöglichkeiten zu schaffen.

Dadurch wird es beispielsweise erheblich einfacher, eine Investitionsentscheidung für ein Gebäude zu treffen. Davon profitieren sowohl der Investor als auch der Nutzer.

Wie muss ein solches Gebäude technisch ausgestattet sein?

Zunächst braucht es ein effizientes Automatisierungssystem, dann muss eine Plattform für das Sammeln von Daten geschaffen werden. Und natürlich steht ein Finanzplan an erster Stelle. Dafür gibt es von uns Modelle, um beispielsweise das Thema garantierter Einsparungen zu dokumentieren. Dadurch wird Liquidität freigesetzt, die es einem Unternehmen erlaubt, wichtige Modernisierungsschritte durchzuführen, also etwas für den Energiehaushalt zu tun und gleichzeitig ungehindert die Basisliquidität für die Kernprozesse zu nutzen. Das alles ergibt ein Gesamtpaket, das so genannte Energiespar-Contracting.

Dieses Modell ist bereits heute in Kommunen und Industrieunternehmen häufig zu finden. Mit solchen Maßnahmen allein haben wir im letzten Jahr eine CO2-Reduktion von rund 300 Millionen Tonnen erzielen können. Die Nachfrage nach solchen Systemlösungen ist gewaltig, wir suchen hier laufend qualifiziertes Fachpersonal, um die erforderlichen Analysen und Planungen zeitnah durchzuführen.

Im Fokus haben Sie dabei eher Industriebauten oder das Objektgeschäft?

Von Fokussierung kann man hier nicht sprechen; neben den Industriebauten ist ein weiterer wichtiger Schwerpunkt das Objektgeschäft.

Sind die angesprochenen Lösungen auf den privaten Wohnungsbau übertragbar?

Durchaus, denn solche Lösungen rechnen sich für jeden einzelnen und gleichzeitig leisten sie einen Beitrag zum Schutz der Umwelt.

Und bei einem Investor, der sehr viele Wohnungen anbietet, spielen solche Modelle eine noch größere Rolle, denn letztlich ist ein solches Konzept sowohl Marketinginstrument für ihn als auch ein kaum zu unterschätzender Beitrag zum Werterhalt der jeweiligen Liegenschaften. Energieeffizienz geht heute jeden etwas an, und alle Seiten profitieren davon.


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g+h 04/2012
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