24. JANUAR 2019

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Kapazitäten weltweit


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Paul Hochköpper und Otto Winkel begannen im Jahre 1922 in Lüdenscheid mit der Schalter-Fertigung. Seit 2010 gehört Peha zur Honeywell-Gruppe. Welche Ziele verfolgt das Unternehmen seit der Übernahme? Wir sprachen mit Geschäftsführer Christian Strüver.
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Herr Strüver, seit 2010 gehört Peha zu Honeywell. Wie lautet Ihre Bilanz? Passen ein Weltkonzern wie Honeywell und ein sauerländischer Schalterhersteller wie Peha zusammen?

Das dauert natürlich. Der Unterschied sind ganz andere Managementstile und die Art und Weise, wie man seine Mitarbeiter informiert. In Familienunternehmen laufen die Informationen über eine, oder maximal zwei Personen. In einem Konzern werden solche Dinge viel offener besprochen und man erwartet auch von den Mitarbeitern, dass sie viel mehr wissen. Die Sprache ist auch eine Herausforderung, denn viele Dinge werden zentral koordiniert und natürlich auf Englisch. Viele Spezialisten sitzen nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland, und dann ist die Kommunikation natürlich ein Problem. Hier haben wir viel getan für die Mitarbeiter und Sprachunterricht organisiert in Form von Einzelunterricht und Kleingruppen. Vor allem für die Mitarbeiter, die viel Kontakt zu ausländischen Kollegen haben.

Ein weiterer Unterschied zwischen Konzernen und eigentümergeführten Unternehmen betrifft kulturelle Dinge, heißt es immer. Galt das auch hier?

Ja. Es ist doch so: In einem Familienunternehmen entscheidet einer. Wenn Mitarbeiter ein Problem hatten, dann sind sie ins Büro gekommen und dann hat der Chef entschieden, wie das Problem gelöst wird. Heute geht das so nicht mehr und das ist anfangs eine sehr große Umstellung gewesen. Auf der anderen Seite haben viele Mitarbeiter gemerkt, was es für Möglichkeiten gibt in einem Konzern. Nicht nur hier in Deutschland in Lüdenscheid zu arbeiten, sondern sich weiterzuentwickeln. Sie lernen ganz andere Dinge. Honeywell ist ganz stark in Prozessen. Es wird sehr viel in Richtung Lean investiert.

Gerade die Mitarbeiter in der Fertigung werden mit ganz anderen Dingen konfrontiert in täglichen und wöchentlichen Meetings. Wenn sie zum Beispiel festgestellt haben, dies oder jenes funktioniert nicht oder das könnte anders besser laufen, dann können sie es dort sagen. Wir beziehen die Mitarbeiter viel mehr ein in Prozessverbesserungen oder Constant Improvement. Das betrifft nicht nur Gruppen- und Abteilungsleiter, sondern alle Beteiligten.

Welche Strategie verfolgt Peha künftig? Müssen Installateure fürchten, eines Tages keine Neu- oder Ersatzteile mehr zu bekommen, weil Peha nicht mehr für den deutschen Markt produziert, sondern nur noch für den Export?

Nein. Honeywell hat seit 2010 in Peha investiert, unter anderem in die Fertigung. Peha hat traditionell zwei starke Absatzmärkte: Die Niederlande und Deutschland, sowohl im Großhandelsgeschäft als auch im Industriegeschäft. Das wird auch so bleiben. Ein Ausstieg oder Rückzug aus dem deutschen Markt ist kein Szenario. Installateure werden auch in Zukunft unsere Schalter beziehen können beziehungsweise Ersatzteile geliefert bekommen. Was wir als Teil des Honeywell-Konzerns versuchen, ist der Ausbau des Auslandsgeschäfts. Das hat bei Peha immer schon eine gewisse Bedeutung gehabt. Aber jetzt haben wir die Möglichkeit, auf Honeywell-Strukturen zurückzugreifen. Es gibt Büros, Lager und Administration in vielen Ländern und das nutzen wir jetzt auch. Wir haben angefangen, in eigene Mitarbeiter zu investieren, zum Beispiel in Osteuropa. Dort können die neuen Mitarbeiter die Honeywell-Strukturen nutzen und für uns exklusiv arbeiten, um das Exportgeschäft zu erweitern.

Der britische Schalterhersteller MK gehört auch zum Honeywell-Konzern. Spielt das eine Rolle für Peha?

Wir sind Teil des Geschäftsbereichs Elektrische Installationstechnik. Der umfasste ursprünglich vor allem den Bereich British Standard. MK ist der größte Bereich bei uns und hat Auslandsniederlassungen in allen wichtigen Ländern, die bis heute dem British Standard folgen; zum Beispiel der Mittlere Osten, Singapur, Hongkong, Malaysia und Indien. Diese Strukturen nutzen wir. Denn bei Elektronikprodukten wie Bustechnik oder drahtlosen Systemen wie Easyclick spielt es kaum eine Rolle, ob vor Ort British Standard üblich ist oder nicht. Das heißt, bei diesen Produkten sehen wir gute Chancen, das englische Sortiment zu erweitern und mit deutscher Technologie zu ergänzen. Einer der Gründe, warum Honeywell Peha gekauft hat, ist, ein Unternehmen zu erhalten, das die deutschen Standards VDE und Schuko aus dem Effeff kennt. Das war vorher nicht der Fall und mit der Akquisition hat man sich eine solche Position geschaffen. Unsere Aufgabe besteht jetzt darin, diese Position auszubauen.

Was macht das Geschäft mit Schaltermaterial in Deutschland aus?

Ich habe jahrelang in London gearbeitet. Im Bereich Schalter-Design ist der britische Markt sehr traditionell. Wenig Farbe, kaum moderne Formen, viel Duroplast. In Europa ist es umgekehrt: Hier wird dem Design viel Aufmerksamkeit gewidmet. Italienische und französische Hersteller sind in diesem Bereich sehr stark, aber auch die deutschen Anbieter.

Woran wurde in der jüngsten Zeit gearbeitet?

Auf der Light + Building haben wir einen neuen Controller für das Peha-Home-Control-System (PHC) gezeigt, mit dem man zum Beispiel eine Internetanbindung ermöglichen kann. Projektdaten wurden zentralisiert, damit man sie über die Fernwartung abrufen kann. Ferner haben wir die Komfort-Programmierungssoftware C1 präsentiert.

Welche Arbeitsschritte sind damit möglich?

Die Programmierungssoftware erlaubt es dem Installateur, zusammen mit dem Kunden vor Ort das Projekt zu planen; zum Beispiel können die beiden dann mithilfe der C1 Funktion und Lage von Schaltern festlegen. Daraus lässt sich dann eine Stückliste, oder, sofern die Preise bereits eingepflegt wurden, ein Angebot erstellen. Damit kann man dem Kunden sofort ein Angebot unterbreiten. Zudem kann der Installateur die Programmierung vorbereiten. Die Software verbindet die verschiedenen Elemente der Elektroinstallation und somit sind die logischen Verknüpfungen zwischen zu steuernden und kontrollierenden Elementen gegeben. Diese Informationen können hinterher in die eigentliche Programmiersoftware überspielt werden.

Das bedeutet aber auch einen Zeitvorteil. Wieviel Zeit lässt sich dadurch ungefähr sparen?

Wir gehen davon aus, dass sich der gesamte Aufwand um 50 bis 60 Prozent reduziert. Zudem ist die C1 explizit so konzipiert, dass sich vor allem auch Installateure, die nur ein- oder zweimal im Jahr damit arbeiten, die Handhabung wieder recht schnell aneignen können.

Trauen sie den Handwerkern nichts zu?

Darum geht es nicht. Es geht um das Prinzip Einfachheit: Einfache Bedienbarkeit ist bei Honeywell ein ganz zentrales Thema. Sicher bieten wir für neue Produkte Schulungen an und demonstrieren, wie die Geräte funktionieren und wie sie installiert werden. Aber viele Betriebe können doch die Kosten die entstehen, weil Monteure nicht auf der Baustelle sind, sondern eine nachmittägliche Schulung besuchen, bei ihren Kunden gar nicht in Rechnung stellen. Zudem ist das auch ein strukturelles beziehungsweise logistisches Problem: Viele Handwerksbetriebe bestehen aus zwei oder drei Personen und sind vollauf mit den laufenden Kundenaufträgen und Projekten beschäftigt. Schließlich verdienen sie damit ihr Geld. Das heißt, sie haben auch selten Zeit, immer wieder an Schulungen zu diesem und jenem neuen Produkt teilzunehmen. Weiterhin möchten wir die Hemmschwelle senken, die bei dem einen oder anderen Installateur vielleicht besteht, um selber aktiv kleinere Gebäudeautomatisierungsprojekte beim Endkunden zu verkaufen.


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g+h 05/2012
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