Mehr als nur schicke Bäder

Technik

Raumgestaltung. - Der Designer Torsten Müller hat sich erfolgreich auf Räume spezialisiert, die weit mehr sind als funktionale Orte. Er lässt Wohlfühloasen entstehen; ein Aspekt dabei ist die Lichtplanung.

06. Mai 2011

Der Kommunikations- Raum von Torsten Müller ist so ganz anders, als man es aus der Sanitärbranche kennt. Man ahnt, warum er bereits im Jahre 2006 von dem Magazin „Schöner Wohnen“ als Top-Badstudio in Deutschland ausgezeichnet wurde. Leise Musik schmeichelt sich ins Ohr, es duftet angenehm, der Raum ist warm und in gedämpftes Licht getaucht. Kunstvoll in Szene gesetzte Objekte aus der Natur, einige Muster für Duschabtrennungen, wenige ausgewählte Armaturen und dann wieder Schwämme und Steine neben einem hölzernen Badezuber man weiß kaum, wohin man zuerst schauen soll. In diesem warmen, angenehmen Umfeld fühlt man sich auf Anhieb wohl – und genau das ist es, was Torsten Müller erreichen möchte. „Meine Kunden sollen hier einen Eindruck davon bekommen, was ihr Bad später sein kann“, erklärt er. Für ihn ist ein Bad weit mehr als ein Raum, der nur übliche Funktionen erfüllen soll. Morgens machen wir uns hier bereit für den Tag, nutzen die Dusche, um uns zu erfrischen und aufzuwachen.

Nach getaner Arbeit schalten wir hier ab – tanken vielleicht Kraft für das Ausgehen am Abend. Und vor dem Schlafen dient das Bad dazu, den Alltag hinter sich zu lassen und zur Ruhe zu kommen. Heute, in unserer mobilen Informationsgesellschaft, gibt es kaum noch Rückzugsrefugien – lediglich im Bad wird noch toleriert, dass man allein und vorübergehend unerreichbar ist. Und nirgendwo sonst sind wir so sehr wir selbst wie im Bad – nackt, ungeschminkt und durch den Spiegel den Blick auf uns selbst gerichtet.

„Umso wichtiger ist, dass man sich hier wohl- und vor allem geschützt fühlt“, erklärt Torsten Müller seine Philosophie. Und was dieses Wohlgefühl ausmacht, ist für jeden Menschen ganz individuell. „Am Anfang jeder Planung steht der Mensch, der das Bad später nutzen wird“, erläutert der Designer aus Bad Honnef seine Vorgehensweise. Er kommt vom Fach, hat die Meisterschule in Köln zum Gas- & Wasserinstallateur besucht, war einige Jahre mit einem Installationsbetrieb selbstständig und hat damit die Grundlagen von der Pike auf gelernt. Allerdings gab es dann einige wirtschaftliche und auch private Probleme, durch die er sich völlig neu orientieren musste und beruflich noch einmal ganz von vorne anfangen durfte.

Den Fokus richtete er auf das, was ihm schon immer die meiste Freude bereitete: Maßgeschneiderte Räume zu entwerfen, die alle Sinne ansprechen. Mit den möglichst preisgünstigen Nasszellen für Wohnungsbaugesellschaften hatte das nun nichts mehr zu tun – vielmehr ging es darum, besonders viel Zeit in die Konzepte zu investieren, um für den Nutzer das Passende zu kreieren. „Meine Kunden wollen nicht seitenweise Kataloge wälzen – für so etwas haben sie keine Zeit“, berichtet Torsten Müller, dessen Aufgabe nun darin besteht, die Kundenwünsche zu erkennen und die passenden Produkte auszusuchen und zu einem stimmigen Ganzen zu kombinieren. Dabei geht es nicht nur um Funktionen – es geht auch um Farben und Materialien, in denen der Kunde sich später wohlfühlt. „Jeder Mensch hat andere Bedürfnisse und unterschiedliche Lebenserfahrungen – all das spielt eine Rolle bei der Gestaltung“, erzählt der Designer. „Nur wer es schafft, die Persönlichkeit des Auftraggebers zu erfassen, ist auch in der Lage, das Passende für ihn zu entwerfen“, ist sich Müller sicher. Dabei geht es in erster Linie nicht darum, alles technisch Machbare umzusetzen. Vielmehr muss die Lösung für den Kunden maßgeschneidert sein.

Nicht jeden Branchentrend sieht Müller positiv: „Wer Bad und Schlafzimmer in einem Raum zusammenführen will, der sollte unbedingt einen Experten zu Rate ziehen“, bringt Müller seine Skepsis auf den Punkt. „Wohin denn mit der feuchten Luft? Und was wird mit der Temperatur, die zum Baden sehr warm, zum Schlafen aber sehr kühl sein soll?“, gibt er zu bedenken. Solche Wünsche sollte man nur realisieren, wenn man für eine geeignete Lüftung und Entfeuchtung sorgt, was dann natürlich auch mehr kostet. „Sonst wird der Kunde aber damit wenig Freude haben“, warnt er davor, am falschen Ende zu sparen. Vieles zur Funktion der Räume lässt sich schon in einem Gespräch herausfinden – etwa, ob man gerne badet, alleine oder auch zu zweit. Oft fährt Torsten Müller zu Beginn der Planung mit seinen Kunden in eine Badausstellung in der Nähe, um einen ersten Eindruck über die Wünsche und die spätere Nutzung zu gewinnen.

Vorlieben für Farben, Materialien oder Dekorationen herauszufinden ist schon weniger einfach – aber auch dafür hat er ein Werkzeug. Kunden, die zu ihm nach Bad Honnef kommen, sind oft neugierig wegen der vielen bunten Flaschen, die dort in einer Lichtnische an der Wand stehen. „Wer mag, darf sich hier vier Flaschen aussuchen, aus deren Farben ich dann viel über die Persönlichkeit und die Bedürfnisse herauslesen kann. Das möchte nicht jeder Kunde und ich überrede auch niemanden dazu“, erklärt er. „Es ist für meine Arbeit aber eine große Hilfe, denn daraus kann ich ableiten, welches Umfeld dem Menschen besonders gut tut – beispielsweise natürliche, erdige Materialien oder bestimmte Farben, die sich dann im Interieur widerspiegeln.“

Sein Motto „fühlen, genießen, erleben und entspannen“ setzt der Designer übrigens nicht nur in Räumen um. Auch im Rahmen von Vorträgen, Seminaren und Event-Veranstaltungen gibt er sein Wissen über Konzepte für exklusive Objekte weiter. Eine große Rolle spielt besonders in hochwertigen Bädern ein professionelles Lichtdesign. Lange vorbei sind die Zeiten, in denen eine Leuchte unter der Decke und eine am Spiegel ausreichten. „Ohne Systeme wie KNX und das Abspeichern von Szenarien, die sich auf Knopfdruck abrufen lassen, geht in hochwertigen Bädern nichts mehr.

„Wer will schon jede Leuchte einzeln schalten oder dimmen, wenn er abgespannt nach einem Tag voller Termine nach Hause kommt und ein Bad einlässt?“ Für die Komposition der einzelnen Szenen, die auch Musik, Beschattung und die richtige Raumtemperatur einschließen können, unterscheidet Müller zwischen Elementen für die Grundbeleuchtung, für fokussierende Beleuchtung, die bestimmte Dekorationselemente in Szene setzt, und dem Brillanzlicht, das man etwa am Kristallspiegel benötigt.

Für die Installation sorgt Müller nicht selbst hier setzt er auf Betriebe, mit denen er gute Erfahrungen gemacht hat. „Ich kreiere Konzepte und nutze dafür ausgefallene Designer-Ware aus der ganzen Welt – exklusive Produkte, die man nicht überall findet. Für unsere Kunden kaufen wir dann wie ein Innenarchitekt die Leistungen ein und überwachen anschließend die Ausführung“, erklärt er. Die vielen beteiligten Gewerke von Elektro über Sanitär bis hin zu Stuckateuren oder Medienexperten müssen dabei perfekt zusammenarbeiten, denn Kunden, die fünf- oder sechsstellige Beträge für ihr Wohlfühl-Spa ausgeben, erwarten Perfektion und Termintreue. Darum setzt Torsten Müller ausschließlich auf Betriebe, die bestens qualifiziert sind und einen guten Namen in der Branche haben. Manchmal sind das international tätige Meister ihres Faches. „Alles andere wäre zu riskant.“ Ein Beispiel für seine Arbeit liegt im benachbarten Bad Godesberg. Dort hat der Inhaber eines Recycling-Unternehmens sein Bad und sein Gäste-WC von Torsten Müller gestalten lassen. Unter dem Arbeitstitel Tosca – jedes Projekt erhält einen Namen, den der Kunde aussuchen kann – entstand hier ein Bad mit besonders exklusiven Details. Die Duschabtrennung der Firma 3-Form beispielsweise besteht aus in Kunstharz eingegossenen Birkenzweigen und war zum damaligen Zeitpunkt eine Weltneuheit. Torsten Müller brachte ein Muster mit zum Beratungsgespräch und der Auftraggeber war sofort begeistert und wollte nichts anderes mehr. Gleiches galt für die Regendusche „Rain Sky E“ aus dem Hause Dornbracht. Auch diese wollte der Kunde, der sie in einem Hotel erlebt hatte, unbedingt im eigenen Haus haben. Sie bietet verschiedene Regenarten, kann über spezielle Düsen auch Nebel erzeugen, leuchtet in unterschiedlichen Lichtfarben und verströmt ätherische Öle, die anregend oder entspannen wirken.

Am Boden der Dusche wurde Teak verlegt, wodurch ein sehr angenehmes, warmes Gefühl am Fuß entsteht – das gleiche Material wiederholt sich als Wandverkleidung rund um die große, für zwei Personen geeignete Wanne sowie auf der Außenterrasse, die an den Spa-Bereich grenzt. Fliesen in Form eines honigfarbenen Onyx-Mosaiks gibt es im Gäste-WC die Wände des Bades wurden mit einem Marmariono-Putz versehen, der in der Lage ist Feuchtigkeit aufzunehmen und so für ein optimales Raumklima sorgt.

Nicht nur die Beleuchtung des Bades – auch Fußbodenheizung, Jalousien und die Bang-und-Olufsen-Stereoanlage wurden in einzelne Szenen integriert.

Über einen LED-Router lassen sich hier unterschiedliche Lichtfarben realisieren, die dem Raum die passende Atmosphäre geben. So gibt es Szenen wie „relax“ für ein ausgedehntes Entspannungsbad, in der die passende Musik erklingt, der Raum in warmes Licht getaucht und angenehm temperiert ist.

„Entscheidend ist, dass der Kunde bei allen technischen Möglichkeiten in der Lage ist, die Technik mit wenigen Handgriffen zu bedienen“, betont Torsten Müller. Nach seinen Erfahrungen nutzen die Kunden die vielen Möglichkeiten eines solchen Bades nur dann, wenn sie gut mit der Bedienung klar kommen. Andernfalls werden sie später unzufrieden, denn sie haben relativ viel Geld investiert – erleben aber keinen Mehrwert. „Nicht Trends oder das technisch Machbare, sondern der Mensch muss im Mittelpunkt der Planung stehen – nur wenn er sich später wohlfühlt und in der Lage ist, alles zu bedienen, habe ich meinen Job gut gemacht!“, bringt Torsten Müller seine Philosophie sehr anschaulich auf den Punkt.

Erfolgskonzept

Torsten Müller dokumentiert mit seinem Erfolgskonzept auf eindrucksvolle Art und Weise, wie man sich mit einem klaren Premiumkonzept vom Wettbewerb absetzen kann. Damit ein solches Unterfangen am Ende von Erfolg gekrönt ist, sind strategisches Denken, technisches Wissen und Professionalität im Marketing gefragt. Was in der Bäderwelt Erfolg verspricht, lässt sich problemlos auch auf die Elektroinstallation übertragen. Unternehmer, die hier konsequent auf ein Topsegment und eine entsprechende Kundenstruktur setzen, haben beste Erfolgsaussichten, denn „Klasse 1“ ist immer gefragt und darüber hinaus für Krisen wenig anfällig.

Erschienen in Ausgabe: 03/2011