Großer Preis für großen Unternehmer

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Innovationspreis. - Für g+h ist Michael Strobl schon ein alter Bekannter. Seit 2008 verbucht er Top-Platzierungen und 2014 wurde er zum zweiten Mal Hauptpreisträger. Zuletzt haben wir ihn 2009 vorgestellt. Zeit, den g+h Innovations-Preisträger erneut in Schelklingen in der Nähe von Ulm zu besuchen bevor wir ihn auf Kreuzfahrt schicken.

03. März 2015

Herr Strobl, seit 2008 haben Sie an jedem Wettbewerb teilgenommen und zählten jedes Mal zu den Preisträgern. Wird das nicht langweilig? Wer oder was treibt Sie eigentlich an?

Für mich ist der Preis eine wunderbare Möglichkeit, mich zu präsentieren und Werbung für unseren Betrieb zu machen. Außerdem ist es für mich toll, dieses Feedback von außen zu bekommen, mich mit anderen Betrieben zu messen und letztlich zu wissen, wo man im Wettbewerb steht.

Hat sich eigentlich seit dem ersten Innovationspreis etwas verändert? Reagieren Ihre Kunden immer noch darauf, oder haben sie sich schon daran gewöhnt?

Die Reaktion ist jedes Mal wieder überwältigend. Wir haben kurz nach der letzten Preisverleihung an einer Messe in Ehingen teilgenommen – dort wurden wir von vielen Kunden und Kollegen auf den Innovationspreis angesprochen. Viele unserer Kunden freuen sich riesig und fühlen sich bestätigt, dass sie mit uns zusammen arbeiten und ganz offensichtlich auf den richtigen Betrieb gesetzt haben.

Natürlich muss man diesen Bekanntheitsgrad, zu dem uns schon der erste Gewinn 2008 verholfen hat, auch pflegen. Gerade haben wir wieder neue Radiospots produziert, die in den nächsten Wochen ausgestrahlt werden. So bleiben wir immer im Gespräch – man kennt uns in der Region.

Müssten nicht andere Ihrem Beispiel folgen und aufholen?

Ich denke schon, dass die Luft an der Spitze sehr dünn ist und es einige sehr gute Firmen gibt, die ebenfalls das Zeug dazu haben, bei den Preisträgern mit dabei zu sein. Aber wir bleiben natürlich auch nicht stehen, sondern entwickeln uns immer weiter, wachsen, und versuchen, alles noch besser zu machen. Wenn wir diesen Ehrgeiz nicht hätten, wären wir längst nicht mehr ganz vorne mit dabei.

Viele Ihrer Kollegen haben ja ein Problem damit zu verkaufen. Oft fehlt der Branche das Selbstbewusstsein, hochwertige Lösungen anzubieten. Man hört dann immer das Argument, dass man für Sanitär lieber Geld ausgibt, weil man das Ergebnis sieht, während Elektro in der Wand verschwindet. Wie sehen Sie das eigentlich?

Im Elektrohandwerk finden wir durchweg sehr gute Techniker – aber viele müssen auch noch lernen, gute Kaufleute zu sein. Immerhin verkaufen wir Sicherheit und schützen letztlich Leib und Leben. Da kann man ruhig etwas selbstbewusster auftreten und muss das auch so vermarkten. Der Preisdruck in unserer Branche ist schon extrem – da darf man sich nichts vormachen. Um so wichtiger ist es, die Bedeutung, die unsere Arbeit hat, besser darzustellen. Qualität kostet eben auch Geld!

Wie gelingt Ihnen das denn, gerade bei hochwertigen Lösungen diesen Mehrwert zu vermitteln?

Wir arbeiten vor allem mit Referenzen. Wir klären mit unseren Kunden vorher schon, dass wir ihr Projekt gerne später als Referenz nutzen möchten. Oft kann man durch neue Technologien, die höhere Investitionen erfordern, später die Betriebskosten so senken, dass sich der Aufwand innerhalb weniger Jahre amortisiert.

Das kann ich meinen Kunden erzählen – oder ich nehme sie mit zu jemandem, der diese Technik schon eingesetzt hat und nun quasi für mich das Verkaufsgespräch führt und von seinen Erfahrungen berichtet. Die Aussage meines Kunden hat einen viel höheren Wert, als das irgendwelche Werbemittel haben könnten. Außerdem suchen wir immer wieder den Weg zum Kunden und sind auf Messen, Ausstellungen oder Tagen der offenen Tür präsent. Unsere Bank veranstaltet zum Beispiel für bauwillige Kunden ein Forum mit Fachhandwerkern, die dort ihre Produkte zeigen können. Solche Gelegenheiten nutzen wir – leichter kann man den Kontakt zu künftigen Bauherren gar nicht knüpfen. Und wenn die einen dann schon aus der Lokalpresse kennen, weil man einen Preis gewonnen hat, oder unsere Radiowerbung gehört haben, dann schließt sich der Kreis.

Wünschen Sie sich mehr Unterstützung der Hersteller, um neue Technologien an den Mann zu bringen?

Da ist in den letzten Jahren zum Glück viel passiert. Firmen wie Gira oder Busch-Jaeger machen ja inzwischen Werbung für Endkunden im TV – das spüren wir schon, dass dadurch Themen der Elektrotechnik wie Smart Home und Smart Metering bekannter werden und das Interesse daran zunimmt. Daran sollten sich andere ein Beispiel nehmen.

Wenn die Hersteller und wir Unternehmer die Technik und die Welt der Elektrotechnik genauso anpreisen würden wie die Automobilindustrie ein neues Auto ...Wenn sie zum Beispiel Begriffe wie Sicherheit, Komfort , Qualität und Innovation mit mehr Leben füllen würden. Wenn sie stärker vermitteln würden, was es heißt, starker Partner zu sein. Wenn sie das alles dem Endkunden noch näher bringen, dann wecken sie damit die Nachfrage und tun dem Handwerk etwas Gutes. Und dann dürften wir Handwerker nicht mehr vorrangig über den Preis verkaufen, sondern mit unserem Können. Ein wichtiger Aufruf an dieser Stelle an meine Kollegen: Denkt daran wir installieren Sicherheit für Leib und Leben, super Techniken und Komfort.

Wir müssen alle dafür werben und dürfen uns deshalb nicht unter Wert verkaufen. Es ist genügend Arbeit für alle da und diese wird sicher nicht weniger.

Wenn man sieht, wie professionell Sie Ihren Betrieb führen, dann fragt man sich, woher Sie vor allem Ihr Marketingwissen haben. Haben Sie neben der Meisterschule noch besondere Weiterbildungen im Bereich Markting besucht?

Ehrlich gesagt nein. Die Grundlagen von Marketing und Vertrieb habe ich mir schon in meinem Ausbildungsbetrieb abgeschaut. Ich wollte zwar noch den „Betriebswirt im Handwerk“ machen – musste aber aus finanziellen Gründen leider abbrechen und Geld verdienen.

Ich lese viel, gehe mit wachen Augen durch die Welt und habe ständig irgendwelche Ideen. Die bespreche ich dann mit meiner Frau und den Kollegen und entscheide dann, was zu tun ist.

Sie waren bereits 1996 mit 23 Jahren einer der jüngste Elektromeister Süddeutschlands. Hatten Sie von Anfang an die Selbstständigkeit im Auge?

Ursprünglich ging es mir darum, Abteilungsleiter zu werden. Ich war in einem großen Betrieb, hatte immer schon Spaß an Verantwortung und am Organisieren und hatte eine Führungsposition in Aussicht.

Noch bevor ich meinen Meister in der Tasche hatte, ging es mit der Firma leider bergab, sodass ich mich dann zunächst mit einem einzigen Auftraggeber selbstständig machen musste – in einem kleinen Holzschuppen der Büro und Werkstatt war.

Wenn man Ihre Firmengeschichte liest, dann könnte man daraus einen Film drehen. Angefangen vor 19 Jahren als Einzelkämpfer in einem Holzschuppen, später dann die erste kleine Halle und gerade sind Sie in ein wunderschönes, neues Domizil umgezogen, das Sie in wenigen Monaten komplett saniert und ausgebaut haben. Was war der Grund für den Umzug?

Letztlich hatten wir einfach zu wenig Platz. Wir stellen jedes Jahr vier bis sieben neue Mitarbeiter ein und haben inzwischen eine Firmengruppe, die neben der klassischen Elektroinstallation von IT über HKL bis zu Industrieanwendungen und Schaltschrankbau so ziemlich alles abdeckt, was mit Energie und Daten im weitesten Sinne zu tun hat. Wir haben sogar ein eigenes Planungsbüro – und das alles passte beim besten Willen nicht unter ein Dach. Nun sitzen alle Abteilungen in benachbarten Büros und bei Projekten können sich die Spezialisten mal eben beraten oder Lösungen in der Werkstatt ausprobieren. Das kommt vor allem unseren Kunden zugute – sie bekommen alles aus einer Hand, es gibt keine Schnittstellenprobleme und wir können so auch besonders schnell auf Anfragen reagieren.

Wie Sie schon sagten, gehört Ihnen heute eine ganze Firmengruppe, und eine Niederlassung in Memmingen haben Sie auch noch. Wie schafft man das in weniger als 20 Jahren?

Grundsätzlich mit einer tollen Familie und einem super Stab an Mitarbeitern, die hinter meiner Unternehmensphilosophie stehen.

Ich bin stolz und dankbar, dass alles so gekommen ist. Oft waren es Zufälle – ich habe einfach zugegriffen, wenn sich eine Gelegenheit ergeben hat. In Memmingen war beispielsweise ein Betrieb, für den wir Schaltschränke gebaut haben, insolvent geworden. Dessen Endkunden haben uns angesprochen, ob wir die Schränke nicht direkt an sie liefern könnten. Und so hatten wir dann plötzlich ein Standbein dort in der Region. Wir haben das eine Zeit lang von Schelklingen aus betreut, aber die Fahrerei war auf Dauer doch zu umständlich. Und so haben wir dort eine Niederlassung gegründet.

Nach und nach kamen die anderen Firmen mit ihren Spezialgebieten von MSR bis Automatisierungstechnik hinzu und heute haben wir 72 Mitarbeiter.

Viele Kollegen klagen ja über Fachkräftemangel. Wie ist es denn bei Ihnen. Finden Sie genug gute Leute?

Ohne engagierte Kollegen, die ihr Handwerk verstehen, wären wir nicht da, wo wir heute sind. Unser ältester Mitarbeiter ist übrigens 76 Jahre alt und kommt trotz seiner Rente immer noch gerne zu uns und ist mit seiner Erfahrung ein wertvoller Ratgeber. Auch für uns wird es immer schwieriger, gute Leute zu bekommen. Viele Gesellen wechseln in die Industrie, weil dort die Gehälter höher und die Arbeitszeiten geregelter sind. Sie gehen so der Branche leider verloren.

Wir versuchen unsere Leute zu halten, indem wir ein sehr familiäres Betriebsklima haben. Ich bin zwei Mal pro Woche in Memmingen, und meine Tür steht immer für alle offen. Wir unternehmen in der Freizeit viel im Kollegenkreis. Trotzdem müssen natürlich die Strukturen eingehalten werden. Fachliches muss mit dem direkten Vorgesetzten besprochen werden – da mische ich mich nicht ein, sonst gibt es nur Chaos.

Bilden Sie auch aus?

Seit 10 Jahren bilden wir aus – momentan haben wir acht Azubis.

Wenn man Ihre Kundenstruktur und Ihr Angebot anschaut, fällt auf, dass Sie sehr breit aufgestellt sind. Vom Austausch des Schalterprogramms bis zur Rollfeldbefeuerung auf dem Flughafen fehlt da nichts. Gibt es für jede Sparte Spezialisten bei Ihnen oder ist Ihnen wichtig, dass Ihre Mitarbeiter alles können?

Die Themen sind so komplex – einer kann nicht alles können. Wir haben das über die unterschiedlichen Firmen gelöst, die jeweils ihre Spezialgebiete und ihre Spezialisten haben.

Dadurch, dass alle Fachplaner hier in Schelklingen zusammensitzen, haben wir die Zusammenarbeit optimal gelöst.

Hat man bei so viel Arbeit überhaupt noch Zeit für Privates?

Die muss man sich nehmen. Inzwischen haben wir zwei Söhne und nebenbei bin ich auch noch in der Politik, im Gewerbeverein und als stellvertretender Bürgermeister aktiv. So etwas geht nur, wenn die Familie das mit trägt. Sonntag ist komplett als Familientag reserviert.

Arbeitet Ihre Frau auch im Unternehmen mit?

Meine Frau war von Anfang an in der Firma mit dabei. Am Anfang hat sie sonntags für mich das Kassenbuch gemacht und heute ist sie sechs Tage die Woche Vollzeit in der Firma. Der Samstag ist für uns besonders schön. Wir decken immer einen großen Frühstückstisch im Büro, und wer von den Kollegen da ist, der isst mit. Man hat Zeit für Dinge, die im Trubel der Woche liegen bleiben, und kann auch mal in Ruhe mit Kollegen reden. Oft kommen auch Leute aus der Niederlassung vorbei. Und die nächste Generation steht schon in den Startlöchern. Unser Sohn hat auf der letzten Messe Popcorn zubereitet und verteilt – das war seine eigene Idee!

Innovationspreisträger arbeiten ja bekanntlich anders. Sind besonders marktnah und offen für neue Technologien. Wie treffen Sie eigentlich die Auswahl, in welche neuen Technologien Sie einsteigen? Woher nimmt man die Informationen und wie entscheidet man?

Das wird tatsächlich immer schwieriger. Bei uns informieren sich die Spezialisten aus den einzelnen Firmen und dann sprechen wir darüber, was wichtig werden könnte. Wir schicken dann Leute gezielt zu Schulungen.

Die Qualifizierung der Mitarbeiter ist ja für innovative Firmen das A und O. Machen Sie langfristige Entwicklungspläne für jeden Mitarbeiter?

Das entscheiden wir ganz individuell. Wenn wir wissen, dass jemand bald in den Ruhestand geht, dann überlegen wir schon, wer diese Stelle einmal übernehmen könnte und versuchen dann schon früh, denjenigen weiterzubilden und ihm mehr Verantwortung zu übertragen. Bei manchen erkennt man auch besondere Stärken und versucht dann, sie in diese Richtung zu fördern und einzusetzen. Aber nicht jeder spielt da mit. Manche möchten auch gar keine Verantwortung haben und lieber auf ihrem Platz bleiben, was ich sehr schade finde.

Herr Strobl, herzlichen Dank für die Einblicke in Ihr Unternehmen. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg!

Erschienen in Ausgabe: 02/2015