18. NOVEMBER 2018

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Zukunft ist unsere Tradition


Günter J. Schwab. Jüngst feierte der Erfinder des Nockenschalters seinen 100. Geburtstag. g+h sprach mit dem Geschäftsführer der deutschen Unternehmen der Firmengruppe über die Geschichte und die aktuellen Produktinnovationen.

Herr Schwab, könnten Sie uns kurz die Geschichte von Kraus & Naimer schildern?
Gern. Das Unternehmen wurde 1907 in Wien gegründet. Der Gründungsort war eine kleine Kellerwerkstätte, in der zunächst elektromechanische Geräte gebaut wurden. Die Gründerväter, Lorenz Naimer und Franz Kraus, sorgten durch ihr unternehmerisches Handeln schon bald für gutes Wachstum, sodass rasch der Umzug in ein eigenes Firmengebäude erfolgte. 1947 übernahm Hubert Laurenz Naimer nach dem Tod seines Vaters die Leitung des Unternehmens. Viele der oft revolutionären Erfindungen und Innovationen sind auf seine überragenden technischen und unternehmerischen Fähigkeiten zurückzuführen. Hubert Laurenz Naimer hat das Unternehmen zum Markt- und Technologieführer gemacht. Auch heute, nach dem Tod von Hubert Laurenz Naimer im September 2004, befindet sich das Unternehmen, das mit fast 1.200 Mitarbeitern rund 4,3 Mio. Schaltgeräte weltweit produziert, zu 100 Prozent im Familienbesitz mit Ted Naimer an der Spitze.

Wie verlief die Expansion?
Neben einem Ausbau der Fertigungsstätten ? wir verfügen über acht Produktionsstandorte ? wurden bis heute weltweit 18 Vertriebsfirmen gegründet, sodass wir auf jedem Kontinent vertreten sind.

Wo liegen die Produktionsorte?
In Österreich, Deutschland, Ungarn, Irland, Neuseeland, den USA und Brasilien.

Sie haben uns die unternehmerische Geschichte skizziert, wie verlief die technische?
Kraus & Naimer verstand und versteht sich als Pionier im Schaltgerätebau. Wir haben den ersten Nockenschalter gebaut und waren der Schaltgerätehersteller, der als erster Thermoplaste für den Schaltgerätebau einsetzte. Begonnen hat die Technikgeschichte mit Anlassern, Regelwiderständen etc. und ging dann bis zur Erfindung des Nockenschalters, einem Produktbereich, in dem wir Weltmarktführer sind. Hier gibt es sicherlich niemanden, der so spezialisiert ist wie wir. Dass Kraus & Naimer sich so entwickeln konnte, verdankt das Unternehmen auch dem konsequenten Einsatz von IT-Technik.

Inwieweit war die IT-Technik so ausschlaggebend?
Sie hat uns schneller und zuverlässiger gemacht. Wir können zum Beispiel die komplette technische Spezifikation eines Schaltgerätes mithilfe einer speziellen Software generieren. Diese Daten, die unter anderem vom Kunden kommen, können von uns weltweit ohne Zeitverzögerung eingesetzt werden. Dadurch sind wir in der Lage, kundenspezifische Wünsche ausgesprochen schnell zu erfüllen. Und wir sparen damit natürlich Produktionskosten.

Arbeiten Sie in einem Wachstumsmarkt?
Nein, wir befinden uns ganz klar in einem Verdrängungswettbewerb. Unsere Vorteile liegen dabei in der Möglichkeit, für jede Anforderung eine individuelle technische Lösung zu bieten. Deshalb investieren wir sehr viel in Forschung und Entwicklung im Schaltgerätebau. Kontinuierlich kommen aus unserem Hause neue Techniken und Produkte. Wir möchten kontinuierlich technolgischen Vorsprung bieten. Unsere Wettbewerber haben es, weil sie eben keine reinen Spezialisten sind, hier schwerer. Wir haben uns immer auf unsere Kernkompetenzen konzentriert und sind damit ausgesprochen erfolgreich.

Wie erfolgt der Vertrieb?
Wir verfügen über ein weltweites Vertriebssystem; das sind die sogenannten Solenoiden, in Deutschland also die deutsche Solenoid. Dort sitzen im Außen- und Innendienst hochqualifizierte Spezialisten, die nicht nur verkaufen, sondern auch planen und Lösungen entwickeln. Wir bieten unseren Kunden einen Rundumservice. Anlässlich unseres 100-jährigen Bestehens haben wir nicht zuletzt aufgrund dieser Unternehmensphilosophie die Aussage „Die Zukunft ist unsere Tradition“ fokussiert.

Haben die Globalisierung und China das Unternehmen positiv oder negativ berührt?
China ist ein ganz besonderes Problem. Einerseits gibt es die Plagiate, gegen die auch wir nicht gefeit sind, und gegen die Sie sich in China juristisch nahezu überhaupt nicht wehren können, weil dort ein anderes Wertesystem herrscht und die Justiz anderen Gesetzmäßigkeiten folgt. Oft befinden sich die Unternehmen, die Plagiate produzieren, unter staatlichem Einfluss. Die Chancen sind dadurch sehr limitiert. Hinzu kommt, dass unsere Schaltgeräte von mehreren Herstellern in China kopiert werden. Tauchen Plagiate jedoch außerhalb Chinas auf, gehen wir sehr massiv dagegen vor. Die zweite Problematik betrifft eine fast unverschämte Protektionspolitik Chinas. Sie verlangen das CCC-Zeichen, das man nur dann bekommt, wenn man das Produkt von einer staatlichen Prüfstelle im Lande testen lässt. Das dauert oft mehr als sechs Monate. Damit kann ein Technologievorsprung bereits zunichte gemacht sein. Der Marktzugang nach Europa ist für die Chinesen ungleich einfacher. Sie sehen, die Euphorie, mit der manche den chinesischen Markt sehen, teile ich durchaus nicht.

Wo liegen Ihre aktuellen Innovationsschwerpunkte?
Wir bringen zurzeit ein neues Produkt, die KF-Reihe auf den Markt. Dabei handelt es sich um einen Trennschalter, der die KG/KH-Reihe fortsetzt. Es ist der erste modular aufgebaute Lasttrennschalter. Der Schalter besteht aus Kontaktmodulen und einem Schaltmodul, das sowohl symmetrisch als auch asymmetrisch angeordnet werden kann. Dadurch sind Sie bei der Installation flexibel. Der Antrieb ist von allen Richtungen aus möglich. Außerdem kann der Kunde bei Bedarf selbst vor Ort nachrüsten.

Welchen Bereich decken Sie damit ab?
Wir möchten den Bereich von 16 bis 100 Ampere abdecken. Der Start für die Auslieferung ist Anfang 2008 und beginnt mit den Varianten für 16 A, 20 A und 25 A.

Herr Schwab, wir bedanken uns für das Gespräch mit Ihnen.

www.kraus-naimer.com


STANDORTFRAGENicht zur DispositionAuch Kraus & Naimer hat sich schon die Frage gestellt, ob man an Standorten wie Deutschland weiter produzieren kann. Hohe Lohnkosten und Unternehmenssteuern sowie ein überzogenes Arbeitsrecht machten die Entscheidung nicht leicht. Da die Mitarbeiter aber hochqualifiziert seien und man entsprechende Vereinbarungen getroffen habe, steht der Standort nicht zur Disposition.

Ausgabe:
g+h 07/2007
Unternehmen:
Bilder:

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