24. JANUAR 2019

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Plädoyer für mehr Gebäudesicherheit


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Siemens. - Sicherheit von Elektroanlagen in Gebäuden liegt dem Geschäftsführer von Low Voltage & Products, einem Geschäftsbereich der Siemens Division Low and Medium Voltage, Andreas Matthé, besonders am Herzen. g+h hat mit ihm in Regensburg über aktuelle Sicherheitsstandards gesprochen.
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Herr Matthé, wie ist Ihr Geschäftsbereich im Augenblick organisatorisch aufgestellt?

Waren wir vorher mit der Niederspannungstechnik im Bereich Industrie angesiedelt, gehören wir jetzt dem vierten Sektor „Infrastructure & Cities“ an. Dazu zählen neben Low and Medium Voltage auch die Bereiche Rail Systems, Mobility and Logistics, Smart Grid und Building Technologies. Bei Low and Medium Voltage gibt es zwei Business Units, eine produziert Mittelspannungs- und Schaltanlagensysteme, und die zweite Low Voltage & Products stellt Niederspannungs-, aber auch Mittelspannungskomponenten als reine Produkte her. Bei uns finden Sie also Produkte und bei den Kollegen von Medium Voltage & Systems die Systeme.

Darüber hinaus sind wir in drei Geschäftssegmenten organisiert, einmal Richtung Elektrogroßhandel, dann Schaltanlagen- und Maschinenbauer, und wir haben ein drittes Segment für die Bedienung des US-amerikanischen und kanadischen Marktes.

Wo spiegeln sich die von Ihnen angesprochen Produktfelder auf der Anwendungsseite aktuell wider?

Über die gerade angesprochenen Kanäle bedienen wir Industrie-, Gebäude- und Infrastrukturanwendungen. Sowohl Industriegebäudeausrüstungen, Flughäfen, Stadien, Krankenhäuser und Geschäftsgebäude, aber auch den reinen Wohngebäudesektor.

Wenn man Ihre Marketingaktivitäten betrachtet, dann scheint aktuell einer Ihrer Schwerpunkte die Sicherheit in Gebäuden zu sein, warum?

Das ist richtig, die Sicherheit von Gebäuden zählt zu den Kernaufgaben, denen wir uns stellen. Wenn Sie sich den aktuellen Gebäudebestand anschauen, dann werden sie feststellen, dass in Deutschland allein 29 Millionen Wohneinheiten älter als 35 Jahre alt sind und davon noch einmal 11 Millionen älter als 60 Jahre.

Aber die werden ja gerade im Zuge der Energiewende in großer Zahl modernisiert ...

Sicherlich, Dächer und Fassaden werden ebenso saniert wie Heizungsanlagen, aber die Elektroinstallation bleibt in den meisten Fällen erhalten. Nach Analysen des VDI hat eine Elektroanlage in einem Gebäude eine Lebensdauer von 35 bis vielleicht maximal 40 Jahren. Somit haben etwa 70 Prozent aller Elektroanlagen ihre Lebenszeit zum Teil deutlich überschritten. Das birgt erhebliche Sicherheitsrisiken, die möglichst rasch behoben werden sollten.

Um welche Risiken geht es dabei konkret?

Wenn sie als Elektrofachkraft die Installationen in alten Gebäuden untersuchen, dann werden sie dort verstärkt auf beschädigte Kabelisolierungen, gequetschte Leitungen, gebrochene oder geknickte Kabel sowie lose Kontakte und Anschlüsse stoßen. Die Auswirkungen von UV-Strahlung oder Nagetierverbiss im Außenbereich sind weitere Aspekte der Mängelliste.

Serielle Lichtbögen und Erwärmung können so die Brandgefahr erhöhen und damit zum Risiko für Leib und Leben werden.

Spielt in Zusammenhang mit der elektrischen Sicherheit in Gebäuden nicht auch maßgeblich die Zunahme der elektrischen Verbraucher in Haushalten eine Rolle?

Auf jeden Fall, denn sie ist in den letzten Jahrzehnten um ein Vielfaches gestiegen; hatten Sie es früher vielleicht mit acht elektrischen Anwendungen in einem Haus oder einer Wohnung zu tun, sind Sie heute häufig mit mehr als 70 konfrontiert.

Allein die Zahl der Multimediageräte und Computer in einem durchschnittlichen Haushalt verdeutlicht dies. Diese Geräte sind heute im Gegensatz zu früherer Technik im Haushalt kontinuierlich am Netz, was die Brand- und Überlastgefahren erhöht.

Nicht zu unterschätzen sind in diesem Zusammenhang jene Geräte, die besondere Charakteristika hinsichtlich der Stromaufnahme aufweisen, wie Frequenzumrichter in Waschmaschinen, Schaltnetzteile bei Fernsehern, PCs oder LED-Lampen. Hier werden wir unter anderem mit Gleichstromeffekten konfrontiert. Das heißt, dass die Schutzkonzepte, die früher Standard waren, auf diese Techniken heute gar nicht mehr ausgelegt sind.

Noch weniger vermutlich auch auf alle Techniken, die im Rahmen von Smart Grid eine Rolle spielen ...

Ja, das ist richtig. Wenn wir in die Zukunft schauen, spielen Photovoltaik und Elektromobilität natürlich eine zunehmend bedeutendere Rolle, die Photovoltaik hat diese Rolle ja bereits jetzt schon inne.


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Ausgabe:
g+h 08/2013
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