24. JANUAR 2019

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Man muss dahinter stehen


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g+h. Dierk Bollin leitet einen Fachbetrieb mit dreizehn Mitarbeitern in Borgholzhausen bei Bielefeld. Technik und Beratung sind bei Bollin zwei Seiten einer Medaille. Sein Motto: Nur wer sich auskennt, überzeugt. g+h zeichnete die Firma 2012 mit dem Innovationspreis aus.
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Herr Bollin, Sie haben sich 1987 selbstständig gemacht. Damals sprach kaum jemand über PV-Anlagen, Wärmepumpen, LEDs oder Bustechnik.
Heute ist das Stand der Technik und macht vor allem in Ihrem Betrieb einen großen Teil des Umsatzes aus. Im Vergleich zu früher ist die Technik heute aber auch beratungsintensiver. Wie gehen Sie damit um?

Wenn ich heute wegen einer Wärmepumpe zu einem Kunden fahre, dann erwartet er im ersten Moment, dass wir in den Heizungsraum gehen. Stattdessen setze ich mich mit ihm erstmal zusammen und mache auch einen Rundgang ums Haus. Damit ich einen Eindruck bekomme, wie die Isolierung von dem Gebäude aussieht, ob es einen Balkon gibt, ob die Betondecke durchgegossen ist nach innen, wie hoch die Wärmeverluste auf dem Balkon sind und so weiter.
Ferner kläre ich das Nutzerverhalten: Wie und mit welchen Temperaturen wird da künftig gewohnt? Damit verbringt man schon mal drei bis vier Stunden. Über die Wärmepumpe wird erst beim zweiten Termin gesprochen.

Das heißt, der erste Termin dient nur dazu, einen Überblick zu bekommen?

Genau. Das steht beim ersten Gespräch im Vordergrund. Danach mache ich eine erste Berechnung, welche Anforderungen die Anlage erfüllen muss. Erst dann spricht man über die Wärmepumpe im engeren Sinne und welches Modell für das Gebäude überhaupt geeignet ist.
Dass ist alles schon sehr beratungsintensiv und braucht seine Zeit. Aber anders geht es meiner Meinung nach gar nicht. Ich höre immer mal wieder von Fällen, in denen es Probleme mit den Anlagen gibt und sie nicht richtig funktionieren. Das liegt in der Regel daran, weil sie von den ausführenden Firmen nicht richtig berechnet wurden. Aber wenn die Anlage erstmal installiert ist, kann man nicht mehr viel machen. Bei einem Gaskessel lässt sich die Düse austauschen, um mehr Heizleistung zu erreichen. Bei einer Wärmepumpe gibt es diese Möglichkeit nicht. Die hat immer nur eine bestimmte Leistung; ist die zu gering, muss ich ein Modell mit einer höheren Leistung installieren. Anders geht es nicht. Mit anderen Worten: Die moderne Technik fordert von dem Handwerksbetrieb heute immer mehr vorausschauendes Arbeiten; auch Wissen aus anderen Gewerken wird immer wichtiger.

Muss heute ein moderner Elektrobetrieb Gewerke übergreifend aufgestellt sein, um mithalten zu können und sich auf Dauer am Markt zu behaupten?

Ja. Nehmen sie die Lehrpläne für die Auszubildenden. Regenerative Energien und die Wärmepumpentechnik sind ja bereits Teil der Ausbildung im Elektroinstallateurhandwerk. Das sollte sich auch im Betrieb widerspiegeln. Die meisten Elektroinstallateure lösen das Problem, indem sie mit einem SHK-Betrieb zusammenarbeiten. Das haben wir auch probiert. Aber sie finden in der Regel keinen, den man als Allrounder einsetzen kann. Mein Eindruck ist, dass es im SHK-Bereich kein Vertrauen in die Wärmepumpentechnik gibt. Die Heizungsmonteure, die ich kenne, die werden sich da nie so reinknien wie ich, weil sie nicht daran glauben. Die setzen auf Gasfeuerung und damit fertig...

... aus welchem Grund?

Bei einer Gas- oder Ölheizung kann jeder Zeit auch mal die Leistung erhöht werden, wenn die Berechnungen nicht stimmen.
In der Wärmepumpentechnik muss bis in das kleinste Detail geplant werden. Die meisten SHK-Handwerker stehen nicht hinter dem Energieträgerstrom.

Rechnen Sie da noch mit einem Umdenken?

Schwer zu sagen. Es gibt jetzt einen Betrieb hier in der Nähe, der macht viele Anlagen mit Pelletöfen. Der Zukunftsmarkt wird den Weg in diese Richtung aufweisen, und man wird sich den neuen Energiequellen nicht verschließen können.

Welchen Anteil hat das Wärmepumpengeschäft am Gesamtumsatz?

2012 war es rund ein Viertel. Ein weiteres Viertel entfiel auf Photovoltaik beziehungsweise Solartechnik. 50 Prozent des Umsatzes entfällt auf Elektroinstallation.

Wie entwickelt sich das LED-Geschäft?

Gut. 2012 haben wir vor allem Geschäfte umgerüstet, das fällt ja nicht auf in den Beträgen. Aber jetzt passiert viel bei der Straßenbeleuchtung. Umsatzmäßig dürfte das inzwischen schon fünfzehn bis 20 Prozent ausmachen. Wir haben vor drei Jahren hier für die Kommune bei uns das Konzept erstellt für die LED-Straßenbeleuchtung. Da war viel Vorleistung nötig. Wir haben den Bestand erfasst und die Leuchtenköpfe angeguckt, ob und wie sie umrüstbar wären. Lichtpunkte mit HQL-Lampen haben wir auf Energiesparleuchtmittel mit 30 Watt umgebaut.
LED war damals aus Budgetgründen nicht möglich. Inzwischen sieht das anders aus. Das durch die genannte Umrüstung erwirtschafte Geld wird nun in LED-Technik investiert.
Wir haben eine Planung erstellt, wie in den nächsten Jahren die Lichtpunkte umgebaut werden sollen. Und das wird auch so gemacht.


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Ausgabe:
g+h 02/2014
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