24. JANUAR 2019

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Unterschätzter Kostenfaktor


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Wichmann. - Seit 1981 beschäftigt sich das Unternehmen mit dem vorbeugenden baulichen Brandschutz. g+h sprach mit Geschäftsführer Georg Wichmann über brandschutztechnisch korrekte Beratung sowie Planung und Ausführung von gut durchdachten Lösungen.
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Herr Wichmann, Sie sind Geschäftsführer des Unternehmens Wichmann Brandschutz-Systeme und ein ausgewiesener Experte im Bereich Kabelabschottungen. Kabelabschottungssysteme nehmen bei einem Neubau in der Summe der Bauleistungen nur einen kleinen Teil ein und können leicht vernachlässigt werden, weil sie nicht unmittelbar zur Produktivität eines Gebäudes beitragen. Warum sollten Kabelabschottungen für Bauherrn, Gebäudebetreiber und -verwalter dennoch ein entscheidendes Thema sein?

Bei der Unterteilung eines Bauwerks in Brandabschnitte sind die Kabelabschottungen für den Schutz vor Feuer, Brand und Rauch unerlässlich. Abschottungssysteme für Kabeldurchführungen werden, wie Sie bereits beschrieben haben, bei der Gebäudeplanung oftmals zu wenig beachtet. Doch jeder Bauherr sollte ein Interesse daran haben, dass er im Ernstfall einen funktionsfähigen Brandschutz hat. Schon allein diese Anforderung sollte dazu führen, sich etwas ausführlicher mit dem Thema Kabelabschottung zu beschäftigen. Ein der Situation angemessenes Schottsystem schafft einen nachhaltig besseren, effektiveren Brandschutz und reduziert sowohl die Kosten des Ersteinbaus als auch die Instandhaltungskosten. Dass Kabelabschottungen auf lange Sicht einen enormen Kostenpunkt bedeuten können, ist den meisten Bauherren zunächst gar nicht bewusst.

Viele Monteure berichten von Installationsproblemen mit Kabelabschottungen. Wo genau liegt die Problematik und wie kann diese ausgeräumt werden?

Werden Kabelabschottungen geöffnet, um Nachinstallationen durchzuführen beziehungsweise Kabel nachträglich zu verlegen, müssen Monteure die Schotts anschließend wieder fachgerecht instand setzen. Diese Arbeiten führen in der Regel spezialisierte Unternehmen mit Zertifikaten für die jeweiligen Abschottungssysteme aus. Brandschutzmontage-Firmen werden aber oft nur verspätet hinzugeholt, sodass die Abschottungen bis zur nächsten Routine-Wartung des Gebäudes offen bleiben. Dies birgt Gefahren, denn bei Standardsystemen, wie beispielsweise Mineralfaserschotts, deren Öffnungen im Brandfall nicht selbstständig schließen, hat der Bauherr dann bei einem Feuer keinerlei Schutz mehr.

Abschottungen aus Intumeszenz-Schaum bringen an diesem Punkt eine Verbesserung, da diese Systeme im Ernstfall kleinere Öffnungen durch das Aufschäumen selbstständig verschließen. Ist die abzuschottende Öffnung jedoch zu groß oder wurde die gesetzlich festgelegte Maximalbelegung von 60Prozent überschritten, stellen auch die Abschottungen aus Brandschutzschaum keinen absoluten Schutz gegen Feuer mehr dar. Nur wenn die jeweiligen Installateure nach dem Verlegen der Kabel das Schottsystem sofort wieder an den Start bringen, ist ein kontinuierlicher Schutz gegen Feuer und Rauch gewährleistet.

Viele Elektroinstallateure haben bereits entsprechende Brandschutzschulungen absolviert. Dennoch ist heute das brandschutztechnische Vorwissen in diesem Bereich immer noch nicht der Regelfall. Auch die Tatsache, dass manche Schulungen eher den Charakter einer Verkaufsveranstaltung haben, bei der unter dem Strich nur sehr wenig Fachwissen vermittelt wird, trägt nicht zur Verbesserung der Situation bei. Erst kürzlich fragte mich ein Handwerksmeister, ob wir für seine Monteure solche „Kaffeefahrten“ anbieten. Bei manchen Anbietern reicht es für die Zertifizierung sogar aus, in einer kleinen Box auf einer Antwortkarte ein Kreuzchen zu machen.

Die inzwischen große Zahl der Abschottungssysteme wird von Branchenexperten ebenfalls kritisch betrachtet. Der Wettbewerb wirkt sich zwar positiv auf die Preise aus, tatsächlich werden dadurch aber Abschottungen nur spät oder überhaupt nicht repariert. Die Instandhaltung wird somit plötzlich unerwartet teuer. Wo liegen hier die genauen Ursachen?

Die Ursache liegt darin, dass unterschiedliche Abschottungssysteme prinzipiell nicht vermischt werden dürfen. Wenn der Monteur ein Schott reparieren möchte, muss er die in den jeweiligen Zulassungen zwingend vorgeschriebenen Spezialbaustoffe verwenden. Das Schott darf er nicht mit dem ähnlichen Material eines anderen Herstellers verschließen. Beachtet der Installateur dies nicht, verliert das Schottsystem seine Zulassung, und er selbst wird im Zweifel für seine mangelhafte Arbeit haftbar gemacht. Sofern der vorherige Monteur bereits beim Ersteinbau mangelhaft gearbeitet hat, werden Reparaturen an dem Schott verständlicherweise auch abgelehnt, da man am Schluss nicht durch sein eigenes Güteschild die Verantwortung für die Fehler anderer übernehmen kann.

Die Folge ist, dass die Abschottung entweder gar nicht repariert wird und dadurch lange Zeit offen bleibt, oder dass zum Beispiel ein Mineralfaserschott nicht nur punktuell repariert, sondern häufig komplett oder zumindest in großen Teilen erneuert wird. Gerade Letzteres ist gängige Praxis, da sich damit sehr gut Geld verdienen lässt. Diese Arbeiten werden anders als beim Neubau häufig nicht ausgeschrieben, sodass der Preisdruck nicht sehr hoch ist. Manche Firmen gehen noch einen Schritt weiter und sind in der Lage, bei Ausschreibungen sämtliche Wettbewerber zu unterbieten, weil sie nur hauseigene Systeme mit eigenen Zulassungen verbauen. Das hat den großen Vorteil, dass kein anderer Monteur die Instandsetzung übernehmen kann und die Folgeaufträge fix einkalkuliert werden können.


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Ausgabe:
g+h 03/2014
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