24. JANUAR 2019

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„My Power Connection“


MENNEKES. Unter diesem neuen Claim, der „Plugs for the World“ ablöst, wird sich das Unternehmen ab sofort neu definieren. Warum man diesen Schritt gegangen ist und wel-che Strategie sich dahinter verbirgt, wollte die g+h Redaktion vom geschäftsführenden Gesellschafter, Christopher Mennekes, wissen.

Herr Mennekes, wie ist Ihr Unternehmen aktuell aufgestellt?
Wir erwirtschaften im Augenblick mit rund 1.000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von ca. 140 Millionen Euro. Sowohl in unserem Kerngeschäft Industriesteckvorrichtungen wie auch im Bereich Elektromobilität sind wir aktuell mit zweistelligen Wachstumsraten unterwegs. Dabei wächst auch unsere Mitarbeiterzahl kontinuierlich. Allein im letzten Jahr haben wir am Standort Kirchhundem 60 Neueinstellungen vorgenommen und planen für dieses Jahr mit ähnlichen Zuwächsen.

Wie setzen sich Ihre Geschäftsfelder zusammen?
Wir haben drei Geschäftseinheiten. Unser Kerngeschäft basiert seit jeher auf CEE-Steckvorrichtungen für die Industrie. Das Themenfeld Elektromobilität bearbeiten wir mit zwei separaten Geschäftseinheiten: der Bereich E-Mobility befasst sich mit AC-Ladesystemen, von der Wallbox in der Privatgarage bis hin zu Lösungen für öffentliche Ladeinfrastrukturen. Die dritte Geschäftseinheit deckt den Bereich der E-Fahrzeugkomponenten ab, bei dem es sich im Wesentlichen um individuelle Fahrzeug-Inlets und Ladekabel für die Automobilindustrie handelt.

Wo liegen Ihre Produktionsstandorte?
Das Herz der Produktion schlägt in Deutschland. Wir produzieren überwiegend hier in Kirchhundem und in Sehmatal-Neudorf im Erzgebirge. Darüber hinaus unterhalten wir eine Produktion in China, um den lokalen Markt mit Steckdosenkombinationen bedienen zu können. Allerdings ist jeder Stecker, den wir weltweit verkaufen, immer noch „made in Germany“. Nicht zuletzt deshalb werden wir unsere Standorte in Deutschland weiter ausbauen, um das antizipierte Wachstum stemmen zu können.

Kostengünstigere Produktion im Ausland ist für Sie auch in Zukunft kein Thema?
Es war traditionell nie ein Thema für uns, aus Kostengründen ins Ausland auszuweichen. Unser Auslandsengagement dient ausschließlich dazu, die Märkte vor Ort bedienen und betreuen zu können. Aus diesem Grund denken wir aktuell auch im Bereich Elektromobilität darüber nach, lokale Produktionen zu etablieren. Dies ist beispielsweise in China der Fall, wo sich dieser Markt rasant entwickelt. Das stellt aber nicht den Standort Kirchhundem in Zweifel, im Gegenteil. Die Geschichte unseres Unternehmens hat gezeigt, dass Wachstum im Ausland immer auch zu einer nachhaltigen Stärkung der deutschen Standorte geführt hat.

Sind Sie, was Ihre internationalen Aktivitäten betrifft, schon dort, wo Sie hinmöchten?
Auch wenn unsere Exportquote heute schon bei rund 55 Prozent liegt, haben wir, was die Internationalisierung angeht, noch sehr ehrgeizige Ziele. Wir sind im Kerngeschäft, das rund 75 Prozent des Umsatzes ausmacht, im vergangenen Jahr im Ausland stärker gewachsen als im Inland. Aufgrund der weltweiten Standardisierung des CEE-Systems sehen wir hier weitere Wachstumschancen für uns. Aber auch bei „Automotive“ haben wir vielfältige Optionen. Bei den Ladesystemen haben wir primär Europa im Fokus, weil es sich um ein sehr komplexes Themenfeld handelt. Hier geht es um intelligente Systeme, die vernetzt werden müssen. Außerdem stehen neue Geschäftsmodelle dahinter. Dies alles ist sehr beratungsintensiv; deshalb die Fokussierung auf Europa – was nicht heißt, dass wir uns den Märkten darüber hinaus nicht widmen würden.

Fühlen Sie sich vor dem Hintergrund der Globalisierung und der auf dem Markt tätigen großen Player als Familienunternehmen hinreichend wettbewerbsfähig?
Wir scheuen in den Bereichen Ladesysteme und Automotive den Wettbewerb mit großen Marktplayern überhaupt nicht, denn wir liegen hier technisch ganz weit vorn. Auf diesem Sektor haben wir strategisch wichtige Elektronik- und auch Softwarebereiche sukzessive im Unternehmen aufgebaut und ein entsprechendes Know-how unter unserem Dach gebündelt. Durch diese Kompetenz sind wir durchaus wettbewerbsfähig, was sich in unserer Auftragslage im Automotive-Bereich auch widerspiegelt.

Wenn Sie Ihr Produktportfolio betrachten, welcher Bereich hat für Sie die größten Wachstumsperspektiven?
Beide Elektromobilitätsbereiche entwickeln sich vergleichbar positiv. Dieser Trend wird meiner Überzeugung nach anhalten. Wir haben die Weichen für die Zukunft richtig gestellt. Durch die Entwicklung der E-Mobilität wird im Automotive-Bereich eine zusätzliche Wachstumsbeschleunigung einsetzen. Mehr Modelle und günstigere Preise werden auch bei den Ladesystemen für sehr positives Wachstum sorgen. Im Kerngeschäft liegen unsere Chancen in der fortdauernden Internationalisierung. Aber auch hier spielt die Tatsache, dass wir unsere Produkte intelligenter machen und uns als Lösungsanbieter positionieren, eine maßgebliche Rolle. Wir sind nicht mehr nur der Hardwarelieferant, sondern statten unsere Produkte zunehmend mit Intelligenz aus, um unseren Kunden mehr bieten zu können. Gerade im Bereich der Ladesysteme spiegelt sich dies deutlich wider: Unsere intelligenten Ladesysteme werden durch die Anbindung an unser Backend „chargecloud“ zu einer Komplettlösung, die den Kunden nicht nur ein komfortables Betreiben ermöglicht, sondern auch neue Geschäftsmodelle eröffnet. All dies zeigt in einer technologisch ausgesprochen spannenden Zeit die Evolution von Mennekes auf. Die digitalen Möglichkeiten führen dazu, dass wir unser Leistungsangebot kontinuierlich ausweiten.

Wer oder was hat den Impuls gegeben, das Unternehmen vom Produkthersteller zum Lösungsanbieter zu entwickeln?
Wir werden im Kerngeschäft auf dem Markt als Steckerspezialist wahrgenommen. Der Stecker ist sicherlich das Symbol unseres Unternehmens und darauf sind wir stolz. Gleichzeitig ist es uns wichtig, unseren Kunden zu zeigen, dass wir weitaus mehr können und ihnen mit intelligenten Produkten einen Mehrwert bieten. Dies muss natürlich in den Markt transportiert werden. Wir können mehr als Stecker, aber nicht jeder weiß es im Detail. Deshalb werden wir uns auf der Light + Building auch in dieser Richtung neu präsentieren und positionieren. Jeder kennt „Plugs for the World“ als Slogan unseres Unternehmens. Dieser Claim transportiert heute aber nur noch einen Teil unseres Leistungsspektrums. So ist es an der Zeit, einen neuen Claim einzuführen, der auf alle Aktivitäten in unserer Unternehmensgruppe passt.

Wie heißt Ihr neuer Claim?
Unser neuer Claim heißt „My Power Connection“, er passt auf alle Bereiche unseres Hauses und soll als „Klammer“ für unsere Geschäftseinheiten fungieren. Hinter dem „my“ steckt das Persönliche, die kundenspezifische Lösung. Da uns unsere Kunden laut Umfrage erfreulicherweise als familiär und sympathisch wahrnehmen, holen wir sie mit dem persönlichen „my“ noch einmal ab. „Power“ liegt auf der Hand, denn alles, was wir tun, steht mit Strom in Verbindung und ist natürlich mit Kraft und Leistungsstärke sehr positiv besetzt. „Connection“ hat mehrere Bedeutungen. Nicht nur die elektrische Verbindung steht dahinter, sondern über Elektronik und Software auch die digitale Verbindung bzw. Vernetzung. Last, but not least geht es intern wie extern um die persönliche Bindung zwischen Menschen, also Mitarbeitern untereinander sowie Mitarbeitern und Kunden.

Seit 2013 leiten Sie das Unternehmen, das ja maßgeblich von Ihrem Vater geprägt wurde. Kann er Ihnen bei der Neuaufstellung folgen?
Das ist eine gute Frage, denn mein Vater ist ja sozusagen der Lord-Siegel-Bewahrer des Claims „Plugs for the world“. Aber ich kann Sie beruhigen: Er ist von unserer neuen Strategie und der damit verbundenen Veränderung unserer Marke absolut überzeugt. Das war mir persönlich sehr wichtig, ihn für die Neupositionierung zu gewinnen. Es handelt sich ja auch nicht um einen radikalen Umbruch, denn das von ihm eingeführte Logo und die Dachmarke werden ja weiterhin Bestand haben. Das zeigt zum einen die Zeitlosigkeit unseres Logos, zum anderen aber auch mein klares Bekenntnis zu unseren Wurzeln und der erfolgreichen Historie. Insofern freue ich mich, dass mein Vater unsere Neuausrichtung unterstützt.

Inwieweit spielt Ihr Vater im Hintergrund noch eine Rolle?
Ich bin ja bereits 2011 als geschäftsführender Gesellschafter in das Unternehmen eingestiegen. Die Übergabe der Hauptanteile erfolgte dann 2013. Der Generationenwechsel war ein gleitender Prozess, sodass alle Beteiligten genügend Zeit hatten, sich auf die Veränderungen einzustellen. Ich lerne immer noch von meinem Vater, auch wenn er sich immer mehr aus dem Geschäft zurückzieht. Dass ich ganz allmählich in die Verantwortung hineingewachsen bin, hat mir genügend Zeit gegeben, die Welt des Unternehmens möglichst umfassend kennenzulernen und zu verstehen. Für die tatkräftige Unterstützung während dieser Phase bin ich meinem Vater sehr dankbar.

Was bedeutet es für Sie, Familienunternehmer zu sein?
Zum einen, dass eine Familie als Inhaber hinter dem Unternehmen steht und in einem familiären Sinne entscheidet. Dabei geht es nicht primär um Shareholder Value, auch wenn wir selbstverständlich Geld verdienen müssen, sondern um die Menschen, die hier tätig sind und unsere Kunden, die wir alle im übertragenen Sinne zu unserem erweiterten Familienkreis zählen. So etwas funktioniert selbstverständlich nur, wenn es von allen gelebt wird. Deshalb bin ich froh, dass eine solche Unternehmenskultur bei uns über Jahrzehnte entstanden und etabliert ist.
Wie hat sich Ihre Kundenstruktur im Zuge der neuen Geschäftsfelder verändert und welche Rolle spielt das Elektrohandwerk?
Das Elektrohandwerk spielt nach wie vor eine herausragende Rolle in unseren Kundenbeziehungen. Gleichzeitig gibt es, wenn Sie etwa an öffentliche Ladesäulenbetreiber oder Automotive denken, natürlich auch weitere Kundenkreise, die sich vom Elektrohandwerk unterscheiden.

Welche Perspektiven sehen Sie für das Elektrohandwerk im Bereich der E-Mobilität?
Auch wenn es ein sehr komplexes Thema ist, sind die Perspektiven für das Elektrohandwerk hier sehr gut. Auf unserer Website „Charge up your day“ binden wir das Handwerk auf einzigartige Art und Weise mit ein. Es handelt sich hierbei allerdings um kein Mitnahmegeschäft. Wer als Elektrohandwerker mit E-Mobilität Erfolg haben möchte, muss sich schulen lassen und intensiv mit der Technik auseinandersetzen. Nicht zuletzt deshalb bieten wir verschiedene, auch kostenpflichtige Module, um das Elektrohandwerk für diesen lukrativen Markt fit zu machen. Die Tatsache, dass unsere Seminare bereits auf lange Sicht ausgebucht sind, zeigt uns, wie groß das Interesse ist und dass sich immer mehr Betriebe mit dem Thema befassen. Wir haben also mit E-Mobilität ganz sicher auf das richtige Pferd gesetzt.

Sind Sie mit den aktuellen politischen Rahmenbedingungen für E-Mobilität zufrieden?
Wenn man das Thema Förderung von Ladestationen betrachtet, dann bin ich recht zufrieden. Wenn es um die Netz-Infrastrukturen geht, gibt es sicherlich noch Nachholbedarf. Ich sehe dies allerdings lange nicht so dramatisch oder negativ wie viele Zeitgenossen. Es gibt überhaupt keinen Anlass zur Sorge, dass sich die Infrastruktur dem Wachstum der E-Mobilität nicht anpassen wird. Das Zeitalter des Verbrennungsmotors geht definitiv seinem Ende entgegen, das Auto der Zukunft fährt elektrisch mit Batterie, Wasserstoff oder beidem. Der massenhafte Umstieg auf Elektroantriebe führt dazu, dass E-Autos immer wettbewerbsfähiger werden.
Dazu beitragen wird die Verbesserung der Batterietechnologie, die wir ja nicht nur im Elektroauto benötigen, sondern auch als Speicher im Haus. Im Übrigen glaube ich, dass ohne stationäre und mobile Batteriespeicher die Energiewende nicht erfolgreich sein kann. Ich bin also sehr optimistisch, wenn es um die Durchsetzung der E-Mobilität auf breiter Front geht.

In Kürze wird die Light + Building ihre Tore in Frankfurt am Main öffnen. Was erwartet die Besucher in diesem Jahr auf Ihrem Messestand?
Wir werden dort eine ganze Reihe von Produktneuheiten präsentieren. Es wird eine Erweiterung des Power-Top-Steckerprogramms zu sehen geben. Dies ist ja bereits ein etablierter Name für ein erfolgreiches Produkt. Hier gehen wir jetzt auch neben den 125-A- und 63-A-Geräten in die 32- und 16-A-Varianten. Ein neuer Massenstecker mit neuer Kontakttechnik und sehr vielen neuen technischen Features. Dies ist eine unserer Innovationen aus dem Kerngeschäft, an der man sieht, dass wir auch mit neuer Markenpositionierung das Thema Stecker weitertreiben werden.
Ein zweites Thema wird „Smart Socket“ sein. Dabei zeigen wir die Studie einer intelligenten, mit Sensorik angereicherten Steck¬dose. Hier möchten wir gerne in den Kundendialog eintreten, um zu erfahren, welche Features von einer solchen Steckdose erwartet werden – auch unter dem Stichwort Industrie 4.0.
Wir werden natürlich auch mit unseren Ladesystemen auf der Messe vertreten sein und dort das Thema „abrechnungsfähige Ladeinfrastruktur“ bedienen. Bereits 2016 haben wir dazu mit dem Energieversorger Rhein-Energie und dem Software-Unternehmen Powercloud das Joint Venture Chargecloud gegründet, um mit ¬unserer Hardware ein Backend anbieten zu können, über das man Ladesysteme intelligent betreiben und auch entsprechende ¬Geschäftsmodelle hinterlegen kann.
Begleitet wird dies alles von einem neuen Web-Auftritt, der sich an den aktuellen Profilen digitaler Kommunikation orientiert.

Werden Sie vor dem Hintergrund Ihres neuen Claims auch mit einem neuen Messestand vertreten sein?
Ja, wir präsentieren uns auf einem neuen Messestand, der aber vom Aufbau und der Struktur her unserem bewährten Messestandkonzept ähnlich sein wird. Aber auch hier wollen wir einen Schritt weiter in Richtung Zukunft gehen und unseren neuen Claim auf die Messebühne bringen. Letztlich möchten wir in Frankfurt mit „My Power Connection“ auch das Zusammenwirken der drei strategischen Geschäftseinheiten des Unternehmens deutlich machen.
Für uns ist es wichtig, dass der neue Slogan zunächst im Unternehmen Wirkung zeigt, indem beispielsweise die Verbindungen zwischen den einzelnen Geschäftsfeldern und den Mitarbeitern weiter intensiviert werden, damit Synergien für noch mehr „Power“ sorgen. Im zweiten Schritt folgt die Kommunikation nach außen zu unseren Kunden. Die Light + Building bietet für diese Premiere eine perfekte Bühne.
Herr Mennekes, wir bedanken uns ganz herzlich für das Gespräch mit Ihnen.

www.mennekes.de

Von rational über persönlich bis emotional –
das g+h-Kurzporträt nach Stichworten und Fragen
Regierungsbildung
Zäh und teilweise unwürdig.
Politik
Muss zu den gesellschaftlichen
Entwicklungen aufschließen.
Familie
Zukunftsmodell.
Vater
Vorbild.
Hobbys
Musik.
Welche historischen
Persönlich¬keiten bewundern
Sie am meisten?
Komponisten.
Gibt es historische Persönlich-
keiten, die Sie besonders
verachten?
Ja, es gibt sicherlich eine in
der deutschen Geschichte.
Wer bzw. welche Person
wären Sie bei freier Wahl
am liebsten gewesen?
Ich bin mit mir im Reinen und
so zufrieden, wie ich bin.
FC Bayern
Ich freue mich über den Erfolg
in der Champions-League.
Aber eine spannendere Liga
macht mir genauso viel Freude.
Ihr letztes Buch
Wagner-Biografie von Martin Geck.
Sinn des Lebens
Mit Freude gute Dinge tun.
Tod
Unausweichlich.
Sie müssen auf die einsame
Insel und dürfen drei
Gegenstände mitnehmen ...
Ein Klavier, eine Musikanlage
und einen Rechner.

Datum:
21.06.2018
Unternehmen:
Bilder:
© Mennekes
© Mennekes
© Mennekes
© Mennekes
1 Unternehmens-Video:
  • AM Spot Ladesta..

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