Skizzieren Sie uns doch bitte einmal die wesentlichen Eckpunkte der Entwicklung Ihres Unternehmens.

Th. Wintersteiger: Gerne. Angefangen haben wir, konkret mein Vater, 1985 als Elektroinstallationsbetrieb. Sukzessive hat mein Vater den Betrieb bis zu einer Größe von rund 30 Mitarbeitern entwickelt und ausgebaut. Wir beschäftigten uns während dieser Zeit vornehmlich mit Großprojekten. Und aufgrund dieser Tätigkeit begannen wir rasch damit, innovative Produkte zu entwickeln, die uns die Arbeit erleichterten und dem Kunden Zeit und Geld sparten. Ich habe in unserem Betrieb dann die Ausbildung zum Elektroinstallateur absolviert.

Aus neuen Ideen und Produkten entwickeln sich weitere Problemstellungen und wiederum neue Lösungen. Die Entwicklung neuer Produkte ist dabei immer auch von Rückschlägen begleitet. Das gehört dazu.

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Rasch wurde mir klar, dass die Erfindungen und Innovationen meines Vaters dazu geeignet waren, nicht nur durch uns eingesetzt zu werden. So haben wir 2005 die Primo GmbH mit dem Ziel gegründet, die von uns entwickelten Produkte auch anderen Fachbetrieben zugänglich zu machen.

Haben Sie 2005 bereits Produkte auf dem Markt angeboten?

Th. Wintersteiger: Nein, der Verkauf erfolgte erst ab 2007. In jenem Jahr bekamen wir auch gleich den Bundes- und den Staatspreis für hervorragende innovatorische Leistungen. Zum ersten Mal gab es ihn für die Erfindung von zwei Produkten – diese Konstellation hatte es bis dahin seit 16 Jahren nicht mehr gegeben.

Wer hatte überhaupt die Idee, mit eigenen Produkten auf den Markt zu gehen?

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H. Wintersteiger: Das war relativ einfach. Wir hatten auf einer Baustelle mit 250 Wohnungen das Problem, in den Trockenbauwänden nicht alle Kabel zu finden. Also mussten wir Bohrungen vornehmen, um sie ausfindig zu machen und dorthin zu bringen, wo der Schalter platziert werden sollte. Das hat uns, obwohl das Problem vom Trockenbauer verursacht worden war, viel Geld gekostet. Da hatte ich die Idee, einen Leitungsträger zu entwickeln, den man an die erste Beplankung klebt und dann immer wieder findet. Diese Idee wurde zunächst nur in unserem Betrieb im Arbeitsalltag umgesetzt. Verkaufen wollte ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts. Später kam das zweite, dann das dritte Produkt – immer noch ausschließlich für uns. Als wir in der Münchner Pinakothek arbeiteten, hatten wir es mit Sichtbeton zu tun.

Die Armierung hat viereckige Löcher und die Dose fällt durch; unsere Dose ist rund und so nur schwer zu befestigen. Deshalb gestaltete ich für die runde Dose Flügel und konnte sie jetzt problemlos ans Eisen anbinden und im Sichtbeton effizient arbeiten. So entwickelte ich ein Produkt nach dem anderen, bis mein Sohn mir den Vorschlag machte, diese Installationslösungen auch zu verkaufen.

Nur wenn man etwas mit Leidenschaft und Liebe macht, dann wird man erfolgreich sein; das ist im Spitzensport genauso wie im Unternehmen.

Th. Wintersteiger: Ja, so haben wir dann 2005 Primo gegründet. Während eines Gardasee-Urlaubs besuchte ich in Bardolino die Diskothek „Primo“. Primo ist der Erste, und so war auch schon der Firmenname geboren. Geebnet war dieser Weg durch Alltagsprobleme auf der Baustelle, für die wir, vor allem mein Vater, dann eine effiziente Lösung erfanden. Unser Vorteil ist es, dass unsere Entwicklungen aus der Praxiserfahrung kommen.

Wie haben Sie dann den Vertrieb aufgebaut?

Th. Wintersteiger: Begonnen hat es mit einem 20-m²-Stand auf der Nürnberger Eltec – zusammen mit einem Großhandelspartner. Wir hatten drei Produkte und nicht einmal Bestellzettel dabei. Umso überraschter waren wir über den Andrang auf unserem kleinen Messestand. Zu diesem Zeitpunkt waren wir noch recht blauäugig und unerfahren. Das sollte sich schon bald ändern, auch wenn wir im ersten Jahr nur 100.000 Euro Umsatz bei 100.000 Euro Kosten generierten. Wenn wir den Zeitstrahl der Umsatzentwicklung betrachten, sind wir aktuell bei rund 6 Millionen angelangt – immer noch überschaubar, aber wir sind hochzufrieden. Außerdem haben wir noch sehr viel Potenzial.

Hatten Sie Ihre Produkte damals gleich patentieren lassen?

H. Wintersteiger: Am Anfang hatte ich geglaubt, dass es unsere Lösungen schon längst gab; bis mir der Werkzeugbauer, der uns das erste Werkzeug baute, gesagt hat, dass wir unbedingt ein Patent anmelden müssten, damit uns kein anderer diese Idee nachahmt. So haben wir unsere Produkte fortan schützen lassen.

Und dann verkauft?

H. Wintersteiger: Nein, überhaupt nicht, wir haben diese patentierten Produkte zunächst nur selbst eingesetzt – das hatte sich für mich bereits gerechnet. Meine Investitionen hatte ich durch die eingesparte Zeit rasch wieder eingespielt. Übrigens habe ich meine Ideen meist samstags oder sonntags am Esstisch zu Papier gebracht, weil ich ja unter der Woche im Betrieb gearbeitet habe.

Und wie arbeiten Sie heute, wenn es um Innovationen geht?

H. Wintersteiger: Die Ideen kommen mir meist um 5.00 Uhr in der Früh; diese bringe ich dann in Notizen zu Papier, damit ich sie nicht vergesse. Danach beginnt dann der Entwicklungsprozess, der anfänglich oft von verschiedenen Widerständen begleitet wird.

Th. Wintersteiger: So haben wir unter anderem für die Fertigteilbrache einige hochinnovative Lösungen entwickelt, damit beispielsweise Einbauteile seriell, automatisiert mit Magazinen gesetzt werden können. Das ist ähnlich wie bei den bereits auf dem Markt befindlichen vorkonfektionierten Kabeln, die einfach nur noch gesteckt werden müssen. Prozessoptimierung ist auch für das Elektrohandwerk von entscheidender Bedeutung, wenn es um die Zukunftsfähigkeit der Branche geht. Im Fokus steht immer die Optimierung der Abläufe auf der Baustelle und im Vorfeld.

Als wir anfingen, waren sicherlich die Meilensteine der Leitungsträger und die Flügeldose. Dann bauten wir unser Kerngebiet, die Betoninstallation, sukzessive mit Leuchtengehäusen und weiteren Produkten kontinuierlich aus. Heute haben wir nicht nur ein oder zwei Produkte, die gut sind, sondern ein komplettes Sortiment an innovativen Lösungen. Dadurch, dass wir jahrzehntelange Erfahrung in der Elektroinstallation haben, fehlt es uns nicht an Ideen.

Welche Highlights aus Ihrem Produktportfolio würden Sie besonders hervorheben wollen?

Th. Wintersteiger: Neben den genannten sicherlich die Flügelmembranbetondose, die Thermodose sowie den Leitungsträger. Am Anfang hatten wir tolle Erfindungen, aus denen sich dann unser komplettes Portfolio entwickelte und wir uns vom Elektrofachbetrieb zum Industrieunternehmen gewandelt haben.

Wie entwickelt sich das Unternehmen insgesamt und welche Vertriebsstruktur hat es?

Th. Wintersteiger: Aktuell beschäftigen wir rund 25 Mitarbeiter. Wir sind bislang jedes Jahr zweistellig gewachsen und können über fast alle Großhändler liefern. Schwerpunktmäßig vertreiben wir – dies ist historisch bedingt – direkt an den Elektrofachbetrieb bzw. Verarbeiter. Wenn dieser über den Großhandel beliefert werden möchte, ist dies ebenfalls problemlos möglich. Der Kunde allein entscheidet, wo er unsere Produkte kauft. Und selbstverständlich sind wir für Partnerschaften jederzeit offen. Natürlich betreiben wir seit 2009 auch einen eigenen Online-Shop, über den der Fachbetrieb beziehen kann. Aktuell haben wir sieben Vertriebsmitarbeiter, davon ist einer für den Export verantwortlich.

Die für uns patentierten Produkte haben wir zunächst nur selbst eingesetzt – das hatte sich für mich bereits gerechnet. An den Weiterverkauf dachte ich noch nicht.

Ihr Kernthema wird die Dose bleiben?

Th. Wintersteiger: Als unser Kernthema sehe ich es eher an, dem Kunden mit unseren verschiedenen Lösungen einen Mehrwert zu bieten. Dabei spielen unsere Dosen und die Betoninstallation eine herausragende Rolle. Und natürlich auch die bereits angesprochenen Prozessoptimierungen für das Fertigteilwerk.

H. Wintersteiger: Aus neuen Ideen und Produkten entwickeln sich weitere Problemstellungen und wiederum neue Lösungen. Die Entwicklung neuer Produkte ist immer auch von Rückschlägen begleitet. Diese gilt es zu überwinden, um am Ende eine perfekte Lösung zu haben. Zum Erfolg gehört natürlich auch die Vertriebsleistung dazu, denn wenn man den gesamten Prozess betrachtet, ist ein Baustein die Entwicklung und der andere der Vertrieb.

Wo und wie produzieren Sie?

Th. Wintersteiger: Wir konzentrieren uns auf das Thema Innovation, Produktentwicklung, Vertrieb und Marketing. Für die Produktion haben wir langjährige Partner, die sozusagen als unsere verlängerte Werkbank fungieren.

Wie schaut eigentlich Ihre Zukunftsstrategie für das Unternehmen aus?

Th. Wintersteiger: Wir möchten mit zeitsparenden, innovativen Produkten den Markt erobern. Dabei verfolgen wir einen Dreijahresplan und möchten in den kommenden Jahren unseren Umsatz Schritt für Schritt weiterentwickeln.

Wir möchten dem Kunden mit unseren Lösungen einen Mehrwert bieten. Dabei spielen unsere Dosen und die Betoninstallation eine herausragende Rolle.

Um dies zu erreichen, muss man es als Team zunächst einmal wollen. Dann benötigt man einen Plan und muss ihn gemeinsam mit Leben füllen und umsetzen. Am Ende steht der Erfolg, der immer die Leistung unseres gesamten Teams widerspiegelt.

Ihre Mitarbeiter scheinen Ihnen besonders am Herzen zu liegen. Was zeichnet Primo als Arbeitgeber besonders aus?

Th. Wintersteiger: Die Mitarbeiter sind alles, ohne unser engagiertes Team wären wir nicht so erfolgreich. Nur mit dem geeigneten Personal und einem Arbeitsumfeld, in dem jeder sein Potenzial und seine Qualitäten entfalten kann, legen wir die Basis für unsere Zielerreichung. Das Engagement unserer Mitarbeiter schätzen wir sehr und deshalb gibt es bei uns beispielsweise eine eigene Primo-Kreditkarte und 44 Euro steuerfrei pro Monat. Außerdem gibt es ein Job-Rad, Urlaubsbeihilfe, flexible Arbeitszeiten, Mobile Office und ein attraktives Gehalt.

Von rational über persönlich bis emotional – das g+h-Kurzporträt nach Stichworten und Fragen.

Politik

Th. W.: Die Volksparteien müssen das Vertrauen wieder herstellen.

H. W.: Muss die Zukunft unserer Enkelkinder im Auge behalten.

Brexit

Th. W.: Würde nach neuer Abstimmung sicher anders ausgehen.

H. W.: Wir freuen uns über offene Grenzen, sie schließen sie.

Welche Person aus der Geschichte bewundern Sie?

Th. W.: Vilfredo Pareto

H. W.: Thomas Alva Edison

Familie

Th. W.: Ist der Lebensmittelpunkt, gibt Kraft und Energie.

H. W.: Die kleinste und wichtigste Zelle im Staat.

Ihr Lieblingsreiseland

Th. W.: Italien, aber daheim gefällt es mir am besten.

H. W.: Südafrika, ansonsten daheim.

Hobbys

Th. W.: Motorsport, Ultraleichtfliegen.

H. W.: Fliegen mit meinem Ultraleichtflugzeug.

Ihr letztes Buch

Th. W.: „Guerilla Marketing des 21. Jahrhunderts“ von Jay Conrad Levinson

H. W.: Fachzeitschriften über Ultraleichtflugzeuge

Sie haben einen Wunsch frei ...

Th. W.: Dass unsere Familie glücklich und gesund bleibt.

H. W.: Dem schließe ich mich an.

Glaube

Th. W.: Römisch-katholisch

H. W.: Keinen

Sinn des Lebens

Th. W.: Ein lebenslanges Lernen, Weiterentwicklung.

H. W.: Immer die Menschen im Augen behalten, denen es nicht so gut geht.

Tod

Th. W.: Ist Teil des Lebens.

H. W.: So ist es.

Wenn wir unsere Ziele erreichen, bekommen alle Teammitglieder am Ende des Jahres einen Bonus. Diese Personalstrategie möchten wir auch mit unserem Neubau fortsetzen und weiter ausbauen. Bei diesem Projekt haben wir einen Pool, eine Sauna und einen Fitnessraum mit eingeplant. Außerdem wird es hinter der Halle einen kleinen Fußballplatz geben; dies alles für die Mitarbeiter. Wir investieren hier nicht, weil wir Freizeit oder Urlaub machen wollen, im Gegenteil. Um Höchstleistung zu erbringen, brauchen Menschen ein Arbeitsumfeld, in dem sie sich wohlfühlen. Denn nur wenn man etwas mit Leidenschaft und Liebe macht, wird man erfolgreich sein; das ist im Spitzensport genauso wie im Unternehmen.

Meine Herren, wir bedanken uns für das Gespräch mit Ihnen.