Innovationswerkstatt

Technik

In-Haus. - Gemeinsam neue Lösungen finden und sie erfolgreich machen; das ist die In-Haus-Grundidee. Das Projekt der Fraunhofer-Gesellschaft in Duisburg, inzwischen fünf Jahre alt und oft besucht, hat jetzt einen großen Bruder bekommen.

14. September 2009

Während das alte In-Haus sich mit Lösungen für Wohngebäude beschäftigt, geht es im Neubau, dem In-Haus 2, um moderne Technik in Nutzimmobilien. Schon vor dem ersten Spatenstich begann die Forschung mit der intelligenten Baustelle, bei der neue Materialien und energiesparende Systeme im praktischen Einsatz erprobt wurden. Dieser Laborcharakter herrscht auch heute noch im äußerlich fertiggestellten In-Haus 2 vor. Handwerker, die gerade damit beschäftigt sind, flexible Wände einzuziehen und neue Produkte einzubauen, gehören zur Tagesordnung. „Fertig werden wir nie sein – hier wird immer wieder umgebaut und ausprobiert“, so der Leiter des In-Hauses, Klaus Scherer.

Anwendungsorientierte Forschung made by Fraunhofer zeichnet sich dadurch aus, dass neue Ideen und Konzepte aus wissenschaftlichen Projekten in Forschungs- und Demonstrationszentren bis zur Umsetzung geführt werden. Dies geschieht in Kooperation mit Partnern aus Wirtschaft und Forschung.

Hinzu kommt ein breites Spektrum von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten für neue Produkte und Systemlösungen von den Herstellern, Systemintegratoren und Dienstleistern. Das Hauptziel von In-Haus 2 ist die zukunftsorientierte Entwicklung und Markteinführung von neuartigen, intelligenten Raum- und Gebäudesystemen zur Steigerung der Gesamtattraktivität einer Nutzimmobilie.„In den vergangenen Dekaden haben sich Gebäude kaum weiterentwickelt“, sagte Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, im Rahmen der Eröffnung im letzten November: „Innovationsschübe wie in anderen Branchen – denken wir an die Informationstechnik oder die Biotechnologie – haben hier noch nicht stattgefunden. Doch dies wird sich jetzt massiv ändern. Die Energiekrise, die globale Erderwärmung, aber vor allem neue Anforderungen an eine flexible Nutzung werden einen massiven Innovationswettbewerb induzieren, hierzulande und im weltweiten Maßstab. Ökologische, wirtschaftlich und sozial nachhaltige Gebäude zum Leben und Arbeiten zu realisieren, das ist die Herausforderung an alle Beteiligten“, erklärt Bullinger weiter. Und genau dafür bietet das In-Haus die besten Möglichkeiten.

Der Ansatz des In-Hauses ist dabei komplett anders, als Hersteller von moder-ner Gebäudetechnik es gewohnt sind, die nur durch die Brille ihrer eigenen Produkte schauen. Ausgehend von Problemstellungen wird in Duisburg die technische Realisierungsmöglichkeit gesucht, die im konkreten Fall am besten passt und sich zudem gut rechnet.

Man betrachtet nicht, was eine Technologie vermag und löst dann Probleme, die möglicherweise gar keiner hat. Hier werden vielmehr für ein ganz konkretes Problem die besten Techniken und Produkte aus der Vielfalt aller verfügbaren Systeme gesucht und gefunden. Daraus ergeben sich dann Vernetzungen, an die vorher möglicherweise niemand dachte. Eine hohe Innovationskraft über Gewerke hinweg ist dann die logische Folge. Drei Bereichen kommt im neuen In-Haus besondere Bedeutung zu: Hotel, Pflege und Büro sind die Schwerpunkte der Forschung in Duisburg. Das Verbundforschungsprojekt Future-Hotel beschäftigt sich mit zukunftsfähigen Visionen und Lösungen für die Hotelbranche. Der gleichnamige Showcase Future-Hotel in der In-Haus 2-Anlage dient der Erprobung und Demonstration neuartiger Ausstattungs- und Nutzungskonzepte für das Hotelzimmer von morgen. Neben dem einzigartigen Design können die Besucher hier innovative Bediensysteme, wie Sprach- und Sensorsteuerung oder integrierte Displaysysteme sowie Lösungen zu Gastkomfort und Wellness bestaunen.Mit der Altenhilfe der Zukunft beschäftigt sich das Verbundforschungsprojekt Pflege 2020. Im Mittelpunkt stehen tragfähige Lösungen für eine individuelle und bedarfsgerechte Versorgung im Alter.

Der Showcase Pflege 2020 im In-Haus 2 hat es sich zur Aufgabe gemacht, zentrale Forschungsergebnisse aus dem Projekt prototypisch umzusetzen. Das Ergebnis ist eine Lebensumgebung für ältere Menschen, die Teilhabe, Autonomie und Sicherheit ermöglicht. Mit dem Geschäftsfeld Office und Service schließlich sollen Optimierungspotenziale in Bezug auf die Arbeitsinfrastruktur erschlossen werden. Hierzu gehören neben einer hochwertigen technologischen Ausstattung und entsprechender Vernetzung auch Raumstrukturen, die eine bedarfsgerechte Nutzung ermöglichen.

Das gesamte In-Haus-Zentrum ist mit seinen Smart-Home- und Smart-Building-Innovationslaboren auf insgesamt etwa 5.500 Quadratmetern Nutzfläche die größte Einrichtung seiner Art zumindest in Europa. Hinzu kommt noch ein Außengelände von etwa 8.000 Quadratmetern, das teilweise für Innovationsprojekte genutzt wird.

Der Gebäudebetrieb und das Facility Management sind in Kombination mit den Anwendungsprozessen der Kern der In-Haus 2-Aktivitäten. Auf die Optimierung der Prozesse in diesen Bereichen sind viele in der Innovationsroadmap mit den Wirtschafts- und Forschungspartnern vereinbarten Projekte gerichtet. Hintergrund ist, dass mittlerweile die Betriebskosten eines Nutzgebäudes nach acht bis zehn Jahren die Investitionskosten übersteigen. Falsche Planung und Realisierung der für den optimalen Gebäude- und Anwendungsbetrieb wichtigen bauphysikalischen und informationstechnischen Infrastrukturen und Ausstattungen verhindern in der Betriebsphase oft jegliche Bemühungen um Kosteneinsparungen und Rationalisierungen, beispielsweise im Energiebereich oder in den Betriebsabläufen der Anwendungen im Hotel oder im Pflegeheim.

Das Fraunhofer-In-Haus-Zentrum ist eine Innovationswerkstatt für neuartige Systemlösungen in Räumen und Gebäuden. Diese Lösungen sollen die Betriebs- und die diversen Anwendungsprozesse auf neue Art und Weise optimieren helfen.

Konzipiert und entwickelt werden die Lösungen in Kooperation mit Partnern aus Wirtschaft und Forschung; die Nutznießer sind Bauherren, Investoren, Betreiber und Endanwender von Wohn- und Nutzimmobilien jeder Größe.

Erschienen in Ausgabe: 05/2009