IP-basierte Sicherheitstechnik braucht smarte Partner

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Abus Security-Center. - IP-basierte Sicherheitssysteme sind auf dem Vormarsch. Allen voran die Videotechnik. g+h sprach im Vorfeld der Security, die vom 23. bis 26. September 2014 stattfindet, mit dem Geschäftsführer des Unternehmens, Benjamin Pflaum, über den Markt und aktuelle Innovationen.

09. September 2014

Wenn wir den deutschen Markt für Sicherheitstechnik betrachten und hier einmal auf die Trends einerseits und die allgemeine Marktentwicklung andererseits eingehen, dann sind die dominierenden Produktbereiche nach wie vor die Brandmelde- und Alarmtechnik, die immer noch deutlich größer sind als der Videosektor. Aber sukzessive werden sie von der Videoüberwachungstechnik eingeholt. War in der Vergangenheit die Brandmeldetechnik vom Marktvolumen doppelt so groß wie die Alarmtechnik – und diese wiederum eineinhalb mal so groß wie die Videoüberwachungstechnik – verzeichnet der Markt seit der „IT-Revolution“ eine signifikante Verschiebung. Die Videoüberwachungstechnik wächst eindeutig schneller als die beiden genannten Bereiche, nicht zuletzt, weil sehr viele Projekte im Bereich der Sicherheit von der Videoüberwachungstechnik aus geplant und projektiert werden.

Der Videomarkt hat sich innerhalb des Gefüges der elektronischen Sicherheitstechnik in der jüngsten Vergangenheit neu positioniert. Videotechnik hat sich hier zur Leittechnologie entwickelt. Deshalb beschäftigen wir uns sehr intensiv mit ihr.

Gibt es in diesem Bereich so etwas wie einen Megatrend?

Ja, den gibt es. Dazu zählt die IP-Videoüberwachung. Seit mehr als zwei Jahren haben IP-basierte Systeme einen größeren Marktanteil als analoge. IP wird in allen elektronischen Bereichen der Sicherheitstechnik künftig eine noch viel bedeutendere Rolle als heute einnehmen, dies ist ein klar auszumachender Trend. Video spielt übrigens im Zuge der IP-Entwicklung auch eine zunehmend bedeutendere Rolle in anderen Bereichen, beispielsweise bei der Brand-Detektion.

Als Hersteller sind wir hier genauso gefordert wie unsere Partner, die Errichter. Sie bekommen im Rahmen der Technologie-Entwicklung in der Videoüberwachung eine neue Rolle zugewiesen. In der analogen Videotechnik handelt es sich um geschlossene Systeme, IP-basierende Videotechnik dagegen ist offen gestaltet. Dadurch ist der Errichter bei der Integration der Systeme stark gefordert. Und auch wir müssen die Anforderungen, die aufgrund der Technologiesprünge von unseren Errichtern kommen, erfüllen, um für beide Seiten eine erfolgreiche Markterschließung zu gewährleisten.

Hat es so etwas wie eine Initialzündung für die IP-basierende Videotechnik gegeben?

Im Grunde genommen nicht. Allerdings gibt es Vorreiter, die diesen Trend beschleunigt und vorangetrieben haben. Mit der IP-basierenden Videotechnik hat sich auch der Markt verändert. Wir finden dort immer mehr Unternehmen, die von der IT-Seite kommen und Sicherheitstechnik anbieten. Sie geben dem Markt zusätzliche Impulse.

Abus hat sich in den letzten Jahren in der Sicherheitstechnik auch strategisch neu ausgerichtet. Wie ist das Unternehmen aktuell positioniert und welche Strategien prägen es?

Als Hersteller elektronischer Sicherheitstechnik verfolgen wir die Strategie, in allen relevanten Technologien präsent zu sein. Wir sind nicht nur ein Alarmanlagen- oder ein Video-Anbieter, sondern Anbieter elektronischer Sicherheitstechnik. Deshalb ist es so wichtig, eine entsprechende Lösungsbreite und -tiefe vorzuhalten. Wir betrachten Sicherheitstechnik stets integriert und nicht in isolierten Einheiten – aus der Überzeugung heraus, dass Sicherheitstechnik, auch im elektronischen Bereich, immer als ganzheitliche Lösung zu sehen ist.

Wenn wir festhalten, dass die Technologien IP-basierter werden, sich die Arbeitsweise der Errichter verändert und gleichzeitig die Systeme immer näher aneinander rücken, muss man sich die Frage stellen, wie viel Wertschöpfung man mit seinem Unternehmen in diesen Markt generieren möchte. Deshalb haben wir uns auf die IP-Technik konzentriert und hier im Vergleich zu anderen Technologien eine neue Entwicklungstiefe erreicht, indem wir unser vorhandenes Know-how noch einmal deutlich gesteigert haben.

Wie schaut Ihre Zusammenarbeit mit den Errichtern aus?

Im IP-Geschäft sind wir auf qualifizierte Errichter angewiesen – noch stärker als dies in der Vergangenheit der Fall war. Deshalb haben wir in den letzten Wochen ein neues Fachpartner-Programm eingeführt. Hatte man vor einiger Zeit einen Recorder sowie eine Kamera gekauft und die Anleitung gelesen, konnte man eine Videoüberwachungsanlage nach einer entsprechenden Einarbeitungszeit erfolgreich installieren. Und bei entsprechend guten Produkten lieferte die Anlage auch ein zufriedenstellendes Ergebnis.

Heute ist ein Errichter gefragt, der die Netzwerkintegration oder vielleicht noch die Integration in andere Server-Landschaften planen, projektieren und umsetzen kann. Errichter, Systemintegratoren oder Installateure, die unsere Sicherheitstechnik verkaufen, müssen sich auch in der Peripherie auskennen.

Sie müssen in der Lage sein, sich auf Augenhöhe mit einem IT-Administrator unterhalten zu können; sie sollten also, wenn man es salopp formuliert, „smart“ sein.

Wenn wir das Wachstum im Bereich Sicherheitstechnik betrachten, gibt es hier Schwerpunkte, etwa im Objekt- oder privaten Wohnungsbau?

Aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, wachsen alle Bereiche gleich. Der gewerbliche Bereich wird natürlich von klassischer Bedarfsgenerierung getrieben. Aber gerade auf dem privaten Sektor spielt sich im Augenblick eine Professionalisierung in der Sicherheitstechnik ab; das unterstreichen auch die erfreulichen Marktzahlen. Beide Bereiche wachsen organisch, und sie wachsen gut.

Ist aus Ihrer Sicht die Videotechnik der Bereich mit den größten Wachstumsperspektiven?

Ja, ganz eindeutig. Videotechnik wurde bereits vor fünf Jahren so etwas wie ein „Star“ in der Sicherheitstechnik. Heute sind wir überzeugt davon, dass das Wachstum im Videomarkt höher ist als in den anderen Segmenten; das bestätigen auch alle Recherchen.

Und diese Technik wird weiter an Bedeutung gewinnen. Selbst in Deutschland wächst sie augenblicklich bei konservativer Einschätzung um rund 20 Prozent, während Alarm- und Brandmeldetechnik weit dahinter im einstelligen Bereich anzusiedeln sind.

Welches sind die Haupttreiber dieses ja doch ungewöhnlich hohen Wachstums?

IP-Videoüberwachung hat spannende „Nebeneffekte“. Überall, wo sie heute hinschauen, finden Sie ein „Auge“ der Videoüberwachung: die Zutrittskontrolle verfügt darüber, in der Prozessüberwachung finden Sie es.

Das Sehen über Video mit der Integrationsfähigkeit von IP hat völlig neue Möglichkeiten eröffnet, die auch außerhalb der klassischen Sicherheitstechnik angesiedelt sind. Videoüberwachung ist – wie ich es bereits formuliert habe – deutlich integrativer.

Das Wachstum speist sich also nicht, wenn ich Sie richtig verstehe, aus einer höheren Bedrohungslage, sondern eher aus den integrativen Optionen, die IP-Videoüberwachung bietet?

Die Bedrohungslage können sie ein wenig aus der Medienwelt reflektieren. Selbstverständlich ist sie auch ein Thema. Vor allem ist aber das Wissen über die Möglichkeiten der Sicherheitstechnik beim Anwender gestiegen, so dass es ein logischer Schritt ist, sich mit ihr intensiver als bislang zu beschäftigen.

Die Videoüberwachung ist dabei sowohl im gewerblichen als auch im privaten Bereich der Alarmtechnik noch etwas nachgelagert. Diejenigen, die sich bereits für den Einsatz von Sicherheitstechnik entschieden haben, werden aber über kurz oder lang mit der Videoüberwachung konfrontiert werden, weil sie im Alarmfall wissen möchten, welche Ereignisse konkret eintreten und wer sich eventuell Zutritt verschaffen möchte. Das Wachstum wird also auch eindeutig von der Nachfrage nach mehr Qualität in der Absicherung getragen.

Ist Videoüberwachung heute kostengünstiger als früher zu bekommen, hat sich also das Preisgefüge verschoben?

Wenn man Videoüberwachung intelligent plant und umsetzt, sicherlich. Aber ganz klar, eine IP-Kamera ist nach wie vor teurer als ein analoges Modell. Wir sind aber nicht mehr weit davon entfernt, dass jeder Haushalt seinen eigenen Server hat, weil heute bereits in vielen Gebäuden ein hoher Grad der Gebäudeautomation herrscht. Wenn hier eine intelligente Integration vorgenommen wird, dann kann man eine Videoüberwachung erheblich wirtschaftlicher realisieren. Die Eintrittsbarriere in die IP-basierende Videoüberwachung ist deutlich niedriger als dies bei analogen Systemen der Fall war und ist.

Sie sind mit Ihren Produkten weltweit vertreten?

Man kann unsere Produkte weltweit beziehen. Wir sind zwar ein europäisch fokussiertes Unternehmen, haben aber selbstverständlich weltweit Partner für den Vertrieb unserer Produkte.

Wir stehen kurz vor der Security, welche Innovationen werden Sie dort vorstellen?

Wir werden dort in allen unseren Produktbereichen Neuheiten vorstellen. So zeigen wir mit der neuen Secvest Funkalarmanlage den Nachfolger unseres erfolgreichen Systems Secvest 2-Way; darüber hinaus werden wir für den gehobenen Bereich die Ultivest auf dem Messestand haben.

Unsere Eycasa Türkommunikation bietet neue Features. Und natürlich werden wir uns sehr stark auf Video konzentrieren. Hier zeigen wir die IP90-Kamera-Serie, also unsere neuen IP-Kameras, die Sie hier vor mir sehen. Und natürlich präsentieren wir die dazu von uns angebotenen Aufzeichnungslösungen. Alle von mir genannten Produkte und Lösungen sind neu, insgesamt werden wir zur Messe über 150 Innovationen vorstellen. Unser Messe-Highlight ist selbstverständlich die neue IP-Kamera-Serie, gefolgt von der neuen Secvest.

Welche Merkmale unterscheiden Ihre Kamera-Systeme vom Wettbewerb?

Wir haben eine Kameraplattform entwickelt, die kompakt ist und dies nicht nur vom Design her. So sind wir mit der Kamera-Serie nicht dem allgemeinen Hype „immer mehr Megapixel“ gefolgt. Stattdessen geben wir mit ihr eine Antwort auf die Frage, welche Faktoren und Anforderungen für den Errichter vor Ort tatsächlich relevant sind. So kommen wir mit einer relativ schlanken Palette, also fünf Kernmodellen, die es einmal mit einer Full-HD-1080P- und einer 720P-Auflösung gibt.

Für eine höhere Auflösung, wie sie immer wieder proklamiert wird, gibt es in der Praxis nur in Ausnahmefällen Bedarf. Alle Kameras sind mit einem motorisierten Zoom und einem Qualitätsobjektiv von Tamron ausgestattet. Sie basieren auf der Sony-Plattform und verfügen über ein exzellentes Gegenlichtverhalten, beste Bildqualität und weniger Netzlast. Den Errichter erwartet eine sehr kompakte und zuverlässige Produktlinie, für die wir die Integration so einfach wie möglich gestaltet haben. Unsere Kameras lassen sich im Gegenlichtbereich hervorragend einsetzen, haben einen Tag-Nacht-Modus und bieten bei hoher Leistung ein ausgesprochen vielfältiges Einsatzgebiet. Außerdem ist die Handhabung denkbar einfach – wenn ich eine dieser Kameras kenne, kenne ich alle. Dies verkürzt die Arbeitszeiten.

Hinter den Kameras arbeitet eine Software, könnten Sie uns hierzu etwas detailliertere Informationen geben?

Wir arbeiten in einem Dreieck, wenn wir über IP sprechen. Dieses Dreieck bilden die Kamera, die Aufzeichnungsplattform, die wir aktuell überarbeiten, und die Bedienoberfläche für den Endanwender. Der Kunde hat die Wahl, mit welcher Videomanagementsoftware er die Abus-IP-Kameras betreiben will. Neben der neu entwickelten, benutzerfreundlichen Abus-Eyseo-Video-Surveillance-Software wird die neue Abus Kamera-Familie in Milestone tiefenintegriert sein. Auf der Roadmap steht die Integration der Kameras in weitere namhafte VMS-Lösungen. ONVIF-Kompatibilität ist selbstverständlich gegeben. Letztlich muss unsere Technik so einfach wie möglich zu bedienen sein. Hier sind wir bestens aufgestellt.

Welchen Service bieten Sie Ihren Partnern?

In der Abus Academy bilden wir unsere Partner in der Grundlagentechnik bis hin zur Integration der Systeme aus. Außerdem gibt es einen Vor-Ort-Service der beispielsweise Errichtern hilft, die in einem konkreten Fall Unterstützung brauchen. Und natürlich bieten wir für diejenigen, die aus der Elektrotechnik kommen, auch IT- und IP-Schulungen an.

Aber nicht nur der Errichter bekommt von uns einen Full-Service, sondern auch der Endkunde. Übrigens sind unsere Serviceleistungen alle kostenfrei; für Schulungen berechnen wir den Selbstkostenpreis.

Herr Pflaum, wir bedanken uns für das Gespräch mit Ihnen.

Erschienen in Ausgabe: 05/2014