Know-how in dritter Generation

Titelstory

Maico Ventilatoren. - Am Firmensitz in Schwenningen sprach die g+h Redaktion mit den beiden Geschäftsführern Gerhard C. C. Warnke und Hans Müller über gute Luft made in Germany, die aktuelle Entwicklung des Familienunternehmens und innovative Trends in der Zukunft.

04. November 2014

Herr Müller, Herr Warnke, bitte geben Sie mir einen Einblick in die Unternehmensgeschichte.

G.W.: Maico wurde 1928 von unserem gemeinsamen Großvater Christian Maier gegründet. Bis zu seinem Tod im Dezember 1969 hat er das Unternehmen als alleiniger Inhaber geführt. Die Geschäftsleitung ging dann an seine beiden Schwiegersöhne, unsere Väter. 1990 haben wir beide dann übernommen und sind heute in der dritten Generation der Familiengeschäftsführung für das Unternehmen tätig.

H.M.: Die Jahre 1928 bis 1969 waren die Gründerjahre; 1970 bis 1990 war die Zeit, in der das Unternehmen von einem mehr oder weniger Handwerksbetrieb in einen Industriebetrieb überführt und auf die wachsenden Märkte weltweit vorbereitet wurde. Zu unserer Zeit begann dann die Internationalisierung.

Welches sind Ihre jeweiligen Aufgaben im Unternehmen?

G.W.: Hans Müller ist bei uns im Hause der Techniker. Er ist für die Unternehmensbereiche Entwicklung, Produktion und Fertigung verantwortlich. Während ich selbst für Vertrieb/Marketing und Finanzen/kaufmännische Fragestellungen zuständig bin.

Gibt es schon die nächste Generation in der Nachfolge? Das ist ja ein langwieriger Prozess.

G.W.: Das sehen wir genauso und bereiten uns darauf vor. Zum einen gesellschaftsrechtlich, zum anderen müssen natürlich auch die Junioren für das Unternehmen interessiert werden. Das ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich. Aber wir sind der Meinung, dass sich junge Menschen zu dem entwickeln sollen, was sie selbst im Leben wollen. Daher ist aktuell noch keine Entscheidung gefallen. Außerdem haben wir beide noch ein bisschen Zeit.

H.M.: In beiden Familien gibt es Nachwuchs, der im Moment noch am Anfang der Ausbildung steht. Und mit einem Abschluss ist es ja dann auch noch nicht getan. Dazu gehört auch eine gehörige Portion Erfahrung im Berufsleben, erst dann wird man eine Entscheidung treffen können.

Wie ist Ihr Unternehmen aktuell aufgestellt?

G.W.: Maico besteht in Deutschland aus drei Unternehmensteilen, hat aber eine breite Basis im internationalen Bereich. Alle Gesellschaften haben eine eigene spezifische Kompetenz. Es wird lokal entwickelt, produziert und dann vor Ort vertrieben. Daneben gibt es natürlich in anderen Ländern wie Ungarn, Polen oder auch in der Schweiz Vertriebsgesellschaften. Wir sind im Grunde eine Unternehmensgruppe, die einen gewissen europäischen Schwerpunkt hat. Nichtsdestotrotz sind wir auch in Dubai und Indien aktiv, vor allem im Projektgeschäft.

Welchen Stellenwert hat der Standort Deutschland für Sie?

G.W.: Deutschland ist nach wie vor der wichtigste Markt für uns. Und das wird sicherlich in der Zukunft auch so bleiben. In technischer Hinsicht ist er der anspruchsvollste, weil hier, anders als in anderen europäischen Ländern, die höchste Qualität von den Produkten erfordert wird. Auch darum stellen unsere ausländischen Standorte entsprechende eigene Produkte bereit.

Und wie hoch ist Ihr Exportanteil?

G.W.: In der Gruppe haben wir etwa 50 Prozent des Umsatzes in den jeweiligen Stammmärkten. Die anderen 50 Prozent gehen in Exportmärkte. In Deutschland haben wir vertrieblich eine gewisse Konzentration auf den deutschen und europäischen Markt, während wir Italien ganz klar als die Brücke zum Nahen Osten, zu den USA und Australien sehen.

Welche nationalen und internationalen Strategien verfolgen Sie?

G.W.: In Deutschland haben wir eine klare Orientierung auf den dreistufigen Vertriebsweg. Hier sind der Elektrogroßhandel als auch die Heizungs-/Lüftungs- und Sanitärbranche für uns wichtig. Dabei wird der Do-it-yourself-Bereich explizit als Marktzugang ausgeschlossen. Diese Dreistufigkeit unterstützen wir durch gute Vorvermarktung und mit Produkten, die für diese Märkte geeignet sind. Die Mitarbeiter in der Abteilung technischer Service helfen Kunden und Entscheidern bei der Produktauswahl oder gehen mit dem Außendienst des Großhandels zum Kunden. Soweit die nationale Ebene. International ist der Markt weniger homogen. Hier ist der Einschaltgrad des Handels unterschiedlich, sodass wir uns auf die jeweiligen lokalen Gegebenheiten einstellen. So können wir an allen Standorten schnell und flexibel auf Kundenwünsche und Bestellungen reagieren.

H.M.: Unser Fokus ist, die Märkte aus den jeweiligen Produktionsstätten zu bedienen und so wenig Ware wie möglich in der Welt herum zu transportieren.

Bitte geben Sie mir einen Überblick über Ihr aktuelles Produktportfolio.

G.W.: Unsere Produkte dienen der Lüftung und Luftbewegung in Wohnbereichen, Restaurants oder in Einzelhandelsgeschäften sowie in der Industrie bis hin zu explosionsgeschützten Atmosphären. Ergänzt wird das Ganze mit Produkten zur Luftverteilung im Zubehör- und Projektbereich. Ferner sind Systeme zur Wärmerückgewinnung ein wichtiges Geschäftsfeld, das sich in einem guten Wachstum befindet. Dabei vernachlässigen wir nicht den Markt für einfachere Systeme wie Maico Smart oder Ipro, die für sich genommen aber auch eine Lösung darstellen. Lüftung ist immer eine Systemlösung. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Anforderungen, denen wir mit 1.700 Produkten für alle Lüftungsfälle und Notwendigkeiten gerecht werden.

Wer oder was treibt die Entwicklung Ihrer Produkte voran?

H.M.: Neben unseren eigenen Ideen beobachten wir den Markt sehr genau. Das Produktmanagement prüft eng verzahnt mit der Entwicklung die Möglichkeiten. Anstehende Projekte werden dann in umfangreichen Entwicklungsbesprechungen diskutiert, bevor eine Entscheidung fällt. In enger Kooperation mit Produktmanagement, Entwicklung, Lieferanten und Fertigung wird dann ein Produkt entwickelt und kreiert, das im Markt erfolgreich platziert werden kann.

Welche Rolle spielt die Energiewende in Ihrer Branche?

H.M.: Eine sehr große Rolle. Heute gibt es unzählige Vorschriften, Normen und Richtlinien, die man beachten muss, um ein Produkt in Europa zu vermarkten. Es ist eine riesige Herausforderung, nicht nur für uns, sondern für alle Unternehmen, die im Elektrobereich tätig sind. Um diese Vorschriften einzuhalten, müssen Produkte modifiziert, neu gestaltet und entwickelt werden, um weiterhin im Markt Bestand zu haben. Diese rasante Entwicklung der Vorschriften wird noch weit über unsere Zeit hinausgehen.

Welche Innovationstrends sehen Sie in der Zukunft?

H.M.: Innovationen spielen sich heute im Kleinen ab. Die großen Innovationen sind gelaufen. Den Ventilator gibt es schon seit mehreren Jahrzehnten. Heute geht es darum Steuerungen komplexer und trotzdem bedienerfreundlicher zu machen. Weitere Innovationen wird es durch die Optimierung von Antrieb, Laufrad und Aerodynamik in der Energieeinsparung geben. Auch bei der Entwicklung von Wärmerückgewinnungssystemen sind wir noch nicht am Ende der Fahnenstange.

Wo sehen Sie im Unternehmen noch Entwicklungspotenzial?

G.W.: Zunächst einmal in der stetigen Abrundung unseres Produktprogramms. Darüber hinaus wird es auch verstärkt eine Anbindung der Produkte und Systeme an das www geben. Die Steuerung und auch die Haustechnik müssen von extern bedienbar und überwachbar sein. Dazu müssen wir das notwendige Know-how vorhalten und flexibel auf die Impulse des Marktes eingehen. Intern ist auch die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe immer ein Thema, auch hier wird es Ideenaustausch und zum Teil auch Komponentenaustausch bei den Produkten geben. Denn die sind in Italien, England, Belgien und Frankreich die gleichen. Wir müssen uns in Europa auf ein energieeffizientes Angebot einstellen.

Sehen Sie vor diesem Hintergrund noch Handlungsbedarf?

H.M.: Die Integration der deutschen Tochtergesellschaften in ein gemeinsames Vertriebskonzept ist ein Prozess, der zurzeit in der Überarbeitung ist. Wir haben hier in Deutschland drei Unternehmen, die in verschiedenen Märkten tätig sind. Diese Zusammenarbeit ist noch relativ jung. Wir haben ein Projekt geschaffen, um das Ganze etwas effektiver zu gestalten. Auch im internationalen Markt wollen wir unsere Kräfte bündeln. Jeder hat seine Stärken und Schwächen, wir wollen die Stärken heben.

Was tun Sie für den Nachwuchs? Wie finden Sie kompetente Mitarbeiter?

G.W.: Dieser Problemstellung begegnen wir, indem wir die internen Kräfte fördern. Mit interessierten, jungen Menschen, denen wir eine solide Ausbildung bieten und die wir formen können. Je nach Entwicklung werden ihnen frühzeitig Aufgaben mit Eigenverantwortung gegeben, an denen sie wachsen können. Zum Beispiel haben zwei ehemalige Studenten der dualen Ausbildung heute die Verantwortung für eine Tochtergesellschaft in Deutschland beziehungsweise im Ausland. Wir versuchen auch, unsere eigenen Systeme durchlässig zu machen, damit Mitarbeiter mit Potenzial schnell wachsen können. Natürlich muss auch eine gewisse Motivation und Begeisterung für die Aufgabe da sein.

In welchen Bereichen sehen Sie das Unternehmen Maico als Trendsetter?

G.W.: Maico hat in den letzten 20 Jahren sehr erfolgreich den Kleinraumventilator im Elektrogroßhandel platziert. Sehr früh haben wir Ventilatoren mit Intelligenz in Form von Fotozellen und Zeitsteuerungselementen ausgestattet, die Steuerung weiterentwickelt und intelligente Produkte wie den ECA 100 Ipro oder das Micro Smart System geschaffen.

Welches sind neben den Produkten die herausragenden Merkmale Ihres Unternehmens?

G.W.: Wir sind ein sehr verlässlicher Partner, in Deutschland vor allem für den Großhandel. Das ist uns wichtig und wird auch so bleiben. Weiterhin ist Maico in der Region als zuverlässiger Arbeitgeber und Ausbilder bekannt.

Wo sehen Sie das Unternehmen in fünf Jahren?

H.M.: Wir werden die Tradition des Unternehmens fortführen. Dabei wollen wir uns natürlich weiterentwickeln, in die Richtungen, die von uns verlangt werden. Internationalisierung und internationale Verflechtungen sind heute die Bereiche, in denen man weiter wachsen kann. Deutschland ist als Markt im Grunde besetzt. Hier kann man sich nur noch mit guten Produkten im Markt behaupten.

Ein paar Stichworte:

Mauerfall

G.W.: Eine erfreuliche Entwicklung, die Chancen geboten hat und noch bietet.

H.M.: Es gibt nach wie vor Entwicklungspotenzial für Gesamtdeutschland.

Jogi Löw

G.W.: Er hat es sehr erfolgreich verstanden, Menschen für eine Aufgabe zusammenzuführen.

H.M.: Er macht einfach einen sehr guten Job.

Karriere

G.W.: Sie muss zum Menschen passen.

H.M.: Mit Maß und Ziel, jedoch nicht auf Kosten anderer.

Familie

G.W.: Ein wichtiger Teil des Lebens den man nicht vernachlässigen darf.

H.M.: Familie ist das Zentrum im Hintergrund sowie Schutzraum und Rückhalt.

Lieblingsreiseland

G.W.: Spanien.

H.M.: Wird von Zeit zu Zeit neu definiert, in diesem Jahr war es Südtirol.

Sinn des Lebens

G.W.: Nicht nur arbeiten, sondern auch Zeit für Familie und Freunde haben.

H.M.: Christliche Werte nach bestem Wissen und Gewissen zu leben und Glauben und Denken auf die Ewigkeit ausrichten.

Tod

G.W.: Das Leben ist endlich, darum sollte man diese Zeit sinnvoll nutzen.

H.M.: Er ist nicht das Ende.

Vielen Dank für das Gespräch.

Maico Smart

Die funkbasierte Lüftungslösung positioniert sich als preiswerte Alternative zu raumweisen und zentralen Lüftungsgeräten mit Wärmerückgewinnung. Das System, mit En-Ocean Funktechnologie, eignet sich für den Einsatz in Einfamilienhäusern und Wohnungen bis 140 m². Es setzt sich aus ein oder mehreren funkgesteuerten Ventilatoren sowie einer zentralen Funk-Raumluftsteuerung zusammen. Eine Ergänzung mit weiteren Komponenten, wie Fensterkontakten und Funklichtschaltern ist problemlos möglich.

Maico Smart ist wahlweise mit dem Kleinraumventilator ECA 100 Ipro RC oder dem Einrohrventilator ER 100 RC erhältlich und erfüllt bei entsprechender Planung in beiden Fällen die Luftmengen nach DIN 1946-6. Wird der ER 100 RC eingesetzt, kann das System auch an bereits bestehende Anlagen nach DIN 18017-3 adaptiert werden.

Erschienen in Ausgabe: 07/2014