Kontra Autoklau

Überwachungssysteme zur Freigeländeabsicherung

Elektronikprodukte und Autos wecken beim Konsumenten großes Interesse. Daher weisen diese Branchen hohe Diebstahlraten auf und ziehen organisierte Kriminalität stark an. Zum Schutz hiervor entscheiden sich immer mehr Unternehmen für eine hochwertige Freigeländeabsicherung inklusive Alarmmanagement, um Produktionsstätten, Lager und Verkaufsräume abzusichern.

18. Februar 2004

Auch ein guter Versicherungsschutz ist für diese Anbieter und Produzenten sehr wichtig. Voraussetzung für einen Versicherungsschutz ist jedoch bei so gut wie allen Versicherern der Nachweis eines wirksamen Sicherheitskonzepts gegen Einbrüche und Diebstahl.

Das Autohaus Büddemann in Bielefeld - Neu-, Gebrauchtwagen und Servicewerkstatt der Ford Werke - hat sich nach mehrfachen Einbrüchen und dementsprechend hohen Kosten für ein neues Konzept in Sachen Freigeländeabsicherung entschieden, durch das nach Installation nachweislich bereits Einbruchversuche verhindert werden konnten. Neben neuen Gitterzaunanlagen sichert zusätzlich die Kombination aus zwei elektronischen Überwachungssystemen an Zaun und Schiebetor das Gelände gegen unbefugtes Betreten.

Sicherheitskonzept und Versicherungsschutz

„Im letzten Jahr waren wir Opfer von drei großen Einbrüchen. Aus den Fahrzeugen wurden Airbags und andere Module gestohlen. Dadurch hatten wir einen Schaden von insgesamt rund 80.000 Euro. Ganz zu schweigen von den kleineren Diebstählen von Radios, Antennen, Reifen usw. Das war eindeutig zu viel,“ berichtet Kerstin Büddemann, Geschäftsführerin des Autohauses. „Wir mußten uns etwas einfallen lassen, um die Einbrüche zu verhindern. Auch unsere alte Versicherung wollte uns nach diesen Schäden nicht weiter versichern. Wir hatten große Probleme, eine andere Versicherung zu finden. Voraussetzung für unsere neue Versicherung war eine wirksame Freigeländeabsicherung. Erst nachdem wir ein schlüssiges Sicherheitskonzept vorlegen konnten, wurden wir aufgenommen,“ faßt Kerstin Büddemann ihre Erfahrungen zusammen.

Erarbeitet wurde das neue Sicherheitskonzept zusammen mit dem Elektrofachbetrieb Wittler (Bielefeld) und der Gunnebo Wego AG Sicherheitssysteme, einem Anbieter und Errichter von Sicherheitslösungen aus Salzkotten.

Organisierte Banden abschrecken

Bisher waren die große Verkaufshalle und das Gelände, auf dem Neu- und Gebrauchtwagen im Millionenwert stehen, teilweise mit einem Maschendraht abgegrenzt. Die erste Maßnahme war daher, diesen Zaun durch einen stabilen, um ein Vielfaches sicheren Gittermattenzaun zu ersetzen.

Allen Beteiligten war sehr schnell klar, daß ein 2,40 m hoher Gittermattenzaun zwar eine große Barriere für Gelegenheitsdiebe darstellt, organisierte Banden jedoch nicht völlig abschreckt. Anforderung des Inhabers und Interesse der Versicherung war es daher, zusätzlich Alarmsysteme zu finden, die Einbruchversuche bereits an der Grundstücksgrenze, sprich am Zaun, vereiteln. Wolfgang Gräfe, Geschäftsführer des beauftragten Elektrofachbetriebes Wittler Sicherheitstechnik GmbH & Co. KG berichtet: „Da die Gunnebo Wego AG Sicherheitssysteme aus Salzkotten bei den verschiedensten Projekten schon öfter mit uns zusammen gearbeitet hat, wußten wir, daß diese über eine große Auswahl an elektronischen Überwachungssystemen - auch Detektionssysteme genannt - verfügen, die über Sensoren Manipulationen am Zaun registrieren und sofort Alarm auslösen. Nach ersten Beratungen am Ort des Geschehens konnten wir uns zusammen mit der Büddemann Geschäftsführung direkt beim Anbieter von der Wirksamkeit der einzelnen Systeme überzeugen. Am Unternehmenssitz befindet sich ein Test- und Demonstrationsgelände, das alle Systeme im Einsatz zeigt,“ so Gräfe weiter.

„Einige der Systeme entsprachen genau unseren Anforderungen und die Life-Demonstration half uns sehr bei der Entscheidung für eine Kombination von zwei Systemen. Diese erfüllen nun unseren Wunsch nach einem Höchstmaß an Sicherheit,“ schildert Kerstin Büddemann den Auswahlprozeß.

Detektionssysteme schlagen Alarm

Die 160 m des neu installierten Doppelstab-Gittermattenzauns wurden - für ein erhöhtes Maß an Sicherheit - zusätzlich mit einem Mikrofonkabel-System versehen. Hierbei handelt es sich um ein sensitives Kabel, das entlang des Zauns montiert wird. Die Geräusche und Bewegungen, die bei einem Überwindungsversuch wie Übersteigen, Durchbrechen, Anheben oder Unterkriechen der Zaunanlage verursacht werden, erzeugen Druckwellen. Diese werden von den Sensoren des Mikrofonkabels detektiert, das heißt, registriert, an eine benachbarte Wachzentrale weitergeleitet und aufgezeichnet. Die Folge ist ein Alarmsignal, bei dessen Eintreffen von der Sicherheitszentrale sofort Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Das Mikrofonkabelsystem kann in verschiedene Zonen eingeteilt werden. Sollen tagsüber bestimmte Passagen, wie zum Beispiel der Eingangsbereich eines Unternehmens nicht überwacht werden, kann nur diese definierte Zone ausgeschaltet werden. Die Sensibilität des Systems wird bei jedem Kunden gemäß der individuellen Bedürfnisse und der Umgebungsbedingungen eingestellt.

Energiedraht-System schreckt ab

Im Falle des Autohauses sind alle Zonen Tag und Nacht aktiv. Die von der direkt angrenzenden Bahnstrecke ausgehenden Schwingungen mußten bei der Einstellung des Systems genauso berücksichtigt werden wie das Ausschließen von Fehlalarm durch Wind oder Hagel.

Für einen zusätzlichen Unterkriechschutz des Gittermattenzauns wurden Kantsteine unterhalb des Zauns gesetzt.

„Das Mikrofonkabelsystem steht bereits für ein hohes Maß an Sicherheit. Autohaus Büddemann wollte die Absicherung allerdings noch erweitern, um alle Eventualitäten ausschließen zu können. Einbrecher sollten aktiv am Überklettern des Zaun gehindert werden. In diesem Fall empfahl sich die Kombination des passiven Mikrofonkabelsystems, das Manipulationen feststellt und meldet, mit einem aktiven Energiedraht-System,“ berichtet Markus Breimann, Produktmanager Object Security von Gunnebo Wego. „Also wurde oberhalb des Gitterzauns zusätzlich das ein Meter hohe Strom geführte, aktive Energiedrahtsystem installiert. Aktiv bedeutet in diesem Fall, daß von dem Zusatz-Zaun Energieimpulse ausgehen, die den Täter bereits beim Überkletterversuch abschrecken, ohne ihn stark zu verletzten. Er kommt also erst gar nicht bis aufs Firmengelände. Zusätzlich wird auch hier ein Alarm ausgelöst“, so Breimann weiter.

Beide elektronischen Detektionssysteme konnten in diesem Fall auf die für die Verkaufsräume bereits bestehende Alarmanlage aufgeschaltet werden.

„Wichtig bei der Planung ist, dasß keine Sicherheitslücken entstehen. Daher mußten auch bestehende Tore und angrenzende Gebäude in das Sicherheits-Konzept mit einbezogen werden“, erklärt Markus Breimann. In der Nacht sichert ein sechs Meter langes Rollenschiebetor, das bauseits bereits vorhanden war, die Einfahrt zur Ausstellungsfläche im Freien ab. Um an dieser Stelle genauso wie an dem angrenzenden Nebeneingangstor den Übersteigschutz fortzuführen, wurde auch auf diesen Toren das Energiedraht-System installiert.

Garagen nehmen einen Teil der Grundstücksgrenze ein. Daher mußte verhindert werden, daß diese mit Hilfe einer Leiter überklettert werden können. Gelöst wurde das Problem durch den Einsatz von 23 m S-Drahtrolle aus Edelstahl mit messerscharfen Kanten. Die zweibahnige Installation des widerspenstigen Drahtes läßt keinen Eindringling mehr durch.

Fazit:

„Die neuen Systeme für unsere Freigeländeabsicherung haben sich bereits bezahlt gemacht. Seit Februar 2003 sind diese aktiv und seitdem konnte definitiv schon ein Einbruch verhindert werden, bei dem bereits mit der Manipulation des Zauns begonnen wurde. Durch die schnelle Alarmauslösung der Sicherheitssysteme und den prompten Zugriff der Polizei, konnte der Täter gefaßt werden, bevor Schaden auf dem Gelände entstand. Nicht nachzuweisen, aber anzunehmen ist, daß potentielle Täter auch schon durch die imposante Zaunanlage abgeschreckt werden,“ faßt Kerstin Büddemann den sichtbaren Erfolg zusammen.

Erschienen in Ausgabe: 01/2004