Kostenfalle Betriebsreinigung

Fünf Schritte zu preiswerter Sauberkeit

Im kleineren Unternehmen zählen technische Infrastrukturdienste wie die Betriebsreinigung zu den grauen Eminenzen des Kostengefüges, ihre Produktivität wird selten ins Auge gefaßt. Dagegen ist bei großen Verkaufshäusern und Filialisten die Devise & uot;Hauptsache: sauber& uot; längst passé. Dort trimmt das Management im Zuge eines Roll-back der zweiten Miete - sprich Gebäudebetriebskosten - die Reinigungsfunktionen zielstrebig auf Effizienz. Einige Schlüsselmodule erfolgreicher Rationalisierungsprogramme stellt unser Beitrag vor. Zwar sind sie im Handwerksbetrieb nicht durchweg 1 : 1 umsetzbar, liefern aber wertvolle Anregungen für maßgeschneiderte Initiativen.

20. Dezember 2002

Im Vordergrund steht bei der Betriebsreinigung die Kostentransparenz. Als Planungsgrundlage dient der Leistungskatalog, in dem alle Reinigungsmaßnahmen nach Areal und Aktivität erfaßt sind. Die Kostenstruktur jeder Position - & uot;Feuchtwischen im Laden& uot;, & uot;Kehren des Außenbereichs& uot; etc. - erschließt man nach folgendem Schema.

- Personaleinsatz

- Reinigungs- und Pflegemittel

- Verbrauchsmaterial

- Betriebsstoffe

- AfA auf Reinigungsgerät

Die Beträge gehen in den Flächenkostensatz ein, der als wichtigste Kennziffer der Kostensteuerung dient und für sämtliche Reinigungsvorgänge ermittelt wird.

Zur Feinanalyse setzt man in die Gleichung anstelle der Gesamtkosten jeweils eine ihrer Untersummen ein. Derart errechnen sich z. B. flächenbezogene Personal- oder Reinigungsmittelkosten. Diese Kennzahlen unterstützen Verfahrensvergleiche und Budgetierung, sie ermöglichen eine fundierte Kostendiskussion im Erfa-Kreis und zeigen frühzeitig Auftriebstendenzen an - das Management kann gezielt eingreifen.

Die Arbeitszeitstruktur

Da der Personaleinsatz generell über 80% der Reinigungskosten ausmacht, verlangt die Arbeitszeit gesonderte Prüfung. Die Datenbasis wird per Arbeitszettel, Beobachtung oder Mitarbeitergespräch erhoben, wobei fachmännische Schätzungen objektive Zahlen ergänzen bzw. ersetzen können. Die Personalzeit jeder Reinigungsmaßnahme sollte man in

- Ausführungszeit (Bearbeitung der Reinigungsfläche)

- Rüstzeiten (z.B. Befüllen des Sprühsaugers mit Waschflotte)

- Wegezeiten (Hin- und Rücktransfers von Gerät und Material)

- Nebenzeiten (z. B. Abräumen der Reinigungsfläche)

- Wartezeiten (wegen temporärer Flächenbelegung)

aufschlüsseln. Fast zwangsläufig zeigen sich dabei personelle, organisatorische oder technische Schwachpunkte, deren Eliminierung den Zeitbedarf mindert. Augenmerk verdienen auch die Magazin-Zeiten, die aus der Vorhaltung von Gerätschaften und Materialien resultieren. Zu den Zeitfressern am Arbeitsort Putzkammer zählen sowohl lagertechnische als auch administrative Funktionen: Einlagerung, Umsortierung, Ausmusterung, Bestellabwicklung, Inventur etc. Verbesserungsmaßnahmen sollten den Bestandsabbau einbeziehen, sprich die Lagerreichweite auf die Verbrauchssituation abstimmen.

Equipment und Ablauf

Maximale Flächenleistung (dargestellt in m² Reinigungsfläche pro Stunde) verlangt sowohl zweckdienliche Ausrüstung als auch sachgemäße Arbeitsweise. Gerätschaften, Hilfsmaterial und Reinigungs-Chemie müssen genau dem jeweiligen Bedarfsfall angepaßt werden, wie ihn Fußbodenbelag, Verschmutzungsart, Grundriß und Inventar der Räumlichkeit diktieren. Selbst ein altbewährter Helfer wie das Wischsystem verdient eine kritische Prüfung, beeinflussen doch seine Komponenten - Mop, Halter, Fahreimer, Presse - entscheidend die Arbeitsproduktivität. Ähnliches gilt für Reinigungsmaschinen: Beim Scheuersauger beispielsweise sind Arbeitsbreite, Manövrierfähigkeit, Batteriekapazität und Schmutzbehältergröße objektgerecht zu wählen.

Um die Wirtschaftlichkeit im Betriebsalltag zu sichern, muß für jede Reinigungsaufgabe die günstigste Methode bestimmt, in Arbeitsbeschreibungen festgehalten und per Einweisung dem Personal vermittelt werden. Durch regelmäßige Audits überzeugt man sich, daß die optimale Vorgehensweise streng eingehalten wird - Arbeitsfehler sind gegebenenfalls durch gründliche Nachschulung abzustellen.

Die Infrastrukturfaktoren

Durch gezielte Präventionsmaßnahmen insbesondere in Werkhallen kann der Pflegebedarf von vornherein beträchtlich gesenkt werden, sei es durch Kapselung von Schmutzquellen, Einbau von Schmutzschleusen oder die Isolierung von Verschleppungs-Trassen. Weitere infrastrukturelle Vorkehrungen begünstigen die Arbeitsproduktivität, indem sie Ausführungs- und Rüstzeiten reduzieren. Als besonders wichtig bestätigen sich in der Praxis

-pflegeleichter Bodenbelag (glatte, harte Oberfläche)

- reinigungsfreundlicher Baukörper (geradliniger Grundriß, offene Raumstruktur etc.)

- adäquates Einrichtungskonzept (z.B. vollständig aufsitzendes oder ausreichend bodenfreies Inventar)

- zweckmäßige Geräte-Abstellplätze (für zügigen Transfer zum bzw. vom Einsatzort)

- bedarfsnahe Rüststationen (z.B. für Waschflottenwechsel)

- funktionell ausgestatteter Putzraum (Materialvorräte, Werkzeuge)

Nicht allein auf die bauliche Realisierung dieser Ansprüche kommt es an, vielmehr sollte man kritisch begutachten, ob die Funktionsfähigkeit voll und ganz gegeben ist, oder eine Modernisierung not tut.

Das Langfristkonzept

Nachhaltige Produktivitätsfortschritte resultieren weniger aus dem Ausmerzen einzelner Schwachstellen als aus systematischer Funktionsverbesserung. Um diese Aufgabe sicher zu bewältigen, empfiehlt es sich, einen Rationalisierungsplan zu erarbeiten. Dieses & uot;Kochbuch& uot; sollte mindestens folgende Punkte beinhalten:

- Programm (Art, Reihenfolge und Häufigkeit der vorgesehenen Reinigungs- und Pflegemaßnahmen)

- Arbeitsweise (Personaleinsatz, Equipment, Gerätebedienung, Ablaufphasen)

- Anschaffungsprojekte (Geräte und Materialien zur manuellen oder maschinellen Reinigung)

- Finanzbedarf (z. B. Investitionsausgaben, Entgelte für Reinigungsfirmen)

- Reorganisation (z. B. Arbeitsteilung zwischen Fach- und Reinigungspersonal, Beauftragung einer Reinigungsfirma)

- Plankalkulation (pro Maßnahme, Abrechnungsperiode, Teilfläche, Kostenstelle)

- Rationalisierungsgewinn (als Jahresbetrag, kalkulatorischer Zinsfuß oder Kapitalwert).

Fazit:

Aufgrund präziser Daten und eines - nötigenfalls in klar umrissene Einzelphasen gegliederten - Realisierungskonzepts läßt sich beim Thema Betriebsreinigung der Soll-Zustand nachvollziehbar präsentiern. So kann man zielsicher Kurs auf das Optimum nehmen und der „Kostenfalle Betriebsreinigung“ ausweichen.

Erschienen in Ausgabe: 09/2002