Labor für die Energiewende

Themen - Kommunikationszentrum

Stiebel Eltron. - Das Unternehmen sieht den Ende letzten Jahres eingeweihten Energy Campus als Reallabor für die Energiewende. Davon überzeugt ist auch das für die Planung verantwortliche Büro HHS Architekten und Planer. Architekt Günter Schleiff erläutert warum.

04. Februar 2016

Gebaute Energiewende-Realität mit modernsten innovativen Schulungsmöglichkeiten, verpackt in beeindruckende Architektur: das ist der Energy Campus, das neue Schulungs- und Kommunikationszentrum von Stiebel Eltron am Stammsitz in Holzminden. „Einerseits zeigen wir mit dem Gebäude, dass das Haus der Zukunft, mit dem die Energiewende gelingen kann, Wirklichkeit ist und heute gebaut wird“, sagt Rudolf Sonnemann, Vorsitzender der Geschäftsführung des deutschen Haus- und Wärmetechnikunternehmens. Ausdruck dessen ist auch die angestrebte DGNB-Platin-Zertifizierung, die höchste Bewertung, die die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen vergibt. „Andererseits bieten wir unseren Fachpartnern in dem neuen Gebäude Schulungsmöglichkeiten in Theorie und Praxis, die es so nur hier in Holzminden gibt – innovative Lösungen für die Simulation von extremen Umweltbedingungen zum Beispiel, um die erlebbaren Produkte auf Herz und Nieren unter die Lupe nehmen und letztendlich besser verstehen zu können.“ Zentraler Baustein der Wärme- und Kälteversorgung des Energy Campus ist Stiebel-Eltron-Wärmepumpentechnik. Als Umweltenergiequelle dient das Grundwasser, dessen Nutzung über ein Wasserbecken vor dem Gebäude symbolisch inszeniert wird. Das ganzheitliche Konzept wird ergänzt durch eine optimierte Gebäudehülle sowie die fassaden- und dachintegrierte Photovoltaikanlage mit einer Gesamtleistung von rund 120 kWp. Der regenerativ erzeugte Strom wird sowohl für die Wärmepumpenanlage als auch für den Betrieb und die Ausstattung im Energy Campus genutzt. Das Plus-Energie-Gebäude ist zugleich Kraftwerk und Speicher für erneuerbare Energie. Die großzügigen thermischen Puffer- und Warmwasserspeicher ermöglichen eine zeitversetzte Nutzung der gewonnenen Energie. Über das Energiemanagement, in das auch die „Elektromobilitätstankstelle“ vor dem Gebäude – Ladesäulen für Elektro-Pkw und E-Bikes – eingebunden ist, wird der Gedanke vernetzter Strukturen perfekt umgesetzt „ein echtes Reallabor für die Energiewende“, sagt Karlheinz Reitze, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing. „Der Energy Campus zeigt, dass das Haus der Zukunft – mit eigener Stromproduktion und umweltfreundlicher und nachhaltiger Haustechnik auf Wärmepumpenbasis als zentralen Bestandteilen – funktioniert und wirtschaftlich realisiert und betrieben werden kann.“

Die benötigte Energie wird aus den drei Energiequellen Grundwasser, Luft und Sonne gewonnen und über die Wärmepumpen für Raumwärme, Kühlung, Lüftung und Trinkwassererwärmung im Gebäude genutzt. Auch die Wärmepumpen, die im Schulungsbetrieb genutzt werden, sind integraler Bestandteil des Energiekonzeptes des Gebäudes. Die hier gewonnene Energie wird weitestgehend im Campus verwendet. „Der Energy Campus wird zukünftig überregionaler, nationaler und internationaler Magnet für alle Marktpartner, wie zum Beispiel Architekten, Planer, Energieberater, den Großhandel und das Handwerk sein, wenn es um intelligente Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft geht“, ist Reitze überzeugt. Und er ist Ausdruck dessen, was architektonisch wie technisch heute machbar ist. Verantwortlich für die Planung ist das Büro HHS Architekten und Planer mit Prof. Manfred Hegger, Doris Hegger-Luhnen und Günter Schleiff. HHS ist eines der renommiertesten deutschen Architekturbüros. Im Interview erzählt Günter Schleiff, welche Ideen und Visionen bei der Planung des Neubaus in Holzminden eine Rolle spielten.

Als Sie sich das erste Mal mit dem Neubau für Stiebel Eltron beschäftigt haben, welche Gedanken gingen Ihnen da durch den Kopf?

Zunächst einmal war mir der Name Stiebel Eltron selbstverständlich ein Begriff. Wie vermutlich viele Menschen habe ich damit als erstes die dezentrale Warmwasserbereitung in Verbindung gebracht – Durchlauferhitzer eben. Als Architekt wusste ich aber auch, dass Stiebel Eltron sich schon lange mit erneuerbaren Energien beschäftigt. Dennoch habe ich dann zusätzlich im Internet recherchiert und dabei registriert, wie lobenswert konsequent Stiebel Eltron die Themen „Effizienz“ und „Erneuerbare Energien“ in seinem Produktportfolio umsetzt.

Themen, die in zeitgenössischer Architektur eine wichtige Rolle spielen.

Absolut. Unser Büro hat sich schon immer mit dem Thema „Energie im Gebäude“ auseinandergesetzt. Und natürlich haben wir zum Beispiel die Entwicklung der Vorlauftemperaturen von über 100°C bis zu den heute üblichen Niedertemperatursystemen begleitet. Selbstverständlich glauben auch wir, dass Strom heute schon und noch viel mehr in Zukunft die Leitenergie im Gebäude ist. Aber bei allen Überlegungen rund um die Haustechnik und die Architektur darf man nicht aus den Augen verlieren, dass wir für den Menschen bauen. Und der Mensch lebt nicht nur im Haus, sondern auch mit der Umwelt.

Sind diese Überlegungen auch in den Stiebel-Eltron-Neubau eingeflossen?

Ja, natürlich. Für uns standen bei den Entwürfen drei Themen im Vordergrund: Die architektonische Qualität, die technische und energetische Qualität und schließlich die kom-munikative Qualität. Von Anfang an war es uns wichtig, dass der Besucher der neuen Akademie auch wirklich etwas von Stiebel Eltron erleben soll. Deswegen halten wir es auch für absolut richtig, dass das Mitarbeiterrestaurant ebenfalls in dem neuen Gebäude integriert ist. Denn der Besucher soll nicht nur die Produkte von Stiebel Eltron kennenlernen, sondern auch einen Eindruck von den Menschen bei Stiebel Eltron erhalten.

Und die architektonische bzw. die technische Komponente?

Architektonisch war es uns wichtig, dass das Gebäude sich in die Landschaft eingliedert, deswegen haben wir auch das Gelände angehoben, um die Zugehörigkeit zu den bestehenden Gebäuden deutlich zu machen. Gleichzeitig steht das neue Gebäude ja an der „Grenze“ des Unternehmens nach außen, wird also als Erstes wahrgenommen. Deswegen ist es wichtig, dass der Neubau in mehrerer Hinsicht als Leuchtturm funktioniert: Einerseits mit seiner Architektur, andererseits mit seinen energetischen Kennwerten.

Denn Stiebel Eltron steht für qualitativ hochwertige Produkte und Lösungen, und genau das soll das neue Gebäude auch zum Ausdruck bringen, als eine Art „Visitenkarte“ des Unternehmens. Bewusst haben wir uns gemeinsam mit dem Bauherren für eine sehr technische Fassade entschieden, mit Kupferelementen und großen Glasflächen sowie großflächigen Holz-Lamellen-Bekleidungen. Das Gebäude soll von innen heraus leuchten, sich aber gleichzeitig dem Besucher als Ort des Wohlfühlens präsentieren.

Erschienen in Ausgabe: 01/2016