Lebens(t)raum Bad und mehr

Iserlohn. Mehr Planungssicherheit im Mietwohnbau lautet das Ziel der Initiative „Lebens(T)Raum Bad planen - bauen - leben.“ Die Unternehmen Grohe, Busch-Jaeger Elektro, Keramag, Schüco und Sam wollen schlüssige Raumkonzepte für den professionellen Wohnungsbau entwickeln.

05. April 2006

Die Initiative Lebens(t)raum Bad hatte zu einem Pressegespräch geladen, um ihre Idee der Zusammenarbeit einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. „Schon wieder eine Kooperation von Firmen“, dachten wohl viele Gäste, die zur Gesellschaft für Gerontotechnik (GGT) nach Iserlohn gekommen waren, eher skeptisch. Tatsächlich gibt es ja momentan viele Bestrebungen deutscher Hersteller zur Zusammenarbeit und so mancher fragt sich, was denn hier noch an neuen Ansätzen kommen könne. Bevor es an Informationen zur Initiative ging, bereiteten Martina Koepp und Günther Klauke, beide von der GGT, den Boden und überhäuften die Zuhörer mit einem wahren Feuerwerk an aktuellen Informationen über die Iserlohner Einrichtung und ihre Rolle bei der Kooperation.

Dreh- und Angelpunkt ist das Berücksichtigen der älteren Generation bei der Gebäudetechnik. „Wer für ältere Menschen konstruiert, schließt die Jugend ein - wer für Junge konstruiert, schließt das Alter aus“, lautet das Credo der GGT und genau in diese Richtung denkt auch die Initiative. Neue Bäder, ohnehin von der rein funktionalen Nasszelle immer mehr zum Wohn- und Wohlfühlraum mutierend, sollten auch in besonderen Lebensabschnitten - etwa mit kleinen Kindern, bei Rückenproblemen, mit Gipsbein oder im fortgeschrittenen Alter - zweckmäßig und nutzbar sein. Schließlich würden viele Dinge, die für den gesunden, beweglichen Menschen einfach nur komfortabel sind, schon bei einem Hexenschuss plötzlich zum unverzichtbaren Hilfsmittel. 80 % aller 55+-Haushalte befinden sich in einer sehr guten finanziellen Situation, brachte Martina Koepp die Kaufkraft der älteren Zielgruppe auf den Punkt. Auch wenn man mit 55 oder 60 Jahren heute meistens noch körperlich topfit ist, sollte man bereits vorausschauend planen. Immerhin mehr als die Hälfte in dieser Altersgruppe besitzt Immobilien, von denen 75 % älter sind als 20 Jahre und damit einen riesigen Renovationsmarkt darstellen. Modernisierungen werden für diese Personengruppe zu 52 % aus Komfortgründen durchgeführt, wobei der Preis gar keine so bedeutende Rolle spielt. Nicht umsonst verkauft Harley Davidson die teuersten Motorräder an genau diese Kunden, die keine speziellen Seniorenprodukte möchten, sondern ein Höchstmaß an Qualität, Ästhetik und Komfort erwarten. Genau diese Bedürfnisse möchte die Initiative bedienen. Bereits seit über drei Jahren, so erklärte Heinz Weger von Grohe die Entstehung der Initiative, arbeitet der Armaturen-Produzent mit dem Sanitärkeramik-Hersteller Keramag zusammen, denn bei gleichen Kunden, Problemen und Ansprechpartnern bot es sich einfach an, nach Synergien zu suchen und den Markt streckenweise gemeinsam zu bearbeiten.

Kontakte zu den anderen Partnern der Initiative kamen nach und nach zustande. Schon 2005 hatte man gemeinsam mit Busch-Jaeger bei einer Tagung der GGT zum Thema „Bauen ohne Grenzen“ teilgenommen und im selben Jahr zusammen mit dem Fensterhersteller Schüco ein GGT-Prüfsiegel für gemeinsam konzipierte Komfortbäder verliehen bekommen. Zur Vollendung gesellten sich schließlich noch der Hersteller von Bad-Accessoires Sam und der Lichtexperte Trilux hinzu, der das jüngste Mitglied in der Runde ist. Kompetenzgeber ist die GGT, in deren Ausstellung die Musterbäder zuerst aufgebaut wurden und wo man praktische Hilfsmittel und technische Finessen in Aktion erleben kann.

Ergebnis der Kooperation sind beispielhafte, Generationen übergreifende Raumkonzepte, die vorausschauend geplant sind und sich dadurch relativ einfach an neue Lebenssituationen anpassen lassen. Ästhetik und Barrierefreiheit müssen sich dabei nicht ausschließen und Bäder mit diesen Eigenschaften und bester deutscher Markenqualität müssen auch nicht unbezahlbar sein: Verschiedene Alternativen von kleinen Standard-Bädern für Mietwohnungen bis hin zu mediterranen Wellness-Bädern für das gehobene Eigenheim zeigen die ganze Bandbreite der Möglichkeiten für jeden Geldbeutel. Realisierungsorte der Ideen sind demnach ganz klassisch die Einfamilienhäuser oder Eigentumswohnungen aber auch Mehrfamilienhäuser, Altenheime, Seniorenresidenzen und Hotels. Die Vermarktung soll über Großhändler erfolgen, in deren Ausstellungen die Musterbäder gezeigt und die Mitarbeiter speziell geschult werden sollen. Über den Großhandel und das Fachhandwerk soll die Botschaft der gebäudetechnischen Möglichkeiten schließlich auch den Endverbraucher erreichen. Auch ein Internetauftritt, für Handwerker und Endkunden getrennt, soll zur Bekanntmachung des Themas beitragen. Sanitär- und Elektrohandwerk sind hier gleichermaßen angesprochen, denn über moderne Lichtkonzepte, Ruf- und Audiosysteme und die Automatisierung von Fenstern steigt auch der Anteil der Elektroinstallation im Bad und das erforderliche Know-how um moderne elektrotechnische Systeme. Diese anspruchsvollen Aufgaben kann dann nur noch ein Fachbetrieb lösen und ein normaler Sanitärbetrieb nicht mal eben so nebenbei mit erledigen. Welche Rolle das Licht im Bad spielt, wollte g+h vom Geschäftsführer des Kooperatonspartners Trilux, Thorsten Muck, erfahren.

TRILUX GESCHÄFTSFÜHRER THORSTEN MUCKWelche Rolle spielt das Licht im Bad?

Licht geht über die rein visuelle Wirkung hinaus. Nicht nur die Sehleistung, Sehschärfe und Farberkennung werden unterstützt. Licht erzeugt vielmehr eine wesentliche biologische, also den Organismus steuernde Wirkung. Mit zunehmendem Alter steigt der „Lichtbedarf“, der maßgeblich den Wachzustand, die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit und nicht zuletzt die Stimmungslage beeinflusst. Auch das Bedürfnis nach mehr Wohlgefühl und Entspannung, um abzuschalten und zur Ruhe zu kommen, kann durch den gezielten Einsatz von Lichtfarben - auch sanft dynamisch steuerbar - gestillt werden.

Welche Aufgabe kommt Ihnen innerhalb der Kooperation zu?

Trilux schafft mit Licht Atmosphäre. Wir erzeugen mit Licht stimmungsvolle Effekte zur Unterstützung des Raumkonzepts und verstärken Sicherheit sowie Ambiente durch unterschiedliche Farb- und Formvariationen der eingesetzten Leuchten.

Wie oder wodurch sind Sie auf die Initiative aufmerksam geworden?

Ich selbst war, bevor ich zu Trilux kam, bei der Firma Grohe tätig und der Kontakt ist seitdem nie abgerissen. Als die Initiative nach einem kompetenten Partner zum Thema Beleuchtung suchte, fragte man mich, ob unser Unternehmen diese Aufgabe nicht übernehmen möchte. Unsere ganze Branche hat dem Bad bisher zu wenig Beachtung geschenkt, dabei kann man gerade hier viel zu mehr Atmosphäre und Sicherheit beitragen. Gerade neue Techniken, LEDs etwa, bieten hier fantastische Möglichkeiten.

Glauben sie, dass das Thema Bad für das Elektrohandwerk überhaupt ein interessantes Aufgabengebiet darstellt?

Gerade für das Elektrohandwerk, denn hier gibt es viel zu gewinnen. Auch der Elektroinstallateur kann im Bad die Initiative ergreifen und die Koordination übernehmen, statt sich mit der Rolle des Subunternehmers zu begnügen. Die in unseren Beispielen eingesetzten Techniken sind so umfassend und anspruchsvoll, dass ein Fachbetrieb gefragt ist, der sich dann für die Installation von Wasser und Abwasser oder den Einbau von Badewanne und Fliesen Subunternehmer suchen kann. Die Rollen im Bad könnten also umverteilt werden. Natürlich müssen Elektrohandwerker, die diese Verantwortung übernehmen möchten, entsprechend geschult sein. Wenn die Bereitschaft vorhanden ist, ist dies bei der GGT, möglich und über eine Liste im Internet können Endkunden sich künftig selbst Fachleute vor Ort suchen.

Bietet Trilux auch selbst Schulungen zu diesem Thema an?

Wir bauen gerade unser Seminarangebot aus - speziell der Bereich Lichtplanung soll künftig verstärkt werden. Wir haben zurzeit noch nicht das Angebot, das wir uns wünschen, aber wir arbeiten daran.

Wie groß schätzen Sie die Bedeutung des Elektrohandwerks für den Vertrieb Ihrer Produkte ein?

Das Fachhandwerk ist der wichtigste Mittler zum Endkunden überhaupt und damit das bedeutendste Glied in der Vertriebskette. Endkundenwerbung macht aus unserer Sicht keinen Sinn - der Weg zum Kunden kann nicht ohne den Elektroinstallateur funktionieren. Hier werden wir künftig noch deutlicher Schwerpunkte setzen, was Seminare und unser ganzes Marketing betrifft.

HINTERGRUNDBeteiligte Hersteller:

Busch-Jaeger Elektro GmbH (Schalter und Steckdosen, Beschallungs- und Rufsystem, Steuerung von Jalousien, Beleuchtung und Heizung) Grohe (Armaturen, Thermostate mit Verbrennungsschutz) Keramag (Sanitärkeramik von der Wanne bis zum WC) Sam (Badausstattungen, Griffe, Sitze, Spiegel, Handtuchhalter, Waschtischsysteme) Schüco (ferngesteuerte Fenster und Jalousien für kontrollierte Lüftung, Solaranlage für Warmwasser) Trilux (direkte und indirekte Beleuchtung, Lichtstimmungen über LED)

Erschienen in Ausgabe: 02/2006