Luftverkäufer, Geldgeier und Po-litiker

Elmos-Korna

Jedes Volk ist mit jener Regierung gestraft, die es gewählt hat; zumindest in demokratischen Staaten. Insofern hat niemand Grund zur Klage, wenn unsere Damen und Herren von unterdurchschnittlicher Intelligenz – wie der Querschnitt des Wahlvolkes auch – ihre Fangemeinde kontinuierlich zur Kasse bitten und auch für viele andere die Grundlage zur Generalabzocke schaffen.

26. September 2011

Niemanden scheint es mehr zu stören, wenn an der Raststätte für das große und/oder kleine Geschäft 70 Cent zu berappen sind. Angefangen hatte es mit 30, dann kamen 50 und in einigen Regionen sind es bereits 100 Cent. „Hauptsache, sie ist sauber“ argumentieren die Zahler. Die haben noch gar nicht bemerkt, dass Sauberkeit und „kostenlos“ einander nicht ausschließen müssen. In jeder gut geführten Eckkneipe finde ich eine saubere Latrine. Die Weisen unter unseren Mitbürgern boykottieren die Gier der Latrinenpächter und halten ihre großen und kleinen Konferenzen in Mutter Natur, am Straßenrand und notfalls auch am Reifen des parkenden Nachbar- Pkws ab. Während der Pneu urinresistent ist, geht es Rasenflächen, Bäumen und Sträuchern an Parkplätzen an die Substanz oder Rinde – sie sterben im sauren Regen der Latrinenflüchtlinge, deren Begeisterung für Gottes freie Natur ich in jeder Beziehung nachvollziehen kann. Gern würde ich alle Gleichgesinnten zu einer Großkonferenz vor der Haustür der Verantwortlichen einladen, um ihnen auf exhibitionistische Art und Weise zu zeigen, was ich von ihnen halte. Empfehlenswert ist – jedenfalls für die männliche Hälfte der Erdbevölkerung, das alles schon während der Fahrt auf der Autobahn zu erledigen; das spart Fahrzeit. Dazu bedarf es lediglich einer entsprechenden Sitzkonstruktion und einer Art Hohlwanddose im Fahrzeugboden mit einem Durchmesser von rund 20 cm.

Noch schlimmer als die Geldgeier vom Klo sind die Parkhausbetreiber in aller Welt. Sie sollte man auf jeden Fall meiden. Meine Empfehlung: Benutzen Sie Busse, Bahnen, Fahrrad oder gutes Schuhwerk, um ans Ziel zu kommen, aber kein Flugzeug. Der Betreiber eines Parkplatzes ist ein Wucherer, der es hochgerechnet auf eine 100²-Wohnung mit seiner beengten Betonburg auf eine Kaltmiete von 20.000 Euro im Monat bringt. Bahnhöfe dienen wie Flughäfen in gewisser Weise dem Gemeinwohl. Parkhäuser gehören dort stets unter öffentliche Kontrolle und niemals in Privathand; außerdem müssen sie wie jeder Parkplatz in Städten und Gemeinden allen Nutzern kostenlos zur Verfügung stehen.

Die Spitze der Dreistigkeiten leisten sich zurzeit wieder einmal – einige Mineralölkonzerne. Sie möchten in Feldversuchen die Druckluft verkaufen. Ich persönlich würde niemals auch nur einen Cent für Druckluft an der Tanke entrichten – höchstens als Tauschgeschäft gegen eigene Druckluft, die sich angesichts solcher Unverschämtheiten wie von selbst in mir anstaut und geradezu nach Entladung schreit. Doch was ist die Druckluft im Reifen schon im Vergleich zu der sich anbahnenden weltweiten Finanzkatastrophe? Beide können platzen.

Erschienen in Ausgabe: 06/2011