Marktstudie Elektrohandwerk

Branchenstruktur. Die aktuelle Analyse des Alzenenauer Marktforschungsinstituts Consultic wendet sich an Hersteller von Produkten für die Elektroinstallation und darüber hinaus.

18. März 2008

Zielgruppenspezifisches Marketing und erfolgreiche Kundenansprache machen eine detaillierte Kenntnis der eigenen Zielbranchen unabdingbar. Hierbei stehen häufig folgende Fragen im Vordergrund: Wie strukturieren sich meine Kunden? In welche Branchensegmente spalten sie sich auf und wie sehen die Tätigkeitsprofile dieser Branchensegmente aus? Wie groß sind die Branchensegmente und welche Bedeutung haben sie für das Unternehmen? Was erwarten heute meine Kunden von einem Hersteller oder Großhändler? Was beeinflusst die Entscheidung für eine Herstellermarke?

Der steigende Preis- und Wettbewerbsdruck vergangener Jahre hat auch im Elektrohandwerk zu Anpassungsprozessen geführt, die sich beispielsweise in einer Erweiterung des Tätigkeitsrahmens oder gar der Hinzunahme neuer Gewerke oder auch der Kooperation mit Handwerkern aus anderen Gewerken ausdrücken. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf das Verhalten im Markt, sondern auch auf die Anforderungen der Handwerker an ihre Lieferanten. Etwas über 50.000 Unternehmen und rd. 270.000 Beschäftigten bilden heute die Branche der Elektrotechniker in Deutschland. Befragt wurden im Rahmen einer repräsentativen Stichprobe 809 Betriebe in Form einer telefongestützten Online-Befragung. Um dies zu erreichen, wurden im Vorfeld ca. 2.800 Kurzinterviews zur Rekrutierung und Bereitstellung statistischer Grunddaten durchgeführt. Die Untersuchung wurde 2007 bereits in der dritten Auflage durchgeführt. Damit können interessante Entwicklungen auch im Zeitvergleich aufgezeigt werden.

Ein Ergebnis der Studie ist der trotz hohem Preisdruck und schlechter Zahlungsmoral vorherrschende Optimismus. Nach deutlichen Einbrüchen in den vorangegangenen Jahren ist der Branchenumsatz ab 2003 wieder kontinuierlich angestiegen und erreichte in 2006 einen Wert von rd. 25 Mrd. €. Als die aktuell größte Herausforderung empfinden die Unternehmen nach wie vor den hohen Preisdruck. Hinzu kommen die schlechte Zahlungsmoral der Kunden sowie steigende Ausgaben. Ein bedeutendes Problem für viele Unternehmen ist darüber hinaus die Beschaffung von qualifiziertem Personal.

Mit einem Anteil von gut 45 % ist die „Elektroinstallation Niederspannung“ zwar nach wie vor der wichtigste Umsatzträger der Branche, der allerdings in den vergangenen zehn Jahren zugunsten anderer Tätigkeiten deutlich verloren hat. Wachstum haben dagegen in den vergangenen Jahren vor allem Tätigkeitsbereiche mit hohem Innovationspotenzial erfahren: Installation TK und Netzwerke, Bau von Steuerungs- und MSR-Anlagen, Installationen im Bereich Gebäudeautomation und Gebäudesystemtechnik.

Den überwiegenden Teil ihres Materialbedarfs – über 70% – decken die Unternehmen des Elektrohandwerks über den Elektrogroßhandel (Rückgang seit 2003). Der Direktbezug hat im Gegenzug, gestützt durch elektronische Bestellplattformen, in den vergangenen drei Jahren um 5 % zugenommen.

Etwa Drei Viertel der Elektrotechniker informieren sich regelmäßig über Neuentwicklungen und neue Produkte. Allerdings besuchen weniger als 40% regelmäßig Schulungsveranstaltungen. Häufig erfolgt der Einsatz neuer Produkte eher zögerlich. Nur etwa ein Viertel der Betriebe bezeichnet sich als besonders offen, wenn es um den frühzeitigen Einsatz neuer Produkte geht.

HINTERGRUND

Erwartungen an die Hersteller

Die wichtigsten Kriterien bei der Herstellerauswahl sind hohe Produktqualität, eine Serviceorientierung mit guten Serviceleistungen sowie eine hohe Montage- und Wartungsfreundlichkeit. Demgegenüber sind die Erwartungen in Richtung Innovation und regelmäßigem Erscheinen neuer Produkte geringer. Der größte Handlungsbedarf liegt jedoch bei den als zu gering empfundenen Margen, die Sie mit den eingesetzten Produkten erzielen können.

Erschienen in Ausgabe: 02/2008