Messe nach dem Boom

Talk

Solar Promotion. - Markus Elsässer organisiert mit seinem Unternehmen von Pforzheim aus die Intersolar. Für die diesjährige Münchner Messe musste Elsässer erstmals seit Jahren einen Rückgang der Ausstellerzahl verbuchen.

21. Mai 2012

Die EEG-Neuregelungen haben viele Endkunden verunsichert. Solarteure und Fachhandwerker berichten von Auftragsrückgängen und Stornierungen im PV-Bereich. Aus welchen Gründen lohnt es sich aus ihrer Sicht trotzdem, in diesem Jahr zur Intersolar zu kommen?

Es gibt nach wie vor keinen besseren Platz als die Intersolar, um sich über Neuheiten der Branche zu informieren. Wie ist der neueste Stand bei Preisen oder bei Technologien? Wie geht es weiter beim Thema Speichertechnik und Netzintegration? Dies und mehr erfahren sie auf der Intersolar. Wir haben im Messe-Rahmenprogramm rund 400 Referenten mit Vorträgen oder Workshops.

Wie haben sich die Insolvenzen bekannter deutscher PV-Hersteller auf die Zahl der Aussteller ausgewirkt? Lag die Zahl der kurzfristigen Stornierungen im Rahmen des Vorjahres oder darüber hinaus?

Wir haben in den letzten Jahren immer nur Zuwächse gehabt bei Ausstellerzahlen, Ausstellungsfläche und Besuchern. Teilweise gab es ein Wachstum von jährlich 40 Prozent. Dass es so nicht immer weitergeht, war zu erwarten. Konkret rechnen wir in diesem Jahr mit rund 2.000 Ausstellern in München; im Vorjahr waren es rund 200 mehr. Die Zahl der gebuchten Messehallen beträgt wie im Vorjahr 15. Bis Februar zeichnete sich wie in den Vorjahren ein Zuwachs bei den Ausstellerzahlen ab, aber dann wurden bei einigen Herstellern Budgets im Bereich Marketing und Messeteilnahmen gekürzt oder ganz gestrichen, dazu kamen zahlreiche Insolvenzen. Das galt sowohl für deutsche Firmen als auch für Unternehmen aus China, die nach Deutschland die stärkste Ausstellergruppe auf der Intersolar Europe stellen.

Diese Phase ist aber auch eine Chance für die Branche; neue Anbieter können gerade jetzt Produkte entwickeln und auf den Markt bringen, die zielgerichtet auf Wachstumsbereiche wie Stromspeicher, Energiemanagement und verbesserte Netzintegration zielen.

Welche Konsequenzen ziehen sie aus diesem leichten Rückgang der Aussteller? Plant Solar Promotion die eigene Belegschaft zu verkleinern?

Nein. Grundsätzlich sind wir sehr optimistisch für die weitere Marktentwicklung. Dass eines Tages eine Konsolidierung kommt, war vorauszusehen. Experten rechnen bereits seit zwei oder drei Jahren damit. Zeitweise herrschte ja quasi Goldgräberstimmung im PV-Markt, besonders in Deutschland. Denken sie etwa an die zeitweise sehr hohe Nachfrage nach Modulen oder Wechselrichtern, die zu Lieferengpässen führten. Die Intersolar North America in Kalifornien und die Intersolar India expandieren, seit dem Vorjahr sind wir auch in China aktiv, seit Kurzem auch in Brasilien. Dadurch sind wir in den wichtigsten Wachstumsregionen vertreten und ein Stück weit unabhängig vom deutschen Markt.

Auf der Konferenz im Intersolar-Rahmenprogramm dominieren Veranstaltungen über technische Fragen beziehungsweise Lösungen. Die Themen Märkte, Politik und Finanzierung sind zahlenmäßig unterrepräsentiert. Müsste es angesichts der aktuellen Lage der PV-Branche nicht umgekehrt sein?

Es werden jeweils verschiedene Zielgruppen angesprochen. Der Fokus bei den Vorträgen liegt generell im Bereich der Anwendungen. So bieten wir beispielsweise auch Veranstaltungen zu PV-Anlagen auf Industrie- und Gewerbedächern und zu aktuellen Förderbedingungen. Die Veranstaltungen sind für Messebesucher kostenlos.

Zum ersten Mal findet 2012 auf der Intersolar die Sonderschau „PV und E-Mobility“ statt. E-Mobility ist bislang vor allem ein Marketingschlagwort. Was genau wird auf der Sonderschau zu sehen sein?

Der Schwerpunkt unserer Sonderschauen liegt auf Bereichen, die aktuell noch keine große Rolle im Markt spielen, aber künftig wichtig werden. Es geht um das Aufzeigen von Trends: Wo geht die Entwicklung hin in Sachen Stromspeicher oder Netzintegration von PV-Strom? Laut einer Prognose fallen die Kosten für Lithium-Ionen-Akkus pro Jahr um 14 Prozent, dadurch bieten sich neue Einsatzmöglichkeiten. Wir zeigen unter anderem Elektroautos von Tesla und Nissan in Verbindung mit PV-Carports und bieten Probefahrten an.

Die Intersolar ist heute vor allem eine Branchenmesse; müsste sie nicht stärker als bislang auch eine Messe für Endverbraucher sein?

Die Intersolar gibt es jetzt seit 1991. In den ersten Jahren war der Anteil der Endverbraucher unter den Messebesuchern höher. Später haben wir die Messe neu positioniert als Branchenschau für Fachbesucher. Heute beträgt der Endkunden-Anteil der Besucher weniger als zehn Prozent. Für Endkunden gibt es regionale Angebote wie etwa die Münchner Solartage und ähnliches.

Die Light + Building findet auch am Wochenende statt, um Inhabern von kleinen und mittleren Handwerksbetrieben den Messebesuch zu ermöglichen. Gibt es Überlegungen, die Intersolar sonntags stattfinden zu lassen?

Ursprünglich ging die Messe ja von Freitag bis Sonntag. Aus Befragungen der Aussteller ging hervor, dass eher Termine in der Woche gewünscht wurden. Bei Besucherbefragungen gab es ähnliche Resultate. Entsprechend haben wir die Messe auf Werktage terminiert.

„Das Ziel der Intersolar Europe 2012 ist es, angesichts des weltweiten Wandels der Solarwirtschaft, die Wege in neue Märkte zu öffnen, technologische Potenziale aufzuzeigen und die Unternehmen noch stärker zu vernetzen“, heißt es in einer ihrer Pressemitteilungen. Was heißt das konkret beziehungsweise welche Angebote macht die Messe, damit diese Ziele erreicht werden können?

Keine andere Veranstaltung ist so international ausgerichtet wie die Intersolar. Wir veranstalten viele Networking-Events und bringen dabei unterschiedliche Player wie Hersteller, Händler, Projektentwickler, Installateure, Banken und Investoren aus aller Welt zusammen. Im Kongress- und Rahmenprogramm werden Best-practice-Beispiele aus den unterschied-lichsten Ländern gezeigt. Die Branche ist traditionell international vernetzt. Die Intersolar fördert dies mit entsprechenden Angeboten.

Vielen Dank für das Gespräch.

Zur Person

Markus Elsässer ist Geschäftsführer der Solar Promotion GmbH. Die Gesellschaft veranstaltet seit 1991 Kongresse und Messen im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz.

Zum Portfolio zählen Veranstaltungen für die Bereiche Photovoltaik, Solarthermie, solares Bauen, energieeffiziente Gebäude und Technologien für Pelletsheizungen.

Erschienen in Ausgabe: 01/2012