Mit der Norm konform

Technik

Phoenix Contact. - VDE-Normen sind zwar keine Gesetze, sie besitzen aber im Schadensfall juristische Relevanz. Zudem bildet ihre Einhaltung die Basis für eine umfassende Anlagensicherheit.

06. Mai 2011

Fast alle Installationen umfassen heute komplexe elektrische und elektronische Systeme. Maschinen, Gebäudeleittechnik und elektrische Anlagen sollen über Jahre störungs- und unterbrechungsfrei betrieben werden können. Mit einer Installation, die zugleich fach- und normgerecht ist, kommt man diesem Ziel erheblich näher.

Für Betrieb und Einrichtung elektrischer Anlagen gibt es Gesetze, Verordnungen, Richtlinien und Normen. Erstere müssen eingehalten werden. Richtlinien und Normen geben Hinweise zur Ausführung von Maßnahmen. Für den Blitz- und Überspannungsschutz existiert für fast alle baulichen Anlagen, die auch das Handwerk betreffen, die Normenreihe VDE 0185-305 Blitzschutz mit den Teilen 1 bis 4. Darin geht es um die Ausführungen des äußeren Blitzschutzes mit den Fangeinrichtungen, den Ableitungen und der Erdungsanlage, aber auch um den inneren Blitzschutz-Potenzialausgleich und den Überspannungsschutz.

Teil 2 dieser Norm behandelt die Risikoanalyse, also die Bewertung und Notwendigkeit von Maßnahmen des Blitz- und Überspannungsschutzes für die bauliche Anlage. Die Risikoanalyse berücksichtigt auch die wirtschaftlichen Aspekte der Schutzmaßnahmen schon während der Planungsphase. Eine Beurteilung und Berechnung, die anhand des Normentextes erfolgt, ist zugleich umfangreich und kompliziert. Zur Unterstützung gibt es Software-Tools, die die Berechnung und Durchführung der Risikoanalyse vereinfachen.

Die Norm DIN VDE 0100-443, Schutz bei Überspannungen infolge atmosphärischer Einflüsse oder Schaltvorgänge, bezieht sich auch auf die Risikoanalyse. Die Norm beschreibt aber auch, wann es Auswirkungen auf das menschliche Leben bei Anlagen für Sicherheitszwecke oder medizinisch genutzte Anlagen geben kann. Ferner beschreibt sie Auswirkungen auf öffentliche Dienstleistungen, Industrieanlagen, Banken oder weitere bauliche Anlagen und Einrichtungen. Die DIN VDE 0100 Teil 534 informiert über den Einsatz von Überspannungsschutz-Geräten in der Stromversorgung, wenn nach den zuvor genannten Normen Schutzmaßnahmen vorzusehen sind. Für Schutzmaßnahmen in der Signaltechnik gibt es die Normen VDE V 0845-3-2 und DIN VDE 0845 Bb1. Handelt es sich um Gebäude mit umfangreicher IT-Ausstattung, ist auch die DIN EN 50310 zurate zu ziehen. Hier geht es um allgemeine EMV-Anforderungen, geeignete Stromversorgungssysteme sowie um Erdung, Schutzleiter und Potenzialausgleich.

Das Blitzschutzzonen-Konzept ist eine praktische Hilfestellung in der täglichen Praxis. In der vereinfachten Anlagendarstellung wird das Gebäude in unterschiedliche Zonen eingeteilt. Der Elektroinstallateur kann mit dieser Veranschaulichung gut die Übersicht behalten. Die Kriterien für die Schutzzonen richten sich nach der jeweiligen elektrotechnischen Ausstattung in den Zonen. Die DIN VDE 0110 zur Isolationskoordination für elektrische Betriebsmittel in Niederspannungsanlagen teilt die Betriebsmittel in vier Überspannungskategorien ein und beschreibt die Einsatzorte der Betriebsmittel. Daraus können die Schutzzonen abgeleitet werden. Die Installationsorte der verschiedenen Überspannungsschutz-Geräte für die Stromversorgung sind je nach Typ 1 bis 3 der Gebäudeeintritt oder die Gebäudehauptverteilungen, die Unterverteilungen und die Installationsorte der elektronischen Geräte. Ein gutes Schutzkonzept beginnt beim Potenzialausgleich. Ein vermaschtes Potenzialausgleichsnetzwerk wird normativ für Gebäude mit umfangreicher elektrotechnischer Ausstattung wie EDV-Systeme und EDV-Verteiler empfohlen. Dieses vermaschte System kann auch örtlich, beispielsweise im Server-Raum, durch ein sternförmiges Potenzialausgleichssystem ergänzt werden.

Versicherungen und Sachverständige achten auf normkonforme Installationen. Spätestens nach dem ersten Schaden weisen sie mit Nachdruck auf das Thema Überspannungsschutz hin. Daher ist man gut beraten, wenn man sich an Normen hält.

Dipl.-Ing. Bernd Fritzemeier

Hintergrund

Ableiter in zwei Varianten

VAL-MS-T1/T2 335 dient als Blitzstromableiter oder als Überspannungsableiter. Das Überspannungsschutzgerät erfüllt die Anforderungen für die Blitzschutzklassen III und IV nach DIN EN 62305 und entspricht mit seinen technischen Daten den Mindestempfehlungen der DIN VDE 0100-534. Mit der kompakten Bauform, dem hohen Ableitvermögen und dem niedrigen Schutzpegel ermöglicht das Gerät einen universellen Überspannungsschutz.

Erschienen in Ausgabe: 03/2011