Mit Sicherheit bergauf

Aktuelle Entwicklungen im Markt der Sicherheitssysteme

Trotz schwieriger Konjunktur-Situation ist die Sicherheits-Branche mit einem Jahresumsatz von 9,5 Milliarden Euro in 2003 und steigender Nachfragetendenz weiterhin auf hohem Niveau. Das ist der Outlook für die Security Essen, die vom 5.-8. Oktober 2004 stattfand.

12. Oktober 2004

Mit einem ebenso erfolgreichen Rückblick und Blick in die Zukunft präsentierte der ZVEIFachverband Sicherheitssysteme auf seiner Jahrespressekonferenz im Juni 2004 in Frankfurt am Main die aktuellen Entwicklungen im Markt der Sicherheitssysteme. Angelika Staimer, Siemens Building Technologies und Vorsitzende des Arbeitskreises Marketing im ZVEIFachverband Sicherheitssysteme, bezifferte den Markt für elektronische Sicherheitssysteme auf 2,10 Milliarden Euro in 2003 nach 2,06 Milliarden Euro im Vorjahr.

Die Brandmeldetechnik mit Rauchwarnmeldern legte mit einem Plus von 5,2 Prozent am stärksten zu. Rückläufig war die Entwicklung für Einbruch- und Überfallmeldetechnik. Bei den Zutrittskontroll- Anlagen ergibt sich ein Zuwachs um plus 4,1 Prozent. Der Markt für Videotechnik wuchs leicht um 2,1 Prozent von 289 auf 295 Millionen Euro.

Bernd Seibt, Bosch Telecom Leipzig und Vorsitzender des Fachverbandes, informierte über die Anwendung biometrischer Verfahren in der Sicherheitstechnik. Nach Einschätzung der International Biometric Group, New York, soll sich das Marktvolumen für Biometrie von rund 720 Millionen US-Dollar in 2004 bis 2008 auf 4,6 Milliarden US-Dollar weit mehr als versiebenfachen. Nicht ohne Grund: keine andere Technologie ist besser geeignet, die Verifikation von Personen sicherzustellen.

Biometrie für die Zutrittsberechtigung

Für bedenklich hielt es daher Seibt, daß die Verantwortlichen bei den Olympischen Spielen im Sommer in Athen auf biometrische Sicherheitstechnik verzichteten. Die Zutrittsberechtigung einer Person zum Olympischen Dorf hätte an Hand eines individuellen Merkmals wie Gesicht, Fingerabdruck oder Irismuster ermittelt werden können. Eindringlich appellierte Seibt deshalb, die Biometrie bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland einzusetzen.

Dr. Helmut Rieche, Sprecher des Fachverbandes, informierte über die Entwicklung bei den Kommunikationsinitiativen der Sicherheitsverbände „Rauchmelder retten Leben“ und „Nicht bei mir-Initiative für aktiven Einbruchschutz“.

Kurt Seifert, BTR-Hamburg und stellvertretender Vorsitzender des Fachkreises Rauch- und Wärmeabzugsanlagen (RWA), und Bernd Ammelung, Scanvest GmbH und Vorsitzender des Fachkreises Intercom-Systeme, sprachen über Treppenhausentrauchung beziehungsweise neue Möglichkeiten der Verifikation und Fluchtweglenkung im Brandfall. Für Rauch- und Wärmeabzugsanlagen ist ab sofort eine VdS-Anerkennung möglich. RWA-Anlagen öffnen im Brandfall automatisch Luken in Wänden und Decken und leiten über sie die gefährlichen Rauchgase und erhitzte Luft aus dem Inneren des Gebäudes nach draußen.

Prämienvorteile mit RWA-Anlagen

Sie ermöglichen somit unter anderem, daß Personen schneller evakuiert werden können und die Feuerwehr rascher eingreifen kann. Die VdS Schadenverhütung GmbH ist eine Einrichtung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Seifert fordert daher: „Unternehmen und Institutionen, die eine von der VdS Schadenverhütung anerkannte Rauchund Wärmeabzugsanlage (RWA) im Treppenhaus installiert haben, sollte die Versicherungswirtschaft einen Rabatt auf die Feuerversicherungsprämie gewähren.“ Bislang ist es dem RWA-Betreiber nur durch individuellen Goodwill seines Sachversicherers möglich, eine entsprechende Prämienanpassung zu erreichen.

VdS-anerkannte elektromotorische Rauch- und Wärmeabzugsanlagen bieten - so Seifert - unter anderem auch diesen Vorteil: „In modernen Objekten hat die Gebäudetechnik heute einen höheren Stellenwert. Bei innovativen architektonischen Lösungen ergeben sich daraus komplexe Anforderungen an Sicherheitssysteme. Von ihnen wird erwartet, daß sie eine flexible Anwendung nicht einschränken. VdS-anerkannte elektromotorische RWA-Anlagen erfüllen diese Anforderung. Sie nutzen die hohe Anwendungsflexibilität der Bauteile und Komponenten und erhöhen den Gebäudekomfort, ohne das architektonische Gesamtbild zu stören.“

Bernd Ammelung stellte Evacom vor: ein integriertes Kommunikations- und Alarmierungskonzept. Kernelement ist die Installation von Lautsprechern und Gegensprechanlagen in sämtlichen Bereichen eines Gebäudes. So kann nach einem Alarm die Sicherheitsleitstelle mit den Personen vor Ort Kontakt aufnehmen und abfragen, ob tatsächlich eine Gefahr vorliegt und welches Ausmaß sie hat. Im Ernstfall können über Lautsprecher Fluchtweganweisungen gegeben werden; eingesperrte Personen haben die Möglichkeit, auf ihre Lage aufmerksam zu machen.

Sprachgesteuerte Evakuierung

„Tests haben ergeben, daß Menschen auf herkömmliche Alarmsignale von Klingeln oder Hupen oft langsam oder gar nicht reagieren“, so Ammelung. „Unmißverständliche Sprachanweisungen befolgen sie aber sofort und korrekt.“ Dadurch halbiere sich die Evakuierungszeit. Ammelung rechnete vor daß sich eine Aufrüstung bestehender Systeme rasch amortisieren könne. Dafür sorge die integrierte Echtzeit-Alarmverifikation. Die Nachrüstung rechne sich im Durchschnitt ab zwei bis fünf nicht erfolgten Räumungen.

Das ZVEI-Evacom-Konzept basiert - wie schon kurz angerissen - auf optimalem Zusammenspiel fast aller Sicherheitstechniken. Dazu gehören Meldeanlagen, Beschallungstechnik und Intercom-Systeme, aber auch Zutrittskontrolle, Fluchttürsteuerung, Fluchtwegbeleuchtung, Sicherheitsmanagementsysteme und Videoanlagen.

Inzwischen sind auch die ersten speziellen Produkte von der Industrie entwickelt worden: universelle Evacom-Notrufsprechstellen, ein Fluchttürterminal mit eingebauter Evacom-Sprechstelle, eine Fluchttürleuchte mit eingebautem Lautsprecher zur akustischen Fluchtpunktmarkierung. Evacom optimiert die Schnittstelle zwischen der Meldeanlage und dem Alarmierungssystem, es sorgt außerdem für eine wesentlich bessere Rettung der Betroffenen und hilft auch danach den Rettungskräften bei der Orientierung im Gebäude - vor allem durch die akustische Führung der Rettungskräfte.

Fazit:

Zum 16. Mal ist die Security Schaufenster der Innovationen und Dienstleistungen im Sicherheitsbereich. Mehr als 900 Aussteller aus über 30 Nationen präsentieren auf 68.000 m2 Ausstellungsfläche vier Tage lang das aktuelle Weltmarkt-Angebot. Akzente setzen erneut die Sonderschau Brandschutz, der messebegleitende Security-Kongreß mit über 100 Fachvorträgen und das Symposium Brandschutz und Sicherheit in der Architektur mit namhaften Referenten aus dem Planungs- und Baugeschehen.

Erschienen in Ausgabe: 10/2004