Nachhaltig klimatisieren

Technik

Schüco. - Unterschiedliche Gebäude, ähnliche Anforderungen: Gerade im Schulbereich spielt das Raumklima eine wichtige Rolle für den Lernerfolg. Eine Lösung ist der mechatronische Fensterbeschlag Tip-Tronic.

14. September 2015

In öffentlichen Gebäuden wie Schulen oder Kindergärten gibt es oft einen großen Sanierungsbedarf. Eine nachhaltige und zugleich kostengünstige Modernisierung ist hier eine große Herausforderung für Städte und Gemeinden. Leistungsstarke Klimaanlagen sind finanziell häufig nicht darstellbar, erfordern eine aufwendige Wartung und nutzen vielfach Gase, die nicht als klimaverträglich einzuschätzen sind.

„Nicht alles, was machbar ist, ist auch sinnvoll“, sagt Heike Joppe, Fachbereichsleiterin im Fachbereich Planen und Bauen der Stadt Glauchau. „Als Kommune müssen wir uns die Frage stellen: Wie können wir mit dem vorhandenen Budget das Optimum herausholen.“

Bei der Sanierung der Schulgebäude fiel die Wahl auf Schüco Tip-Tronic. Mit diesem mechatronischen Beschlag lassen sich Fenster mit den verschiedensten Öffnungsarten kontrolliert öffnen und schließen. In Kombination mit Temperaturfühlern eignet sich das System ausgezeichnet für ein kostenbewusstes Energiemanagement. Man nutzt die Kühle der Nacht für die Raumklimatisierung, ohne den Aufwand für eine Klimaanlage betreiben zu müssen. Insgesamt drei Schulen wurden mit Fördermitteln des Bundes und des Landes in Glauchau modernisiert und in diesem Rahmen mit Tip-Tronic ausgestattet. Von Sensoren gesteuert, öffnet und schließt das System die Fenster. Die Motoren sind im Flügel untergebracht und von außen nicht zu sehen.

Das System eignet sich als Baustein eines intelligenten Gebäudes, ist komfortabel zu bedienen und zudem reaktionsschnell. Für die Ver- und Entriegelung benötigt es weniger als eine Sekunde. Dies entspricht den Anforderungen an den Rauch- und Wärmeabzug.

Um die Nachtauskühlung zu nutzen, werden die Sensoren mit Innen- und Außenfühlern gekoppelt und die Fenster je nach Temperaturgefälle geöffnet oder geschlossen.

Der mechatronische Beschlag, dessen Steuerung in die Gebäudeautomation integriert wird, ist für die Öffnungsarten Dreh, Dreh-Kipp, Kipp, Senkklapp sowie Parallelausstell erhältlich. Ein neues Griffkonzept kombiniert die Kippfunktion über zwei Tasten mit der Drehfunktion. Der bei Schulen und ähnlichen Funktionsgebäuden erforderliche erhöhte Klemmschutz wurde ebenfalls berücksichtigt. Hier bietet Tip-Tronic Systemlösungen bis zur Klemmschutzklasse SK4. Die mechanische Notentriegelung trägt ebenfalls zur nötigen Sicherheit bei. Bei der Grundschule „Am Rosarium“ wie auch beim Georgius-Agricola-Gymnasium und der Grundschule Sachsenallee ging es wesentlich auch darum, den energetischen Standard zu verbessern. Die entsprechenden Wärmedämmwerte gehören bei Schüco zum Standard. Der mechatronische Beschlag ist optimal in das System integriert. Das gibt den Planern freie Hand bei der Gestaltung. Da die Motoren bei Tip-Tronic verdeckt liegen, von außen also nicht zu sehen sind, und das System über schmale Ansichtsbreiten verfügt, können gestalterische Vorstellungen ohne Brüche umgesetzt werden.

Der besondere Reiz bei den Projekten in Glauchau bestand zudem darin, die Anforderungen an den RWA wie an die Klimatisierung zu kombinieren. Das verlangt allerdings große Sorgfalt bei der Planung, damit bei diesem System am Ende alle Rädchen ineinandergreifen. An einigen Fassaden wurde auch der Hochleistungssonnenschutz CTB von Schüco eingesetzt. Damit lässt sich eine Klimatisierung über die Nachtauskühlung auch am Tag wirkungsvoll unterstützen.

Immer, wenn elektronische Elemente verbaut werden, ist der Planungs- und Fertigungsaufwand höher. In der Regel stellt schon die Herstellung derartiger Bauteile besondere Anforderungen an den Verarbeiter. Neben dem klassischen Handwerk sind daher zunehmend Kenntnisse im Bereich der Elektrotechnik gefragt. Deshalb hat Schüco die Fertigungsprozesse für Tip-Tronic optimiert: Es sind keine Fräsarbeiten im Profil notwendig, die Montage der Komponenten erfolgt sehr einfach über Drehnutensteine, die Kontaktierung über eine umlaufende Flachbandleitung mit Piercing-Kontakten. Das bedeutet kurze Fertigungszeiten und ein minimales Fehlerrisiko. Um die Metallbauer für das System fit zu machen, bietet Schüco Partnern entsprechende Trainings an, die entweder bei Schüco oder beim Partnerbetrieb vor Ort stattfinden.

Durch die notwendige Einbindung in die Gebäudeautomation sind Fertigung und Montage bei Tip-Tronic als Teil eines Gesamtsystems zu sehen. Über einen Bus-Koppler lassen sich bis zu 30 Fenster in einer Gruppe zusammenfassen und über die Bus-Schnittstelle bedienen. Daher kommt es entscheidend darauf an, dass sich Systemgeber, Planer, Verarbeiter und Vertreter des Elektrogewerks frühzeitig zusammenschließen. Das unterstreicht auch Uwe Koschkar, Schüco Stützpunktpartner in Weißwasser, der mit seiner Firma ERS-Systeme die Tip-Tronic-Projekte in Glauchau programmiert und betreut hat: „In der Kette Beratung, Herstellung, Einbau und Verkabelung sowie in der Einweisung des Endkunden dürfen keine Lücken entstehen.“ Und Manuel Molter von MF Fassadentechnik ergänzt: „Wenn es bei einem Bauvorhaben viele Schnittstellen gibt, muss man die Aufgaben schon in der Ausschreibungsphase genau definieren und sich dann in den Projektphasen gut abstimmen“. Der Metallbauer hat die Fassade der Grundschule „Am Rosarium“ ausgeführt.

Wenn all diese Prozesse optimal aufeinander abgestimmt sind, kann Tip-Tronic sein Potenzial voll entfalten. Das beginnt bei der Rauch- und Wärmeableitung und geht bis zu den Möglichkeiten einer nachhaltigen Klimatisierung durch gesteuerte Nachtauskühlung. Von der Abnahme am Bau bis zur vollständigen Funktionsfähigkeit des gesamten Systems sollte man allerdings etwas Zeit einplanen. Denn die Abstimmung auf die Verhältnisse vor Ort und die Bedürfnisse der Nutzer nimmt in der Regel ein paar Tage in Anspruch.

In Glauchau wurden nach den positiven Erfahrungen beim ersten Bauvorhaben auch die übrigen beiden mit Tip-Tronic ausgestattet. „Ich denke, wir haben mit dieser Lösung einen guten und vor allem nachhaltigen Weg gefunden“, resümiert Heike Joppe.

Erschienen in Ausgabe: 05/2015