Neue Perspektiven

Technik

Schwaiger. - Mit neuen Produkten will sich das Unternehmen unabhängiger von Marktsegmenten machen, die aus Sicht des Elektroniklieferanten kaum noch Wachstumsperspektiven bieten.

16. März 2011

Dazu zählen etwa klassische Satellitenreceiver. Das mittelständische Unternehmen mit Sitz im fränkischen Langenzenn bei Fürth/Nürnberg erweitert sein Sortiment daher auf neue Bereiche wie LED-Lampen, Design-DVB-T-Antennen oder neuartige Verbindungssysteme für den unsichtbaren Anschluss des Flachbildfernsehers an HDTV-Receiver oder Blu-ray-Player.

Vor zwei Jahren sah die Lage düster aus: Schwaiger schlitterte im Februar 2009 im Zuge der finanziellen Schieflage der damaligen Muttergesellschaft, der fränkischen Reitz-Gruppe, unverschuldet in die Insolvenz. Im Oktober 2009 kaufte der US-Konzern Audiovox das Unternehmen. „Wir stehen jetzt besser da als je zuvor“, sagt Schwaiger-Geschäftsführer Mike Tänzler rückblickend.

Wichtig sei für ihn gewesen, dass die Amerikaner dem Unternehmen operative Eigenständigkeit zusicherten und am Standort Lagenzenn festhielten. „Denn schließlich sind es unsere Mitarbeiter, die den Erfolg des Unternehmens ausmachen“, betont Tänzler. Erfreulich sei zudem, dass Audiovox als Zubehörspezialist das Geschäft gut kenne und sich als strategischer und nicht finanzieller Investor betätige.

Mit rund 130 Mitarbeitern ist Schwaiger nach wie vor der größte Arbeitgeber von Lagenzenn. Das Unternehmen, das mit einer Umsatzrendite von fast 10 Prozent profitabel arbeitet, will seinen Umsatz in den nächsten zwei bis drei Jahren auf 50 Millionen Euro steigern. Dazu soll vor allem die Ausweitung der Produktpalette beitragen.

Tänzler will dabei vor allem auf Fachhandel und Handwerk setzen: Schließlich seien viele der neuen Produkte beratungsintensiv etwa wenn Kunden der Vorteil von LED-Lampen gegenüber Energiesparlampen oder konventionellen Birnen erklärt werden soll.

So sparen LED-Lampen nach Angaben des Unternehmens rund 90 Prozent Energie im Vergleich zu konventionellen Lampen. Sie verfügen zudem über eine gute Lichtausbeute und hohe Lebensdauer, sind dimmbar, schaltfest, vibrationsunempfindlich und erreichen in weniger als einer Sekunde über 60 Prozent der Leuchtkraft.

Eine weitere Innovation ist die Kopfstelle EKU 825 für die Verteilung von Satellitenfernsehen in Mehrfamilienhäusern, Hotels oder Heimen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Kopfstellen werden nicht einzelne Sender, sondern komplette Satellitentransponder umgesetzt bis zu 24 Transponder unterschiedlicher Satelliten aus 6 Sat-ZF-Ebenen.

Der Empfang erfolgt mittels herkömmlicher Satellitenreceiver oder Flachbildfernseher mit eingebautem Receiver über die TV-Anschlussdose in den Wohnungen.

Neu ist auch ein ultraflaches Kabel („Wiretape“), das Elektronikgeräte praktisch unsichtbar miteinander verbinden kann, weil sich darüber streichen oder tapezieren lässt. Auch unter Teppichboden, Parkett, Fliesen oder Laminat lässt es sich verlegen. So kann etwa der Flachbildfernseher ohne sichtbare Kabelstränge an den HDTV-Receiver oder Blu-ray-Player angeschlossen werden.

Wer es ganz drahtlos will, kann auch auf eine Funk-HDMI-Lösung setzen, die seit kurzem im Sortiment ist. Auf der Anga Cable will Schwaiger den HDTV-Satellitenreceiver DSR 598 HBB vorstellen, der sich für interaktive Multimedia-Dienste im HbbTV-Verfahren eignet. In Planung ist zudem eine Haussteuerung via I-Phone, zum Beispiel für Rollläden und Garagentor.

Hintergrund

Prognose

Große Wachstumsperspektiven sieht Tänzler im klassischen Hardwarebereich nicht mehr. Von den 34 Millionen Euro Jahresumsatz machen Zubehörteile mit 24 Millionen Euro schon jetzt den Löwenanteil aus, nur 10 Millionen Euro werden mit Geräten erwirtschaftet.

Der Markt für Kabel-, Satelliten- und DVB-T-Receiver wird nach Einschätzung Tänzlers kleiner werden, da immer mehr große Gerätehersteller wie Sony oder Samsung in ihre Flachbildfernseher Receiver einbauen würden. Das sei schließlich auch im Interesse vieler Kunden.

Erschienen in Ausgabe: 02/2011