Norm und Umsetzung

Technik - g+h 02/2013

Hensel. - Beim Bau von Niederspannungsschaltanlagen wird der Elektrofachmann unter rechtlichen Aspekten zum Hersteller. In dieser Eigenschaft muss er Normen und Gesetze beachten, da er für die Sicherheit der von ihm hergestellten Produkte haftet.

15. März 2013

Projektierung und Bau von Schaltanlagen

Eine wertvolle Hilfe ist der ZVEH-Leitfaden. Er gliedert die notwendigen Arbeiten der Reihenfolge nach in fünf Schritte und benennt gleichzeitig die anzuwendenden Abschnitte aus der Normenreihe DIN EN 61439. Wurde ein Verteiler projektiert, folgt anschließend die Herstellung des Verteilers.

Die hierbei erforderlichen Arbeiten lassen sich in sechs Schritte gliedern, die auch im Leitfaden behandelt werden. Die relevanten normativen Informationen findet der Elektrofachmann in der DIN EN 61439-2 (Energieverteiler) und DIN EN 61439-3 (Installationsverteiler). Die Norm fordert, dass die Systemhersteller der verwendeten Komponenten jeweils eine Montageanleitung mitliefern müssen. Aus dieser muss hervorgehen, worauf bei Zusammenbau und Verdrahtung zu achten ist. Es ist wichtig, diese Unterlagen zusammen mit der Dokumentation des Verteilers aufzubewahren.

Die Schutzmaßnahmen bei Schaltanlagen, die je nach Schutzklasse des Installationsverteilers unterschiedliche Anforderungen stellen, müssen beachtet werden. Ferner müssen die Geräte nach Angaben der Hersteller eingebaut sein. Dabei ist insbesondere auf die Zugänglichkeit und die ausreichende Möglichkeit der Wärmeabfuhr und Belüftung zu achten. Neu hinzugekommen ist die explizite Anweisung, dass bei Installationsverteilern die Schutzeinrichtungen für die Laienbedienung geeignet sein müssen.

Schraubsicherungen und Leitungsschutzschalter zählen dazu, nicht jedoch Sicherungslastschalter. Deshalb sind diese Geräte separat und von den anderen getrennt anzuordnen. Bei der Verdrahtung der Anlage muss abhängig von Verlegeart, Belastung und Leitermaterial der erforderliche Querschnitt bestimmt werden. Im Anhang H zur Norm sind Empfehlungen für Querschnitte aufgeführt. Auf die Dimensionierung der N-, PE- und PEN-Leiter wird in eigenen Abschnitten der Norm eingegangen.

Oberschwingungen und nicht synchrone Belastungen durch Wechselstromverbraucher prägen die heute üblichen Betriebsbedingungen. Deshalb sollte in diesen Fällen die Strombelastbarkeit der N- und PEN-Leiter der Strombelastbarkeit der Außenleiter entsprechen. Die Luft- und Kriechstrecken zwischen unterschiedlichen Potenzialen sollte größer sein als die Werte nach Tabelle 1 der Norm.

Bis zu einer Bemessungsisolationsspannung von 690 V AC wird im Leitfaden zwischen blanken, unter Spannung stehenden Teilen ein Mindestabstand von 10 mm empfohlen. Der Abstand zu anderen Konstruktionsteilen soll mindestens 15 mm betragen.

Zu- und Abgangsklemmen für von außen eingeführte Leiter müssen auf die Strombelastbarkeit und Kurzschlussfestigkeit des Stromkreises bemessen sein.

Neu ist die Bestimmung zur Einhaltung des Schutzes gegen direktes Berühren. Die Minimalanforderungen sind abhängig vom Kreis der Bediener. Der Berührungsschutz bei Bedienung durch Laien muss IP XXC erfüllen, das heißt, dass ein Berühren spannungsführender Teile mit Werkzeugen größer 2,5 mm Durchmesser verhindert wird.

Bei ausschließlicher Bedienung durch Elektrofachleute muss ein Berührungsschutz gemäß IP XXB sichergestellt sein: Ein Berühren spannungsführender Teile mit Werkzeugen größer 12 mm Durchmesser wird verhindert. Bei schutzisolierten Verteilern gemäß Schutzklasse II ist zu beachten, dass auch der Schutzleiter – wie die Außenleiter – gegenüber dem Gehäuse isoliert verlegt werden muss. Als letzte Schritte folgen das Beschriften des Verteilers und das Bereitstellen der Dokumentation. Auf dem Typenschild müssen bestimmte Pflicht-Angaben gemacht werden. Anforderungen an die Verteilerkennzeichnung sowie die Handhabungs-, Aufstellungs-, Betriebs- und Wartungsanweisung sind genauso zu beachten wie Vorgaben für die Betriebsmittelkennzeichnung und die Schaltpläne.

Nach der Fertigstellung muss ein Stücknachweis erbracht werden. Im Rahmen des Stücknachweises wird die Schaltanlage gemäß VDE 0660-600-1 Abschnitt 11 geprüft. Damit alle relevanten Punkte berücksichtigt werden, empfiehlt sich das Protokoll für den Stücknachweis (Stückprüfprotokoll) des ZVEH. Generell besteht die Stückprüfung aus drei Schritten: Schutzmaßnahmen, mechanische Funktion und Isolationseigenschaften. Die Prüfungen werden als Sichtprüfung und/oder als Prüfung mit mechanischen oder elektrischen Prüfgeräten durchgeführt.

Wichtig zu wissen: Im Protokoll für den Stücknachweis ist die Reihenfolge der Prüfpunkte nicht identisch mit der Reihenfolge im Leitfaden, Schritt „Bau/Herstellung der Verteiler“. Hier empfiehlt sich die Nutzung des Hensel-Elektro-Tipp 1/2013. Hierin hat Hensel den verschiedenen Punkten aus dem Schritt „Bau/Herstellung der Verteiler“ die entsprechenden Prüfpunkte des Protokolls gegenübergestellt und erläutert.

Zur Überprüfung der Schutzmaßnahmen gehört die Schutzart von Schränken und Gehäusen. Es obliegt dem Hersteller des Verteilers zu prüfen, ob die Vorgaben des Gehäuseherstellers eingehalten wurden. Hierzu zählen unter anderem der korrekte Sitz der Dichtungen und der Abdeckungen. Spannungführende Teile müssen entsprechend der geforderten Schutzart gegen Berühren geschützt sein. Weitere Punkte sind die Luft- und Kriechstrecken sowie der Schutz gegen elektrischen Schlag, Durchgängigkeit der Schutzleiterkreise und der Einbau der Betriebsmittel. Zur Überprüfung der mechanischen Funktionen zählen unter anderem die Funktionstüchtigkeit der Betätigungselemente, zum Beispiel von Tastern, Schalterantrieben, Türen und Klappen. Auch die Verriegelungselemente werden unter diesem Punkt geprüft.

Leiter müssen auf Übereinstimmung mit Schaltplänen und geschraubte Verbindungen stichprobenartig überprüft werden. Neu ist, dass Installationsverteiler bis 250 A durch Messung bei einer Spannung von 500 V DC geprüft werden. Bei Verteilern über 250 A ist eine Hochspannungsprüfung durchzuführen.

Als letzter Prüfpunkt müssen noch Verdrahtung, Betriebsverhalten und Funktion geprüft werden. Nach erfolgreicher Prüfung ist auf dem Verteiler die Herstellerkennzeichnung anzubringen. Diese muss bei geschlossener Anlage lesbar sein und bestimmte Pflichtangaben enthalten.

Die CE-Konformitätserklärung berücksichtigt die Anforderungen des Produktsicherheitsgesetzes (ProdSG) und des EMV-Gesetzes. In Europa muss für alle in Verkehr gebrachten Niederspannungsschaltgerätekombinationen und Verteiler eine CE-Konformitätserklärung abgegeben werden.

Für das entsprechende Konformitätsbewertungsverfahren und die Konformitätserklärung sind Checklisten und Vordrucke des ZVEH erhältlich.

Die Checkliste stellt sicher, dass alle Aspekte berücksichtigt wurden, und der Vordruck der Konformitätserklärung stellt sicher, dass die Konformitätserklärung sach- und formgerecht ausgestellt wird. Mit Hilfe des ZVEH-Leitfadens und des Elektro-Tipp 01/2013 von Hensel wird dem Elektrofachmann Schritt für Schritt geholfen, Verteiler sicher fach- und normgerecht zu bauen.