Objektspezifischer Brandschutz

Technik Sicherheitsspezial

Schüco. - Die Integration von Wohnraum, Ladenflächen, Büros und einem luxuriösen Fitness-Studio machte für das Turm-Carrée in Frankfurt/Main ein objektspezifisches Brandschutzkonzept erforderlich. Mit Tip-Tronic Simply-Smart RWA kommt neueste, systemintegrierte Sicherheitstechnik zum Einsatz.

04. September 2017
© Schüco International KG/Stefan Schilling
Bild 1: Objektspezifischer Brandschutz (© Schüco International KG/Stefan Schilling)

Mit dem Turm-Carrée am Eschenheimer Tor erhielt einer der vitalsten Plätze Frankfurts eine neue architektonische Landmarke, die durch ihre Nutzungsvielfalt gekennzeichnet ist. Die Integration der vier Funktionen Arbeiten, Wohnen, Shopping und Fitness/Wellness belebt das Turm-Carrée rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche. Dabei stellt die durchdachte optische und räumliche Trennung von Büroflächen und Wohn- und Gewerberaum die erwünschte Orientierung wie auch die Diskretion für die nicht öffentlichen Bereiche schlüssig her. Dies gelingt über separate Eingangsbereiche und Erschließungszonen, Variationen in der Fassadengestaltung und die separate Anordnung der einzelnen Funktionsflächen.

Für die Fassade wurde in Anlehnung an die Bestandsbebauung aus der Nachkriegszeit ein heller Naturstein gewählt. Das Fassadenbild des sechsgeschossigen Neubaus gliedert sich in einen zweigeschossigen Sockelbereich mit Arkade, vier Obergeschosse und ein zurückversetztes Staffelgeschoss. Schräg gerichtete Natursteinelemente rahmen die Fenster in den Obergeschossen und fassen jeweils zwei Geschosse optisch zusammen, was für ein lebendiges Licht- und Schattenspiel in der Fassade sorgt. Die großflächigen, bodentiefen Fenster, System Schüco AWS 75.SI, sind mit einer Dreischeiben-Isolierverglasung und außen liegendem Sonnenschutz ausgestattet.

Der Gebäudeabschnitt mit Wohnnutzung ist an der ruhigeren Hofseite gelegen. Er wurde als eigenständiger Baukörper gestaltet und mit einer hellen Putzoberfläche versehen. Der Eingang zu den Wohnungen an der Katzenpforte sowie die Einfahrt zur Tiefgarage sind in den Sockelbereich eingeschnitten. In den Obergeschossen sind die raumhohen Lichtöffnungen mit Öffnungsflügeln und verglasten Brüstungselementen ausgestattet.

Das Brandschutzgutachten für das Turm-Carrée wurde vom Ingenieurbüro HHP Berlin erstellt. Darin legten die Gutachter die für größere gewerbliche Nutzungsbereiche notwendigen Brand- und Rauchschutzmaßnahmen verbindlich fest. Natürliche Rauch- und Wärmeabzugsgeräte (NRWG) übernehmen bei annehmbaren Brandszenarien die Aufgabe, Flucht- und Rettungswege über eine „natürliche“ Zu- und Abströmbewegung der Luft rauchfrei zu halten. Die Flächengröße der zur Entrauchung notwendigen Öffnungen wurde in dem Gutachten abhängig von der Einbausituation bemessen und festgelegt.

Aus gestalterischer Sicht war es wünschenswert, die notwendigen RWA möglichst unauffällig als geregelt zu öffnende Fensterflächen in die filigrane Ansicht der verglasten Pfosten-Riegelfassaden zu integrieren. Daher fanden bereits im Planungsstadium Gespräche zwischen dem Architekten und dem Fassadenbauer Haga-Metallbau statt.

Technische Unterstützung erhielt der Verarbeiter durch einen Fachberater Gebäudeautomation von Schüco, der alle Detailinformationen über die in den jeweiligen Einbausituationen benötigten RWA-Komponenten sowie deren Verkabelung und Schnittstellen lieferte. Die Komplettlösung, die später eine problemlose Anbindung der RWA an die zentrale Gebäudesteuerung und Meldetechnik ermöglichte, bewies in der fortgeschrittenen Bauphase weitere Vorteile.

Im Zuge der Vermarktung der Gewerbeflächen hatten sich Verschiebungen bei der Flächenaufteilung der Mieten, besondere Ausstattungswünsche der Mieter sowie Änderungen im Bereich der Türtechnik ergeben. Diese Modifikationen beeinflussten die Ausstattung und Dimensionierung der RWA, was sich im Weiteren auch auf die bei Haga-Metallbau bereits angelaufene Fassadenfertigung auswirkte. Zudem galt es im laufenden Projekt eine baubehördliche Zustimmung für übergroße RWA zu erwirken.

Trotz dieser besonderen Umstände gelang es dem Metallbauer, die technisch anspruchsvollen Bauteile zeitgleich mit der Fassadenmontage fertigzustellen und den fristgerechten Bauablauf zu gewährleisten. Besondere Anforderungen mit Einfluss auf die RWA-Systemausführung bestanden auch beim Schallschutz. In Teilbereichen der Fassaden galt es deutlich erhöhte Schall-schutzanforderungen umzusetzen. Angefertigte Musterelemente in Originalgröße hatten im Vorfeld der Realisierung im Schüco Schallschutz-Prüfstand ein umfangreiches Testprogramm zur Optimierung der Konstruktion und Glasauswahl durchlaufen. Gegenstand der Tests waren unterschiedliche Modifikationen mit gestaffelten Schallschutzanforderungen sowie die Sonderlösung von schallschutzoptimierten Fensterelementen mit integrierten Überström-ungs-Dauerlüftern. In die innen liegenden Fassaden der Nutzungseinheiten des Turm-Carrées wurden insgesamt 17 Schüco Tip-Tronic Simply-Smart RWA integriert.

Aufgrund ihrer verdeckt in den Profilen liegenden mechatronischen Beschläge ist den Öffnungselementen ihre Funktion als RWA-Fläche nicht anzusehen. Weitere Fassaden-Teilbereiche auf der Rückseite des Gebäudes wurden mit einzelnen RWA-Fensterelementen ausgestattet, die zum Teil schlanke aufliegende Riegelantriebe erhielten.

Jede gewerbliche Nutzungseinheit bildet einen eigenen Rauchabschnitt und fasst die darin enthaltenen RWA mit eigenen Steuerzentralen, RWA-Bedienstellen und Tastern für die manuelle Lüftung zu autonomen Funktionseinheiten zusammen. Martin Richter, Projektleiter bei Haga-Metallbau, begeisterte bei diesem Projekt die Leistungsfähigkeit der Kooperation zwischen seinem Unternehmen, dem Schüco Fachberater Gebäudeautomation und dem Projektpartner P&K Elektrotechnik. Letztgenannte Firma war für die Realisierung der elektrischen Leitungswege sowie die Montage und Programmierung der Schüco RWA-Steuerzentralen und -Bedienstellen zuständig. Insgesamt ein komplexer, gewerkeübergreifender Prozess, der lautlos im Hintergrund ablief und dem Bauherrn am Ende fristgerecht eine funktionsfähige Schnittstelle zur zentralen Gebäudeautomation bereitstellte.

+ Tip-Tronic Simply-Smart RWA profilintegriert

+ RWA mit aufgesetzten Riegelantrieben

+ RWA-Steuerzentralen und -Bedienstellen

+ Pfosten-Riegel-Fassade FW 50+.SI und Öffnungselement AWS 102 mit umlaufender Druckleiste

+ Fenstersysteme AWS 75.SI

+ Türsysteme ADS 75.SI

Erschienen in Ausgabe: 05/2017